ich bin mit der gesamtsituation unzufrieden: da versuchen wir in israel/palästina alles, um endlich vom mossad oder wem auch immer beachtet zu werden und der weigert sich einfach. keine interviews am flughafen, keine durchsuchungen von bulli, nichts. wir werden einfach durchgewunken. es ist ein skandal.
ich frage mich, was die horrenden hafengebüren und die sonstigen kosten rechtfertigt, die wir sowohl in haifa als auch in limasol zu entrichten hatten.
Es hat sich anscheinend ausgezahlt, dass wir in Hebron meistens lieber einen Umweg gegangen sind, als eine Datenspur beim Checkpoint zu hinterlassen, dass wir beim Verlassen des Westjordanlands meistens über einen bestimmten Checkpoint gefahren sind, der keine Kamera zum Aufzeichnen der Autokennzeichen hat, dass wir kein Smartphone haben, dass wir Facebook und Twitter meiden und dass wir “Leo und Molly” erfunden haben.
Wir hatten uns auf ein solides Kreuzverhör am Flughafen Tel Aviv eingestellt, wie wir es aus Erzählungen anderer Aktivisten kannten. Aber alles was kommt ist: “Wo kommen Sie gerade her?” – “Tel Aviv.” – “Wo haben sie dort geschlafen?” – “Bei Freunden.” – “Danke.”
In der Reihe vor uns fliegt eine Hochzeitsgesellschaft.
In Israel hat das orthodoxe Rabbinat das Monopol auf Eheschließungen für Juden. Eine Zivilehe gibt es für Juden nicht, und die Eheschließung durch liberale Rabbiner ist illegal. Juden, die zivil oder liberal heiraten wollen, können dies nur im Ausland tun, was zu einem regelrechten Heiratstourismus von Israel nach Zypern führt.
Ob es die Zivilehe für palästinensische Israelis gibt, und wie Mischehen geschlossen werden, wissen wir nicht.
wie dem auch sei: in aller herrgottsfrühe lassen wir uns von tel aviv zum flughafen fahren, checken ohne schwierigkeiten ein, fliegen mal eben nach larnaka und fahren von da aus mit dem bus nach limasol, bulli aus dem hafen kratzen.
wir sind tatsächlich eher im hafen als bulli, dessen schiff gegen 12.30 anlanden soll. wir müssen warten und ich werde langsam nervös, weil der zoll um 15.00h feierabend macht, es freitag ist, am wochenende nicht gearbeitet wird und wir keine lust haben, zwei tage im hostel zu verbringen. nach 5 std. hin und her klappt aber alles grade noch rechtzeitig. sogar ohne agenten, der uns durchs abfertigungsgewirr hätte leiten sollen und auch noch was kosten würde. um 10 min nach 3 muß der hafenarbeiter, der uns bulli aus seinem vergitterten hafenareal aushändigen muß, zwar aus seinem feierabend zurückgepfiffen werden, nachdem ich demjenigen, der uns vom tor dorthin fuhr, klar mache, daß bulli unser zuhause ist und wir ohne ihn aufgeschmissen sind, aber dann ist die familie wieder vereint.
unseren ersten zypriotischen kaffee bekommen wir übrigens geschenkt. am zollbüro ist ein cafe, wo wir uns die wartezeit verkürzen. der kaffee wird nicht einfach über einer gasflamme erhitzt, sondern in einer metallschale mit heißem sand, der die kanne von allen seiten wärmt. das schmeckt man und die bedienung freut sich offentsichtlich über unser interesse, das sie nichts für die beiden tassen haben will.
Bulli nach von Israel nach Zypern verschiffen kostet uns knapp über 1.500€ – woran die Hafengebühren einen guten Anteil haben.
wir verbringen den abend mit einem gut gedeckten arabischen mezze-tisch und (ja, ich gebe es zu) ich betrinke mich gründlich.
das brauche ich grade. ich muß es irgendwie schaffen, die emotionalen strapazen aus palästina hinter mir zu lassen, damit ich mich auf die weitere reise freuen kann, ohne die wut im bauch zu verlieren, die dafür sorgen wird, daß ich zu hause mit der arbeit gegen die besatzung weitermachen kann. da kommt der gute zypriotische rotwein in gesellschaft von michel und interessanten, lieben bekannten grade recht.
Eine temporäre Campingplatz-Idylle auf dem Parkplatz. Von links nach rechts: Ex-Straßenhund Erica, bina sitzt am Tisch mit W…, dahinter Sohn K… an der Beifahrertür des Familienbullis, J… beim Abwasch.
Aydin vermittelt uns an “Unite Cyprus Now” (UCN), eine bikommunale (also türkisch-griechisch-zypriotische) Initative, die verhindern will, dass der Status Quo schleichend zur dauerhaften Teilung der Insel führt. Sie sind unter anderem jeden Samstag zwischen 11 und 12 Uhr in der UN-Pufferzone zwischen den Checkpoints am “Grenz”-Übergang Ledra-Street mit zypriotischer Musik vom Band und einer Ausstellung von Zypern-Cartoons präsent und verteilen Flugblätter. – So waren wir schon im Oktober an ihr Flugblatt und ihren Aufkleber gekommen. Damals aber ohne weiteren Kontakt.
Unite Cyprus Now hat auch einen Veranstaltungs- und Lagerraum mit Toilette und Teeküche in der Pufferzone. Nach der Flugblattverteilstunde halten sie hier ihr wöchentliches Gruppentreffen ab. Aber nicht drinnen, sondern öffentlich davor.
1. Samstag: Gruppentreffen in Pufferzone
Am ersten Samstag bittet Tina (unten im Bild links neben Michel) uns darum, kurz von unserem Aufenthalt in Israel/Palästina und unseren Erfahrung in Hebron zu erzählen und schlägt vor, dass wir am nächsten Samstag um 12 Uhr vor einem etwas größeren Publikum eine Slideshow zu dem Thema machen, für die dann auch gezielt auf der Facebookseite der Gruppe geworben wird. Unser kurzes Erzählen wird durch viele Nachfragen zu einem etwas längeren Erzählen, das dann mit dem Verweis auf nächsten Samstag abgebrochen wird. – Außerdem werden wir zu zwei Abendessen der Gruppe am Mittwoch und Freitag eingeladen.
Gruppentreffen von Unite Cyprus Now in der UN-Pufferzone des Übergangs Ledra-Street.
Anschließend gehen wir noch zum gemeinsam Mittagessen in ein nahegelegenes Restaurant mit. Als wir am Ende unseren Anteil zahlen wollen, sind wir zu spät dran. Alles ist schon beglichen.
so ein essen erschlägt einen fast. in nullkommanix biegt sich der tisch vor leckereien, der wirt kommt mit einem schüsselchen nach dem anderen. daß wir eigentlich nur ein bier mit trinken wollen, wird nicht akzeptiert. es werden drei gespräche auf einmal geführt, alles quatscht durcheinander, es geht lebhaft durch alle themen kreuz und quer.
wir haben das gefühl, sofort in dieser gruppe nicht nur herzlich empfangen, sondern auch auf verschiedensten ebenen sofort aufgenommen worden zu sein. michel quatscht mit thomas über religion (thomas gehört hier zur maronitischen minderheit), ich hocke neben tina und wir plaudern über meditation, mit ioli berate ich, welcher zivania am besten ist und verschiedene andere dinge. mir gegenüber hockt natalie, die mich über das katzensterilisationsprogramm auf zypern aufschlaut. viele dieser menschen sind auch über die politischen interessen hinaus hoch interessant.
Mittwoch: Zypernkonflikt trifft Israelkonflikt
Am Mittwochabend ist Unite Cyprus Now mit einer etwa 40 Personen zählenden Gruppe des israelischen Projekt “Living Together” verabredet. “Living Together” lädt ein und zahlt das Abendessen. Die Gruppe besucht für eine paar Tage Zypern, um über den Zypernkonflikt einen anderen Blickwinkel auf ihren eigenen Konflikt zu bekommen. Doch anders als von Unite Cyprus Now erwartet, bildet die “Living Together”-Gruppe nicht den israelisch-palästinensischen Konflikt ab, sondern die innerisraelischen Konflikte. Sie besteht vor allem aus nationalreligiösen Siedlern, ultraorthodoxen Haredim und säkularen Zionisten, dazu einige linke Israelis (die in Deutschland als rechts gelten würden) und drei arabischen Israelis (die alle drei die israelische Staatsbürgerschaft haben und von denen sich zwei als Israelis und nur eine als Palästinenserin bezeichnet). – Palästinenser aus dem Westjordanland, Gaza, Ostjerusalem, nicht anerkannten Dörfen in Israel und so weiter fehlen vollständig.
Entsprechend einseitig israelisch geprägt sind die Sichtweisen in der Gruppe auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Konfliktfragen innerhalb der Gruppe drehen sich darum, wie die grundverschiedenen israelischen Gesellschaften aus denen sie kommen zusammenleben können. – Palästinenser kommen (außer bei der einen Palästinenserin) nur als “die Anderen” vor, die zu einem Problem werden, weil die Nationalreligösen das “ganze Land”, die säkularen einen “demokratischen Staat” und die Ultraorthodoxen einen “jüdischen Staat” haben wollen.
Wir werden zum Abendessen gemischt auf die Tische verteilt und es ist furchtbar interessant:
So sitze ich neben einem nationalreligösen Siedler aus einer Siedlung bei Hebron, der mich sogar zu sich einlädt.
Eine ultraorthodoxe Jüdin rauscht beleidigt ab, als ich sie wegen ihres Kopftuchs für eine muslimische Palästinenserin halte.
Der Aufwand, der für das koschere Essen der Haredim getrieben wird, ist unglaublich. Nicht nur koscher zubereitetes Essen, auch steriles Einweggeschirr, dass garantiert nicht kontaminiert ist und zu Trinken nur aus der eigenen Einwegdose, nicht aus der Wasserflasche auf dem Tisch, aus der auch die Goi (wir Nichtjuden) trinken.
Ich beobachte als mit beiden Konflikten bekannter Außenstehender gebannt, wie Israelis und Zyprioten permanent aneinander vorbei reden, weil sie die Kategorien des jeweils eigenen Konflikts auf den den jeweils anderen Konflikt übertragen. So gehen sowohl die Fragen, als auch die Antworten und das Hören der Antworten an den jeweils Anderen vorbei. (Ein interessantes Anwendungsbeispiel für Luhmanns Systhemtheorie! Grob vereinfacht: Jedes Systhem verarbeitet alles in den ihm eigenen Kategorien.)
Leider durfte zum Schutz der jüdisch religiösen Teilnehmer nicht photographiert werden, da zum Beispiel die ultraorthodoxe Frau, mit der ich am Tisch saß, massiven Ärger ihrer Gemeinde bekommen würde, wenn die mitbekäme, dass sie mit wildfremden Männern, mit Säkularen und Goi gemeinsam am Tisch sitzt.
an meinem tisch saßen ein national-religiöser jude, die eine linke israelin, ein weiterer, gemäßigter orthodoxer, der erfreulicherweise tatsächlich ‘palästinenser’ sagte und nicht ‘araber’ und der meinte, der zypern-konflikt sei ein sehr komfortabler konflikt. thomas von unite cyprus now und auch c… war dabei, die wir ja ein paar tage vorher im H4C mit mann und ihrer tante getroffen hatten, sowie ein weiterer israelischer palästinenser.
wir diskutierten u.a. über das palästinensische bildungssystem, das den konflikt nur sehr einseitig lehre und darin eine ursache für die nichtlösbarkeit des problems zu suchen sei. zum glück gab es auch meine stimme und die der linken israelin, daß die israelischen schulbücher auch nicht besser seien.
2. Samstag: Slidshow Hebron
Wir sind zu früh da. Einige von den anderen auch und sitzen schon mit irgendeinem Dokumentarfilmer im Yaja Viktoria auf der griechischen Seite des Checkpoints. Irgendwann schleiche ich mich weg, um diesmal der Einladende, der Zahlende zu sein. Als der Kellner mir die Rechnung hinhält und ich das Portmonnaie schon in der Hand habe, ruft Thomas etwas auf Griechisch und ich bin aus dem Rennen. – Der Kellner gestikuliert “Entschuldigung – Basta”. Thomas hat Heimvorteil und lädt uns ein.
Pünktlich um 11 Uhr werden dann in der Pufferzone Flugblätter verteilt, Musikanlage raus- und angestellt, Transparent und Cartoons aufgehängt.
Flugblätter verteilen geht mit einem Lächeln besser.Zwischendrin geben wir ein Interview für ein hiesiges Freies Radio.
Wir denken schon: “Whow, sind die gut organisiert!” Doch dann: “Welcome to the Middle East!” Das Kabel vom Laptop zum Beamer passt nicht , das herbeitelefonierte Kabel kommt zu spät und ist das falsche, der Beamer ist zu lichtschwach…
Wir beginnen unseren Vortrag mit einer halben Stunde Verspätung, dem Laptopbildschirm als Beamerersatz und einer handgezeichneten Skizze am Flipchart statt einer ausgedruckten Karte. – Aber alle außer uns scheinen das gewohnt zu sein. Von den etwa 40 Zuhörern wäre ohnehin kaum die Hälfte rechtzeitig da gewesen.
jungejunge, bin ich nervös! auf deutsch hätte ich meine beiträge so rausgehauen, aber mit meiner stümperhaften englisch-grammatik finde ich das dreimal schwieriger. ich hab vorher richtig ein bischen geübt. als wir dann vor dem publikum stehen und ich sehe, wie sie erschrocken sind über das, was wir ihnen erzählen und ich das gefühl habe, auf offene ohren und herzen zu stoßen, ist es ganz leicht. michel hat da keine probleme. er steht ja auch zu hause jeden tag vor einer schulklasse.
Wir wollen Anfang Oktober rechtzeitig zur Olivenernte in Hebron in Palästina sein. Dort wollen wir dann 3 Monate lang, also bis Ende Dezember, als internationale Freiwillige für Youth Against Settlements aktiv sein. Wir wollen uns mit unseren Körpern und unseren deutschen Pässen der Apartheid und der ethnischen Säuberung entgegensetzen.
Als Deutsche brauchen wir eigentlich keine Visa für Israel. Aber seit ein paar Monaten muss man sich online anmelden, damit man überhaupt nach Israel fliegen darf. Man muss also eine Abflugserlaubnis beantragen. Das ist noch nicht die Einreiseerlaubnis. Über diese entscheidet dann der Zoll vor Ort am Flughafen in Tel-Aviv.
Es gibt übrigens ein zweites Land dass dieses neuartige sogenannte ETA-System eingeführt hat: Die USA unter Trump…
Da wir vermuten, dass für das ETA-Verfahren u.a. das Netz mit einer KI durchsucht wird, haben wir für die Zeit zwischen ETA-Beantragung und erfolgter Einreise in Israel diesen Blog hinter einem Passwort versteckt.
Die ETA-Approvals haben wir übrigens schon wenige Minuten nach Antragstellung erhalten. Wobei ich schon unangenehm fand, was die alles wissen wollten: Nicht nur unsere Daten, sondern auch die unserer Eltern und unserer Arbeitgeber.
Mit der Onlinebuchung unserer Flüge bin ich zunächst mehrfach gescheitert, weil das Netz am Strand so schwach war. Und bei jedem neuen Versuch stieg der Preis, weil es aus Sicht des Systems ja offensichtlich eine große Nachfrage gab. Also haben wir die Flüge oldschool direkt am Flughafen in Larnaca gebucht.
Michel am Ticketschalter im Flughafen Larnaca.
Dort waren gerade auch jede Menge jüdischer Männer, die auf dem Weg von Israel nach Uman in der Ukraine waren. Dort wollen sie das Jüdische Neujahrsfest „Rosch ha-Schana“ (dieses Jahr 22.-24. September) am Grab von Rabbi Nachman verbringen.
Ich fand ihre Witze über Gaza und Völkermord nur schwer zu ertragen! Dass sie sich ständig vordrängelt haben, und jedes „Bitte“ und „Danke“, jede Höflichkeit gegenüber den Frauen hinter dem Schalter haben fehlen lassen, hat es nicht besser gemacht. Und dass wirklich jeder noch einmal von vorne diskutieren musste, warum er in Euro und nicht in US-Dollar bezahlen muss, obwohl der doch mit bekommen hat, dass die zehn Männer vor ihm auch nicht in US-Dollar zahlen durften, war nicht nur für die Frauen hinter dem Schalter wirklich anstrengend.
Seit Dezember 2023 führt die Britische Royal Airforce täglich (oder fast täglich) Spionageflüge von ihrer Basis Akrotiri auf Zypern über Gaza durch.
Was genau sie dort machen ist (natürlich) nicht ganz klar. Unter anderem, weil sie auf halbem Weg ihre Transponder abschalten. Einmal haben sie es jedoch vergessen und an dem Tag sind sie über zwei Stunden über Khan-Junis gekreist, wo zu der Zeit der Schwerpunkt der Offensive des Israelischen Militärs war und wo damals nicht einmal die Israelis irgendwelche Geiseln vermuteten.
Das passt nicht zur offiziellen Version, dass es bei den Flügen nur um Geiselbefreiung geht. Zumal Dank investigativer britischer Journalisten bekannt ist, dass die Informationen in Echtzeit mit der Israelischen Armee geteilt werden.
Inzwischen werden die Flüge offiziell nicht mehr von der Royal Air Force selbst durchgeführt, sondern von einer „privaten“ Firma, die normalerweise für die US-Air Force (und vermutlich die NSA) arbeitet.
Am Sonntag gibt es daher 3 Demonstrationen in 3 Ländern, die aufeinander Bezug nehmen. In Nicosia auf Zypern vorm Britischen Hochkomissariat, in London vorm Geheimdiensthauptqartier GCHQ und in Nevada, wo die „private“ Firma sitzt.
Das Britische Hochkomissariat liegt in der Pufferzone, im Niemandsland. Besser gesagt: An dieser Stelle ist es die Pufferzone. Dadurch führt die Demo durch eine zum Teil absurde „Landschaft“.
Neben der Solidarität mit Palästina und dem Genozid in Gaza geht es auch um die Britischen Basen auf Zypern, die immerhin 3% der Insel ausmachen. Die Briten haben, als sie Zypern 1960 in die Unabhängigkeit entließen, ihre wichtigsten Liegenschaften als „Souvereign Base Areas“ behalten. Also de facto als Kronkolonien wie Gibraltar. Das sind insbesondere die Aktotiri und Dhekelia. Akrotiri beherbergt eine Airbase, auf der auch über 100 US-Soldaten dauerhaft stationiert sind. Obwohl die Amerikaner offiziell nicht da sind. Akrotiri ist die zentrale Startrampe für fast jede Bombardierung der Britten und mutmaßlich so einiger Aktivitäten der Amerikaner im Nahen Osten. Dhekelia beherbergt den zentrale Geheimdienstkontenpunkt von GCHQ und NSA im östlichen Mittelmeer. Wie wir dank Edward Snowden wissen. Briten und Amerikaner teilen sich den Unterhalt brüderlich fifty-fifty.
im geiste memorieren wir immer wieder, was wir sowohl in larnaca am flughafen als auch in tel aviv bei den kontrollen sagen wollen.
nachdem wir die großen rucksäcke mit der folie eingepackt haben, stehen wir endlich am check-in.
ich habe steine im magen, aber ich lächele genau wie michel sehr sonnig und tue so, als würde ich mich auf die reise nach israel unbändig freuen. die dame checkt unsere pässe sehr gründlich, hat etliche fragen an eine kollegin. die wiederum einen anderen kollegen fragt. ich gäbe was dafür, wenn ich griechisch könnte. ich wüßte zu gern was sie besprechen.
dann fragen sie nach dem visum für israel, und in unserer aufgeregtheit begreifen wir nicht sofort, daß sie das eta-il meinen. als michel das herzeigen kann, geht es schnell. wir müssen nur unser gepäck am schalter für besonderes gepäck abgeben und haben es dann bis hierhin geschafft.
wir machen lustige witze, singen wanderlieder auf unserem langen weg duch die absperrungen und sind an der personenkontrolle.
unser handgepäck und michel gehen anstandslos durch und bei mir fängt der körperscanner an zu revoltieren. mein halsreif wird zuerst verdächtig, aber der ist eigendlich nicht ferro-magnetisch, weil titan. man schickt mich ein ums andere mal durch das tor. es piept. bis mir einfällt, daß es meine schönen neuen knie sein könnten. ich zeige meine narben, dann geht das fräulein vom scanner noch mal mit einem extra-gerät um mich herum und die schuldigen stehen fest. und dann haben wir es geschafft.
jetzt heißt es, am gate zu warten. aber was müssen wir hören: unser flug fällt aus wegen irgendwelchen schäden an der maschine, die auf dem herflug von tel aviv festgestellt wurden. vier stunden lungern wir herum, dann steht eine neue maschine zur verfügung und wir können endlich einsteigen.
die zusammensetzung der passagiere ist interessant. wir sind fast die einzigen nicht-israelis. diese sind eine mischung aus säkularen israelis bis hin zu ganzen haredim-familien mit an die sechs kindern und einer wieder schwangeren mutter. jungendliche, die auf ihren koscheren smartphones spielen, zwei betende in voller gebetsmontur in verschiedenen ecken des warteraumes. eine regenbogenfamile, ein paar geschäftsreisende.
uns fällt auf, daß die höchstmaße an handgepäck sehr flexibel gehandhabt werden. während wir akribisch darauf achteten, kommen die anderen mit koffern an bord, die deutlich größer sind. wahrscheinlich hat das flughafenpersonal es irgendwann einfach aufgegeben zu diskutieren, im wissen, daß flüge zum ben gurion einfach anders sind und daß mit haredim über vorschriften zu diskusstieren, ein aussichtsloses und nervenaufreibendes unterfangen sei …
Der Flug ist kurz und problemlos.Da wir einmal halb um den Flughafen herumfliegen, um von Osten her zu landen, können wir im Landeanflug israelische Siedlungen im Westjordanland und die Sperrmauern sehen.
am ben gurion ist es noch heißer als in larnaka. egal. wir nähern uns dem punkt, auf den es wirklich ankommt: lassen uns die israelis einreisen oder nicht? werden wir stundenlang interviewt oder nicht?
wir streifen in der warteschlange bei der passkontrolle unsere imaginären hawaii-hemden über, ich bringe meinen kuschelwolf hurz in stellung und dann werden wir von einem wachmenschen einer schlange vor einem kontrollschalter zugeteilt. die frau darin wirkt sympatisch. sie will wissen, was wir in israel wollen, wo wir unterkommen werden, wie die freunde heißen, die wir besuchen werden und warum wir so lange bleiben wollen. daß wir freunde wiedersehen wollen, war übrigens in allen gesprächen der tür-öffner.
michel und ich ‚streiten‘ uns ein bisschen, weil ich gleich zur irish-trad.-session ins molly malone will, er aber das schnorcheln im roten meer zuerst erwähnt und den queeren stammtisch in jerusalem auch. mein boarding-ticket habe ich bei hurtz untergebracht und als sie die flugnummer wissen will, hat er einen kleinen auftritt. das ist als ‚hawaii-hemd‘ auch immer gut.
daß wir die erwähnten freunde nicht beim richtigen namen kennen, wie in einer queeren umgebung oft üblich, scheint ok zu sein. daß wir im östereichischen hospiz übernachten wollen auch. ganz vergaß ich, einen besuch in yad vaschem zu erwähnen, aber das war nicht mehr nötig. nach knapp zehn minuten lächelt sie und reicht uns unsere pässe mitsamt der 90-tage-aufenthaltserlaubnis durch das fenster. jetzt heißt es noch eine weile haltung zu bewahren und nicht gleich vor freude auszuflippen, zumal wir auch unser gepäck erst abholen müssen. das geht sehr schnell und nach kurzer zeit stehen wir am schalter zum geld wechseln und am fahrkartenautomat für den zug. an der verabredeten haltestelle holt uns unser freund ab. was für ein schönes wiedersehen!
nach einem kurzen lunch in einem türkischen imbiss sind wir bei ihm und seiner freundin endlich zu hause. nachmittags gegen 16.00h statt am späten vormittag.
Olivenernte in Hebron
Am 10. Oktober beginnt die jährliche Olivenernte-Kampagne von Youth Against Settlements. Nicht, dass wir besser Oliven ernten können, als die Einheimischen. Aber unsere Anwesenheit erhöht die Chanchen, die Ernte erfolgreich durchzuführen.
Denn das Gesetz hier ist: Wenn Siedler, Militär und Bürokratie es in drei aufeinanderfolgenden Jahren schaffen, die Olivenernte zu verhindern, dann fällt der Olivenhain an die Siedler.
Und Issa Amro, unsere Kontaktperson bei Youth Against Settlements, ist auf der 100-Personen-Liste „The Worlds most influencial Rising Stars“ des Time Magazins 2025. Hier der Link!
Zone of Interest
Dan und fluff wiederzutreffen ist wie nach Hause zu kommen. Die beiden sind queere Freunde aus Israel, die wir in unserem letzten Sabbathjahr kennen gelernt haben. Damals war fluff politisch links, dem Friedenslager zugehörig und klassifizierte Israel als „Apartheid, even worse than the South African version“. Aber sie war nicht wirklich politisch aktiv. Und Dan war ein politisch desillusionierter Zyniker.
Jetzt sind die beiden politische Vollaktivisten. Im Schnitt zwei Demos die Woche, gegen den Genozid, gegen die Regierung, gegen den Rechtsruck, gegen die Entmachtung der Justiz, für die Befreiung der Geiseln.
Fluffs einsatzbereite Demotasche an der Tür. Die Aufkleber sind von Standing Together. Der rechte Aufkleber sagt „Nein zum Krieg“ auf Hebräisch und Arabisch, der linke „Gegen ihren Krieg“ (gemeint sind die abgebildeten Netanjahu, Smodrich und Ben Gvir). Der Taschenaufdruck sagt: „Bringt sie jetzt nach Hause“.
Hier der Link zu Standing Together! Wikipedia beschreibt sie als: „eine politsch linke Bewegung in Israel mit dem Ziel, arabische und jüdische Israelis für einen Frieden im israelsche-palästinensischen Konflikt zu gewinnen und im Kampf um Gleichheit und soziale Gerechtigkeit zu vereinen. Sie entstand 2015 und hatte Ende 2024 rund 5.300 Mitglieder. Seit 2023 engagiert sie sich vor allem gegen den Gazakrieg.“
Wie fühlt sich das Leben in einer Stadt in 30 Autominuten Entfernung zu einem Genozid an? Irritierend normal! Menschen sitzen im Cafe und kaufen beim Bäcker ein. Nur wir scheinen den riesigen blinden Fleck zu sehen. Vor allem fluff verzweifelt daran.
wir sind wieder in nicosia, denn wir beteiligen uns an der palästina-demo von ‚unitied for palestine‘. spaß macht es. nur das eis, was michel vor der demospendiert schmeckt noch nicht.
united for palestine organisiert mit uns auch die vorführung einer slideshow. wir brauchen uns um nichts zu kümmern. wir müssen nur den texte und bilder zusammenstellen. sie kümmern sich um ort und ankündigung auf den social media-kanälen, um das drucken der aushänge und um deren verteilung.
das ‚yalla‘ ist eine netter ort dafür, wo wir auch alles vorfinden, was wir brauchen. eine leinwand, projektor, soundsystem.
kleinigkeiten zwischendurch:
wir kommen immer häufiger an pro-palestina-graffitis vorbei:
seit tagen sitzen wir, feilen an den letzten texten, sortieren fotos und filme. wir hören immer wieder, wie gespannt man schon ist und wie sehr man sich auf den abend freue. ich werde ernsthaft nervös. weiß ich doch genau, daß ich meine reden nicht einfach so raushaue wie michel, der es als lehrer gewöhnt ist, vor einer klasse den lila-laune-erklär-bär zu geben. wir sind sehr rechtzeitig im yalla. dort sind schon tische fortgeräumt und stühle gestellt und wir haben innerhalb einer halben stunde unseren rechner startklar, der hauseigene beamer läuft anstandslos, die soundanlage ist erstklassig. ufp hat einen infotisch mitgebracht. wir haben das gefühl, wir können uns in ein wohlgemachtes bett legen, so gut vorbereitet ist alles. es gibt gelegenheit, unsere worte noch mal anzuschauen und dann kommen auch schon die interessierten und der laden ist schnell so voll, daß noch stühle dazu geholt werden müssen. mary hält eine kleine ansprache und erklärt, wer united for palestine eigentlich ist und was in den nächsten wochen geplant ist und dann haben wir für gut zwei stunden ein mehr als aufmerksames publikum. das besteht aus bekannten gesichtern, aber auch vielen menschen, die wir noch nicht kennen gelernt haben. fragen und anmerkungen gibt es schon in der pause. aber auch hinterher müssen wir das eine oder andere erläutern. jemand zeigt mir eigene bilder aus hebron von 2009. erstaunlich, wie sich die sterilisierte zone in H2 mit den jahren verändert hat. die siedler machen sich ihr okkupiertes gebiet schon schick, so mit blumenkübeln an der straße, die es damals noch nicht gab und mit ladentüren, die zwar zugeschweißt sind, aber sauber angestrichen. viele bedanken sich für die so unmittelbar daher gekommenden berichte, und wir sind glücklich ein volles haus gehabt zu haben.
das yalla in schuß……und gegenschußder saal füllt sich
nach diesen bildern streikte wieder die kamera…..es waren irgendwann alle plätze besetzt. hinten wurde gestanden und an der bar wurde auch platz genommen.
unsere helfer/innen hinter der bargespräche nach der show
Der Artikel wird dann tatsächlich ein Doppelseiter, mit Verweis auf unseren Reiseblog, der auf Papier und Online erscheint, in der größten Tageszeitung Zyperns. Wir scheinen Theo Panayides, den Journalisten, ziemlich beeindruckt zu haben. Er stilisiert uns dermaßen zu Helden der Courage und Rollenvorbildern, dass es uns fast ein wenig peinlich ist.