mo., 16.febr. – do., 20.febr.
Artikel Cyprus-Mail
wir fahren derzeit immer ein bischen hin und her.
am sonntag müssen wir nach nicosia zurück, die cyprus-news haben sich nach einer pressemitteilung zu der slideshow gemeldet und möchten ein interview mit uns.
der journalist theo panayides hat am montag eigentlich nur eine stunde zeit. und dann sitzen wir doch dreieinhalb stunden im home of cooperation und erzählen in aller ausführlichkeit, wer wir sind, was wir in hebron erlebt haben und wie unsere einschätzung zur situation in israel und palästina ist.
er sagt zum abschluß noch, daß unsere worte stark gekürzt werden, aber das kennen wir schon. filmteams filmen sich auch die kamera wund und heraus kommen 5 min. sendezeit.
wir sind gespannt, was er daraus macht.
Der Artikel wird dann tatsächlich ein Doppelseiter, mit Verweis auf unseren Reiseblog, der auf Papier und Online erscheint, in der größten Tageszeitung Zyperns. Wir scheinen Theo Panayides, den Journalisten, ziemlich beeindruckt zu haben. Er stilisiert uns dermaßen zu Helden der Courage und Rollenvorbildern, dass es uns fast ein wenig peinlich ist.


https://cyprus-mail.com/2026/02/28/we-all-have-the-same-hidden-superpower
uns zieht es immer mal wieder ins hoi polloi. dort treffen wir am dienstag jojo, aus dresden.
es ist schön, nicht erst lange worte finden zu müssen, wenn es um politische themen geht. er ärgerte sich schon, daß er unsere slideshow verpasst hat, dessen plakat noch am fenster hängt und als wir auf ‚ende gelände‘ den braunkohletagebau im rheinland und die weggebaggerten dörfer, u.a. lützerath, zu sprechen kommen, wissen wir alle auch sofort, wovon wir reden.
da abends ein treffen von ‚United for Palestine‘ angesetzt ist und wir noch beim aramäischen imbiss essen wollen, nehmen wir ihn einfach mit.




Simon, der Inhaber des Hoi Poloi, war auch bei unserem Vortrag und lädt uns erst mal auf eine Runde Murphys ein. Simon ist echt super. Er macht zwar mit dem Hoi Poloi ziemlich Umsatz, aber man merkt auch, dass es ein politisches und soziales Projekt ist. Die Bandbreite der Ethnien, Genderidentitäten und Religionen unter den Mitarbeiter*innen ist beeindruckend. Es scheinen immer mindestens doppelt so viele Leute Schicht zu haben, wie gebraucht werden. Die meisten sitzen am Crew-Tisch rum, quatschen und bestellen sich auf Hauskosten was zu Essen. Viele haben schwierige Pässe und prekären Aufenthaltsstatus. Ohne das Hoi Poloi als Anlaufstelle und Geldquelle hätten sie echt Probleme.
und am mittwoch machen wir uns wieder auf den weg in den troodos.
wir haben ein bischen die sorge, daß wir mit dem zweiten versuch, noch mehr mufflone zu sehen, uns den zauber der ersten sichtungen und der wunderbaren wanderungen zerstören, aber wir wollen es trotzdem wagen.
wir suchen uns wieder eine picknickarea an einem anderen ort, aber auch zwischen nichts und gar nichts in ziemlicher abgeschiedenheit.
dort ist eine wanderung ausgeschildert. zu einer heiligen quelle, einer kapelle am ende, ab und auf und wieder zurück.
es geht steil bergab in wunderschöner landschaft. und endlich kann ich auch die auffälligen stämme des erdbeerbaumes zeigen und andere schönheiten:



die heilige quelle ist fast trocken und deren umgebung eine plastikmüllhalde. wir räumen erst mal auf.
nichts und niemand klärt darüber auf, warum und für was diese quelle heilig ist. gläubige haben über längeren zeitraum kleidung, schmuck, und andere textile besitztümer in bäumen und felsspalten hinterlassen. trotzdem muß es hier nicht so aussehen.



wir wandern weiter.
möglichst leise, an jeder wegkurve aufmerksam schauend. es ist ziemlich anstrengend und die steigungen sind beachtlich. am wegbeginn deutete das schild auf eine entspannnte wanderung von eineinhalb stunden hin für 5 km. aber das ist glatt gelogen. der mensch, der der das schild gemacht hat, hatte keine ahnung vom wandern und hat die höhenmeter nicht berücksichtigt. aber noch beschweren wir uns nicht, denn wir sehen sie :



beim weiterwandern entdecken wir noch zwei weibliche oder jungtiere, aber sie verschwinden hinter einer kuppe, ehe die kamera parat ist. und ein stattlicher bock steht zwar kurz wie hypnotisiert auf dem weg, erinnert sich dann aber schnell daran, dass er ein fluchttier ist.
insgesamt sind wir mit sechs sichtungen auf beiden touren dabei und wundern uns ein bisschen, daß wir mit leuten sprachen, die meinten: ‚ja, ich sah mal eines in meinem bisherigen leben, das wars….‘ . aber der zypriot an sich wandert nicht. das ist schade für ihn oder sie, aber ein glück für die mufflons.
als die kapelle am ende des weges im tal in sicht ist, machen wir pause und dann auch kehrt.
die langen abstiege auf dem hinweg haben meinen knien sehr zugesetzt und wir müssen das ganze zurück auch wieder rauf.
nach fünf einhalb stunden sind wir wieder am bulli. okay, wir lassen uns auch zeit. und ich gehe am schluß wirklich langsam.
das weiterfahren sparen wir uns für heute und sonnen uns mit blick in die berge im mufflon-glück.
offroad
wir wollen durch mylikouri. ein dorf, in dem noch ein paar alte leute wohnen und der rest der häuser als sommerfrische von hitze geplagten städtern genutzt wird.
es liegt so einsam,daß im winter die mufflons ins dorf kommen, um die rabatten und beete zu plündern.
wir müssen auf dem dorfplatz einen bauarbeiter fragen, wie wir richtung süden weiter kommen, denn die straßen im dorf sehen nicht unbedingt so aus, als würden sie problemlos befahrbar sein.
aber hinter der baustelle geht es schmal, doch asphaltiert durch den wald weiter.
aber dann hört der asphalt auf und wir sind auf einer piste mitten im wald. immerhin sehen wir frische reifenspuren.



und dann fallen wir vom glauben ab:
uns kommt ein jeep entgegen. und ein zweiter und als ich vermute: ‚da kommt bestimmt noch einer‚ biegt auch schon der dritte um die enge kurve. hintendrin zwei längsgebaute sitzbänke voller touristen, die sich mit einer safari-adventure-jeep-tour durch die ‚wildnis‘ kurven lassen und das ganze super toll finden.
ein paar minuten später das ganze noch mal, diesmal sind die jeeps weiß und später kommen noch mehr. jeweils von anderen anbietern.
wir sehen: ‚stevie´s jeep safaris‘, ‚jimie’s jeep adventures‘, ‚evis jeep safaris‘ und ‚cyprus eco tour adventures‘ – insgesamt über ein halbes dutzend offroad-touristen-schaukeln.



warum der fahrer so grinst, wissen wir nicht. denn wir machen grade sein geschäftsmodel kaputt, in dem wir ihm mit unserem alten bulli, der mitnichten wirklich geländetauglich ist, und dazu noch ziemlich abgefahrene reifen hat, langsam durch die bodenwellen schaukelnd entgegenkommen.
katzenkloster
irgendwann hat uns die befestigte straße wieder.
es geht nach akrotiri zum katzenkloster st. nicholas of the cats. dort sind katzen heilig, weil sie die insel mal vor eine schlangeninvasion gerettet haben sollen.
es ist üblich, eine spende in form von katzenfutter in den gotteskasten zu geben. 2017/18 schaute die nonne, die sie entgegennahm ziemlich grimmig drein, weil es nur ein halber sack war.
dieses mal haben wir schon seit tagen einen extra sack in der badewanne.
aber zuerst müssen wir an dem salzsee vorbei. jeden winter (oktober bis dezember) kommen flamingos, machen hier auf ihrem flug im märz/april zurück ihren brutgebieten zwischenstop.
eigentlich hätten sie da sein müssen, aber der see ist leer. beim letzten mal hatten wir sie noch gesehen.
2025 war ein negativ-rekord, was die anzahl betrifft. über 90% sind verschwunden. klimawandel, zerstörung der brutgebiete, umweltverschmutzung, d.h. WIR, sind dafür verantwortlich.
die welt wird wieder ein stück ärmer sein ohne sie.

aber das katzenkloster ist noch da. doch es hat irgendwie seinen charme verloren.
größere teile werden grade renoviert und zu tode aufgehübscht, vor den toren gibt es einen riesen parkplatz und wir vermissen die überall herumlungernden katzen, die es sich in den kakteen zwischen den langen stacheln gemütlich machen, wenn sie nicht gestreichelt werden wollen.
wenigstens lächelt die nonne, die wir nach längerem suchen sehen, als wir ihr das katzenfutter geben.
am parkplatz gibt es eine katzenfutterstation und dort lungern sie auch herum. am rand ein paar hütten mit rückzugsmöglichkeiten. mittlerweile verziehen sie sich ins hohe gras.
ein reisebus kommt vorgefahren und kippt touristen aus. sie schwärmen über das gelände, sammeln sich um den souvenirstand, den es am eingang gibt, machen ein paar fotos und sind wieder verschwunden.
auch wir wissen nicht mehr recht, was wir hier sollen und fahren weiter, nachdem wir noch ein bischen trockenfutter verteilt haben..







