Troodos, Nikosia, Slideshow

8.febr. – 13. febr. 2026

und jetzt ist mir was ganz blödes passiert:
unsere kamera hat sich ja als eher unzuverlässig erwiesen, was ihre arbeit anbelangt, deshalb bin ich bei wanderungen meist die hüterin des smartphones und mache damit unsere bilder.
aber nach der rückkehr nach nicosia nach unserer ersten troodos-wanderung drücke ich irgendwie die falschen knöpfe und der gesamte fotosegen ist futsch.
die rötlichen, schön geschwungenen glatten stämme des erdbeerbaums, die moosbehangenen äste der endemischen goldeichen, die fast so dicht stehen wie die bäume der macchia in den korsischen bergen. man kann grade mal fünf meter weit in die äste schauen, dann verlieren sich die augen im gewimmel.

der eine oder andere ausblick in die gegend muß auch ungezeigt bleiben.
aber bilder wird es noch geben, wir wollen noch eine zweite tour im troodos machen.

Nikosia

montag abend zum treffen von ufp (united for palestine) sind wir wieder in nikosia. unser stellplatz im süden der stadt ist in einer stillen ecke an der bufferzone. bulli bekommt den hintern an die dort stehenden üblichen tonnen gedrückt, an der ecke ist ein reggae-cafe (oder so) mit jamaikanischen farben und einer palestinensischen flagge. ringsherum sehen wir graffiti von eiva, die wir sehr schätzen und fotowände, die an die zeit der türkischen invasion erinnern.
alle anderen läden oder werkstätten sind geschlossen, die türen der wohnhäuser haben dicke vorhängeschlösser.
autos parken hier, von den leuten, die in der gegend arbeiten.
in der nähe der mauer ist es meistens ziemlich ruhig. die menschen mögen hier nicht wohnen, weil sie angst vor einer weiteren militärischen auseinandersetzung haben, und so dicht an der mauer wären sie sofort in der schusslinie. so erzählt mir eine mitaktivistin von ufp. wir finden diesen platz klasse.
auch von hier gibt es leider nur die bilder vom blick über die tonnen ins niemansland, die michel mit der zufällig willigen kamera gemacht hat:

das alles hat, wie eigentlich auch die ganze stadt, etwas von berlin vor dem mauerfall.
durch die teilung stehen viele häuser und geschäfte leer, weil niemand dort so recht leben mag, dafür ist viel platz für buntes, junges künstlerisches volk, die günstigen wohnraum oder billige räume für ihre projekte brauchen, galerien gründen, projekte starten, verschiedene treffpunkte für alles mögliche eröffnen und der stadt ein buntes liberales und weltoffenes und sicher auch cooles flair geben. wie das ‚yalla‘, das comunitiy-center, in dem wir die slideshow in ein paar tagen zeigen werden. oder der ort, an dem die treffen von ufp stattfinden. viele solcher orte führen auch dazu, daß die menschen lust haben, was eigenes auf die beine zu stellen. sei es der gedichte-lese-kreis, in den wir neulich durch zufall geraten sind oder das sprachentreffen, zu dem wir eigentlich wollten.

dazu kommt, daß der staat diese ansinnen gerne unterstützt. das ist gut für den ruf und ärgert vielleicht ein bisschen die menschen auf der türkischen seite der barrikaden.
dort ist aber ähnliches in gange. ein zeichen dafür ist das hoi polloi, daß es sonst sicher so nicht gäbe. bei der lage, so direk im zentrum der altstadt, wären die mieten sonst unbezahlbar und das bunt-linke publikum dort eher störfaktor, denn bereicherung.
oder die bars und cafes oberhalb unseres parkplatzes nördlich des grenzübergangs ledra-palace in den armenischen häusern, wo man auf der bastion sitzen kann.
okay, ich betrachte dies mit ein bischen magengrimmen, denn ich denke an die vertreibung eben der armenier, die dort wohnten. und ich frage mich, ob den betreibern und den gästen dieser bars wirklich klar ist, welche geschichte diese häuser haben, und dass sie im prinzip besatzer und kriegsgewinnler sind. ich würde dort nur sehr ungern einen kaffee trinken oder essen gehen.
dafür waren wir nicht drei monate in hebron!
wenigstens dürfen wir in einem dieser cafes unsere plakate aufhängen, die die slideshow ankündigen.
das alles würde der gentrifizierung anheim fallen, würde es die teilung der stadt nicht geben.

wir landen mit diesen plakaten natürlich im hoi polloi, wo simon, der betreiber, aber schon eines hat aufhängen lassen. wir bleiben auf ein paar wenige bier hängen und enden, typisch für diesen ort, im gespräch mit ryan vom nebentisch.
dieser ist us-amerikanischer englisch-lehrer in tschechien, free-jazz percussionist und schreibt grade seine doktorarbeit über eben percussion im free-jazz. kann man machen……
aber ryan hat auch viele fragen an uns und freut sich über das ausgegebene bier. daraufhin bekommt er natürlich eine reiseempfehlung nach bamberg, wo er doch schon in tschechien ist.

und ich kann nicht an mich halten. ich genemige mir eine leckere entdeckung, die hier ausnahmsweise auf der getränkekarte steht, was sonst nicht der fall ist.
zivanamelo: langsam erwärmter zivania mit honig, zitrone und gewürzen.
der rumgrog der insel.

am nächsten tag kommt ein griechischer soldat an unserer gemütlichen straßenecke vorbei. er findet, wir dürften hier nicht stehen, das würde vom militär gar nicht gerne gesehen. wir sollen verschwinden, sagt er. wir fragen uns ein bischen, warum. wir stören hier niemanden, der ort ist weit entfernt von jedem militärischen wachposten oder checkpoint, es ist lediglich die grenze zur bufferzone, welche die UN beaufsichtigt. ich glaube ja, der hat einfach keine lust auf uns oder ist sonst ganz unten in der rangordnung angesiedelt und hat jetzt mal gelegenheit, autoritär zu sein.
wir beschließen trotzdem, den ort zu wechseln und finden einen guten platz in der nähe auf einer brache.

unsere slideshow

donnerstag, 12.febr. 2026

seit tagen sitzen wir, feilen an den letzten texten, sortieren fotos und filme.
wir hören immer wieder, wie gespannt man schon ist und wie sehr man sich auf den abend freue.
ich werde ernsthaft nervös. weiß ich doch genau, daß ich meine reden nicht einfach so raushaue wie michel, der es als lehrer gewöhnt ist, vor einer klasse den lila-laune-erklär-bär zu geben.
wir sind sehr rechtzeitig im yalla. dort sind schon tische fortgeräumt und stühle gestellt und wir haben innerhalb einer halben stunde unseren rechner startklar, der hauseigene beamer läuft anstandslos, die soundanlage ist erstklassig. ufp hat einen infotisch mitgebracht.
wir haben das gefühl, wir können uns in ein wohlgemachtes bett legen, so gut vorbereitet ist alles.
es gibt gelegenheit, unsere worte noch mal anzuschauen und dann kommen auch schon die interessierten und der laden ist schnell so voll, daß noch stühle dazu geholt werden müssen.
mary hält eine kleine ansprache und erklärt, wer united for palestine eigentlich ist und was in den nächsten wochen geplant ist und dann haben wir für gut zwei stunden ein mehr als aufmerksames publikum. das besteht aus bekannten gesichtern, aber auch vielen menschen, die wir noch nicht kennen gelernt haben.
fragen und anmerkungen gibt es schon in der pause. aber auch hinterher müssen wir das eine oder andere erläutern.
jemand zeigt mir eigene bilder aus hebron von 2009. erstaunlich, wie sich die sterilisierte zone in H2 mit den jahren verändert hat. die siedler machen sich ihr okkupiertes gebiet schon schick, so mit blumenkübeln an der straße, die es damals noch nicht gab und mit ladentüren, die zwar zugeschweißt sind, aber sauber angestrichen.
viele bedanken sich für die so unmittelbar daher gekommenden berichte, und wir sind glücklich ein volles haus gehabt zu haben.

nach diesen bildern streikte wieder die kamera…..es waren irgendwann alle plätze besetzt. hinten wurde gestanden und an der bar wurde auch platz genommen.

für diese bilder hat die apparat wieder alles gegeben.
jacob von ufp hat noch fotos gemacht. die können wir sicher noch nachreichen.