es ist erfeulicherweise so ruhig, das man an friedenszeiten glauben könnte. alle augen der öffentlichkeit sind gerade auf bethlehem und die dortigen feierlichkeiten gerichtet, das verschafft uns hier noch mehr luft. wir genießen die sonne tagsüber auf dem ausguck, haben ein auge auf siedler, soldaten und sonstige passanten und die katzen neben uns. am 23.12. gehen wir in die stadt um, die weihnachtseinkäufe zu erledigen. am heiligen abend soll es ein großes fest geben. mit deutsch-dänischem essen und weihnachtsbeleuchtung. wo letztere herkommen soll ist noch nicht gewiss, aber issa sagt, er kümmert sich darum. wir kennen die leute hier mittlerweile so gut, daß wir uns entspannt zurücklehnen und denken: ‚wird schon werden‘. bina steht schon nachmittags in der küche und kocht die gerichte, die einen tag stehen können. wir haben ja nur einen zwei-flammen-gasherd. und am 24. 12. geht es morgens zusammen mit der amerikanisch-dänischen langzeitaktivistin richtig los. schnippeln und kochen wird begleitet durch gemeinsames singen von simon&garfunkel-evergreens.
währenddessenwird issas zimmer renoviert. schon seit tagen sind abu natschi und all die anderen unermüdlich von morgens bis abends dabei, das zimmer zu isolieren, neue elektrik zu installierenundzu streichen. unfassbar, welche energie sie haben.
die arbeit wird nur durch kurze kaffeepausen unterbrochen und heute durch einen ganz besonderen lunch: wir bauen unseren tisch draußen vor dem haus unter den olivenbäumen auf und decken dort die tafel. in der sonne mit dem blick auf die stadt ohne gitterzaun. natürlich schweifen die blicke immer wieder kontrollierend in die gegend und in richtung siedlung und soldaten. aber niemand läßt sich blicken und die jungs sitzen an der kante und filmen sich und den ausblick. durch den regen in der letzten zeit ist alles grün, sogar die eine oder andere wilde iris blüht.
wir können es sogar wagen inmitten der natodrahtabzäunungen einen alten olivenbaum zu fällen und als feuerholz ins haus zu holen, der von den siedlern abgebrannt wurde und nicht mehr ausgeschlagen ist.
es ist schon fast lustig: durch die checkpoints darf man aus sicherheitsgründen nicht das kleinste butterbrotmesser mitnehmen. unddurch die hintertür werden ganze kettensägen in die nachbarschaft geschmuggelt.
und dann ist plötzlich weihnachten. jemand hat ein halbes dutzend lichterketten aus der stadt mitgebracht, die issa zusammen mit den sternen, die eigentlich zu ramadan aufgehängt werden, montiert und die jetzt in der dunkelheit fröhlich vor sich hin blinken. über eine große box ertönt weihnachtspop, die großen tische werden aufgebaut und die ersten olivenbaumstücke brennen in der feuertonne. alle, die wir eingeladen haben, sind gekommen. wie es sich gehört, biegt sich der tisch vor lauter schüsseln und tellern und was in stunden vorbereitet wurde, ist innerhalb kürzester zeit aufgegessen.natürlich gibt es viel zu viel und wir werden die nächsten drei tage noch davon zehren. wie zuhause. frohe weihnachten euch allen. und ein schönes neues jahr!!!!
Anschließend sitzen wir lange gemeinsam am Lagerfeuer:
kinozeit
der erste weihnachtstag ist verplant mit großputz, terrasse, toiletten, küche, kinosaal, alles wird auf hochglanz gebracht. abends soll zum ersten mal ein richtiger film im ahmad-filmhouse gezeigt werden. ‚coexistensce, my ass‘vonamber faresmit und über noam shuster eliassi, einer israelisch-iranischen commedienne, und ihrem werdegang als komikerin und menschenrechts-aktivistin. inclusive einer anschließenden liveschalte zu noam mit der möglichkeit fragen zu stellen. mehrheitlich internationale gästekommen. etliche kennen wir. aber vor allem kommen unsere freunde und aktivisten von ’stay together‘ aus tel aviv, bei denen wir yom kippur feierten und unsere ersten tage verbrachten. ihnen unsere direkte umgebung zeigen zu können freut uns besonders. es wird während des films sogar popcorn gereicht und anschließend wartet leckeres essen und frisches knefe, das amir so lecker über dem feuer zuzubereiten weiß.
Nachdem der Deutsche Vizekonsul auf Solidaritätsbesuch hier war, hatten wir fast zwei Wochen komplette Ruhe vor Sieder- und Soldatenangriffen. Die Deutsche und Französische Botschaft hatten auf allen diplomatischen Kanälen mächtig Druck gemacht und der hat gewirkt.
Fast zwei Wochen lang flog kein einziger Stein auf das Haus. Vorher gab es keine zwei Tage ohne Steinwürfe in Folge. Erst diesen Samstagabend, dem vorletzten Abend von Chanukka flog wieder einmal ein Stein. Am Nachmittag zuvor war ich von mehreren bewaffneten Siedlern bespuckt worden, als ich ihnen auf dem Weg begegnete. – Aber immerhin nur bespuckt, nicht angegriffen. In solchen Fällen darf man nicht reagieren, sie suchen nur einen Anlass um zu eskalieren. Die Siedler und Soldaten sind offensichtlich wirklich sauer darüber, dass sie auf Ansage von oben nicht machen können, wie sie wollen. – Ein Soldat hat mir mit dem Zielerfassungs-Laser seines MGs ins Gesicht gestrahlt und mit Namen gegrüßt. Ein anderer hat bina photografiert und bekommt jetzt vielleicht Extra-Punkte im Blue-Wolf-System. Wir hören, dass Soldatentrupps über Deutsche reden, wenn sie am Haus vorbeigehen. Inzwischen sind wir also Teil des Briefings für die Soldaten hier.
Ansonsten war die letzte Woche hier das, was man hier wohl als gemütlichen Alltag bezeichnen kann. Wir passen aufs Haus auf, empfangen Besuchsgruppen und Journalist*innen.
Slowenische Journalistin mit Hebron im Hintergrund.
Weil an den Checkpoints aus Sicherheitsgründen fast nichts durchgelassen wird, wird von den Palästinensern fast alles rein geschmuggelt. Jedes Küchenmesser, jede Gasflasche zum Kochen, jedes Möbelstück. Die Totalüberwachung des israelischen Militärs sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vorne an den Checkpoints Sicherheitstheater (die Frauen haben besondere BHs, weil sie sonst wegen der Metallverschlüsse am Checkpoint zum kompletten Ausziehen gezwungen werden), hinten keine Schleichwege, sondern regelrechte Schleichautobahnen.
Rein geschmuggelte Schlafzimmereinrichtung: komplett mit Ehebett, Schrankwand, Nachttischen, Frisiertisch, Kommode, Bank, Bettzeug, großem Spiegel und … (hat nicht alles aufs Bild gepasst).Drei Italienerinnen, die am Checkpoint nicht durchkamen, machen mit uns einen Umweg im Sammeltaxi und kommen trotzdem rein.
Die Situation ist sogar so entspannt, dass wir mit der Nachbarin Umm Temer und einer Aktivistin, die Arabisch und Englisch spricht, auf den Second-Hand-Markt im Stadteil Karantina gehen. Gleich hinter unserer abgeriegelten Geisterstadt und doch eine andere Welt. Nur am Ende des Marktes, kommt dann leider die Straßensperre der israelischen Armee und erinnert uns an die Realität der Besatzung.
auf diesem markt gibt es buchstäblich alles, was es für einen haushalt braucht. berge von kleidung, einfach auf dem boden ausgebreitet. umm temer stellt sich einfach mitten hinein, um nach passendem zu suchen. möbel, werkzeug noch und nöcher. so viele gebrauchte bohrmaschinen, kettensägen, schleifer habe ich noch nie auf einem haufen gesehen. auch neues werkzeug und haushaltswaren sehen wir. das besteck aus unserem haus kommt von hier. umm temer kommt aus dem begrüßen und hallo-sagen kaum heraus. verständlich, daß sie diesem Markt für soziale kontakte nutzt, die sie sonst in der einsamkeit ihres hauses nicht hat. ein junger mann filmt und spricht mit mit der aktivistin für einen live-stream im internet. wir finden für unsere rückreise zwei mehr als große rucksäcke, in die alles hineinpassen wird, was wir haben. und wir kaufen noch ein paar sachen für die küche, denn ich habe im laufe der wochen einen topf kaputt gemacht. auch eine pfanne, die weniger zerkratzt ist als die vorhandene schadet nicht. sowie werkzeug, denn was wir im haus sehen, ist meist kaputt oder stumpf. mit einer astsäge soldaten zu begegnen ist für uns auch weniger gefährlich als für einen palästinenser. und wir haben ein paar sachen, die wir dem haus zu weihnachten schenken können. umm temer ist eine knallharte verhandlerin um den preis und das hilft sehr. später, beim tee in ihrem haus, erzählt sie, das alles aus ihrem wohnzimmer vom secondhand markt kommt.
Hin und wieder hören wir in der Ferne Maschinengewehre oder Granaten. Einmal steigt am Horizont Rauch auf, der keine Müllverbrennung zu sein scheint. Es brennt die ganze Nacht. Ich vermute, ein palästinensisches Haus brennt aus.
Frühstück mit Katze
Auch Mitte Dezember frühstücken wir meist auf der Terrasse und in Katzenbegleitung.
wir verlassen mit dem vizekonsul, seinerfrau und der frau des dänischen diplomaten das haus, weil wir noch auf den markt müssen. dieses mal geht es oben durch die siedlung, weil dort am rand ein taxi auf die diplomaten wartet. ich muss zweierlei gestehen: dort bin ich zum ersten mal seit wir issa und das sumud-zentrum kennen (auch 2017/18 waren wir nicht dort)undwasich im vorbeieilen sehe (die zeit drängt mal wieder) ist tatsächlichhübsch. alles ist blitzsauber, es gibt lauschige ecken zum sitzen mit kunstrasen und verwinkelte wege, die zu den häusern führen. so viel geschmack und dann so ein benehmen seinen palästinensischen mitmenschen gegenüber… fotos konnte ich wegen des eiltempos leider nicht machen.
wir erledigen unseren einkauf und versuchen es zum ersten mal , seitdem wir anfang oktober nicht durchgelassen wurden, wieder am checkpoint 56. eine junge frau wartet gerade im käfig, aber wir werden trotzdem hinein gelassen. diesmal war ich so schlau, meinen prothesenpass von den neuen knie mitzunehmen, den ich auch sofort zeige. der soldat schaut erst irritiert, dann, als der metalldetektor piept, verständig und vergisst darüber fast, mich meinen rucksack auspacken zu lassen, während michel mit seinem beschäftigt ist. leider erinnert er sich dann doch an seine pflicht. aber ich hüte mich, die tüte mit den keffiye rauszuholen. ich will nicht, daß er die konfisziert. der soldat gibt sich dann auch mit brot, minze und milch zufrieden, die ich ihm auf den tisch lege. wir warten 15 minuten auf die überprüfung unserer pässe und werden dann tatsächlich durchgewunken. damit sind wir die ersten internationalen seit ende september, die diesen checkpoint passieren dürfen. und es ist schön, den direkten weg nach hause nehmen zu können.
die junge frau darf leider nicht durch und mußein service nach karantina nehmen.
tour mit eu-parlaments-grünen & nela riehl von volt
Freitag, 12. Dezember 2025
esgeht schon um 8.00 uhr los. wir treffen die gruppe am markt, issa gibt eine runde kaffee aus und die tour startet wie immer am checkpoint 56. der einzige unterschied zu anderen gruppen ist lediglich, daß uns zwei herren von der security begleiten. ausgerechnet zwei iren! was für eine nette überraschung. sie werden pflichtgemäß schnell nervös, als sich michel mit einer teilnehmerin richtung checkpoint entfernt, um ihr das ki-gesteuerte maschienengewehr zu zeigen.
die tour führt wie immer durch den markt, der jetzt am freitag leider geschlossen ist. ich erzähle nicht noch einmal von den einzelnen stationen, an denen issa anhält, um die situation in hebron zu verdeutlichen.
auffallend ist, dass die teilnehmenden zwar eine ungefähre ahnung von den zuständen in der stadt haben, aber doch erschreckt sind, wenn sie die dann mit eigenen augen sehen. die abfanggitter über sich, weil die siedler aus ihren siedlungen über dem markt ihren müll, steine und anderes in die marktgassenwerfen. die zugemauerten wege, die jedes weiterkommen verhindern. die geschlossene gasse, die jetzt verwahrlost ist und mal der goldmarkt war. das ehemalige hotel. einst das erste haus am platze, nun nur mehr eine ruine. im shouk sind einige läden geöffnet und es gibt süßigkeiten und ein bisschen umsatz für die händler.
wir passieren problemlos den checkpoint an der moschee, wo yehuda von breaking the silence wartet, um die gruppe zu übernehmen.
wir begleiten die gruppe zur moschee, die sie noch besuchen will. eine soldatin erklärt die regeln: drinnen nicht essen und nicht trinken, photografieren ist erlaubt. wir erwähnen noch, daß es höflich von den frauen wäre, die haare zu bedecken. und die soldatin sagt tatsächlich, das sei nicht nötig. wir können es nicht fassen und bestehen darauf. zum glück haben alle wenigstens eine kapuze an der jacke, wenn nicht gar ein halstuch und hören auf uns. aber wir haben keine lust mehr und lassen den besuch seinals wir sehen, welche umstände schon am ersten checkpoint gemacht werden. ziemlich schnell ist auch die gruppe wieder zurück. es gab unstimmigkeiten am zweiten checkpoint drinnen und die gruppe beschloß auf den besuch zu verzichten.
issa darf als palestinenser an der kreuzung vorm fleischmarkt nicht weitergehen. das dürfen nur wir und die israelis. er muß einen großen umweg nehmen um wieder nach hause zu kommen.
yehuda fährt mit seinen erläuterungen fort, die ich jetzt ebenfalls nicht wiederhole. am eingang zum ehemaligen fleischmarkt passiert es dann. ich wundere mich, warum yehuda am durchgang stehen bleibt und auch mir deutet, nicht weiter zu gehen, obwohl ich zu gern die beiden gestohlenen esel gesehen hätte.
drei kinder kommen uns entgegen mit einer körperhaltung, die sagt: wir wollen euch hier nicht. fragen uns provokativ, ob wir palästinenser seien. yehuda spricht mit ihnen auf hebräisch und zieht sich mit uns auf die straße zurück. und dann fliegt das erste ei in unsere richtung. wir könnenes nicht glauben. kinder bewerfen erwachsene mit eiern und schaffen es, sie zu vertreiben. auch die delegation glaubt nicht, was sie sieht, aber jetzt kriegen sie am eigenen leib mit, was es heißt, hier zu leben.die jungens verschwinden die straße hinunter richtung moschee und ich sehe, daß sie noch mehr eier dabei haben, für die nächsten palästinenser. eigentlich ist der zeitpunkt dieses vorfalles perfekt. ausgerechnet eine eu-delegation anzugehen, also menschen, die wirklich auf politischer ebene etwas bewegen können, und dann auch noch kinder, die schon genau so radikal sind wie ihre eltern.
Die drei Siedlerkinder, die gleich darauf erst yehuda angehen und dann die eu-delegation mit eiern bewerfen werden.
interessant ist auch, was yehuda zu den veränderungen innerhalb der israelischen armee erzählt: der anteil nationalreligiöser juden in der armee ist seit der zeit, in der er gedient hat deutlich größer geworden. für die verschiedenen religiösen strömungen gibt es mittlerweile eigene einheiten. das bedeutet, daß es in der israelische armee immer mehr radikale juden gibt, die immer stärker gemeinsam mit den siedlern die palästinenser angehen. tagsüber sind sie soldaten und nach schichtende radikale siedler. das verschärft die situation immens.
Viele der im Westjordanland eingesetzten Soldaten, gehören den sogenannten „Regional Defence Battalions“ an. Hier bei uns ist des das Hebron-Battalion. Fast alle männlichen Siedler, die in der Armee gedient haben und in der Region Hebron leben, sind diesem Battalion zugeordnet. Einen Teil der Woche sind sie Zivilisten und drangsalieren ihre Nachbarn, wobei ihnen ihre Armee-Waffen und -Uniformen zur Verfügung stehen. Einen Teil der Woche sind sie Soldaten und schieben bei ihrer eigenen Siedlung Wache. Als Soldaten nehmen sie an die Sicherheits- und Aufklärungs-Briefings teil und führen Razzien in den Häusern durch, die sie ein paar Tage später als Siedler angreifen. – Während ihre Kameraden von der selben Einheit, die selber Siedler sind, wegschauen oder mitmachen.
nebenbei mache ich einen kleinen abstecher die straße hinunter zu dem haus, daß 2017/18 noch ‚zweigeteilt‘ war. im 2. stock wohnten palästinenser, der erste stock war durch siedler besetzt und im erdgschoß war ein armee-wachposten, der die siedler bewachte.
mittlerweile ist die palästinensische wohnung geräumt und im haus leben nur noch siedler.
ich diskutiere mit einer deutschen delegationsteilnehmerin länger über die öffentliche meinung zum thema genozid und ethnische säuberung. sie hat den eindruck, daß die bevölkerung nach wie vor die staatsräson unterstützt und dass das apartheitssystem nicht genug wahrgenommen wird. sie erlebe oft, wie aufwendig die gespräche sind, sobald das thema auf den tisch kommt. ich halte dagegen. da hätte sie die diskussionen erleben sollen, die wir nach unserer letzten reise 2017/18 führten. was haben wir uns anstrengen müssen, um unsere sicht zu erklären. mittlerweile ist das nur noch selten eine frage. das sieht man ja auch an der größe der demonstrationen, die, wie bei ‚all eyes on gaza‘ in berlin, 100.000 menschen auf die straße bringen. anfangs waren die teilnehmerzahlen auf demos gegen den genozid lediglich zwei- bis dreistellig. nur die bundesregierung hat das noch nicht verinnerlicht, macht weiter wie immer und hält an der unbedingten unterstützung der israelischen regierung fest. dabei muß sie dringend aufhören, israel waffen und waffenteile zu liefern, muß dringend sanktionen verhängen und, wie issa es ausdrückt, die apartheit teuer machen. das versuche ich ihr so eindrücklich wie möglich nahe zu bringen.
ich zeige ihr auch die kleinigkeiten, die yehuda nicht erwähnt: die verschweißten ladentüren in der shuhada street. das die jetzt so nicht mehr heißt, weil die arabischen straßennamen nach und nach gegen israelische ausgetauscht werden. und das nicht nur in hebron. erzähle ihr von den kindergärten, die yas ins H2–gebiet geschmuggelt hat, was überhaupt alles auf schleichwegen nach H2 geschmuggelt werden muß, um das leben hier möglich zu machen. zum sumud-zentrum führt diese tour heute nicht. schade eigentlich, issa erzählt immer so eindrücklich vom leben hier. die zeit reicht nicht und es gibt auch sicherheitsbedenken. am checkpoint 56 gibt es dennoch wieder einen eindruck davon, wie das leben hier ist. denn die delegation muß warten, bis sich der soldat mit den sicherheitsleuten der delegation einig geworden ist.
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eine mittelmeertarantel in unserer küche. die jungs wollen sie unbedingt umbringen, wir aber setzen zwischen einem olivenbaum und einer alten mauer in der nähe der siedler aus. und das mit allen verfügbaren sicherheitsmaßnahmen, denn diese spinne ist giftig.(soweit wir wissen, tut ihr biss höllisch weh, bringt einen aber nicht um. – die arachnologin unseres vertrauens ist angefragt)
Regelmäßig haben wir internationale Delegationen hier bei uns im Sumud-Zentrum zu Besuch. Meist sind wir der letzter Stopp auf ihrer Tour durch Hebrons Geisterstadt mit Breaking the Silence. Am Sonntag gab es einen (aus unserer Sicht) besonders wichtigen Besuch. Dass das deutsche Konsulat in Ramallah und die Deutsche Botschaft in Tel Aviv in unserer Sache hervorragende Arbeit leisten, haben wir ja schon mehrfach erwähnt. Jetzt kommt sogar der Vizekonsul zu Solidaritätsbesuch. (Er würde seinen Besuch sicher anders beschreiben – diplomatischer.)
Wir treffen ihn mit einem Tourguide von Breaking the Silence an der Machpela.
Von links nach rechts: der Deutsche Vizekonsul, der Tourguide von Breaking the Silence und die Frau des Vizekonsuls. Die Frau eines dänischen Diplomaten ist vom Vizekonzul ganz verdeckt und bina von seiner Frau halb.
Aufgrund des diplomatischen Schutzes können wir das erste Mal, seit wir hier sind, gemütlich durch die Geisterstadt schlendern, beobachten und Photos machen. Das folgende Bild wollte ich auch vorher schon machen, aber es wurde durch die Soldaten unterbunden.
Dies ist der Weg zum Eingang der Ibrahims-Moschee (hinten im Bild), der Eingang zur Machpela-Synagoge liegt auf der anderen Seite des Gebäudes. Für Juden ist dies eine Sackgasse, in der es nichts gibt. Dennoch dürfen nur Juden die Straße benutzen (zum Parken). Muslime sind auf den schmalen Fußweg links hinter dem Gitter verbannt.
Hier haben wir 2018 noch die letzten offenen Läden in der Geisterstadt vorgefunden. Unter anderem den Laden von Ahbed. Seit dem 7ten Oktober 2023 sind die Läden durch das Militär geschlossen. Sicherheit! Nicht einmal ihre Waren dürfen die Händler herausholen, um sie woanders zu verkaufen.
Dieses Haus wurde 2016 von illegalen Siedlern besetzt. Die Armee hat sie wieder rausgeschmissen, wie es ihre Aufgabe ist. Als sie 2018 wiederkamen, hat die Armee sie drin gelassen. Die Siedler behaupten, sie hätten das Haus gekauft ohne Belege dafür vorzulegen. Die palästinensische Familie, der das Haus gehört, sagt, sie habe das Haus nie verkauft, und klagt seit 2018 vor Gericht. In der Zwischenzeit wohnen die Siedler darin. Sie haben das Haus um den Anbau mit der glatten Fassade erweitert. Und die Armee passt gut auf sie auf mit einem Wachposten, der jeden kontrolliert, der das noch von Palästinensern bewohnte Nachbarhaus links von ihnen betreten will.
Dass Siedler ein Haus besetzen und behaupten sie hätten es gekauft, obwohl das nicht stimmt, um dann zuzusehen, wie die Palästinenser denen das Haus gehört, sich in der Tretmühle der israelischen Gerichte müde und pleite treten, hat System. Die palästinensische Familie, der das Haus direkt hinter dem Sumud-Zentrum (hinter dem Haus, in dem wir wohnen) gehört, klagt seit 2002 also seit 23 Jahren, um ihr Haus zurück zu bekommen. Sie haben bisher alle Prozesse gewonnen. Insgesamt 7 oder 8 Prozesse (Issa ist sich da nicht ganz sicher.). Aber jedes Mal, wenn sie sich durch alle Instanzen geklagt und höchstrichterlich Recht bekommen haben, taucht ein neuer Siedler auf und sagt, er habe das Haus jetzt gekauft. Und alles geht wieder von vorne los. – Während der ganzen Zeit, also seit 23 Jahren, leben die illegalen Siedler als Hausbesetzer in dem Haus, von Soldaten bewacht, und terrorisieren ihre palästinensischen Nachbarn. Unter anderem Issa!
Dies ist der Markt der Schmiede. Im Jahr 2002 (während der 2ten Intifada) liefen hier Siedler nach der Beerdigung eines von Palästinensern ermordeten Siedlers Amok. Sie zerstörten Geschäfte und ermordeten ein 14-jähriges palästinensisches Mädchen. – Die Folge? Der Rädelsführer der Siedler kam für 3 Monate in Haft und der Markt wurde „sterilisiert“. Das heißt für Palästinenser komplett geschlossen.
Das Haus über dem Tordurchgang (ganz hinten im Bild) ist Issas Geburtshaus. Die Familie besitzt es heute noch, darf es aber seit 2002 nicht mehr betreten. Hinter der Tür rechts wurden Bananen verkauft. Wenn Klein-Issa verschwunden war, hat sein Mutter ihn meist hier wiedergefunden. Issa liebt Bananen – auch heute noch. Er ist ein regelrechtes Bananenmonster!
Dies ist der Gewürzmarkt. Er wurde 1994 geschlossen, nachdem der radikale Siedler Baruch Goldstein während des Ramadan mit seinem Armee-Maschinengewehr die Ibrahims-Moschee betreten, 29 betende Muslime erschossen und mindestens 150 weitere verletzt hat.
Unser Tourguide hält ein Bild hoch, dass wenige Wochen davor an genau dieser Stelle aufgenommen wurde, um uns zu zeigen, wie lebendig diese Straße eigentlich sein müßte.
Um das ganz deutlich zu sagen: Ein illegaler Siedler begeht ein Massaker an Palästinensern und die Palästinenser werden bestraft. Es ist egal, von welcher Seite hier Gewalt ausgeht, am Ende gewinnen die israelischen Siedler Land und die Palästinenser verlieren es.
Die Shuhada Street mit Blick Richtung Tel Rumeida. Oben auf dem Hügel sieht man direkt vor der Siedlung das Sumud-Zentrum (unser Zuhause hier). Es ist das Haus mit dem Blechdach und dem massiven Zaun um die Terrasse zwischen den Oliven.
Eingang zum Fleischmarkt und dahinter die Siedlung „Avraham Avinu“. Der Fleischmarkt wurde geschlossen, weil er zu dicht an der Siedlung lag. Aus Sicherheitsgründen! Anschließend brachen jugendliche Siedler in einige der Läden ein und hatten dort ihre Buden. Dann feierten die Siedler hier Pessach und blieben. Heute ist der ehemalige Fleischmarkt faktisch ein Teil der Siedlung. Das hatte natürlich zu Folge, dass einige weitere palästinensische Häuser, Hinterhöfe, Gassen geräumt und sterilisiert werden mussten. Sicherheit! – Und so wird es weiter gehen…
Auf dem ehemaligen Fleischmarkt finden wir die beiden palästinensischen Esel, von denen wir schon gehört haben. Da die Palästinenser in der Geisterstadt keine Autos fahren dürfen, boten sich Esel zum Lastentransport an. Diese wurden natürlich von den Siedlern geklaut. Sie sind eindeutig identifizierbar. Rechtmäßiger palästinesischer Besitzer und israelischer Dieb sind bekannt. – Aber da die Polizei sich weigert, zu ermitteln, und es hier keinen Rechtsstaat gibt (wie mir ein hochrangiger deutscher Diplomat sagte) behalten die Siedler die Esel einfach. Der Stall ist ein, auch nach israelischem Recht, illegal besetzter Fleischerladen. (Irgendwie konsequent! – Das muss ich zugeben.)
Ich habe es zwar schon mehrfach in diesem Blog geschrieben. Aber es regt mich jedes Mal zur Weißglut auf: Dieser Krankenwagen steht hier immer. Aber er nimmt nur Juden mit. Kranke Palästinenser müssen von ihrer Familie zum Checkpoint getragen werden und dort warten, bis die diensthabenden Soldaten sie durchlassen. (Wie wir es z.B. am 17. Dezember 2017 erlebt und dokumentiert haben.)
Dies ist die Siedlung Beit Romano. Ursprünglich war es der zentrale Busbahnhof der Stadt. 1982 wurde die Fläche dann für die Errichtung einer Militärbasis beschlagnahmt. 1990 zogen 6 Siedlerfamilien mit in die Militärbasis ein. Die Siedler beanspruchten innerhalb der Militärbasis immer mehr Platz. Seit 2010 ist daher der gesamte ehemalige Busbahnhof Siedlung. Die Armee hat jetzt eine neue Basis. Auf dem Bild rechts daneben. (Das rote Nashorn ist das Maskottchen der derzeit hier stationierten Einheit.)
Auf dem Weg den Hügel hoch, kommen wir an „Abrahams Brunnen“ vorbei. Eigentlich ein privater palästinensischer Brunnen, auf privatem palästinensischem Land. Weil die Siedler aber die Legende erzählen, dass Abraham sich hier rituell gewaschen habe, bevor er die Doppelhöhle Machpela vom Hetiterkönig Efron als Begräbnisstätte für seine Familie gekauft hat, ist der Brunnen jetzt natürlich für Palästinenser unzugänglich. – Für die Legende gibt es übrigens im alten Testament/Torah keinen Anhaltspunkt. Aber egal…
Am Ende der Tour sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse des Sumud-Zentrums. Es ist ein sehr sehr produktives Gespräch. Unter anderem hat es eine weitere Protestnote der Deutschen Botschaft in unserer Sache, eine gemeinsame Protestnote der Deutschen und Französischen Konsulate wegen der Angriffe auf Issa und eine offizielle Nachfrage des Vizekonsuls wegen unserer widerrufenen Einreiseerlaubnisse nach Israel (ETA-ILs) zur Folge.
Bericht einer Freundin aus dem Jordantal:
Unsere Freundin Sonja ist eine US-amerikanische Jüdin, die wir bei der versuchten „Mass Solidarity Oliver Harvest“ kennen gelernt haben, und die uns auch hier in Hebron besucht hat.
Sie wurde bei einem Angriff radikaler Siedler auf ein Beduinendorf im Jordantal verletzt und hat darüber diesen sehr guten Bericht ins Netz gestellt, den wir hiermit mit euch teilen wollen:
1.30 Uhr: 50 cm2:00 Uhr: knapp ein Meter.3:00 Uhr: über ein Meter
Als es während einer Nachtschicht so sehr regnet, dass wir im Bett sitzen bleiben und uns mit dem Beobachten der Überwachungskameras zufrieden geben, nutzt Kater Adam das natürlich aus. Er liegt auf binas Beinen und wird immer länger.
In den letzten zwei Tagen haben sich die Anzeichen für eine bevorstehende Attacke dermaßen verdichtet, dass wir für die Nacht von Samstag auf Sonntag fest mit einem Angriff auf unser Haus rechnen.
Aus diesem Grund ist ein gutes halbes Dutzend Aktivisten von YAS zusätzlich ins Sumud-Zentrum gekommen und macht auf der Terrasse ein Lagerfeuer. Um die Stimmung hoch zu halten, und damit es von außen nach „im Haus ist viel los“ aussieht und riecht.
Wer braucht schon einen Weber-Grill, wenn er eine abgesägte Tonne und ein Schrottgitter hat?
Um kurz nach 21:00 Uhr hören wir aus dem Tal einen infernalischen Lärm. Ein Dutzend oder mehr MG-Magazine werden auf einen Schlag leergeschossen. Alles rennt zur Terrassenkante. Nach wenigen Minuten gibt es in der palästinensischen Nachbarschaftsgruppe auf Whatsapp die ersten Informationen und ich schreibe in die Signal-Gruppe unseres Notfallnetzwerkes in Deutschland diese leicht seltsame Nachricht:
„Die Armee hat im kurz nach Neun unten vorm Checkpoint 56 ein Auto mit Kugeln durchsiebt. Nach derzeitigen Informationen zwei Palästinenser tot. Klang von hier oben wie ein XXL- Feuerwerk. Jetzt ist hier Drohnenballett. Issa sagt, heute Nacht bleibt es ziemlich sicher ruhig. Wenn sie jemanden umgebracht haben, sind sie mit Feiern beschäftigt. Die Jungs rösten jetzt als zweiten Gang Maronen.“
Die Erleichterung der YAS-Aktivisten ist mit Händen zu greifen. Sie wissen aus Erfahrung, dass die Nacht für uns ruhig bleiben wird. Und sie behalten Recht. Der Rest des Abends ist eine entspannte Grillparty. Die Nacht bleibt tatsächlich ruhig.
Das ist makaber, aber hier Realität. Die Besatzungsarmee und die illegalen Siedler sind wie der böse Drache im Märchen, wenn er sein Jungfrauenopfer (palästinensisches Leben) bekommen hat,.Er ist vorerst besänftigt und das Dorf (Hebron) kann sicher schlafen (zumindest für eine Nacht).
Die Presseerklärung der Israelische Armee lässt keine Stunde auf sich warten: Zwei palästinensische Terroristen haben versucht mit einem Auto eine Rammattacke auf israelische Soldaten durchzuführen und wurden von diesen in Selbstverteidigung erschossen.
So wird es auch in allen israelischen Nachrichten berichtet. Dass die Armee dann Stück für Stück zurückrudern muss, findet keinen Niederschlag mehr in der Berichterstattung.
Noch in der Nacht muss die Armee zugeben, dass einer der beiden getöteten Palästinenser ein städtischer Straßenkehrer bei der Arbeit war, der das Pech hatte, die falsche Kreuzung zum falschen Zeitpunkg zu kehren. Kollateralschaden! Sein Name war Ziad Na’im Abdul-Jabbar Abu Doud. Er war 55 Jahre alt.
Die beiden Opfer. Links Ahmad, der Service-Fahrer. Rechts Ziad, der Straßenkehrer.
Das zweite Opfer heißt Ahmad Khalil Rajabi, wurde nur 20 Jahre alt und verdiente seinen Lebensunterhalt als Service-Fahrer. (Ein Service ist eine unreguliertes palästinensisches Sammeltaxi.)
Als immer mehr Videos des Vorfalls im Internet auftauchen, muss die Armee am kommenden Tag auch in Bezug auf den zweiten getöteten Palästinenser zurückrudern. Statt einer versuchten Rammattacke ist jetzt von einem Irrtum der Soldaten die Rede.
Das Auto ist offensichtlich nicht im Begriff, irgendetwas zu rammen. Es befinden sich auch keine Soldaten davor und in Lebensgefahr. Wir kennen die Straßenecke, an der das passiert ist, gut. Immerhin ist Checkpoint 56 der Ort, durch den wir die Geisterstadt verlassen, wenn wir in den lebendigen Teil der Stadt gehen. Hier halten auch die Services, mit denen wir auf dem Rückweg in den Stadteil Karantina fahren.
Die Soldaten befinden sich, bevor sie das Feuer auf das Auto eröffnen, hinter diesen Betonblöcken. Da rammt kein Auto durch!
Blick vom Standort der schießenden Soldaten über die Betonklötze hinweg.
Wir nehmen der Armee nicht ab, dass es ein Irrtum der Soldaten war. Es ist einfach zu offensichtlich, dass das Auto zu langsam und zu weit weg war und dass die Soldaten absolut sicher waren. Erst nachdem sie das Feuer eröffnet hatten, stürmten sie auf die Straße.
Unserer Meinung nach haben hier Siedlersoldaten ihre Ideologie in die Tat umgesetzt. Wir teilen die Einschätzung der Menschenrechtsorganisationen, die den Vorfall eine „field execution“, also „offene Hinrichtung“, bezeichnen.
Konsequenzen? Keine! Ein Freund schrieb uns: „Ich befürchte, dass die Soldaten jetzt 2 Wochen verschärftes Fernsehverbot erwartet!“ Man stelle sich einmal vor, Palästinensische Sicherheitskräfte hätten „irrtümlich“ einen israelischen Straßenkehrer und einen israelischen Taxifahrer aus sicherer Deckung heraus erschossen. – Das wäre in Deutschland in der Tagesschau. Und die Konsequenzen wären höllisch!
Danke Syltpunks!
Wir danken der Aktion Sylt für ihre Soldiarität mit dem gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzung und mit uns!
Die Aktion Sylt organisiert jeden Sommer das Punker*innen-Camp auf Sylt. Und Anfang August 2026 werden sie die letzte Station unserer großen Reise, unseres Sabbathjahres, sein.
Am Donnerstag, dem 4ten Dezember, hat sich ein Soldat den falschen Moment ausgesucht um Issa zu schikanieren. Er wollte das bei den hiesigen Soldaten beliebte Spiel spielen: „Halte den Palästinenser für ein paar Stunden im Käfig des Checkpoints fest. Mit der Behauptung er sei nicht im System und du würdest ihn nicht kennen.“
Dumm für ihn, dass Issa in Begleitung des Knessetabgeordneten Ofer Cassif unterwegs war, den er törichter Weise gleich mit schikanierte:
Wobei der Soldat Issa natürlich kannte. Erst am Vortag hatte er ihn mit Namen angesprochen, als Issa mir zu Hilfe kam, weil eben dieser Soldat mir mein Smartphone abnehmen wollte. Was er nicht darf! Ich hatte eine Gruppe photographiert, die mit Izzat von YAS unterwegs war. Was ich darf! Ich habe das Bild dann trotzdem gelöscht. Nicht wegen des Soldaten! Sondern weil einige Israelis, die ich mit photographiert hatte, Angst hatten, dass sie Zuhause heftigen Ärger kriegen, wenn bekannt wird, dass sie mit Palästinensern reden. Das kann in Israel nicht nur zu „normalem“ Mobbing, sondern auch zum Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung führen.
Der Soldat ist übrigens dafür bekannt, dass er gerne Palästinenser schikaniert. (Gestern, am Freitag, hat er direkt unter unserer Terrasse zwei Jungen, die das Pech hatten ihm zu begegnen, als er den Berg hoch kam, einfach den Weg nach Hause versperrt. Sie mußten einen Umweg nehmen und wir hoffen, sie sind gut bei ihrer Mutter angekommen.) Er hatte sich vermummt, weil er er auf gar keinen Fall „im Internet viral gehen will.“ [Zitat]
Tja: Dann soll er sich halt nicht vor laufender Kamera mit einem Knesset-Abgeordneten anlegen. Er musste sich auch relativ schnell geschlagen geben und Issa durchlassen. Anschließend haben wir gemeinsam auf unserer Terasse das Brot gebrochen (in dieser Weltgegend wortwörtlich), während eine Drohne so dicht über uns schwebte, dass ihr Gesumme wirklich nervig war.
Abschließend bat uns uns Ofer noch, mit ihm gemeinsam eine Nachricht an den Deutschen Botschafter in Tel-Aviv aufzunehmen. Dem sind wir gerne nachgekommen. (Diese Aufnahme ist nur der Beischuß mit unserem Handy. Die ordentliche Aufnahme hat Ofers Assistentin gemacht:)
Leider habe ich vergessen, dem Botschafter ausdrücklich für die gute konsularische Betreuung zu danken. Die machen eine prima Arbeit für uns. Inzwischen hat die Botschaft in unserer Sache zwei offizielle Protestnoten und vier erneute Nachfragen an das israelische Außenministerium geschickt. Welches aber nur mit automatischen Eingangsbestätigungen „reagiert“ hat. Eigentlich ist das ein diplomatisches No-Go. Aber Israel scheint sich der deutschen Unterstützung halt sehr sicher zu sein. Stichwort: „Staatsräson“
Outopost, Siedler & Brand:
Outpost: Gestern, am Freitag dem 5ten Dezember, wurden am neuen Outpost, der Siedlungserweiterung Flutlichter angebracht. Als nächstes rechnen wir damit, dass ein Zelt auftaucht. Das wäre das klassische Vorgehen.
Gewalttätige Siedler: Seit gestern treiben sich hier auffällig viele als gewalttätig bekannte Siedler herum. Insbesondere Angehörige der Hilltop Youth.
Die hier gehören der Hilltop Youth an und haben uns gegenüber ganz klar angekündigt, unser Haus anzuzünden und uns umzubringen.Dieser Herr war am nächtlichen Überfall auf uns und unser Haus am 8ten Oktober beteiligt. Seine Frau ist ebenfalls für ihren Mangel an Friedfertigkeit berüchtigt (vorsichtig ausgedrückt).
Die drei Gestalten, die hier nachts um unser Haus schleichen, gehören ebenfalls zur Hilltop Youth:
Brand-(Anschlag?): Pünktlich zum Ende es Shabbes, zu dem Zeitpunkt, wo es den jüdischen Siedlern wieder erlaubt ist, Feuer zu machen, brennt ein palästinensischen Haus in der Altstadt. Unserer Ortseinschätzung nach direkt am Rand des für die Palästinenser gesperrten Bereichs.
Und der britische „The Independent“ hat ein gutes Video aus unserem Material zusammengeschnitten:
Beobachtungsschniepsel:
„Kleine“ Beobachtungen und Ereignisse aus den letzten Tagen:
Der wachhabende Soldat auf der Siedlerterrasse hinter leuchtet abends aus Langeweile mit dem Ziel-Laser seines M16-MGs in die Fenster der benachbarten palästinensischen Häuser. Als Issa ihn zur Rede stellt, gibt er vor nicht zu verstehen, warum er damit bei den Nachbarn Panik auslöst. (Man stelle sich vor, wie er reagieren würde, wenn ein Palästinenser mit dem Ziel-Laser eines MGs in das Kinderzimmer SEINER Tochter leuchten würde.)
Eines Abends ist plötzlich in der gesamten Stadt Ausgangssprerre. Niemand darf vor die Tür. Drei palästinensische Aktivisten sind für die Nacht bei uns gestrandet.
Der Grund: Am Checkpoint des Hauptzugangs der Stadt hat ein palästinensisches Auto einen israelischen Soldaten leicht verletzt. Die Armee behandelt jeden Unfall mit palästinensischer Beteiligung prinzipiell als Terroranschlag. Es wird eine Ausgangssperre über die ganze Stadt verhängt und alle Krankenhäuser der Stadt werden gestürmt und durchsucht. Der 17-jährige Fahrer wird später in der Nacht erschossen. Er ist unbewaffnet, war in die Berge gefahren und hat sich in seinem Auto versteckt. Da der Soldat nur leicht verletzt ist und die Armee keine Videoaufnahmen veröffentlicht, vermute ich, dass es einfach ein Unfall war. Vielleicht ist der Palästinenser dem Soldaten über den Fuß gefahren. Auf jeden Fall haben die anderen Soldaten sofort das Feuer eröffnet.
Die Armee beschlagnahmt die Leiche. Sie beschlagnahmt prinzipiell alle Leichen von Palästinensern, die bei Auseinandersetzungen mit ihnen getötet werden, um zu verhindern, dass ihre Familien sie begraben können. Außerdem hat sie das Zelt gestürmt in dem die Familie, Freunde und Nachbarn nach der Tradition Trauer gesessen haben, hat das Zelt abgerissen und jede öffentlich sichtbare Trauer verboten. Auch das ist Standardvorgehen.
Auf der Terrasse hinter hält ein bärtiger alter Siedler eine Tirade auf Englisch. So laut, dass wir sie von der Hausecke aus verstehen können. Leider kann ich ihn wegen des Soldaten neben ihm nicht filmen. Es geht um Gaza:
„… rain hell on them! … don’t care they gave the hostages back, rain hell on them … Put all the kids in tunnels an let them starve to dead. … Yes: Genocide! Genocide! Amalek! Amalek! … (mit Geste auf unser Haus, die Nachbarn und die Stadt:) Kill! Kill! Kill all of them! …“
Die Palästinenser als „Amalek“ zu bezeichnen bedeutet, sie mit dem alttestamentarischen Volk der Amalekiter gleichzusetzen und den Völkermord an ihnen zu fordern, so konsequent und komplett wie möglich. Jeder Israeli kennt die entsprechende Stelle im alten Testament.
Samuel 15.3-11: „So zieh nun hin und schlag Amalek. Und vollstreckt den Bann an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel. […] 9 Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte und gering war, daran vollstreckten sie den Bann. 10 Da geschah des HERRN Wort zu Samuel: 11 Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt.
Der Mann der auf dem folgenden Bild ist ein Nachbar und wurde letztes Jahr grundlos vor seinem Haus von einem Trupp Soldaten festgenommen. Seitdem braucht er eine Krücke.
heute ist ein rein- und rausgerenne am sumud-zentrum und erfreulicherweise sind weder siedler noch soldaten in sicht. michel macht dabei einen heimlichen ausflug zum siedlungseingang oberhalb von uns. zu unserem erstaunen steht dort nicht nureine picknick-garnitur sondern noch zwei weitere, die wir noch gar nicht gesehen haben. damit haben die siedler einen weiteren baustein für die erweiterung ihrer siedlung auf dem besitz der familie natschi installiert. das ist, gelinde gesagt, besorgniserregend.
blick hinunter in die stadt vom neuen siedlungsausgang aus.
und nun zum angenehmen:
ansonsten ist heute DER große tag.: das kino wird endlich mit einem großen fest eröffnet. jahrelang haben issa und YAS daran gearbeitet. den anbau heimlich gebaut und jede usb-platte, jeden nagel und jede schraube ins haus geschmuggelt. uns war nicht klar, wie sie die fertigstellung bis heute abend schaffen wollen. mohammad hat gestern noch gestrichen und gewerkelt. wir haben die oliven geerntet und issa war ständig unterwegs, um dinge zu organisieren. stühle, in denen man gemütlicher sitzen kann, eine soundanlage. nebenbei waren wir auch damit beschäftigt, uns gegen die siedler zu behaupten.
aber heute geht wie durch ein wunder alles relativ zügig.michel und ich sammeln die letzten oliven auf, denn jede noch so trockene oder zertretene frucht, die auf dem boden liegt, bringt ein paar tropfen öl. wir putzen die toiletten und fegen die terrasse. im saal wird gebohrt und gehämmert. als wir dann mal die nase hineinstecken, sind auf einmal die fenster fertig eingebaut, der fußboden blitzt und der riesige bildschirm hängt an der wand und eine soundanlage wird auch schon ausprobiert. es gibt nur nochkeine wirklich bequemen stühle. aber es stehen genug andere auf der terrasse, die sonst für die besuchergruppen gebraucht werden.
das film-team aus tel aviv, welches einen film über issa dreht und massgeblich bei der beschaffung des bildschirms geholfen hat, kommt schon am morgen und dreht die ersten szenen. wir schrubben noch schnell die terrasse und dann tauchen auch schon die ersten gäste auf. nachbarn, freunde, internationale aktivisten. es gibt tee. gegessen wird später.
relativ pünktlich fängt die eröffnung an. richtig zünftig, mit rotem zerschneide-band:
issa mit umm temer und der enkelin einer aktivistin
der bildschirm wird entblättert und issa hält eine schöne rede auf arabisch und englisch.
die wichtigsten anwesenden YAS-aktivisten holt er nach vorne. mohammad, abu natschi, izzat. auch uns stellt er vor und man hört ihm an, wie froh er über unsere anwesenheit seit jetzt zwei monaten ist.
es werden zwei kurzfilme gezeigt. einen von seinem bruder achmad, der 2022 an krebs starb, selbst filmemacher und YAS-mitbegründer war und nach dem das kino benannt ist. und einen vom regisseur, der auch den jetztigen film über issa dreht.beide handeln vom leben und den zuständen in der geisterstadt und in H2.
anschließend gibt es, wir sind schließlich in palästina, ein großes festessen:
mit gesprächen:
undkünefe zum nachtisch, das issa zwischendrin noch geholt hat, damit es ganz frisch und noch heiß ist:
es ist bemerkenswert, daß es draußen und in der siedlung still ist, als wären friedenszeiten. ein einsamer soldat steht am wachposten und bekommt von issa künefe angeboten. von den siedlern hört und sieht man nichts. nur am frühen abend sehe ich einige nach hause kommen. es wird eine klare ansage von oben gegeben haben, heute die füße still zu halten. wohl auch wegen des anwesenden film-teams und nicht zuletzt den zahlreichen internationalen aktivisten. nur von unten aus der stadt hört man party-getümmel. das sind die soldaten, die fast jeden abend ein fest feiern.
auffällig finde ich auch, daß sich alle palästinenser irgendwie am geschehen beteiligen und mithelfen. die jungs stehen in der küche und kochen, ein weiblicher gast stellt sich in die küche und wäscht schon mal die erste fuhre teller ab, ein junges mädchen geht mit einem kaffee-tablett herum, die jungs schneiden das künefe auf und verteilen es, ein anderer gast kocht noch schnell eine kanne neuen tee.
gegen zehn ist das fest zuende und alle kommen hoffentlich unbeschadet nach hause. wir bleiben zu fünft zurück, räumen schnell auf, waschen das restliche geschirr ab. für uns beide fängt wie gewöhnlich die nachtschicht um 1.00h an.
catcontent:
lilith haben wir am sonntag sterilisieren lassen. sie kommt schon wieder prima die bäume rauf und runter. sie verschläft den trubel die meiste zeit in unserem zimmer.
Gestern, am 1. Advent, war zusätzliche zu uns ein gutes halbes Dutzend Leute hier, um am Kino zu arbeiten und es rechtzeitig fertig zu bekommen. Um kurz nach neun Uhr abends hagelte es dann plötzlich Steine. Sie kamen von der Terrasse der Siedlung direkt hinter uns, dort wo immer der Soldat steht und Wache schiebt.
Das Video ist ziemlich am Ende des Steinhagels aufgenommen, als die Intensität schon sehr stark nachgelassen hatte. Ab Sekunde 24 sieht man sehr gut, dass die Steine zum Teil von direkt hinter dem Wachhäuschen des Soldaten geworfen werden.
Und diesmal waren es keine kleinen Steinchen, wie sie die Kinder der Siedler fast täglich werfen!
Es waren weitaus größere Steine dabei! Dies hier ist einfach das, was ich mir aus dem Schutz der Hausecke angeln konnte, ohne ein zu großes Risiko einzugehen, um damit ins Bad zu gehen, es zu fotografieren und das Bild an Presse zu schicken, noch während der Angriff lief.
Bald darauf tauchten Soldaten am Vordereingang der Terrasse auf, Siedler im Schlepptau, und erzwangen sich Zutritt zur Terrasse und zum Kino. Es gelang Issa zum Glück, dass die Siedler draußen bleiben mussten. Im zweiten Teil des nächsten Videos sieht man die Soldaten und Siedler an unserer Vordertür.
Zum Einen behaupteten die Siedler (wie jedes Mal), dass wir sie angegriffen hätten, und nicht sie uns. Was die Soldaten ihnen natürlich glaubten(wie jedes Mal) . Und wir konnten es zum Glück mit den Bildern unserer Überwachungskameras widerlegen (wie bisher jedes Mal).
Zum Anderen behaupteten die Siedler, dass das Kino illegal gebaut würde, und die Soldaten waren da um die Bauarbeiten zu stoppen und den Abriss durchzusetzen. Aber da die Außenhülle des Kinos schon seit Jahren existiert, ist es kein Neubau und kein neuer Anbau. (Auch das konnte Issa mit Bildern nachweisen.) Und da die Leinwand technisch gesehen ein riesengroßer Fernseher ist, ist es formal einfach nur ein sehr sehr großer Fernsehraum. In den Issa und YAS halt Freunde einladen 🙂
Irgendwann zogen die Soldaten unverrichteter Dinge wieder ab.
Den Siedlern geht es offensichtlich sehr gegen den Strich, dass hier morgen ein Kino aufmacht und damit ein Ort der Kultur und des sozialen Austauschs für Palästinenser geschaffen wird. Wir werden also weiterhin mit Angriffen und Sabotage rechnen müssen, und weiterhin jede Nacht Nachtschicht schieben.
Für die Nachtschichten werden mit solchen Bildern bei Sonnenaufgang belohnt!
Psychoanalyse
ob wir wohl jemals wieder normal ticken werden? hier in hebron und in der umgebung sind so viele dinge anders als wir es gewohnt sind. das hat nichts mit dem wetter zu tun, das es uns ermöglicht, vormittags in der sonne auf dem vorderen teil der terrasse zu sitzen, die aussicht zu genießen und es eindeutig zu heiß zu finden. die nerven werden langsam dünn, und ich frage mich, an welchen stellen wir schon paranoid sind. michel und ich neigen untereinander verstärkt unter kleinen missverständnissen, die unter normalen umständen keiner weiteren erläuterung bedurft hätten. bedenken manchmal jedes wort oder einen tonfall oder eine geste eine mimik des anderen, die uns sonst nicht aufgefallen wäre. aber wir achten auch mehr aufeinander. im positiven sinne. was brauchen wir jetzt?
ich habe immer mehr eine schere im kopf. regnet es zum beispiel während der nachschicht, ich frage mich: ist das gut, dann bleiben die siedler lieber zu hause, haben keine lust gegen das sumud-zentrum anzugehen? oder ist das schlecht und sie kommen erst recht, weil sie wissen, daß auch wir dann auch lieber drinnen hocken und nicht so viel mitbekommen? haben wir heute ruhe, weil wieder ein besonderer feiertag ist, oder müssen wir extra aufmerksam sein, weil die siedler an diesem feiertag nichts zu tun haben und deshalb auf dumme gedanken kommen. man weiß es immer nicht. gehen siedler am haus vorbei, stellen wir uns immer die frage, warum sie ausgerechnet hier entlang gehen. kommen soldaten vorbei, ist immer die frage: wie viele? wollen die zu uns? warum tun sie das? (okay, das würde ich mich zu hause auch fragen, mehr noch als hier, wo der anblick solcher personen alltag ist) dieser tage brachten wir besuch zum siedlerbus und gingen auf dem rückweg durch den olivenhain. dort fanden wir eine tora oder einen talmud an einem baum liegen. ich fragte mich sofort: hat dass nur jemand vergessen, oder hat derjenige damit seine besitzansprüche auf den baum, den hain geltend gemacht?
gestern saß ein siedler unter einem der bäume an dem ort, an dem sie neulich sauber gemacht hatten. augenblicklich wird überlegt: ist das einer aus der siedlung? eine vorhut für weitere siedler um an der erweiterung ihres teils von tel rumeida weiter zu bauen (ich weigere mich, das wort outpost in den mund zu nehmen)? oder ist es nur ein besucher, der beim gebet den blick ins tal auf die machpela genießt? was ihm zu gönnen wäre. an der kleidung konnten wir schon sehen, daß es kein hiesiger war. gleichzeitig werkelt der palästinensische nachbar eine terrasse weiter unten mit seinem sohn herum. es könnte so ein schönes bild des friedens sein. ist es aber leider nicht:
ungefähr alle zwei tage hören wir unten aus der stadt oder von den anderen talhängen knallen oder donnern. ja, auch mal eindeutig ein maschinengewehr. und immer fragen wir uns: was ist jetzt wieder passiert??? oder es steigt irgendwo rauch auf. gleich die überlegung: ist das ein haus, ein auto? und warum brennt es? oder ist es nur müll?
ichsehne mich nach dem tag , an dem ich bei anblick eines buches in der gegend einfach nur denke: oh, das hat jemand vergessen, ist es spannend? ich möchte bei einem knall nur überlegen müssen: welcher bengel hatte noch knaller von silvester übrig? und ich möchte mich an leuten freuen, die eine schöne aussicht genießen. so wie wir am freitagabend zu beginn des schabbat, als wir ausnahmsweise vor dem haus auf der treppe hockten und auf hebron schauten. zum ersten mal seit langem ohne schutzgitter, das den blick abfängt.
ich sehne mich auch danach, nach einer kurzen nacht, aber nach bunten träumen, mal ohne flaues gefühl im magen aufzuwachen. eigentlich brauche ich fast immer eine weile, bis ich realisiere, wo ich bin. aber dann geht gleich eine gedankenflut los: was ist heute zu tun? hoffentlich sind wir nicht zu lange allein! wie schaffen wir es wohl aus der stadt wieder zurück ins haus? ich freue mich darauf, mal wieder die augen auf zu machen und den gedanken zu haben: hurra, der tag ist mein freund!
Kleine Olivenernten:
Am Freitagmittag schallte plötzlich Kinderlachen aus den Olivenhainen am Hang herauf. Am Abend zuvor war die Closed Military Zone ausgelaufen, die allen Palästinensern das Betreten aller Olivenhaine hier am Hang seit Mitte Oktober unmöglich machte. Jetzt war die erste Familie da und erntete ihre Oliven. Es sind etwa ein halbes Dutzend erntender Erwachsene und ein halbes Dutzend herumtobender Kinder.
Doch nach kaum einer Stunde ist es vorbei. Ein Trupp Soldaten verbietet die weitere Ernte. Issa kann zumindest Festnahmen verhindern und erreichen, dass zwei Tage später am Sonntag vielleicht weiter geerntet werden darf.
Am Sonntag in aller Frühe erntet eine Familie die Oliven direkt vor unserer Tür.
Sie schaffen nur zwei Bäume, dann müssen sie aufhören. Wegen der Siedler ist es zu gefährlich. Sie ernten auch nur einen Bruchteil dessen, was diese Bäume normalerweise hergeben würden. Eigentlich hätten sie ja im Oktober ernten wollen und müssen. Inzwischen liegen die meisten Oliven als Matsch am Boden. – Aber es geht ums Prinzip! Um Sumud! Darum, sich nicht vertreiben zu lassen!
Outpost wird schleichend ausgebaut!
Während wir diesen Beitrag schreiben (Montagnachmittag), sind die Siedler mit einem Auto mit Anhänger gekommen und haben einen Picknicktisch mit angebauten Bänken auf den Platz ihres neuen Outpost oder besser ihrer geplanten illegalen Siedlungserweiterung gestellt. Das ist die Fläche vor unserer Haustür, die sie vor etwa anderthalb Wochen bearbeitet haben. Und die Fläche, auf der die Palästinenser gestern einen kleinen Teil ihrer Oliven ernten konnten. Vielleicht zum letzten Mal. Schleichend klauen die Siedler der Familie Natschi so ihr Land und ihre Oliven.
Schönes und Gutes
Carina aus den USA war für eine Nacht da und hat schöne Bilder von uns gemacht: