Karneval in Limassol

Fr. 20. – Mo. 23. Februar

Im Rheinland war gerade Aschermittwoch. Hier steuert der Karneval gerade erst auf seinen Höhepunkt, die große Parade in Limassol, zu. Grund ist, dass die Orthodoxe Kirche sich nach dem julianischen Kalender richtet. Die Kalenderreform von Papst Gregor im Jahr 1582, haben sie aus Prinzip nicht mitgemacht. Somit liegt das Osterfest später und daran hängend auch der Karneval.

Wir verlassen das Katzenkloster von St Nicolas of the Cats und fahren auf den Stadtstrand von Limassol. Ganz nebenbei rutschen wir dabei über die internationale Grenze von der SBA der „Souveränen britische Basis Akrotiri“, von der aus Royal Air Force bei quasi jedem westlichen Kriegseinsatz im Nahen Osten mitmischt, rüber zur Republik Zypern.

Den Rest des Freitags und den gesamten Samstag lungern wir lustvoll am Stand rum. Die Sonne scheint, wir beobachten die Schiffe, und es ist sogar so warm, dass ich zweimal zum Baden ins Meer gehe. Das ist zwar noch nicht mollig warm, aber mit der Elbe um Pfingsten, kann es problemlos mithalten.

Michel am 21. Februar im Mittelmeer.

Am Sonntag ist dann der große Karnevalsumzug. Die ganze Woche hat es schon kleinere Umzüge, die hiesigen Veedelszöch, gegeben. Aber das hier ist der Rosenmontagszug Zyperns. Der Autoteil des Stadtstrands, auf dem Bulli steht, ist keine zwei Kilometer vom Startpunkt des Zuges entfernt. Wir machen uns also Mittags zu Fuß mit einem Rucksack voller Bier und alkoholfreien Zwischensoftdrinks auf den Weg. Der Zug startet in der Theorie um 13:00 Uhr. Aber das hier ist der Nahe Osten. Zeitangaben sind nur sehr begrenzt ernst zu nehmen. Wir müssen auch noch erst durch ein ziemliches Partygewühl bis wir an eine gute Stelle zum stehen, schauen und feiern kommen.

Und dann haben wir richtig Spaß:

Insgesamt besteht der Zug aus knapp über 115 Gruppen, etwa die Hälfte mit eigenem Wagen. Das ganze macht echt Laune! Groß und Klein machen Party und haben richtig Spaß. Was im Gegensatz zu Köln auffällt: Es gibt keine Wägen mit politischen Karikaturen. (Limassol fehlt dringend ein Jaques Tilly!) Und es werden keine Kamelle geschmissen. (Dafür zentnerweise Konfetti!). Im Gegensatz zu Rio und Köln fehlen auch Sambatänzerinnen oder Funkenmariechen, die ihre Sache wirklich können. – Trotzem wird allenthalben zur Musik getanzt und gehüpft. Und für dieses Wetter beim Umzug würde ein Kölner Karnevalist vermutlich sogar nach Düsseldorf fahren 😉
Was neu ist, ist dass die Jugendlichen haufenweise Dosen mit Sprühschaum dabei haben, um sich gegenseitig, den Karnevalszug und überhaupt alles einzusprühen. Es gibt haufenweise migrantische fliegende Händler, die sie mit Nachschub versorgen.

Jede Gruppe hat ein Motto. Hier ist es Cuba! (Sagt Captain Obvious…)

Am meisten begeistern uns die Philippinas. Es gibt eine Menge Philippinas auf der der Insel, die im Hintergrund das Gastro- und Tourismusgewerbe am Laufen halten, und sicherlich die Carearbeit in so mancher reichen Familie übernehmen. Hier machen sie sich sichtbar. Die Kostüme sind alle selber gemacht. Aus billigsten Materialien. Die Kopfschmucke sind beklebte Einwegpappteller.

Der Zug endet erst, als die Sonne sich langsam dem Horizont entgegen senkt. Viele werden noch die ganze Nacht durchfeiern, aber wir machen uns auf zum Bulli. Die letzte, offiziell nicht mitgezählte, Gruppe des Zuges stellt die Stadtreinigung. Sie hat alles Personal und alle Wägen zu einer wahren Leistungsschau aufgefahren. Direkt hinter dem letzten offiziellen Wagen werden sofort die Gitter abgebaut, Konfetti und Müll weg geschaufelt und die Straße gereinigt.

Vorher gibt es hier aber noch ein Konfettibad.

Der nächste Tag ist der „Grüne Montag“. Ein Feiertag im Südteil der Insel. Wir sagen dem Autostrand von Limassol, der südlichsten Stadt Zyperns, „Adee!“. Schon etwa eine Stunde später passieren wir die innerzypriotische Grenze. Wir rechnen ein wenig mit Problemen, werden aber von den Grenzbeamt*innen beider Seiten nach kurzem Passcheck durchgewunken. Kaum eine halbe Stunde später sind wir schon am Hafen von Girne (Kyrenia) an der Nordküste. Die Insel ist wirklich nicht sehr groß! Und doch vielfältig, wie ein Kontinent!

Im Büro der Fährgesellschaft besorgen wir uns Tickets für die Überfahrt in die Türkei. Da es derzeit keine Fähre gibt, die 2 Menschen und einen 2,60m hohen VW-Bus mitnimmt, müssen wir getrennt fahren. Der Bulli fährt mitsamt Fahrer, also Michel, in der Nacht von Freitag auf Samstag. bina kommt dann am Sonntag mit der Schnellfähre nach.

Nachdem das geklärt und gebucht ist, fahren wir zurück nach Nikosia und stellen uns auf unseren Stammplatz direkt nördlich vom Grenzübergang Ledra-Palace.

Mufflons & Katzen

mo., 16.febr. – do., 20.febr.

Artikel Cyprus-Mail

wir fahren derzeit immer ein bischen hin und her.
am sonntag müssen wir nach nicosia zurück, die cyprus-news haben sich nach einer pressemitteilung zu der slideshow gemeldet und möchten ein interview mit uns.
der journalist theo panayides hat am montag eigentlich nur eine stunde zeit. und dann sitzen wir doch dreieinhalb stunden im home of cooperation und erzählen in aller ausführlichkeit, wer wir sind, was wir in hebron erlebt haben und wie unsere einschätzung zur situation in israel und palästina ist.
er sagt zum abschluß noch, daß unsere worte stark gekürzt werden, aber das kennen wir schon. filmteams filmen sich auch die kamera wund und heraus kommen 5 min. sendezeit.
wir sind gespannt, was er daraus macht.

Der Artikel wird dann tatsächlich ein Doppelseiter, mit Verweis auf unseren Reiseblog, der auf Papier und Online erscheint, in der größten Tageszeitung Zyperns. Wir scheinen Theo Panayides, den Journalisten, ziemlich beeindruckt zu haben. Er stilisiert uns dermaßen zu Helden der Courage und Rollenvorbildern, dass es uns fast ein wenig peinlich ist.

https://cyprus-mail.com/2026/02/28/we-all-have-the-same-hidden-superpower

uns zieht es immer mal wieder ins hoi polloi. dort treffen wir am dienstag jojo, aus dresden.
es ist schön, nicht erst lange worte finden zu müssen, wenn es um politische themen geht. er ärgerte sich schon, daß er unsere slideshow verpasst hat, dessen plakat noch am fenster hängt und als wir auf ‚ende gelände‘ den braunkohletagebau im rheinland und die weggebaggerten dörfer, u.a. lützerath, zu sprechen kommen, wissen wir alle auch sofort, wovon wir reden.
da abends ein treffen von ‚United for Palestine‘ angesetzt ist und wir noch beim aramäischen imbiss essen wollen, nehmen wir ihn einfach mit.

Simon, der Inhaber des Hoi Poloi, war auch bei unserem Vortrag und lädt uns erst mal auf eine Runde Murphys ein. Simon ist echt super. Er macht zwar mit dem Hoi Poloi ziemlich Umsatz, aber man merkt auch, dass es ein politisches und soziales Projekt ist. Die Bandbreite der Ethnien, Genderidentitäten und Religionen unter den Mitarbeiter*innen ist beeindruckend. Es scheinen immer mindestens doppelt so viele Leute Schicht zu haben, wie gebraucht werden. Die meisten sitzen am Crew-Tisch rum, quatschen und bestellen sich auf Hauskosten was zu Essen. Viele haben schwierige Pässe und prekären Aufenthaltsstatus. Ohne das Hoi Poloi als Anlaufstelle und Geldquelle hätten sie echt Probleme.

und am mittwoch machen wir uns wieder auf den weg in den troodos.
wir haben ein bischen die sorge, daß wir mit dem zweiten versuch, noch mehr mufflone zu sehen, uns den zauber der ersten sichtungen und der wunderbaren wanderungen zerstören, aber wir wollen es trotzdem wagen.
wir suchen uns wieder eine picknickarea an einem anderen ort, aber auch zwischen nichts und gar nichts in ziemlicher abgeschiedenheit.
dort ist eine wanderung ausgeschildert. zu einer heiligen quelle, einer kapelle am ende, ab und auf und wieder zurück.
es geht steil bergab in wunderschöner landschaft. und endlich kann ich auch die auffälligen stämme des erdbeerbaumes zeigen und andere schönheiten:


die heilige quelle ist fast trocken und deren umgebung eine plastikmüllhalde. wir räumen erst mal auf.
nichts und niemand klärt darüber auf, warum und für was diese quelle heilig ist. gläubige haben über längeren zeitraum kleidung, schmuck, und andere textile besitztümer in bäumen und felsspalten hinterlassen. trotzdem muß es hier nicht so aussehen.

wir wandern weiter.
möglichst leise, an jeder wegkurve aufmerksam schauend. es ist ziemlich anstrengend und die steigungen sind beachtlich. am wegbeginn deutete das schild auf eine entspannnte wanderung von eineinhalb stunden hin für 5 km. aber das ist glatt gelogen. der mensch, der der das schild gemacht hat, hatte keine ahnung vom wandern und hat die höhenmeter nicht berücksichtigt. aber noch beschweren wir uns nicht, denn wir sehen sie :

suchbild für fortgeschrittene

beim weiterwandern entdecken wir noch zwei weibliche oder jungtiere, aber sie verschwinden hinter einer kuppe, ehe die kamera parat ist. und ein stattlicher bock steht zwar kurz wie hypnotisiert auf dem weg, erinnert sich dann aber schnell daran, dass er ein fluchttier ist.
insgesamt sind wir mit sechs sichtungen auf beiden touren dabei und wundern uns ein bisschen, daß wir mit leuten sprachen, die meinten: ‚ja, ich sah mal eines in meinem bisherigen leben, das wars….‘ . aber der zypriot an sich wandert nicht. das ist schade für ihn oder sie, aber ein glück für die mufflons.

als die kapelle am ende des weges im tal in sicht ist, machen wir pause und dann auch kehrt.
die langen abstiege auf dem hinweg haben meinen knien sehr zugesetzt und wir müssen das ganze zurück auch wieder rauf.
nach fünf einhalb stunden sind wir wieder am bulli. okay, wir lassen uns auch zeit. und ich gehe am schluß wirklich langsam.
das weiterfahren sparen wir uns für heute und sonnen uns mit blick in die berge im mufflon-glück.

offroad

wir wollen durch mylikouri. ein dorf, in dem noch ein paar alte leute wohnen und der rest der häuser als sommerfrische von hitze geplagten städtern genutzt wird.
es liegt so einsam,daß im winter die mufflons ins dorf kommen, um die rabatten und beete zu plündern.
wir müssen auf dem dorfplatz einen bauarbeiter fragen, wie wir richtung süden weiter kommen, denn die straßen im dorf sehen nicht unbedingt so aus, als würden sie problemlos befahrbar sein.
aber hinter der baustelle geht es schmal, doch asphaltiert durch den wald weiter.
aber dann hört der asphalt auf und wir sind auf einer piste mitten im wald. immerhin sehen wir frische reifenspuren.

und dann fallen wir vom glauben ab:
uns kommt ein jeep entgegen. und ein zweiter und als ich vermute: ‚da kommt bestimmt noch einerbiegt auch schon der dritte um die enge kurve. hintendrin zwei längsgebaute sitzbänke voller touristen, die sich mit einer safari-adventure-jeep-tour durch die ‚wildnis‘ kurven lassen und das ganze super toll finden.
ein paar minuten später das ganze noch mal, diesmal sind die jeeps weiß und später kommen noch mehr. jeweils von anderen anbietern.
wir sehen: ‚stevie´s jeep safaris‘, ‚jimie’s jeep adventures‘, ‚evis jeep safaris‘ und ‚cyprus eco tour adventures‘ – insgesamt über ein halbes dutzend offroad-touristen-schaukeln.

warum der fahrer so grinst, wissen wir nicht. denn wir machen grade sein geschäftsmodel kaputt, in dem wir ihm mit unserem alten bulli, der mitnichten wirklich geländetauglich ist, und dazu noch ziemlich abgefahrene reifen hat, langsam durch die bodenwellen schaukelnd entgegenkommen.

katzenkloster

irgendwann hat uns die befestigte straße wieder.
es geht nach akrotiri zum katzenkloster st. nicholas of the cats. dort sind katzen heilig, weil sie die insel mal vor eine schlangeninvasion gerettet haben sollen.
es ist üblich, eine spende in form von katzenfutter in den gotteskasten zu geben. 2017/18 schaute die nonne, die sie entgegennahm ziemlich grimmig drein, weil es nur ein halber sack war.
dieses mal haben wir schon seit tagen einen extra sack in der badewanne.
aber zuerst müssen wir an dem salzsee vorbei. jeden winter (oktober bis dezember) kommen flamingos, machen hier auf ihrem flug im märz/april zurück ihren brutgebieten zwischenstop.
eigentlich hätten sie da sein müssen, aber der see ist leer. beim letzten mal hatten wir sie noch gesehen.
2025 war ein negativ-rekord, was die anzahl betrifft. über 90% sind verschwunden. klimawandel, zerstörung der brutgebiete, umweltverschmutzung, d.h. WIR, sind dafür verantwortlich.
die welt wird wieder ein stück ärmer sein ohne sie.

letztes mal waren die flamingos noch da…….

aber das katzenkloster ist noch da. doch es hat irgendwie seinen charme verloren.
größere teile werden grade renoviert und zu tode aufgehübscht, vor den toren gibt es einen riesen parkplatz und wir vermissen die überall herumlungernden katzen, die es sich in den kakteen zwischen den langen stacheln gemütlich machen, wenn sie nicht gestreichelt werden wollen.
wenigstens lächelt die nonne, die wir nach längerem suchen sehen, als wir ihr das katzenfutter geben.
am parkplatz gibt es eine katzenfutterstation und dort lungern sie auch herum. am rand ein paar hütten mit rückzugsmöglichkeiten. mittlerweile verziehen sie sich ins hohe gras.
ein reisebus kommt vorgefahren und kippt touristen aus. sie schwärmen über das gelände, sammeln sich um den souvenirstand, den es am eingang gibt, machen ein paar fotos und sind wieder verschwunden.
auch wir wissen nicht mehr recht, was wir hier sollen und fahren weiter, nachdem wir noch ein bischen trockenfutter verteilt haben..

Mufflons im Troodos

13. febr. – 15. febr.

vorweg: ja, wir haben welche gesehen! nein, wir konnten leider keine photos machen.

zuerst noch ein wenig orgakram (H4C zum mails anschauen, einkauf), und wir machen uns wieder auf in die berge. es gibt zwischen bufferzone und den wirklich hohen bergen des troodos an der nordseite des gebirges im westen der insel eine region, die extrem dünn besiedelt ist und die kaum straßen aufweist. es gibt keine wandertouren dort und unser reisebuch schweigt sich ebenfalls weitgehenst aus. wenn wir mufflone (jaa, es heißt mufflons. aber mufflone klingt lustiger!) wären, würden wir genau da wohnen.
wir kommen recht spät los und als die berge erreicht sind, ist es schon dunkel.
außerdem regnet es phasenweise in strömen und in der nähe geht ein ehrliches gewitter runter.
wir fahren eine mehr als kurvenreiche aber noch mit mittelstreifen versehene straße entlang. michel muß immer wieder massiven steinschlagabgängen ausweichen (also auf der straße liegenden runtergekommenen steinen). mehr als 30 km/h sind nicht drin und auch nicht erlaubt. wir sehen nicht viel. nur, daß es rechts deutlich runter und links eine steilwand hoch geht.
eine abzweigung führt noch weiter in die berge richtung kampos, es wird noch kurviger, sowie einspurig und wir wähnen uns schon auf korsika, da landen wir an einem picknick-platz.
am morgen gestaltet sich die gegend in dieser weise:

aber bevor wir uns auf eine wanderung machen können, müssen wir erst mal bulli reparieren.
es hat viel geregnet und unsere matratze nebst bettzeug ist an einer stelle richtig nass.
michel findet das leck oben auf dem dach. dort sind immer noch risse von unserer landung im straßengraben als wir im herbst 2023 in nord-schweden zum nordlicht gucken waren. auf dem weg von kiruna nach abisco hats den bulli von der straße in den graben gelegt, weil wir die schneeglätte und die schlechtigkeit unserer reifen unterschätzt haben. (es waren neue deutsche winterreifen, aber über sowas lachen sie nördlich des polarkreises nur!) das kunststoff-hochdach hat uns das übel genommen. also heißt es jetzt erst mal silikon raus, rauf auf die leiter (ein alter lattenzaun) und bettzeug hochkant gestellt.

und dann kommt auch der schnee….ach nee, der steineräumdienst vorbei:

hiermit werden nach dem heftigen regen die steine über nacht runter gekommenen muren von der straße geschoben…

wildnis

offizielle wanderwege gibt es hier nicht. aber die wollen wir auch nicht. heute soll es mit aller gebotenen vorsicht gegenüber natur und eigener unversehrtheit querfeldein gehen.
allerdings: wir entdecken mufflon-pfade. und terrassen, die per hand angelegt wurden, aber schon lange nicht mehr bewirtschaftet sind.
und es gibt einen rauschenden bergbach, den wir schon am picknickplatz queren müssen und an dem wir rechts und links bergan vorbeikraxeln.

und plötzlich riecht es so wunderbar würzig und ich entdecke massenhaft wilden oregano.
zum glück haben wir eine zweite bergfex-tüte dabei und es wird abends frische kräuter auf den nudeln geben.
was schade ist: dieses kraut fand ich schon vor jahren auf korsica unterhalb der zitadelle von corti am hang. ich fragte einen ebenfalls sammelden einheimischen, was das sei, aber der sagte: keine ahnung, es ist lecker und ich tue es mir immer aufs essen.
daraufhin nannte ich es „korsisches zitadellenkraut“ und hatte ein geheimnis. dies ist jetzt leider gelüftet.

Vokabel: „Bergfex“ – Eine Mülltüte, die wir bei jeder Wanderung und Paddeltour dabei haben, um Müll zu sammeln. Wir hinterlassen prinzipiell keinen eigenen Müll in der Natur und nehmen prinzipiell etwas von dem Müll, den andere hinterlassen haben, mit zurück in die Zivilisation. Im griechischen Teil Zyperns ist es bisweilen sogar möglich, alles mit zu nehmen. Im türkischen Teil haben wir gegen die Vermüllungswut der Einheimischen keine Chance. Dort bleibt es ein symbolisches Sammeln, egal wie viel wir mitnehmen.

irgendwann kommen wir nicht mehr recht weiter, machen eine gründliche pause. es gibt griechisches pita-brot, hummus und frischen oregano. endlecker!!!!!
wir gehen auf dem selben weg zurück. und finden nicht nur mufflon-trittspuren, sondern auch:

etwas anderes kann es nicht sein, kaninchen vielleicht…aber dann wäre die hierzulande kaninchenjagd populärer.

abstieg, ohne mufflons

wir waren nicht sehr lange unterwegs, aber anstrengend war es doch. während wir kaffee in der sonne trinken und ich den oregano von den zweigen zupfe, damit er vernünftig trockenen kann, hält ein auto und der fahrer legt uns lachend mit den besten wünschen frische orangen auf den tisch.
in kampos gibt es eine forst- und krankenstation. natürlich weiß man dort längst, daß am picknickplatz gäste sind….

am nächsten tag machen wir eine zweite wanderung.
von unserem platz aus führt ein forstweg nach oben. der ist nicht spektakulär, fotos lohnen sich nicht recht, aber er führt in serpentinen durch einen wunderschönen, mal dichten, mal lichten und sehr einsamen wald.
aber von wegen einsam:
auf dem rückweg, nachdem wir an einer anderen straße nach kampos gelandet sind, keine vernünftige möglichkeit zum weiteres aufstieg gefunden haben außer der straße zu folgen, sind wir wieder auf dem selben weg zurück.

plötzlich: MUFFLONS!!!!!
zwei stück. definitiv ein männchen, unverkennbar an den hörnern zu erkennen, das zweite wohl ein weibchen. sie stehen 40 m von uns am hang und rennen sofort davon, als sie uns hören.
da michel beim wandern oft die vorhut bildet, bekommt er sie gut zu gesicht. ich erblicke aber noch ihre flüchtenden hinterteile! dann verschwinden sie außer sicht.
zeit für ein foto haben wir nicht, aber wir haben sie gesehen!!!!!!

wir können beruhigt wieder nach nikosia fahren.
und dabei merken wir erst, in welch schöner gegend wir gelandet sind.

und hier noch ein paar tierchen:

eine troodos-eidechse. nicht selten! aber schön!

schon seit ein paar tagen fällt uns dies satte gelb rechts und links von der straße auf.
es wirkt in mehrerer hinsicht absurd:
erstens haben wir erst mitte februar und aus deutschland erreichen uns bilder von schneelandschaften und verkehrschaos. zweitens sehen wir es öfter direkt unter olivenbäumen:
es ist raps! die ganze luft ist erfüllt von seinem duft, den ich erst im april erwarten würde. in olivenhainen trifft sich orient und okzident auf ganz besondere weise und 100 m weiter hat ein bauer seinen erdbeerstand an der straße aufgestellt und verkauft seine ernte.

Nachrichten aus Hebron:

Derzeit befindet unser Freund D. aus Hamburg als Protective Presence in Issas-Haus/ dem Sumud-Zentrum in Hebron. Er berichtet (Sa. 14. Februar):

„Zunächst ein gemütliches Frühstück mit Issa Amro […] und ein erstes Gespräch über seine Arbeit hier vor Ort und die Herausforderungen. […]
Dann Zitronen vom eigenen Baum pflücken, danach ein böser Siedler auf dem Pferd, der aus dem Nichts auftauchte und Drohungen ausstieß, und dann ein Stromausfall am späteren Nachmittag, als ich alleine im Haus war. Soweit so ruhig, dazu gemütliches Lesen und Teetrinken. Auf einmal fliegen faustgroße Steine aufs Gelände und in meine Richtung – ich sitze relativ geschützt und packe erst mal das Laptop weg und versuche dann zu entdecken, wer das ist. Überraschung, derselbe junge Mann von der Mittagszeit. Direkt daneben spielen Kinder und beobachten, während der Soldat im Wachhaus hinter dem Anwesen und vor dem Siedlerhaus „nichts hört und sieht“, wie er später behauptet. Das ist alles im Abstand von 10-20 m! Naja, das ist wohl ein eher harmloser Zwischenfall und dennoch zeigt Issa auch diesen sofort bei der Polizei an, als er später nachhause kommt, damit es zumindest aktenkundig wird […]. Wir bleiben noch eine Weile auf, aber mit Strom und Ruhe draußen ist jetzt erst mal Feierabend.“

Cat-Content:

Auch Adam, dem schwarze Hauskater des Sumud-Zentrums, geht es gut. Er schmust mit D., welcher uns dieses Bild von ihm schickt:

Aber seine rothaarige Schwester, „Lilith“ oder auch „Lilly“ genannt, wurde leider von Siedlern gekidnappt. Die Katzen haben ja ihre eigene Welt und wechseln zwischen Siedlern und Palästinensern hin und her. Doch wenn sie von den Siedlern, Soldaten oder Siedlerkindern als „palästinenensisch“ gelesen werden, dann werden sie halt „gekidnappt“ – was vermutlich ein Euphemismus für … ist 🙁

Lilly: Wir bewahren dich im Herzen!

Troodos, Nikosia, Slideshow

8.febr. – 13. febr. 2026

und jetzt ist mir was ganz blödes passiert:
unsere kamera hat sich ja als eher unzuverlässig erwiesen, was ihre arbeit anbelangt, deshalb bin ich bei wanderungen meist die hüterin des smartphones und mache damit unsere bilder.
aber nach der rückkehr nach nicosia nach unserer ersten troodos-wanderung drücke ich irgendwie die falschen knöpfe und der gesamte fotosegen ist futsch.
die rötlichen, schön geschwungenen glatten stämme des erdbeerbaums, die moosbehangenen äste der endemischen goldeichen, die fast so dicht stehen wie die bäume der macchia in den korsischen bergen. man kann grade mal fünf meter weit in die äste schauen, dann verlieren sich die augen im gewimmel.

der eine oder andere ausblick in die gegend muß auch ungezeigt bleiben.
aber bilder wird es noch geben, wir wollen noch eine zweite tour im troodos machen.

Nikosia

montag abend zum treffen von ufp (united for palestine) sind wir wieder in nikosia. unser stellplatz im süden der stadt ist in einer stillen ecke an der bufferzone. bulli bekommt den hintern an die dort stehenden üblichen tonnen gedrückt, an der ecke ist ein reggae-cafe (oder so) mit jamaikanischen farben und einer palestinensischen flagge. ringsherum sehen wir graffiti von eiva, die wir sehr schätzen und fotowände, die an die zeit der türkischen invasion erinnern.
alle anderen läden oder werkstätten sind geschlossen, die türen der wohnhäuser haben dicke vorhängeschlösser.
autos parken hier, von den leuten, die in der gegend arbeiten.
in der nähe der mauer ist es meistens ziemlich ruhig. die menschen mögen hier nicht wohnen, weil sie angst vor einer weiteren militärischen auseinandersetzung haben, und so dicht an der mauer wären sie sofort in der schusslinie. so erzählt mir eine mitaktivistin von ufp. wir finden diesen platz klasse.
auch von hier gibt es leider nur die bilder vom blick über die tonnen ins niemansland, die michel mit der zufällig willigen kamera gemacht hat:

das alles hat, wie eigentlich auch die ganze stadt, etwas von berlin vor dem mauerfall.
durch die teilung stehen viele häuser und geschäfte leer, weil niemand dort so recht leben mag, dafür ist viel platz für buntes, junges künstlerisches volk, die günstigen wohnraum oder billige räume für ihre projekte brauchen, galerien gründen, projekte starten, verschiedene treffpunkte für alles mögliche eröffnen und der stadt ein buntes liberales und weltoffenes und sicher auch cooles flair geben. wie das ‚yalla‘, das comunitiy-center, in dem wir die slideshow in ein paar tagen zeigen werden. oder der ort, an dem die treffen von ufp stattfinden. viele solcher orte führen auch dazu, daß die menschen lust haben, was eigenes auf die beine zu stellen. sei es der gedichte-lese-kreis, in den wir neulich durch zufall geraten sind oder das sprachentreffen, zu dem wir eigentlich wollten.

dazu kommt, daß der staat diese ansinnen gerne unterstützt. das ist gut für den ruf und ärgert vielleicht ein bisschen die menschen auf der türkischen seite der barrikaden.
dort ist aber ähnliches in gange. ein zeichen dafür ist das hoi polloi, daß es sonst sicher so nicht gäbe. bei der lage, so direk im zentrum der altstadt, wären die mieten sonst unbezahlbar und das bunt-linke publikum dort eher störfaktor, denn bereicherung.
oder die bars und cafes oberhalb unseres parkplatzes nördlich des grenzübergangs ledra-palace in den armenischen häusern, wo man auf der bastion sitzen kann.
okay, ich betrachte dies mit ein bischen magengrimmen, denn ich denke an die vertreibung eben der armenier, die dort wohnten. und ich frage mich, ob den betreibern und den gästen dieser bars wirklich klar ist, welche geschichte diese häuser haben, und dass sie im prinzip besatzer und kriegsgewinnler sind. ich würde dort nur sehr ungern einen kaffee trinken oder essen gehen.
dafür waren wir nicht drei monate in hebron!
wenigstens dürfen wir in einem dieser cafes unsere plakate aufhängen, die die slideshow ankündigen.
das alles würde der gentrifizierung anheim fallen, würde es die teilung der stadt nicht geben.

wir landen mit diesen plakaten natürlich im hoi polloi, wo simon, der betreiber, aber schon eines hat aufhängen lassen. wir bleiben auf ein paar wenige bier hängen und enden, typisch für diesen ort, im gespräch mit ryan vom nebentisch.
dieser ist us-amerikanischer englisch-lehrer in tschechien, free-jazz percussionist und schreibt grade seine doktorarbeit über eben percussion im free-jazz. kann man machen……
aber ryan hat auch viele fragen an uns und freut sich über das ausgegebene bier. daraufhin bekommt er natürlich eine reiseempfehlung nach bamberg, wo er doch schon in tschechien ist.

und ich kann nicht an mich halten. ich genemige mir eine leckere entdeckung, die hier ausnahmsweise auf der getränkekarte steht, was sonst nicht der fall ist.
zivanamelo: langsam erwärmter zivania mit honig, zitrone und gewürzen.
der rumgrog der insel.

am nächsten tag kommt ein griechischer soldat an unserer gemütlichen straßenecke vorbei. er findet, wir dürften hier nicht stehen, das würde vom militär gar nicht gerne gesehen. wir sollen verschwinden, sagt er. wir fragen uns ein bischen, warum. wir stören hier niemanden, der ort ist weit entfernt von jedem militärischen wachposten oder checkpoint, es ist lediglich die grenze zur bufferzone, welche die UN beaufsichtigt. ich glaube ja, der hat einfach keine lust auf uns oder ist sonst ganz unten in der rangordnung angesiedelt und hat jetzt mal gelegenheit, autoritär zu sein.
wir beschließen trotzdem, den ort zu wechseln und finden einen guten platz in der nähe auf einer brache.

unsere slideshow

donnerstag, 12.febr. 2026

seit tagen sitzen wir, feilen an den letzten texten, sortieren fotos und filme.
wir hören immer wieder, wie gespannt man schon ist und wie sehr man sich auf den abend freue.
ich werde ernsthaft nervös. weiß ich doch genau, daß ich meine reden nicht einfach so raushaue wie michel, der es als lehrer gewöhnt ist, vor einer klasse den lila-laune-erklär-bär zu geben.
wir sind sehr rechtzeitig im yalla. dort sind schon tische fortgeräumt und stühle gestellt und wir haben innerhalb einer halben stunde unseren rechner startklar, der hauseigene beamer läuft anstandslos, die soundanlage ist erstklassig. ufp hat einen infotisch mitgebracht.
wir haben das gefühl, wir können uns in ein wohlgemachtes bett legen, so gut vorbereitet ist alles.
es gibt gelegenheit, unsere worte noch mal anzuschauen und dann kommen auch schon die interessierten und der laden ist schnell so voll, daß noch stühle dazu geholt werden müssen.
mary hält eine kleine ansprache und erklärt, wer united for palestine eigentlich ist und was in den nächsten wochen geplant ist und dann haben wir für gut zwei stunden ein mehr als aufmerksames publikum. das besteht aus bekannten gesichtern, aber auch vielen menschen, die wir noch nicht kennen gelernt haben.
fragen und anmerkungen gibt es schon in der pause. aber auch hinterher müssen wir das eine oder andere erläutern.
jemand zeigt mir eigene bilder aus hebron von 2009. erstaunlich, wie sich die sterilisierte zone in H2 mit den jahren verändert hat. die siedler machen sich ihr okkupiertes gebiet schon schick, so mit blumenkübeln an der straße, die es damals noch nicht gab und mit ladentüren, die zwar zugeschweißt sind, aber sauber angestrichen.
viele bedanken sich für die so unmittelbar daher gekommenden berichte, und wir sind glücklich ein volles haus gehabt zu haben.

nach diesen bildern streikte wieder die kamera…..es waren irgendwann alle plätze besetzt. hinten wurde gestanden und an der bar wurde auch platz genommen.

für diese bilder hat die apparat wieder alles gegeben.
jacob von ufp hat noch fotos gemacht. die können wir sicher noch nachreichen.

Ab in den Süden!

4. febr. – 7.febr. 26

aber was heißt das hier schon.
einmal hingespuckt und man ist am checkpoint metehan, den man im gegensatz zu den checkpoints ledrastreet und ledra-palace auch mit dem auto passieren kann.
am türkischen teil müssen wir lediglich klären, daß wir über girne ende februar ausreisen werden und die griechische beamtin wundert sich nur über den anderen reisepass von michel, ansonsten haben wir auch dort keine schwierigkeiten.

Ich war im September ja mit meinem anderen Reisepass auf der Insel unterwegs. Personen mit doppelten Reisepässen bringen Zöllner und Polizisten offensichtlich regelmäßig durcheinander.

wir halten uns nicht lange auf und fahren direkt nach limassol.
auch hier: autochaos ohne ende, denn wir sind mittendrin im feierabendverkehr.
und auch diese stadt hat einen bauboom erlebt und erlebt ihn auch noch. es ist unfassbar.
oft sind die bauten noch nicht fertig, oder es fehlt noch ein anbau, ein stockwerk…
viele häuser oder wohntürme wurde von russen gebaut, die sich damit einen zypriotischen pass erworben haben. denn wer 2 mio. Euro investiert, bekommt den obendrauf.

Im Volksmund wird die Stadt auch „Limassolgrad“ genannt. Viele Russen, die entweder vor der Einberufung in die russische Armee fliehen oder ihren Lebensstandard und -Stil vor den gegen Russland verhängten Sanktionen bewahren wollen, leben in der Stadt. – Weil die EU entsprechend Druck gemacht hat, gibt es inzwischen übrigens keine zypriotische Staatsbürgerschaft mehr für jeden russischen Oligarchen, der 2 Millionen Euro in zypriotische Immobilien investiert.

erstaunlicherweise ist aber der kleine strandabschnitt noch für autos freigegeben, auf dem wir beim letzten mal schon standen. und wir haben mal wieder besten platz, den wir uns denken können.

ja, es ist warm genug zum barfuß laufen!

man kann auch schon ein wenig die füße ins wasser halten.
am nächsten vormittag machen wir eine kleine tour durch die altstadt, die eigentlich so alt nicht ist. aber es gibt nette kleine gassen, ein souvenir-laden nach dem nächsten und einen leider englischen pub, der aber mit lustigen aufstellern aufwartet:

wir nutzen noch schnell das internet der touristen-info und bleiben den tag am bulli.
tatsächlich finden wir limassol an sich unspannend.
aber die stadt scheint ziemlich weit vorne zu sein, was behindertengerechte infrastruktur angeht:

und ja, am hafen stehen schon die ersten figuren für den karneval, auf den wir uns wirklich freuen. wir werden wohl einen tag eher anreisen, damit uns der wunderbare stellplatz noch platz bietet. aber wir beschließen, gleich am nächsten morgen weiter nach pissouri zu fahren, wo wir eine wanderung entlang der spektakulären klippen machen wollen.

schon irland oder noch zypern?

es sieht streckenweise wirklich aus wie auf den klippen irlands. nur eindeutig wärmer und nicht so windig. wobei für diese jahreszeit schon viele leute unterwegs sind. doch das sind auch viele einheimische auf einem ausflug.

schöne blumen und pflanzen gibt es hier:

und als abschluß was zünftiges:

bier des monats…

die nacht verbringen wir in pissouri gegenübr der bar und frühstücken an der schicken strandpromenade.
reiche engländer führen ihre hündchen aus, manchmal zu fein um den beiden schlumpfig aussehenden fremden guten tag zu sagen.
immerhin finde ich einen perfekt ovalen stein, der aussieht, als wäre er mit der hand bearbeitet. zu was meer, wasser und wellen so in der lage sind!

wir verzichten auf die weiterfahrt nach pafos, sondern fahren zurück.
hinauf in die berge des trodos. schon wieder wandern! ich freue mich aber auch auf einen stellplatz in der wildnis. wo wir keine vorhänge brauchen, sondern gleich beim aufwachen den himmel sehen und mit freier sicht im bett frühstücken können.

Karaman und St. Hillarion

sa., 31. jan. – 2. febr. 26

das wetter ist ziemlich doof. die tour nach st. hillarion wird lang und schwierig. wir verschieben unser ansinnen auf morgen und fahren aber trotzdem schon zum ausgangspunkt nach karaman und stellen bulli vor die kirche.
karaman gilt als sauberstes dorf im norden von zypern, was kein wunder ist. hier wohnen schon seit langem nur engländer und deutsche. die häuser gehören der regierung und wurde für kleines geld an eben jene vermietet, mit der auflage, sie herzurichten und zu erhalten.

Also die Häuser gehören fast alle griechischen Zyprioten, die bei der trükischen Invasion 1974 vertrieben wurden. Die reichen Engländer und Deutschen, die hier wohnen, sind „Kriegsgewinnler“. Sie haben berechtigte Sorge, dass sie ihre hübschen Häuschen bei einem Friedensvertrag oder gar einer Wiedervereinigung beider Teile Zyperns an die ursprünglichen Besitzer und Bewohner verlieren. – Und ganz in Siedlermanier, zimmern sie sich ein entsprechendes Weltbild zurecht, in dem sie im Recht sind…

das ist auch der grund, warum die kirche gut renoviert und am sonntag geöffnet ist.
karaman ist ein hübsch-pittoreskes, aber durchaus lebendiges dorf. die bewohner nehmen es gelassen hin, daß sie selbst zu dieser frühen zeit im jahr ständig über touristen stolpern, die schnell fotos machen und wieder nach girne zurück fahren.

und es gibt katzen! eine dicker als die andere, alle kasriert/sterilisiert und zum zeichen dafür mit einer kerbe im ohr versehen.
sie kriegen einmal am tag trockenfutter auf den kirchplatz gestreut, an dem sich auch die hunde des dorfes gütlich tun.

am nachmittag sieht michel, wie eine anwohnerin ihre auffahrt mit dem auto verläßt und vergessen hat, die kofferraumklappe zu schließen. er rennt natürlich hinter ihr her und gibt ihr bescheid.
wir strolchen anschließend durchs dorf und landen in einem netten kleinen pub, wo es guinness aus dosen gibt. außerdem etliche leute, mit denen wir plaudern. emma, deren kleiner sohn auf zwei stühlen seelig schläft, ihr türkischer mann emre, der in deutschland unbedingt stuttgart besuchen will, wegen mercedes benz und porsche und auch wolfsburg wegen volkswagen.
emma empfehlen wir goslar und die gassen von stuttgart, während sich ihr mann autos anschaut. wir essen gut und werden am frühen abend mit den besten wünschen für eine gelungene wandertour verabschiedet.
abends klopft es am bullifenster. die junge frau mit der kofferraumklappe ist nach hause gekommen und will wissen, ob es uns gut geht und ob wir noch irgendwas für die nacht brauchen. warme decken oder so und wenn sie uns helfen kann: sie wohne oben in dem haus und wir sollen ruhig klingeln. aber wir sind rundum glücklich.
wir wollen einen film schauen und haben tatsächlich zwei kirchenhofkatzen mit im bett. sie steckten ganz neugierig ihre nasen bei uns rein und legen sich schnurrend zu uns.
ich schlafe die halbe nacht nicht, weil eine der beiden tatsächlich zwischen michel und mir über nacht liegen bleibt und nicht aufhört, geschmust werden zu wollen.
das beifahrerfenster ist sicherheitshalber offen, aber gnädigste verschwindet erst am morgen als auch ich aufstehe.

madame fluffi wartet auf das ihr noch herzurichtende bett

st. hillarion

der rundweg ist im rother wanderführer wegen seiner länge und dem sehr steilen abstieg als schwere tour gekennzeichnet. es geht alles gut, wir haben perfektes wanderwetter. trocken und nicht zu warm. ich bin froh über meine richtig guten wanderstiefel und stöcke. auf dem rückweg können wir aus weiter ferne schon bulli vor der kirche auf uns warten sehen.

zurück in karaman frage ich die anwohnerin, ob wir bei ihr duschen dürfen.
ganz ehrlich: die letzte dusche hatten wir in amman zum jahreswechsel. seit dem gab es nur mehr oder weniger gründliche katzenwäschen im bulli. es macht mir nichts aus, mal vier wochen keine haare waschen zu können. sie werden irgendwann nicht mehr dreckiger und fühlen sich einfach nur fester an. aber ab einem bestimmten punkt wäre es dann doch mal ganz schön.
uns öffnen sich sofort alle türen, incl. der schranktüren mit den handtüchern.
es stellt sich bei einem anschließenden tee heraus, daß unsere gastgeberin aus marokko kommt, in girne studiert und die hüterin des hauses und der im haus lebenden katzen ist. die besitzer sind grade in kanada auf heimaturlaub.
und wenn die zurück kommen, zieht unsere gastgeberin wieder aus und hat schon den nächsten auftrag in einem deutschen haushalt, wo sie gegen freies wohnen das haus hütet.
die heiße dusche ist eine wohltat, leider verbrüht sich michel hand und hals, weil ich mit der mischbatterie nicht zurecht komme, sich der schlauch gelöst hat, durch die dusche spritzt und das wasser kochend heiß ist. aber wir bekommen eine tolle salbe mit auf den weg, die michels haut gut tut.
in der zweiten nacht kommen leider keine katzen, um bei uns zu schlafen.