Tour mit Vizekonsul

Sonntag, 7. Dezember 2025

Regelmäßig haben wir internationale Delegationen hier bei uns im Sumud-Zentrum zu Besuch. Meist sind wir der letzter Stopp auf ihrer Tour durch Hebrons Geisterstadt mit Breaking the Silence. Am Sonntag gab es einen (aus unserer Sicht) besonders wichtigen Besuch. Dass das deutsche Konsulat in Ramallah und die Deutsche Botschaft in Tel Aviv in unserer Sache hervorragende Arbeit leisten, haben wir ja schon mehrfach erwähnt. Jetzt kommt sogar der Vizekonsul zu Solidaritätsbesuch. (Er würde seinen Besuch sicher anders beschreiben – diplomatischer.)

Wir treffen ihn mit einem Tourguide von Breaking the Silence an der Machpela.

Von links nach rechts: der Deutsche Vizekonsul, der Tourguide von Breaking the Silence und die Frau des Vizekonsuls. Die Frau eines dänischen Diplomaten ist vom Vizekonzul ganz verdeckt und bina von seiner Frau halb.

Aufgrund des diplomatischen Schutzes können wir das erste Mal, seit wir hier sind, gemütlich durch die Geisterstadt schlendern, beobachten und Photos machen. Das folgende Bild wollte ich auch vorher schon machen, aber es wurde durch die Soldaten unterbunden.

Dies ist der Weg zum Eingang der Ibrahims-Moschee (hinten im Bild), der Eingang zur Machpela-Synagoge liegt auf der anderen Seite des Gebäudes. Für Juden ist dies eine Sackgasse, in der es nichts gibt. Dennoch dürfen nur Juden die Straße benutzen (zum Parken). Muslime sind auf den schmalen Fußweg links hinter dem Gitter verbannt.

Hier haben wir 2018 noch die letzten offenen Läden in der Geisterstadt vorgefunden. Unter anderem den Laden von Ahbed. Seit dem 7ten Oktober 2023 sind die Läden durch das Militär geschlossen. Sicherheit!
Nicht einmal ihre Waren dürfen die Händler herausholen, um sie woanders zu verkaufen.

Dieses Haus wurde 2016 von illegalen Siedlern besetzt. Die Armee hat sie wieder rausgeschmissen, wie es ihre Aufgabe ist. Als sie 2018 wiederkamen, hat die Armee sie drin gelassen. Die Siedler behaupten, sie hätten das Haus gekauft ohne Belege dafür vorzulegen. Die palästinensische Familie, der das Haus gehört, sagt, sie habe das Haus nie verkauft, und klagt seit 2018 vor Gericht. In der Zwischenzeit wohnen die Siedler darin. Sie haben das Haus um den Anbau mit der glatten Fassade erweitert. Und die Armee passt gut auf sie auf mit einem Wachposten, der jeden kontrolliert, der das noch von Palästinensern bewohnte Nachbarhaus links von ihnen betreten will.

Dass Siedler ein Haus besetzen und behaupten sie hätten es gekauft, obwohl das nicht stimmt, um dann zuzusehen, wie die Palästinenser denen das Haus gehört, sich in der Tretmühle der israelischen Gerichte müde und pleite treten, hat System. Die palästinensische Familie, der das Haus direkt hinter dem Sumud-Zentrum (hinter dem Haus, in dem wir wohnen) gehört, klagt seit 2002 also seit 23 Jahren, um ihr Haus zurück zu bekommen. Sie haben bisher alle Prozesse gewonnen. Insgesamt 7 oder 8 Prozesse (Issa ist sich da nicht ganz sicher.). Aber jedes Mal, wenn sie sich durch alle Instanzen geklagt und höchstrichterlich Recht bekommen haben, taucht ein neuer Siedler auf und sagt, er habe das Haus jetzt gekauft. Und alles geht wieder von vorne los. – Während der ganzen Zeit, also seit 23 Jahren, leben die illegalen Siedler als Hausbesetzer in dem Haus, von Soldaten bewacht, und terrorisieren ihre palästinensischen Nachbarn. Unter anderem Issa!

Dies ist der Markt der Schmiede. Im Jahr 2002 (während der 2ten Intifada) liefen hier Siedler nach der Beerdigung eines von Palästinensern ermordeten Siedlers Amok. Sie zerstörten Geschäfte und ermordeten ein 14-jähriges palästinensisches Mädchen. – Die Folge? Der Rädelsführer der Siedler kam für 3 Monate in Haft und der Markt wurde „sterilisiert“. Das heißt für Palästinenser komplett geschlossen.

Das Haus über dem Tordurchgang (ganz hinten im Bild) ist Issas Geburtshaus. Die Familie besitzt es heute noch, darf es aber seit 2002 nicht mehr betreten. Hinter der Tür rechts wurden Bananen verkauft. Wenn Klein-Issa verschwunden war, hat sein Mutter ihn meist hier wiedergefunden. Issa liebt Bananen – auch heute noch. Er ist ein regelrechtes Bananenmonster!

Dies ist der Gewürzmarkt. Er wurde 1994 geschlossen, nachdem der radikale Siedler Baruch Goldstein während des Ramadan mit seinem Armee-Maschinengewehr die Ibrahims-Moschee betreten, 29 betende Muslime erschossen und mindestens 150 weitere verletzt hat.

Unser Tourguide hält ein Bild hoch, dass wenige Wochen davor an genau dieser Stelle aufgenommen wurde, um uns zu zeigen, wie lebendig diese Straße eigentlich sein müßte.

Um das ganz deutlich zu sagen: Ein illegaler Siedler begeht ein Massaker an Palästinensern und die Palästinenser werden bestraft. Es ist egal, von welcher Seite hier Gewalt ausgeht, am Ende gewinnen die israelischen Siedler Land und die Palästinenser verlieren es.

Die Shuhada Street mit Blick Richtung Tel Rumeida. Oben auf dem Hügel sieht man direkt vor der Siedlung das Sumud-Zentrum (unser Zuhause hier). Es ist das Haus mit dem Blechdach und dem massiven Zaun um die Terrasse zwischen den Oliven.

Eingang zum Fleischmarkt und dahinter die Siedlung „Avraham Avinu“. Der Fleischmarkt wurde geschlossen, weil er zu dicht an der Siedlung lag. Aus Sicherheitsgründen! Anschließend brachen jugendliche Siedler in einige der Läden ein und hatten dort ihre Buden. Dann feierten die Siedler hier Pessach und blieben. Heute ist der ehemalige Fleischmarkt faktisch ein Teil der Siedlung. Das hatte natürlich zu Folge, dass einige weitere palästinensische Häuser, Hinterhöfe, Gassen geräumt und sterilisiert werden mussten. Sicherheit! – Und so wird es weiter gehen…

Auf dem ehemaligen Fleischmarkt finden wir die beiden palästinensischen Esel, von denen wir schon gehört haben. Da die Palästinenser in der Geisterstadt keine Autos fahren dürfen, boten sich Esel zum Lastentransport an. Diese wurden natürlich von den Siedlern geklaut. Sie sind eindeutig identifizierbar. Rechtmäßiger palästinesischer Besitzer und israelischer Dieb sind bekannt. – Aber da die Polizei sich weigert, zu ermitteln, und es hier keinen Rechtsstaat gibt (wie mir ein hochrangiger deutscher Diplomat sagte) behalten die Siedler die Esel einfach. Der Stall ist ein, auch nach israelischem Recht, illegal besetzter Fleischerladen. (Irgendwie konsequent! – Das muss ich zugeben.)

Ich habe es zwar schon mehrfach in diesem Blog geschrieben. Aber es regt mich jedes Mal zur Weißglut auf: Dieser Krankenwagen steht hier immer. Aber er nimmt nur Juden mit. Kranke Palästinenser müssen von ihrer Familie zum Checkpoint getragen werden und dort warten, bis die diensthabenden Soldaten sie durchlassen. (Wie wir es z.B. am 17. Dezember 2017 erlebt und dokumentiert haben.)

Dies ist die Siedlung Beit Romano. Ursprünglich war es der zentrale Busbahnhof der Stadt. 1982 wurde die Fläche dann für die Errichtung einer Militärbasis beschlagnahmt. 1990 zogen 6 Siedlerfamilien mit in die Militärbasis ein. Die Siedler beanspruchten innerhalb der Militärbasis immer mehr Platz. Seit 2010 ist daher der gesamte ehemalige Busbahnhof Siedlung. Die Armee hat jetzt eine neue Basis. Auf dem Bild rechts daneben. (Das rote Nashorn ist das Maskottchen der derzeit hier stationierten Einheit.)

Auf dem Weg den Hügel hoch, kommen wir an „Abrahams Brunnen“ vorbei. Eigentlich ein privater palästinensischer Brunnen, auf privatem palästinensischem Land. Weil die Siedler aber die Legende erzählen, dass Abraham sich hier rituell gewaschen habe, bevor er die Doppelhöhle Machpela vom Hetiterkönig Efron als Begräbnisstätte für seine Familie gekauft hat, ist der Brunnen jetzt natürlich für Palästinenser unzugänglich. – Für die Legende gibt es übrigens im alten Testament/Torah keinen Anhaltspunkt. Aber egal…

Am Ende der Tour sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse des Sumud-Zentrums. Es ist ein sehr sehr produktives Gespräch. Unter anderem hat es eine weitere Protestnote der Deutschen Botschaft in unserer Sache, eine gemeinsame Protestnote der Deutschen und Französischen Konsulate wegen der Angriffe auf Issa und eine offizielle Nachfrage des Vizekonsuls wegen unserer widerrufenen Einreiseerlaubnisse nach Israel (ETA-ILs) zur Folge.

Bericht einer Freundin aus dem Jordantal:

Unsere Freundin Sonja ist eine US-amerikanische Jüdin, die wir bei der versuchten „Mass Solidarity Oliver Harvest“ kennen gelernt haben, und die uns auch hier in Hebron besucht hat.

Sie wurde bei einem Angriff radikaler Siedler auf ein Beduinendorf im Jordantal verletzt und hat darüber diesen sehr guten Bericht ins Netz gestellt, den wir hiermit mit euch teilen wollen:

https://returnandfetchit.substack.com/p/meet-your-local-jewish-terrorists

https://returnandfetchit.substack.com/p/when-jews-in-masks-attack

Cat Content:

Als es während einer Nachtschicht so sehr regnet, dass wir im Bett sitzen bleiben und uns mit dem Beobachten der Überwachungskameras zufrieden geben, nutzt Kater Adam das natürlich aus. Er liegt auf binas Beinen und wird immer länger.