wir sind wieder in nicosia, denn wir beteiligen uns an der palästina-demo von ‚unitied for palestine‘. spaß macht es. nur das eis, was michel vor der demospendiert schmeckt noch nicht.
united for palestine organisiert mit uns auch die vorführung einer slideshow. wir brauchen uns um nichts zu kümmern. wir müssen nur den texte und bilder zusammenstellen. sie kümmern sich um ort und ankündigung auf den social media-kanälen, um das drucken der aushänge und um deren verteilung.
das ‚yalla‘ ist eine netter ort dafür, wo wir auch alles vorfinden, was wir brauchen. eine leinwand, projektor, soundsystem.
kleinigkeiten zwischendurch:
wir kommen immer häufiger an pro-palestina-graffitis vorbei:
viele photos wird es dieses mal nicht geben, aber einen hoffentlich unterhaltsamen text.
während der warterei auf die letzte passkontrolle an der king-hussein-bridge stoßen wir auf den kanadier c., mit dem wir uns ein schickes taxi nach amman teilen. natürlich zahlen wir trotz feilschen mehr als gedacht. wir werden auch massiv von bettlerinnen mit kindern auf den armen bedrängt, die nach dinar oder auch schekel fragen. aber ‚la‘ heißt auch hier nein. beim losfahren stellen wir fest, das die einfachen taxis 100 meter weiter stehen, dort, wo die palästinenser ihren ausgang haben. aus irgendwelchen gründen ist das hier strikt getrennt. dort hätten wir wohl weniger bezahlt.
aber jetzt erst einmal zu fuß in die stadt.es gibt die üblichen kleinen läden an den straßen, werkstätten, unebene fußwege, viel verkehr, viele menschen und lärm. aber alles ist sauberer und entspannter. weniger überfüllt. hebron wirkt wie ein zu enger käfig mit zu vielen ratten. in amman ist platz. auch platz für ein lächeln unter passanten. das flair ist europäischer geprägt. wir finden einen kleinen pizza-imbiss. wie herrlich, endlich wieder eine europäische mahlzeit zu haben, so lecker die palästinensische küche auch ist. eine saftige, gut belegte pizza mit viel käse!!!! die stimmung auf der straße ist entspannt. viele jordanische frauen sind ohne kopftuch unterwegs und wenn mit hijab, dann sorgfältig geschminkt. sie gehen anders als in hebron. aufrecht, entspannt, mit begleitung oder allein. neben uns am anderen tisch hockt ein teenagerpärchen wie sich teenager eben auf eine pizza verabreden. und auch auffällig viele touristen sind auf der straße. besonders viele junge frauen, die allein reisen. von letzteren mehrere in unserem hostel. eigentlich wollen wir noch irgendwo ein bier trinken, aber wir finden keine bar. nur läden wo wir welches kaufen können, was wir auch tun und mitnehmen. eines trinken wir auf dem weg zurück, das zweite dürfen wir im hostel auf der terrasse trinken, obwohl alkohol in den räumen verboten ist. die dachterrasse ist traumhaft schön, jetzt allerdings ein wenig kalt und nass. aber was wärmt mich ein bisschen? eine schmusebedürftige katze, die es sich gleich auf meinem schoß bequem macht. wie heißt dieser blog nochmal? mit 80 katzen um die welt? die beiden biere hauen uns sofort um. kein wunder nach drei monaten hebron. wir schlafen so gut. ohne kleidung und dem feuerlöscher neben uns. ohne nachtwache und einem offenen ohr nach draußen. jeder in der eigenen etagenbettenkoje.
Die Bevölkerung Ammans besteht zu 70% aus palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen. Amman gibt einem also ein Gefühl dafür, wie Palästina ohne Besatzung wäre. Das entspanntere Lebensgefühl, die Tatsache, dass Menschen schlendern, dass sie gesünder und größer sind, dass sie weltlicher sind, weil sie keine Zuflucht zur Religion suchen müssen. So könnten auch Ramallah und Hebron sein. Wenn sie nicht unter Siedlern, Soldaten und Besatzung zu leiden hätten.
Am 30. Dezember laufen unsere Visa aus. Also ist genau dies der Tag unserer Ausreise. Und zwar über die Allenby-Bridge nach Jordanien. Dort ist die Wahrscheinlichkeit für das volle Programm aus Geheimdienstverhör, Leibesvisitation, genauester Gepäckkontrolle sowie Durchsuchung oder Beschlagnahme von Laptop und Telephon deutlich kleiner als bei der Ausreise über den Flughafen Tel-Aviv.
Abschied
Nach dem letzten Gang in die Stadt empfangen wir die letzten Besucher*innen. Zu unserem Erstaunen kennen wir eine von ihnen. Mit K. zusammen waren wir vor 8 Jahren, in unserem ersten Sabbatjahr, Teil der Internationalen Delegation beim Newroz-Fest (dem kurdischen Neujahrsfest) in Diyarbakir/Amed. Jetzt treffen wir sie in Palästina wieder.
Auch unser Lieblings-Streuner wird verabschiedet. Er wird von den YAS-Aktivisten gefüttert, schläft oft vor der Eingangstür des Sumud-Zentrums und verbellt Soldaten. (Sehr praktisch!)
Das Abschiedsgeschenk der Siedler fliegt über den Zaun und fällt wie zu erwarten aus:
Dafür verabschieden die Aktivisten von YAS uns mit einem Barbecue und Geschenken. Unter anderem einer holzgerahmten Keramikfliese mit einer kaligraphierten Gedichtzeile von Mahmud Darwisch, dem palästinensischen Nationaldichter, und einer kleinen arabischen Kaffeekanne, passend für den Bulli.
was für eine schöne verabschiedung. umm temer war gestern schon da und hat mir eine flasche schöner handcreme mitgebracht.abu ahbed läßt sich leider entschuldigen, seine tochter ist krank. und abir kommt später, weil er irgendwie im krankenhaus war. es geht ihm sichtlich nicht gut. deshalb gibt es auch kein knefe, was eigentlich vorgesehen war. aber eine packung räucherwerk mit yasminduft. abu natschi hat uns zwei kleine sträußchen mit künstlichen roten rosen mitgebracht. wir sind auch zutiefst gerührt von den vielen warmen worten, die gesprochen werden. und wie sorgfältig sie darauf geachtet haben, daß die kleinigkeiten zu uns und in den bulli passsen! die beiden fellbeutel schlafen auch ein letztes mal bei uns im bett. pappsatt, denn die fleischgaben vom grill fallen reichlich aus. und die letzte nachtschicht für michel und mich fällt komplett aus.
Geschlossene Checkpoints
Die Reise beginnt mit einer Kletterpartie, weil Checkpoint 56 (Bab Al-Zawia) mindestens den dritten Tag in Folge geschlossen ist.
ehrensache, daß issa uns begleitet und zum auto bringt.
Die Soldaten haben gewechselt, und die neuen Soldaten reißen in fast jeder Schicht die Kabel aus den Computern oder ziehen den Hauptstecker ihres Checkpoints. Dann sagen sie, der Checkpoint sei wegen „Computerausfall“ geschlossen, und warten mehrere Stunden auf den Wartungsdienst. Neu dabei ist, dass sie auch den Weg raus für geschlossen geschlossen erklären. Raus aus der Geisterstadt kam man bisher immer. In diese Richtung gibt es ja keine Kontrolle, nur eine Drehtür wie Zuhause am Ausgang vom Freibad.
Das Ganze ging kurz vor Weihnachten los. Wir wissen, dass „unser“ Checkpoint 56 mindestens am 23ten, 25ten, 28ten, 29ten und 30ten Dezember für jeweils mehrere Stunden geschlossen war. (Über die anderen Tage und anderen Checkpoints haben wir keinen genauen Überblick. Aber es gab noch mehr „Computerausfälle“ an Checkpoints!)
Also schleichen wir uns gemeinsam mit einigen Studentinnen, die auf dem Weg zur Uni sind, aus der Geisterstadt raus. Das ist jetzt der 7te Schleichweg, den wir kennen. Aber der erste, bei dem wir klettern müssen:
Durchs Westjordanland
Im Sammeltaxi geht es nach Jericho. Vorbei an:
Biblischen Landschaften,unbesetzten Checkpoints,Überwachungstürmengesperrten Straßen zu palästinensischen Dörfern,israelischen Siedlungenund armseligen……Beduinenlagern
Besonders die geschlossenen Zufahrtsstraßen zu palästinensischen Dörfern machen uns wütend. Dieser krasse Kontrast zwischen den Israelischen Siedlungen, die von Parks bis Swimmingpools alles haben, und den armseligen Beduinenlagern, auf welche die Siedlungen zum Teil direkt hinab sehen.
Grenzkontrollen
In Jericho müssen wir erst durch die palästinensiche „Grenzkontrolle“. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat keine echte Kontrolle über die Grenzen. Das kompensieren sie durch ein groß aufgezogenes Grenzkontrollen-Imitations-Theater.
Von der palestinensischen „Grenzkontrolle“ in Jericho geht es mit dem Bus und langer Warterei zur „echten“ Israelischen Grenzkontrolle. Hier rechnen wir eigentlich mit allem. Zumal wir die Berichte von anderen Aktivist*innen kennen, die kürzer da waren und eigentlich weniger aufgefallen sind, als wir. Sie haben oft das volle Geheimdienst-Verhör-Durchsuchungs-Programm bekommen. Aber zu unserem Erstaunen rutschen wir glatt durch. Unsere Taschen werden durchleuchtet. Wir müssen durch den Metalldetektor. Und bina muß wegen ihrer künstlichen Knie ihren Prothesenpass vorzeigen und wird extra gescannt.
Am Ausgang der Israelischen Kontrolle heißt es dann wieder lange warten, bis ein Bus mit Ausländern voll ist. Ausländer dürfen nämlich nicht im selben Bus wie Palästinenser über den Jordan fahren. Der Jordan selber ist ein trauriges Rinnsal, welches durch eine Wüstenlandschaft fließt. Der größte Teil seines Wassers wird am Oberlauf für Landwirtschaft und Trinkwasser abgepumpt.
An der jordanischen Grenzkontrolle ist nochmal das übliche Warten für die Grenzbürokratie angesagt. Dann sind wir offiziell in Jordanien.
Cat-Content
Wir vermissen Adam und Lilith jetzt schon. Zum Abschied haben wir ihnen kiloweise Hühnchenreste vom Schlachter eingefroren. Außerdem haben wir Issa und Abu Natschi noch einmal genaustens über Katzenfütterung und -Pflege instruiert.