Aktuell Nr. 2): Heimreise mit Mietwagen

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank an alle, die uns per SMS ihr Kraft und Mitgefühl schicken. Wir antworten meistens nicht, fühlen uns aber jedes Mal warm berührt, wenn wir eine SMS von einem/einer von euch lesen.

Der ADAC hat uns ein einfaches Hotel für die Nacht und einen Mietwagen für die Rückfahrt besorgt. Wir holen ihn gleich am Bahnhof ab, und dann geht es ab nach Hause.

Wir fühlen uns gerade irgendwie ganz leer. Bulli mit allem was darin war, war viel mehr für uns, als der materielle Wert. Jeckyll und Hurtz (unsere Stofftiere), all die kleinen Andenken, vom Stein unserer Pilgerei auf den Croik Patrick, über die beiden Ziegenschädel bis zum Dromedarzahn. Binas Bodhran (irische Trommel) mein Akkordeon, Bücher, die Kaffeekanne, Mitbringsel aus Betlehem, Hebron, Dijarbakir/Amed, die Rote Kefije (Arabertuch), das mir A… der Syrer, den wir über eine Bürgschaft nach Deutschland geholt haben, geschenkt hat, und und und… die gut eingelaufenen Wanderstiefel, das T-Shirt, das mir mal eine Klasse geschenkt hat…, der Rosenkranz meiner Großmutter… Und natürlich Bulli selbst, die „Wanderschnecke“ das „Beutelmobil“…, die „Cinderella“ und der „Dragontail“…

Aber wir sind heil und gesund, und haben eine Ahnung, was Menschen fühlen, die alles in Syrien zurückgelassen haben und mit leeren Händen und bangem Herzen an die deutsche Türe klopfen.

Und den Dieben wünschen wir gerade die Pest an den Hals!

Michel & bina

AKTUELL: BULLI GEKLAUT!

Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte.

Wir sitzen gerade in Rom und weinen. Bulli wurde geklaut. Wir haben ihn nach 13.30 geparkt und abgeschlossen, um uns Rom anzugucken. Gegen 18.00 Uhr sind wir zurückgekommen und der Kleine war weg.

Kontokarten, Bargeld und Pässe haben wir noch. Rechner, Kamera und Handy auch.

bei der polizei waren wir auch schon. wir warten jetzt auf einen rückruf des ADAC, der uns ein hostel besorgt. wir haben eine chance von 10%, daß bulli gefunden wird, sagen die carabineri.

Michel und bina

 

Pompeii

Sa 26. Mai 2018

Als der Vesuv am 24. August 79 n.Chr. Ausbrach und die Stadt Pompeii sowie das kleinere Herkulaneum unter mehreren Metern Bimsstein und Asche begrub, konservierte er eine Augenblicksaufnahme im Leben zweier römischer Städte für die Nachwelt. Leider haben fast zweitausend Jahre später raubgräberisch vorgehende Archäologen und Verwahrlosung vieles zerstört, was Bimsstein und Vulkanasche bewahrt hatten.

Wir fahren zusammen mit unserer Nachbarsfamilie vom Bulli nebenan nach Pompeii, wobei wir allerdings erstmal an der falschen Station aussteigen. Vater A… ärgert sich ziemlich über sich. Wir hingegen sind im Ohne-Fehlschläge-ist-es-kein-Abenteuer-Modus und finden den kurzen Ausflug ins Chaos vor allem interessant.

Am Eingang gönnen wir beide uns Audioguides, die ihr Geld absolut wert sind. Zu den interessantesten Häusern gibt es Audioerklärungen, oft mit passender Musik- oder Geräuschuntermalung und außerdem viele Zusatzerkläroptionen: “Wenn sie den Augenzeugenbericht des Plinius über den Vulkan anhören möchten, wählen sie die Nummer…”, “Wenn sie einen Auszug aus einer in diesem Theater aufgeführten Kommödien hören wollen, wählen sie…” oder “Wenn sie mehr über an Straßenständen verkauftes Essen erfahren wollen, …”.

Anfangs sind wir mit unserer Bulli-Nachbars-Familie noch zusammen, doch später trennen wir uns. Wir beide sind einfach langsamer, weil wir uns alles genauer ansehen wollen.
Die Touristenmassen stören kaum. Einerseits war es hier auch vor 2.000 Jahren voll, laut und wimmelig. Andererseits ist Pompeii so groß und weitläufig, dass man abseits in den Seitenstraßen oft trotzdem alleine ist.
Dieser aus dem Pflaster herausgemeißelte Penis weist auf eines der Bordelle der Stadt hin.
Im Lupanare, dem besterhaltenen Bordell der Stadt, befindet sich über jeder Zimmertür ein recht eindeutiges Bild.
Normalerweise wird davon ausgegangen, dass es die Dienstleistung darstellt, die im jeweiligen Zimmer angeboten wird. Wir halten die Bilder eher für eine allgemeine Menükarte ohne unmittelbaren Bezug zum jeweiligen Zimmer. Denn es werden nicht alle Dienste gleich häufig gewünscht worden sein.
Die Zimmer selbst sind klaustrophobisch klein, selbst wenn man bedenkt, dass die Menschen, die hier vor 2.000 Jahren lebten, im Schnitt nur um 1,60m groß waren.

Das Lupanare ist eines der berühmtesten Gebäude Pompeiis und ich hatte es mir größer vorgestellt. Aber da nur Ärmere und Sklaven ins Bordell gingen, während die Reichen die Huren bei sich zu Hause empfingen, ist das Bordell entsprechend “schlicht”. Dafür war der Preis mit dem Gegenwert von zwei Bechern mittelguten Weins absolut erschwinglich! – Die Sklavinnen, die hier arbeiten mußten, tun mir allerdings leid. Bei dem niedrigen Preis mußten sie sicher ziemlich viele Kunden am Tag bedienen, um ihrem Besitzer einen entsprechenden Gewinn einzubringen.

Das Lupanare und seine Nachbarhäuser sind übrigens ein gutes Beispiel für das verantwortungslose Verwahrlosenlassen Pomepeiis. Das berühmte Lupanare hat ein Dach, das die Fresken schützt und ist insgesamt gut erhalten. Die Nachbarhäuser, die eigentlich genauso gut erhalten sein müßten, sind reine Ruinen, weil sie seit Jahren sich selbst überlassen und der Witterung voll ausgesetzt sind.

Blick vom Seiteneingang ins große Theater.
Das Eßzimmer einer Villa.
Das Gemälde an der linken Wand in Großaufnahme: Nach dem Fall Trojas; links wird die schöne Helena wieder von ihrem rechtmäßgen Ehemann in Besitz genommen; während rechts Kassandra sich erfolglos dagegen wehrt von Odysseus verschleppt zu werden.
Der Garten der Villa.
Das Lararium, mit den Gipsabdrücken der Laren.

Die Laren waren die Hausgötter des jeweiligen Hauses und das Lararium ihr Altar. Die Figuren, die vermutlich aus Holz waren, sind nicht erhalten geblieben. Aber sie haben Hohlräume hinterlassen, die man bei der Ausgrabung mit Gips ausgegosssen hat. Auf die selbe Weise, sind auch die Konturen vieler Bewohner der Stadt, ja sogar der Faltenwurf ihrer Kleider, erhalten geblieben.

Blick vom Eingang in die Villa.
Fußbodenmosaik einer anderen Villa.
Dieses Gärtchen eines etwas bescheideneren Hauses wirkt, als ob sich der Hausherr gleich mit einem guten Becher Wein zu einem in den Schatten setzen würde.
Überall in der Stadt gibt es öffentliche Brunnen, von denen einige Dank neuer Leitungen (zum Glück nicht die alten aus Blei) wieder Trinkwasser spenden.
Die Hauptstraße ist gesäumt von Thermopolien, also Straßenimbissen, in denen meist das Mittagessen eingenommen wurde.
Wandverzierung in einer Villa.
Gartenverzierung in der selben Villa. Links Narziss, in der Mitte eine künstliche Grotte, rechts die Vorläufergeschichte zu Romeo und Julia. (Er bringt sich wegen ihr um und sie sich wegen ihm.)
Hier hört die Ausgrabung einfach auf. Größere Teile Pompeiis sind zum Glück noch unberührt.
Das Amphietheater.

Das Amphietheater war übrigens zwischenzeitlich für 10 Jahre geschlossen worden, nachdem es Krawalle zwischen den Fans zweier Gladiatorenmannschaften gegeben hatte. – Auch bei den Römern gab es schon Ultras und Hooligans.

Antike Brotleibe. (Zwergenbrot ist noch nach 2.000 Jahren so genießbar wie am ersten Tag!)
Auch damals war vieles nachgemachter Kitsch. Dies ist eine antike Kopie des berühmten Bildes von Alexander dem Großen.
Gipsabdruck eines Mannes, der vom Vulkanausbruch im Schlaf überrascht wurde.
Amphoren über Amphoren! Auch damals gab es schon Massenproduktion.
Und hinter dem Jupitertempel am Forum der Stadt schlummert der Vesuv, als ob er keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte.

Ciao, bella Italia!

Do/Fr 24./25. Mai 2018

von igoumenitsa aus wollen wir mit der fähre nach italien fahren. die mitarbeiterin eines kleinen fährbüros verkauft uns problemfrei fahrkarten mit ‘camping on board’ samt einer ermäßigung, weil wir im ADAC sind. sie hätte auch noch ein geschenk für uns, sagt sie, als sie uns die papiere überreicht. ich frotzele ein bischen (‘oh klasse, jetzt gibts ein käppi und den schlüsselanhänger!’) und schäme mich gleich darauf furchtbar. denn sie geht zum schrank und kommt mit einer kleinen unbeschrifteten flasche zurück. darin eine klare flüssigkeit. ‘ouzo’? frage ich. nein, es ist ein fläschchen tsipouro. schwarz gebrannt von ihrer familie. zum glück nimmt sie meine entschuldigung für den dummen spruch vorher an und freut sich über unsere freude an diesem wertvollen tropfen.

Offensichtlich darf man steuerfrei für den Eigenbedarf und zum Verschenken selber brennen. – Ob das jetzt ganz legal ist oder nur ein Gewohnheitsrecht, das die Griechen sich halt rausnehmen, bleibt offen.

die fähre fährt nach mitternacht und griechenland verabschiedet sich von uns mit einem wunderschönen sonnenuntergang.

Ein Himmel wie gemalt.

camping on board ist toll. wir stehen zwischen womos und lastern auf dem oberen autodeck, es gibt stromanschluß und dusche. kochen dürfen wir zwar nicht, aber wir haben in der stadt gut gegessen und in der cafeteria gibt es morgens einen anständigen kaffee.

Camping on Board.

ich habe ein kleines ritual, jedesmal wenn ich nach italien komme: ich gehe in die erstbeste bar und trinke einen kaffee. das tat ich schon, als ich noch jedes jahr meine mutter in umbrien besuchte, die dort lebt, und das soll sich nicht ändern. ich schreibe ganz bewußt ‘bar’ und nicht ‘cafe’, weil kein italiener in einem cafe einen espresso bestellt. die erste bar ist gleich am hafen und ich bin nach ein paar schlucken süßer, schwarzer flüssigkeit endlich wieder in italien. ein lidl ist auch in der nähe und wir gehen erst mal einkaufen. es herrscht dort eine noch europäischere athmosphäre als in griechenland. die waren sind noch vertrauter, wir können wieder alles lesen und müssen nichts entziffern und ich habe nur wenig an italienischer sprache verlernt, was uns die warenindentifizierung leicht macht. schöner italienischer käse, richtiger erdbeerjoghurt für michel, drei regale(!) voller pasta in allen variationen, farben und formen und gleich daneben die salse.

danach fahren quer durch italien (von ost nach west) zur amalfi-küste, die ja so schön sein soll. das ist sie, aber sie ist vor allem so kurvenreich, daß wir gar nicht richtig vom fleck kommen. in den orten und städtchen staut sich dann der verkehr und der menschenstrom und es geht nur langsam vorwärts. ich kann leider nur aus dem auto heraus beim fahren fotografieren, denn es gibt kaum haltemöglichkeiten, geschweige denn plätze, wo wir über nacht stehen könnten. ich sitze zudem auf der bergseite, deshalb sind die wenigen fotos nicht wirklich gut geworden. ich glaube, wir sind zu sehr verwöhnt von unserem camper-alleinstellungsmerkmal. in italien wird es nicht einfach sein, einsame stellen zu finden, wo wir ohne probleme wild stehen können. hier sind womos gang und gäbe, und wir sind froh, daß noch keine hochsaison ist. die fahrerei ist für michel richtig anstrengend, sodaß wir beschließen, auf den kleinen campingplatz in meta bei sorrento zu fahren, von wo aus wir mit der bahn zu den antiken stätten fahren können, die wir anschauen wollen und auch nach neapel kommen.

Kirchendach in einem Ort an der Amalfiküste.
Ein kleiner Strand kurz vor Amalfi.
Menschengewühl in Amalfi-Stadt.

Amalfi war zu Zeiten der Grand Tour bestimmt wunderschön. Aber inzwischen ist es zuerst vom Jet-Set und dann vom Massentourismus zu Tode geliebt. Es gibt die ganze Küste entlang eigentlich nur eine einzige Straße, links das Meer, rechts der Berg, dazwischen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, kleine Hafenörtchen. Auf der Straße schiebt und stockt ein einziger mit Touristenbussen und Luxusschlitten gespickter Autostrom. – Meine Empfehlung: Macht es hier wie in Chinque-Terre: Autos Raus! Dafür ein gute Fährverbindung von Örtchen zu Örtchen. Und von mir aus E-Bikes.

Der Campingplatz liegt auf Nordseite der auf Capri ausgerichteten Halbinsel, so dass der Touristenwahnsinn hier weniger wahnsinnig ist. Der Platz ist ganz nett, vor allem weil unsere Nachbarn extrem nett sind.

neben uns steht die Familie a… (vater), w… (mutter) und ol… (sohn), mit ihrem T5 aus freising. in bayern sind grad pfingstferien. den abend beschließen wir gemeinsam bei wein und bier und netten gesprächen.

Am und auf dem Arachthos-Fluß

Di/Mi 22./23. Mai 2018

Wir bleiben drei Nächte auf Nikos Campingplatz. Den Dienstag verbringen wir mit Faulenzen und Blog-Schreiben. Außer uns sind noch ein paar deutsche und slowakische Wildwasser-Kayak-Fahrer auf dem Platz, mit denen wir gut klar kommen.

Michel beim Blog Schreiben. – Die Griechen stöhnen über den “komplett verregneten” Tag!

Am Mittwochmorgen steht ein Einkauf im örtlichen Laden auf dem Programm. Der Laden ist tatsächlich ein Programmpunkt, auf den wir uns schon gefreut haben, weil er wirklich unglaublich ist. Auf der Fläche von drei bis vier Garagen hat er einfach alles. Und wir meinen wirklich “alles”! Lebensmittel, Kosmetik, Renovierungsbedarf, Computerzubehör, Hausaltsartikel, Opferkerzen und Devotionalien, Tierfutter, Gasflaschen. Dabei ist er sogar noch absolut preiswert, obwohl er auf eine Stunde Fahrt in jede Richtung keine Konkurrenz hat.

Der Kassenbereich.
Leider ist der Laden so zugestellt und verwinkelt, dass man irgendwie nicht fotographieren kann, wie zugestellt und verwinkelt er ist.

Am Mittwochnachmittag gehen wir dann mit Nikos raften. Den Kalarritos und den Arachthos runter: Über viele Stromschnellen, durch zwei tolle Canyons, an Wasserfällen vorbei und drunter durch und natürlich durch eine großartige Bergwelt.

Im ersten Cannyon.
Solche Brücken kennen wir aus Korsika. Dort heißen sie nach ihren Erbauern Genueserbrücken. Hier sind es “osmanische Brücken”.
Das Dach dieser Höhle besteht aus dem dichten Wurzelwerk der darüber wachsenden Bäume.
Landgang zu einem versteckt liegenden eiskalten Wasserfall, in dessen Gumpe wir nur dank der Neoprenanzüge schwimmen können.
Unter einem Wasserfall im zweiten Cannyon.
Michel kommt sich wie Borat vor, bina wie das Sams.

diese neoprenanzüge sind wirklich klasse. ich konnte mir bisher nicht so recht vorstellen, das einem darin das kalte wasser nichts anhaben kann. ich dachte immer, das wasser ist beim reingehen nach wie vor eisig, aber der anzug läßt den körper nicht auskühlen. falsch. man merkt auch beim reingehen nicht, wie kalt das wasser ist. sehr faszinierend. so einen anzug möchte ich auch beim nächsten mal haben, wenn ich mal wieder minutenlang brauche, um ins mittelmeer zu tauchen, während michel schon fröhlich schnorchelt. 😉

Viele Leute, denen wir in Griechenland begegnet sind, haben uns gefragt, ob wir auch die Berge um die Vikos-Schlucht besuchen. Nein, tun wir nicht. Die selben Berge gehen nämlich südlich der vor allem durch Tunnel und über Brücken führenden Autobahn Ioannina-Meteora weiter. Hier sind die Berge und Flüsse genauso wild, die Schluchten fast so tief (klar die Vikos-Schlucht ist die tiefste von allen) und es gibt auch Bären, Wölfe und so weiter. Das Einzige, was hier fehlt, sind die Touristen. Die sind alle nördlich der Autobahn bei der Vikos-Schlucht.

Über und in das Tzoumerka-Gebirge

Mo 21. Mai 2018

Nachdem wir gestern noch vom Olymp zum Tzoumerka-Gebirge gefahren sind, geht es heute über die uns vom September letzten Jahres bekannte Nebenstrecke über den Hauptkamm des Gebirges. Wir wollen wieder zu Nikos Campingplatz an die Plaka-Brücke, die den Arachthos überspannt.

Der Weg schraubt sich auf über 2.000m den Berg hoch. Wir sind beeindruckt, was hier im Winter oder Frühling an Steinschlägen und Erdrutschen stattgefunden hat.

Diese Brocken lagen im September noch nicht hier!

Bis zum Hauptkamm des Gebirges fahren wir durch dichte Wolken. Dann wechselt das Wetter von einem Meter auf den nächsten auf Sonnenschein.

Die Wolken fließen über den Hauptkamm, fallen ein kleines Stück ins Tal ab und lösen sich immer entlang der gleichen Linie auf.
Wir sind von dem Schauspiel so fasziniert, dass wir Bulli abparken, Wasser aufsetzen und gemütlich Tee trinken.
Wir unterlegen das Naturschauspiel mit Barockmusik. Wagener würde auch passen, haben wir aber leider nicht dabei.

Auf halben Weg ins Tal halten besuchen wir wieder das Kipina Kloster. Genau wie im September holen wir den Klosterschlüssel im Kafeneion des Dorfes unterhalb des Klosters ab.

Das kleine Kloster klebt so unzugänglich in einer hohen Felswand und ist durch seine Zugbrücke so uneinnehmbar, dass es tatsächlich nie ausgeraubt oder erobert wurde.

Im September hatten wir versucht, die Höhle hinter dem Kloster, in die sich die Mönche im Ernstfall hätten flüchten können, mit Sandalen und normalen Handtaschenlampen zu erobern. Diesmal sind wir klüger und besser ausgestattet. Folgerichtig gelingt es uns, wesentlich weiter in die Höhle vorzudringen, als damals. Aber den Fluchtraum der Mönche, tief im Berg am Ende der Höhle erreichen wir nicht. – Dazu fehlt uns die Erfahrung im Höhlenklettern oder ersatzweise das den Mönchen eigene Gottvertrauen.

Im September war dieser kleine Höhlensee ausgetrocknet.
Auf diesem Bild fehlt jede Bezugsgröße, so dass man kein Gefühl dafür hat, wie groß das abgebildete ist. – Es ist eine Gabelung des Höhlenganges. Rechts kann man aufrecht weitergehen. Links muß man etwa 1,5m runterklettern, wonach es dann aber einfacher weitergeht.
Da geht’s rauf!
Bina beim Hinterherklettern an der selben Stelle. – Kurz danach war für uns Schluß!
Der Vorteil beim Höhlenklettern: Es gibt meistens Griffe in allen Richtungen!
Wir haben wirklich Lust, einen Höhlenkletterkurs zu machen. Falls es so etwas gibt.

Im Tal am Fluß auf Nikos Campingplatz angekommen, erkennt uns dieser (natürlich) wieder, und wir finden uns sofort in die uns schon bekannte Idylle des Platzes ein.

von den vier katzen von damals ist nur noch die alte da, die mit den hühnern zum futter abholen kommt, wenn wir essen. nikos hat die küchenzeile renoviert und die duschen haben warmes wasser. das gelände ist aufgeräumt und sauber und im kühlschrank stehen bier und andere getränke, von dem wir uns nach einem strich auf der bekannten liste mit bier zum abendbrot versorgen. im cafe an der abzweigung zum fluß trinken wir auch zum ersten mal richtig schlecht gemachten kaffee. beim letzten besuch hatten wir mit der bedienung einen netten schwatz und mir wurde gezeigt, wie man griechischen kaffee kocht und der richtig lecker war. diesmal bediente uns ein mann, der uns styropor-becher gab, in der bei mir dünne braune plörre dümpelte und bei michel der kaffee lauwarm war. das finde ich so bemerkenswert, daß ich es glatt mal schreiben muß.

Olymp – der Götterberg

Fr-So 18.-20. Mai

nun gehts hinauf, die götter besuchen. wir mogeln ein bischen und fahren die ersten 1000 höhenmeter mit bulli. rucksackpacken ist schon ein bischen routine. alles wird bereitgelegt, dann packt jeder systematisch seine taschen, während sich der andere schon mal anzieht. noch mal nachfragen: ist dies und jenes dabei (diesmal ist die kleine flasche methaxa besonders wichtig)… und los.

“Der Berg ruft!“ – Der Olymp von Litochoro gesehen.

Flächenmäßig ist der Olymp mit seinen 25 mal 30 Kilometern ein kleines Gebirge, das nur einen Bruchteil der Fläche des Harzes bedeckt. Aber auf dieser kleinen Fläche erreicht er von Meereshöhe fast die Höhe der Zugspitze. Der 2918 Meter hohe Mytikos liegt nur 18 Kilometer vom Meer entfernt. Seine wirkliche Größe liegt natürlich nicht in seiner Mythologischie als Wohnstatt der griechischen Götter. – Ich empfinde es übrigens nicht als Schummelei, mit dem Bulli zum Wanderparkplatz auf etwa 1.000 Metern zu fahren. Erstens machen das alle anderen Bergwanderer, die wir getroffen haben, auch so. Zweitens besteigt man die Zugspitze und andere Berge ja auch nicht ab Meereshöhe.

Der Aufstieg auf 2.000m geht durch saftig grünen Wald, über dessen Schatten wir uns freuen.
Kurz unterhalb von 2.000m sind die ersten Schneefelder zu queren.

die frau im laden hatte recht. grödeln sind nicht nötig. irgendwann hören wir von ferne hundegebell und stimmengemurmel. eine maultierkaravane kommt uns entgegen, der wald wird schon lichter und dann sind wir an der hütte. ich bin ehrlich erschöpft. diese endlose steigung, immer wieder mit stufen versehen, macht mich fertig. ein hoch auf wanderstöcke!!!!!

bei bier, einer anständigen bohnensuppe und netten gesprächen mit anderen wandersleuten vergeht der nachmittag. auf der hütte geht es quirlig zu. kein wunder, denn unsere route ist die beliebteste am olymp. die hüttenwirtin spricht hervorragend deutsch, unsere alpenvereinspässe von letztem jahr werden akzeptiert und es haben auch zwei wanderer abgesagt, wir können unsere betten wie erwartet für zwei nächte behalten. wie schön, dann wandern wir morgen mit leichtem gepäck.

Man merkt der Hütte wirklich an, dass der griechische Bergwanderverein stark von den Alpenvereinen DAV und ÖAV ispiriert und geprägt ist. Dass die Hüttenwirtin deutsche Muttersprachlerin ist, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i”.

Morgenstimmung auf der Terasse der Berghütte – mit Meerblick.
Bina ist beim Frühstück noch nicht ganz wach,…
… wohingegen Michel schon voller Vorfreude ist.

meine beine sind erstaunlich fit und frohgemut laufe ich los. in sechs bis sieben stunden wollen wir wieder zurück sein. es läuft sich schwerer als ich dachte. der weg ist gut angelegt, geht immer bergauf. mein knie hält und auch von meinem verknacksten fuß merke ich nichts. aber die lungen!!! ich keuche wie eine asthmatische lokomotive. die vielen höhenmeter haben mir auf der zugspitze vorletztes jahr nicht so viel ausgemacht. aber da war ich auch mit dem klettersteig beschäftigt.

Kurz unterhalb der Baumgrenze und über den Wolken.
Eine beeindruckende Landschaft und ein nicht enden wollender Weg.

aber dann erreichen wir doch skala, einen nebengipfel. es weht ein eisiger wind. und der blick rüber zum hauptgipfel deutet uns, daß es noch mal richtig schwer würde. da fällt sie entscheidung leicht. wir gehen nicht zum gipfel. der methaxa wird geopfert, wir machen eine anständige pause und gehen langsam zurück.

Michel und bina auf dem etwa 2880 hohen Skala. Im Hintergrund Mythikos.

Uns war klar, dass der Olymp ein absolut ernst zu nehmender Berg ist, aber mit diesem steifen, eiskaltgen Wind hier oben haben wir nicht gerechnet. Auch die Profibergführer führen ihre Touren heute nicht auf den höchsten Gipfel, den Mythikos. Jedes Jahr verunglücken auf dem Olymp mehrere Menschen tödlich. Und vielleicht soll man Göttern ja auch einfach nicht zu nahe kommen.

Der Hüttenhund begleitet die Wanderer jeden Tag mit auf den Berg.

überhaupt der hüttenköter. liegt auf der terasse als verkehrsinsel, läßt sich füttern, kraulen, freut sich über jeden neuankömmling und spielt jeden tag an der skala yeti. leider bellt er auch die dohlen an, was die wirtin überhaupt nicht toll findet.

Die Hütte mit 110 Schlafplätzen wird nur mit dieser Maultier-Karavane versorgt. Was für eine Logistik!

am nächsten morgen spüre ich meine beine richtig! ich weiß gar nicht, wie ich die treppe zu den waschräumen hinunter kommen soll, geschweige denn mich zum pinkeln hinhocken. die hütte hat nur hocketoiletten, wie wir sie aus dem nahen osten kennen. okay, sie sind leicht zu reinigen, aber sie beinmüden wanderern bereit zu stellen, grenzt an sadismus! schön langsam gehen wir wieder bergab zu bulli, der wohlbehalten auf uns wartet.

Zwischen Frühstück und dem Abstieg ins Tal komme ich noch mit einem Pärchen aus den USA ins Gespräch. Sie sind beide Ärzte und arbeiten in ihrem Urlaub ehrenamtlich in einer Krankenstation für Flüchtlinge in Thessaloniki, wofür vor allem er hervorragend geeignet ist, weil er irakischer Abstammung ist und somit Arabisch spricht. Auf meine Frage, wie es für ihn war, dass im Bett unter ihm ein Israeli geschlafen hat (der übrigens als Einziger seinen Müll nicht wieder mit ins Tal genommen hat), antwortet er: “Ach, wenigstens ist er in seinem eigenen Bett geblieben und hat nicht angefangen, auch noch meins zu besetzten” – Bina brach noch Stunden später beim Wandern immer wieder in prustendes Lachen über diese Antwort aus.

Wieder an den Thermopylen

Mi/Do 16./17. Mai

ich freue mich, daß wir es tatsächlich schaffen, besonders schöne orte von der hinfahrt auf dem rückweg wieder zu besuchen. da dürfen die thermopylen nicht fehlen. dort ist alles wie immer. das wasser sprudelt heiß und wohltuend über die felsen. wegen der jahreszeit sogar noch kräftiger als im september. der marmeladenhändler freut sich, uns zu sehen, und den diversen straßenhunden, die herumlungern, geht es gut. wohlgenährt liegen sie in unserer nähe, wenn wir grad mal nicht planschen, freuen sich über ein häppchen zu essen und lassen sich schmusen. abends nutzen die männlichen flüchtlinge von nebenan die quellen und auch einheimische kommen wie immer schnell mal auf ein bad vorbei.

irgendwann fährt ein alter vw-caddy vor und ihm entsteigen d… und s…, die auch auf großer tour sind und noch in den iran wollen. ein gemeinsames abendbrot mit erfahrungsaustausch und nettem klönschnack über alles mögliche kommt schnell in gang. beide halten sich mit straßenmusik über wasser und s… knüpft und verkauft schmuck. sie macht mir ein fußkettchen mit vielen kleinen glöckchen. von uns bekommen sie unsere türkei-reiseführer, von denen wir einen damals von w… und j… bekommen haben und jetzt nicht mehr brauchen sowie alle möglichen persönlichen tips für türkei und kurdistan.

mir wär so ein caddy ja zu klein. d… kann bei seiner länge nur mit überhängenden beinen schlafen. alles, außer im bett zu liegen, findet draußen statt. wenn es regnet ist höchstens noch zusätzlicher platz auf dem fahrersitz, denn der beifahrersitz steht voll mit sachen. und damit sind die beiden schon etwa neun monate unterwegs! ich bin froh über bulli, wo man auch mal die tür zumachen kann, eine toilette und eine kochgelegenheit hat und aufrecht stehen kann.

S… am Caddy. Von D… sieht man nur die Füße.
Was in so ein kleines Auto alles reingeht…!

viel glück euch beiden. kommt gut hin und wieder zurück!

für uns geht es am nächsten tag nach einem weiteren bad erst einmal nach lamia in die autowerkstatt, auf der wir auch schon auf dem hinweg waren. mittlerweile klingt der auspuff wie das aufgebohrte mofarohr eines pubertierenden dorfjugendlichen, der die nachbarstochter und seine freunde beeindrucken will. da muß dringend ein schweißgerät drangehalten und das loch gestopft werden. der mechaniker erinnert sich auch noch an uns, kann aber nicht helfen, weil er kein schweißgerät hat. er schickt uns ein stück weiter die straße rauf zu einer werkstatt, die auf auspuffe spezialisiert ist. aber nicht ohne uns schnell einen kaffee zu machen und zu hören, was wir erlebt haben. er freut sich, daß seine reparatur von damals bis heute hält.

nebenan wird bulli sofort über der grube verarztet und klingt schon gleich viel besser.

Der Auspuffdoktor bei der Arbeit.

auf gehts zum olymp. unterhalb des berges liegt litochoro, wo wir grödeln für die schneefelder kaufen wollen, die noch am berg liegen. aber die besitzerin des kleinen outdoor-austatters meint, daß wir die nicht brauchen. statt dessen bietet sie uns einen kaffee an und recherchiert für uns das wetter für die nächsten tage. dann telefoniert für uns auch noch mit der berghütte, wo wir zweimal nächtigen wollen. es ist leider nur für die erste nacht noch etwas frei, aber wir hoffen darauf, daß bei 110 betten irgendwer absagen wird. was für ein service. verdient hat sie an uns nichts.

bei internet im cafe lassen wir den tag ausklingen. da spricht uns m… an. ein alter grieche, der in stuttgart gearbeitet, geheiratet und gelebt hat und im ruhestand mit seiner frau nach litochoro gezogen ist. vor acht monaten ist sie gestorben, und jetzt scheint er in den cafes des ortes auf deutsche touristen zu warten, um mit denen deutsch reden zu können und den tod zu verarbeiten. er hat tränen von dankbarkeit in den augen, als er erzählt, wie ihm sein deutscher chef und andere menschen in stuttgart in den schweren anfangszeiten geholfen haben. ihm, der ohne ausbildung und ohne lesen und schreiben zu können nach deutschland kam und sich in eine frau verliebte, deren eltern gegen die heirat waren, weil sie keinen ungebildeten griechen zum schwiegersohn wollten. wir hören uns seine geschichte gerne an und ich denke noch oft an ihn.

die nacht verbringen wir auf einem parkplatz im ort, weil es durch die begegnung mit m… schon spät geworden ist.

Delphi

Mi 16. Mai. 2018

natürlich steht delphi auf dem programm. die straße windet sich die grünen hügel hinauf und wenn nicht überall braun-weiße hinweisschilder stünden, könnte man denken, daß die straße lediglich ins nächste dorf führt. aber plötzlich stehen am straßenrand reisebusse, menschenmengen drängen sich an den autos vorbei, wir sind offensichtlich da. hoch über dem tal thront delphi. damit ist es klar: den sinn für gute lagen hat die griechisch orthodoxe kirche von den, die olympischen götter anbetenden, antiken griechen geerbt.

Grashüpfer Flip auf Michels Schulter.
Das Schatzhaus der Athener.
Der Blick ist toll. Eine gute Lage eben…
“Die Touristenmassen”, das sind immer die Anderen. (Wir fassen uns an die eigene Nase.)

delphi muß damals an pomp und pracht nicht zu überbieten gewesen sein. jeder siegreiche kriegsherr lieferte den 10ten teil seiner kriegsbeute hier ab. hier eine statue, daneben eine noch prächtigere, in der nächsten nische in der mauer eine mit NOCH mehr gold, man will ja nicht hintan stehen. die einzelnen gebäude voll mit schätzen aus aller welt. im museum gibt es ein gemälde, wie delphi damals ausgesehen haben muß:

So ähnlich muß Delphi ausgesehen haben.

eine, meist ältere, priesterin saß im apollo-tempel über einer erdspalte, aus der dämpfe empor kamen, kaute heilige lorbeer-blätter und sprach ‘in zungen’, wenn sie befragt wurde. das wurde dann von den priestern des tempels ‘übersetzt’. weil natürlich alle herrscher und kriegsherrn das orakel befragten, hatten priester und priesterin viel einblick in die pläne der machthabenden und konnten prima einfluß nehmen. die orakelsprüche waren dabei so schwammig wie die horoskope in zeitschriften heute. meist wurden die fragenden auf den nächsten tag vertröstet, bis sie eine antwort bekamen. nur alexander der große gab sich damit nicht zufrieden. als er kam, um bestätigt zu bekommen, daß er die gesamte antike welt erobern würde und am nächsten tag wiederkommen sollte, wurde er sauer und zerrte die priesterin an den haaren aus der kapelle und bedrohte sie. die bekam solche angst, daß sie nur noch schrie :’du bist unbesiegbar, du bist unbesiegbar!’. daraufhin ließ alexander sie wieder los und sagte: ‘ich habe meine antwort.’

Schlangensäule vor den Säulen des Apollon-Tempels.
Variation auf das typische Delphi-Erinnerungs-Foto.

im museum haben wir uns in die sphinx der naxier verliebt, die auf einer säule stand. die sphinx ist ein weibliches ungeheuer, tochter eines hundes und einer menschlichen mutter, und schwester von so netten gestalten wie dem nemeisische löwen, hydra und chimaira.

Die von der Insel Naxos an das Orakel von Delphi gestiftete Sphinx.

ich bin völlig angetan von der kunst der steinmetze. wie sie es fertig bringen, kleidung, haare und gesichter so lebendig und lebensnah dazustellen, als wären die statuen aus fleisch und blut.

Ein wunderschönes Abbild der Nike.
Bei diesem Herrn weiß man nicht, wer das ist. ‘Der Philosoph’ steht auf dem Schild. Wir finden, er hat große Ähnlichkeit mit Statuen von Sokrates.
Ein Säulensockel. Der war, wie alles in der Zeit, bestimmt auch knallbunt angemalt.

Die Sätze der sieben Weisen:

Die berühmte Inschrift “Erkenne dich selbst.” am Apollotempel, existiert leider (natürlich) nicht mehr da.

Trotzdem hier sieben Sätze der Weisen von Delphi, die (soweit ich es verstanden habe) am Apollotempel eingraviert waren:

  1. Bürgschaft – schon ist Unheil da. [Thales]
  2. Nichts im Übermaß! [Solon]
  3. Erkenne dich selbst! [Chilon]
  4. Erkenne den rechten Zeitpunkt! [Pittakos]
  5. Die Meisten sind schlecht. [Bias]
  6. Maßhalten ist das Beste. [Kleobulos]
  7. Habe das Ganze im Sinn! [Periandros]

Als achter Weiser von Delphi wird oft Sokrates bezeichnet. Denn das Orakel soll, befragt ob es einen weiseren Menschen als Sokrates gäbe, verneint haben. Als dies Sokrates zugetragen wurde, soll er gesagt haben, dass es vermutlich daran läge, dass er als einziger wenigstens wisse, dass er nichts wisse.

Athen zum Dritten!

Fr-Di 11.-15. Mai

Womoreisegruppen

In Athen gönnen wir uns wieder einmal einen Campingplatz und somit den Luxus von Dusche, Waschmaschine und so weiter. Auch weil wir die Nächte, die wir beim letzten Athenbesuch am Straßenrand verbracht haben, (untertrieben gesagt) nicht wirklich gut geschlafen haben.

Nicht nur sauber, sondern porentief rein – und glücklich.

Während wir auf dem Platz sind, belegen zweimal große Womoreisegruppen von professionellen Reiseveranstaltern den Großteil des Platzes. Die Gruppenwomos stellen insgesamt die Mehrzahl der Womos, die im Laufe der vier Nächte mit uns auf dem Platz stehen.

Wir verstehen nicht ganz, was so viele Leute dazu bringt, zwar mit dem eigenen Wohnmobil nach Griechenland zu fahren, sich dann aber einer organisierten Tour anzuschließen, sich von Campingplatz zu Campingplatz lotsen zu lassen und an einem klassischen Pauschaltouristenprogramm mit Omnibusausflügen und Gruppenbesichtigungen teilzunehmen.

Ja sicher, einige der Wohnmobile sind so groß, dass man wirklich nicht wild stehen kann und auch auf jedem Campingplatz einen entsprechend großen XXL-Stellplatz vorbuchen muß. Aber mal ehrlich, dann kann ich auch eine normale Flug-Bus-Hotel-Pauschalrundreise buchen.

Naja, ein jeder Jeck ist anders!

Palästina Solidemos

Der “Große Marsch der Rückkehr” wurde nicht (wie man als deutscher Zeitunsleser vermuten könnte) von der Hamas, sondern von lokalen Aktivisten und Journalisten organisiert. Deren Planung für Kampagne ist Lehrbuchbeispiel für gewaltfreie Aktionen. Sechs Wochen lang sollte in Camps in etwa 700m Entfernung zu dem Zaun, der den Gazastreifen umschließt, demonstriert werden. Insbesondere an den Freitagen waren größere Aktionen geplant. Höhepunkt und Abschluß sollte der 15te Mai sein, an dem zehntausende Menschen sich an den Händen haltend friedlich auf den Gazazaun zugehen und ihn überklettern würden. Den Aktivisten war klar, dass sie damit rechnen mußten, dass die Israelische Armee scharf schießen würde. Aber die Lage der Menschen in Gaza ist verzweifelt. Und der politische Preis dafür hunderte gewaltfrei demonstrierende Menschen zu erschießen, würde hoffentlich zu hoch sein.

Der 15te Mai ist gut gewählt. Er wird von den Israelis als Tag der Staatsgründung gefeiert, während die Palästinenser als “Nakbah-Tag” begehen und der ethnischen Säuberung Palästinas im Jahr 1948 gedenken.

Dass Trump die US-Botschaft ausgerechnet einen Tag vorher nach Jerusalem verlegt, läßt auf eine ganz besondere Art diplomatischen Fingerspitzengefühls schließen.

Die Forderungen des “Goßen Marsches der Rückkehr” sind:

  1. Rückkehrrecht für die 1948 aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinenser und ihrer Nachkommen zu den Orten ihrer alten Dörfer und Städte.
  2. Beendigung der Blockade des Gazastreifens.
  3. Keine Verlegung der US-Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem.

Doch schon am 30ten März, dem ersten Aktionstag, läuft die Sache aus dem Ruder. Eine medienwirksame Minderheit vor allem jugendlicher Demonstranten zündet Autoreifen und schmeißt Steine. Die israelische Armee erschießt 19 Palästinenser, ohne das ein einziger Israeli (weder Soldat noch Zivilist) verletzt würde. Die Hamas, die sich bisher nicht um die Kampagne gekümmert hat, nutzt die Medienaufmerksamkeit für sich. Und der israelischen Armee gelingt es ihre unverhältnismäßige Gewaltanwendung in den Augen Vieler gerechtfertigt erscheinen zu lassen.

In den folgenen Wochen wiederholt sich diese Tragödie mehrmals, allerdings ohne so viele Tote an einem einzigen Tag.

Bina und ich befürchten für den 15ten Mai das Schlimmste und wollen unbedingt solidarisch vor der israelischen Botschaft in Athen demonstrieren.

Da wir kein Griechisch können, finden wir im Internet zunächst nur eine Motorraddemo einer kleinen anarchistischen Splittergruppe am Freitag, den 11ten Mai. Hier erfahren wir dann, wann und wo die Demos am 14ten und 15ten Mai stattfinden.

Auftakt der Palästina-Solidaritäts-Motorrad-Demo am 11ten Mai.

Die Kundgebung am 14ten Mai findet vor dem griechischen Außenministerium statt und ist leider fast genauso klein, wie die Motorraddemo am 11ten.

Dafür ziehen auf der Demo am 15ten Mai über 1.000 Menschen von der US-amerikanischen zur israelischen Botschaft. Die Tatsache, dass am Tag zuvor mindestens 60 Palästinenser getötet und etwa 2.700 verwundet wurden, hat wohl mobilisierend gewirkt. Die israelische Armee hat an diesem Tag übrigens ihren ersten und einzigen leicht verwundeten Soldaten während der gesamten Kampagne zu beklagen.

Über 1.000 Menschen ziehen von der US- zur israelischen Botschaft.

Die griechische Polizei agiert taktisch äußerst geschickt und professionell. Auf dem Demonstrationsweg hält sie sich fast vollkommen zurück. Nur einige Motorradpolizisten zur Verkehrsregelung sind zu sehen. Und das, obwohl einige Demonstranten vermummt und ihre Fahnen bisweilen nur schlecht getarnte Knüppel sind. Erst direkt vor der israelischen Botschaft ist die Straße abgesperrt. Aber nicht mit Polizeiketten, sondern mit alten vergitterten Bussen. Nur ganz links und rechts auf dem Bürgersteig ist jeweils ein Dutzend Bereitschaftspolizisten zu sehen.

Die Polizei duldet sogar, dass die Busse, mit denen die Botschaft abgesperrt ist, erklettert werden. Michel ist gerne behilflich.
Erst nach einiger Zeit zieht Bereitschaftspolizei auf und fordert die Busbesetzer auf runter zu kommen.
Viele Fahnen sind nur schlecht getarnte Knüppel.

In dem Moment, wo die Demo beginnt wieder abzuziehen, fliegen plötzlich Steine. Wir rechnen mit einer Eskalation. Aber die Polizeikette, die inzwischen vor den Bussen steht, zieht sich einfach schnell hinter die Busse zurück. Lieber ein paar Beulen in den alten Bussen, als einen Stein am Kopf! Die Organisatoren fordern die Leute auf abzuziehen. Die große Masse tut dies auch geordnet. Und sobald den Jugendlichen die Menge fehlt, aus denen sie agieren können, hören sie auf und ziehen auch ab. Die große Eskalation, die es in einer solchen Situation in Deutschland garantiert gegeben hätte, bleibt aus.

Wir sind von der griechischen Polizei und der Demoleitung schwer beeindruckt. Davon können wir in Deutschland wirklich etwas lernen!

Alles andere als beeindruckt sind wir von der deutschen und internationalen Presse zum “Großen Marsch der Rückkehr” am Gazazaun. Die beste Kommentar kommt tatsächlich von der Satireseite Der Postillon: “Faustregel: Wenn es auf Seiten der Demonstranten 60 Tote und weit über 2000 Verletzte gibt, auf Ihrer Seite jedoch keine Verluste zu beklagen sind, dann könnte das ein Zeichen sein, dass Ihr Abzugsfinger womöglich zu locker war.”

Als Hintergrundinformation empfehlen wir folgenden Artikel auf der Hompage von Medico International:“ Eskalation mit Ansage: Die Eskalation an der Grenze zu Israel verdeckt die legitimen Ziele der Protestierenden. Davon profitieren vor allem die israelische Regierung und die Hamas…”

Dort ist auch zu lesen, was unsere Freunde von YAS in Hebron gemacht haben: “Als eine Insel der Vernunft erwies sich der kleine Hügel im israelisch kontrollierten Teil Hebrons, auf dem die palästinensische Organisation Youth Against Settlements (YAS) ihr Zentrum hat. In unmittelbarer Nachbarschaft zu radikalen Siedlern organisierte Breaking the Silence dort mit YAS einen Sederabend zum Pessachfest, bei dem palästinensische Aktivist*innen demonstrativ jüdische Besatzungsgegner*innen zu Gast hatten. “

Hier  Artikel von Medico zur  Sicherheit  als PDF: Medico Hintergrund Gaza

Sokrates, pakistanisch Essen und so

Obwohl wir das klassische Touristenprogramm schon bei unserem ersten Besuch absolviert haben, wird uns in Athen nicht langweilig.

Zum Essen gehen wir immer in ein kleines pakistanisch, indisch, bangladesisches Viertel, in dem wir meist die einzigen Europäer sind.

Komplettes Menue für 2€. Beschallung mit Bollywoodvideoclips inklusive.

Wir sind wieder in “unserem” irischen Pub, besuchen den queeren Stammtisch, bei dem wir schon im letzen Monat waren und eine queere Theater-Kunst-Performance in einer wirklich coolen Theater-Kunst-wasauchimmer?-Bar.

Mein persönlichr Höhepunkt ist die Besichtigung der Ruinenreste des Lyckeion des Aristoteles und der Akademie des Platon im ehemaligen antiken Stadtteil Acedemia. Hier, genau hier haben die oben genannten, viele andere und vor allem Sokrates gewirkt. Ich komme mir vor wie ein Pilger. So wie Juden, Christen und Muslime nach Jerusalem, Rom und Mekka pilgern, fühle ich mich hierher gepilgert zu Sokrates, dem Märtyrer des kritischen Denkens und Hinterfragens.

Viel ist am alten Gymnasion in Academia nicht mehr zu sehen. Trotzdem sieht Michel vor seinem inneren Auge Sokrates vor sich wandeln.