Fr. 20. – Mo. 23. Februar
Im Rheinland war gerade Aschermittwoch. Hier steuert der Karneval gerade erst auf seinen Höhepunkt, die große Parade in Limassol, zu. Grund ist, dass die Orthodoxe Kirche sich nach dem julianischen Kalender richtet. Die Kalenderreform von Papst Gregor im Jahr 1582, haben sie aus Prinzip nicht mitgemacht. Somit liegt das Osterfest später und daran hängend auch der Karneval.
Wir verlassen das Katzenkloster von St Nicolas of the Cats und fahren auf den Stadtstrand von Limassol. Ganz nebenbei rutschen wir dabei über die internationale Grenze von der SBA der „Souveränen britische Basis Akrotiri“, von der aus Royal Air Force bei quasi jedem westlichen Kriegseinsatz im Nahen Osten mitmischt, rüber zur Republik Zypern.
Den Rest des Freitags und den gesamten Samstag lungern wir lustvoll am Stand rum. Die Sonne scheint, wir beobachten die Schiffe, und es ist sogar so warm, dass ich zweimal zum Baden ins Meer gehe. Das ist zwar noch nicht mollig warm, aber mit der Elbe um Pfingsten, kann es problemlos mithalten.

Am Sonntag ist dann der große Karnevalsumzug. Die ganze Woche hat es schon kleinere Umzüge, die hiesigen Veedelszöch, gegeben. Aber das hier ist der Rosenmontagszug Zyperns. Der Autoteil des Stadtstrands, auf dem Bulli steht, ist keine zwei Kilometer vom Startpunkt des Zuges entfernt. Wir machen uns also Mittags zu Fuß mit einem Rucksack voller Bier und alkoholfreien Zwischensoftdrinks auf den Weg. Der Zug startet in der Theorie um 13:00 Uhr. Aber das hier ist der Nahe Osten. Zeitangaben sind nur sehr begrenzt ernst zu nehmen. Wir müssen auch noch erst durch ein ziemliches Partygewühl bis wir an eine gute Stelle zum stehen, schauen und feiern kommen.
Und dann haben wir richtig Spaß:



Insgesamt besteht der Zug aus knapp über 115 Gruppen, etwa die Hälfte mit eigenem Wagen. Das ganze macht echt Laune! Groß und Klein machen Party und haben richtig Spaß. Was im Gegensatz zu Köln auffällt: Es gibt keine Wägen mit politischen Karikaturen. (Limassol fehlt dringend ein Jaques Tilly!) Und es werden keine Kamelle geschmissen. (Dafür zentnerweise Konfetti!). Im Gegensatz zu Rio und Köln fehlen auch Sambatänzerinnen oder Funkenmariechen, die ihre Sache wirklich können. – Trotzem wird allenthalben zur Musik getanzt und gehüpft. Und für dieses Wetter beim Umzug würde ein Kölner Karnevalist vermutlich sogar nach Düsseldorf fahren 😉
Was neu ist, ist dass die Jugendlichen haufenweise Dosen mit Sprühschaum dabei haben, um sich gegenseitig, den Karnevalszug und überhaupt alles einzusprühen. Es gibt haufenweise migrantische fliegende Händler, die sie mit Nachschub versorgen.

Am meisten begeistern uns die Philippinas. Es gibt eine Menge Philippinas auf der der Insel, die im Hintergrund das Gastro- und Tourismusgewerbe am Laufen halten, und sicherlich die Carearbeit in so mancher reichen Familie übernehmen. Hier machen sie sich sichtbar. Die Kostüme sind alle selber gemacht. Aus billigsten Materialien. Die Kopfschmucke sind beklebte Einwegpappteller.


Der Zug endet erst, als die Sonne sich langsam dem Horizont entgegen senkt. Viele werden noch die ganze Nacht durchfeiern, aber wir machen uns auf zum Bulli. Die letzte, offiziell nicht mitgezählte, Gruppe des Zuges stellt die Stadtreinigung. Sie hat alles Personal und alle Wägen zu einer wahren Leistungsschau aufgefahren. Direkt hinter dem letzten offiziellen Wagen werden sofort die Gitter abgebaut, Konfetti und Müll weg geschaufelt und die Straße gereinigt.

Der nächste Tag ist der „Grüne Montag“. Ein Feiertag im Südteil der Insel. Wir sagen dem Autostrand von Limassol, der südlichsten Stadt Zyperns, „Adee!“. Schon etwa eine Stunde später passieren wir die innerzypriotische Grenze. Wir rechnen ein wenig mit Problemen, werden aber von den Grenzbeamt*innen beider Seiten nach kurzem Passcheck durchgewunken. Kaum eine halbe Stunde später sind wir schon am Hafen von Girne (Kyrenia) an der Nordküste. Die Insel ist wirklich nicht sehr groß! Und doch vielfältig, wie ein Kontinent!
Im Büro der Fährgesellschaft besorgen wir uns Tickets für die Überfahrt in die Türkei. Da es derzeit keine Fähre gibt, die 2 Menschen und einen 2,60m hohen VW-Bus mitnimmt, müssen wir getrennt fahren. Der Bulli fährt mitsamt Fahrer, also Michel, in der Nacht von Freitag auf Samstag. bina kommt dann am Sonntag mit der Schnellfähre nach.
Nachdem das geklärt und gebucht ist, fahren wir zurück nach Nikosia und stellen uns auf unseren Stammplatz direkt nördlich vom Grenzübergang Ledra-Palace.




























































































