fr.: 26.dezember. 2025
es ist erfeulicherweise so ruhig, das man an friedenszeiten glauben könnte.
alle augen der öffentlichkeit sind gerade auf bethlehem und die dortigen feierlichkeiten gerichtet, das verschafft uns hier noch mehr luft.
wir genießen die sonne tagsüber auf dem ausguck, haben ein auge auf siedler, soldaten und sonstige passanten und die katzen neben uns.
am 23.12. gehen wir in die stadt um, die weihnachtseinkäufe zu erledigen. am heiligen abend soll es ein großes fest geben. mit deutsch-dänischem essen und weihnachtsbeleuchtung.
wo letztere herkommen soll ist noch nicht gewiss, aber issa sagt, er kümmert sich darum. wir kennen die leute hier mittlerweile so gut, daß wir uns entspannt zurücklehnen und denken: ‚wird schon werden‘.
bina steht schon nachmittags in der küche und kocht die gerichte, die einen tag stehen können. wir haben ja nur einen zwei-flammen-gasherd.
und am 24. 12. geht es morgens zusammen mit der amerikanisch-dänischen langzeitaktivistin richtig los. schnippeln und kochen wird begleitet durch gemeinsames singen von simon&garfunkel-evergreens.


währenddessen wird issas zimmer renoviert. schon seit tagen sind abu natschi und all die anderen unermüdlich von morgens bis abends dabei, das zimmer zu isolieren, neue elektrik zu installieren und zu streichen. unfassbar, welche energie sie haben.


die arbeit wird nur durch kurze kaffeepausen unterbrochen und heute durch einen ganz besonderen lunch:
wir bauen unseren tisch draußen vor dem haus unter den olivenbäumen auf und decken dort die tafel. in der sonne mit dem blick auf die stadt ohne gitterzaun. natürlich schweifen die blicke immer wieder kontrollierend in die gegend und in richtung siedlung und soldaten.
aber niemand läßt sich blicken und die jungs sitzen an der kante und filmen sich und den ausblick.
durch den regen in der letzten zeit ist alles grün, sogar die eine oder andere wilde iris blüht.


wir können es sogar wagen inmitten der natodrahtabzäunungen einen alten olivenbaum zu fällen und als feuerholz ins haus zu holen, der von den siedlern abgebrannt wurde und nicht mehr ausgeschlagen ist.



es ist schon fast lustig: durch die checkpoints darf man aus sicherheitsgründen nicht das kleinste butterbrotmesser mitnehmen. und durch die hintertür werden ganze kettensägen in die nachbarschaft geschmuggelt.
und dann ist plötzlich weihnachten.
jemand hat ein halbes dutzend lichterketten aus der stadt mitgebracht, die issa zusammen mit den sternen, die eigentlich zu ramadan aufgehängt werden, montiert und die jetzt in der dunkelheit fröhlich vor sich hin blinken. über eine große box ertönt weihnachtspop, die großen tische werden aufgebaut und die ersten olivenbaumstücke brennen in der feuertonne.
alle, die wir eingeladen haben, sind gekommen.
wie es sich gehört, biegt sich der tisch vor lauter schüsseln und tellern und was in stunden vorbereitet wurde, ist innerhalb kürzester zeit aufgegessen. natürlich gibt es viel zu viel und wir werden die nächsten drei tage noch davon zehren. wie zuhause.
frohe weihnachten euch allen. und ein schönes neues jahr!!!!

Anschließend sitzen wir lange gemeinsam am Lagerfeuer:

kinozeit
der erste weihnachtstag ist verplant mit großputz, terrasse, toiletten, küche, kinosaal, alles wird auf hochglanz gebracht.
abends soll zum ersten mal ein richtiger film im ahmad-filmhouse gezeigt werden.
‚coexistensce, my ass‘ von amber fares mit und über noam shuster eliassi, einer israelisch-iranischen commedienne, und ihrem werdegang als komikerin und menschenrechts-aktivistin. inclusive einer anschließenden liveschalte zu noam mit der möglichkeit fragen zu stellen.
mehrheitlich internationale gäste kommen. etliche kennen wir.
aber vor allem kommen unsere freunde und aktivisten von ’stay together‘ aus tel aviv, bei denen wir yom kippur feierten und unsere ersten tage verbrachten.
ihnen unsere direkte umgebung zeigen zu können freut uns besonders.
es wird während des films sogar popcorn gereicht und anschließend wartet leckeres essen und frisches knefe, das amir so lecker über dem feuer zuzubereiten weiß.


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