Mufflons im Troodos

13. febr. – 15. febr.

vorweg: ja, wir haben welche gesehen! nein, wir konnten leider keine photos machen.

zuerst noch ein wenig orgakram (H4C zum mails anschauen, einkauf), und wir machen uns wieder auf in die berge. es gibt zwischen bufferzone und den wirklich hohen bergen des troodos an der nordseite des gebirges im westen der insel eine region, die extrem dünn besiedelt ist und die kaum straßen aufweist. es gibt keine wandertouren dort und unser reisebuch schweigt sich ebenfalls weitgehenst aus. wenn wir mufflone (jaa, es heißt mufflons. aber mufflone klingt lustiger!) wären, würden wir genau da wohnen.
wir kommen recht spät los und als die berge erreicht sind, ist es schon dunkel.
außerdem regnet es phasenweise in strömen und in der nähe geht ein ehrliches gewitter runter.
wir fahren eine mehr als kurvenreiche aber noch mit mittelstreifen versehene straße entlang. michel muß immer wieder massiven steinschlagabgängen ausweichen (also auf der straße liegenden runtergekommenen steinen). mehr als 30 km/h sind nicht drin und auch nicht erlaubt. wir sehen nicht viel. nur, daß es rechts deutlich runter und links eine steilwand hoch geht.
eine abzweigung führt noch weiter in die berge richtung kampos, es wird noch kurviger, sowie einspurig und wir wähnen uns schon auf korsika, da landen wir an einem picknick-platz.
am morgen gestaltet sich die gegend in dieser weise:

aber bevor wir uns auf eine wanderung machen können, müssen wir erst mal bulli reparieren.
es hat viel geregnet und unsere matratze nebst bettzeug ist an einer stelle richtig nass.
michel findet das leck oben auf dem dach. dort sind immer noch risse von unserer landung im straßengraben als wir im herbst 2023 in nord-schweden zum nordlicht gucken waren. auf dem weg von kiruna nach abisco hats den bulli von der straße in den graben gelegt, weil wir die schneeglätte und die schlechtigkeit unserer reifen unterschätzt haben. (es waren neue deutsche winterreifen, aber über sowas lachen sie nördlich des polarkreises nur!) das kunststoff-hochdach hat uns das übel genommen. also heißt es jetzt erst mal silikon raus, rauf auf die leiter (ein alter lattenzaun) und bettzeug hochkant gestellt.

und dann kommt auch der schnee….ach nee, der steineräumdienst vorbei:

hiermit werden nach dem heftigen regen die steine über nacht runter gekommenen muren von der straße geschoben…

wildnis

offizielle wanderwege gibt es hier nicht. aber die wollen wir auch nicht. heute soll es mit aller gebotenen vorsicht gegenüber natur und eigener unversehrtheit querfeldein gehen.
allerdings: wir entdecken mufflon-pfade. und terrassen, die per hand angelegt wurden, aber schon lange nicht mehr bewirtschaftet sind.
und es gibt einen rauschenden bergbach, den wir schon am picknickplatz queren müssen und an dem wir rechts und links bergan vorbeikraxeln.

und plötzlich riecht es so wunderbar würzig und ich entdecke massenhaft wilden oregano.
zum glück haben wir eine zweite bergfex-tüte dabei und es wird abends frische kräuter auf den nudeln geben.
was schade ist: dieses kraut fand ich schon vor jahren auf korsica unterhalb der zitadelle von corti am hang. ich fragte einen ebenfalls sammelden einheimischen, was das sei, aber der sagte: keine ahnung, es ist lecker und ich tue es mir immer aufs essen.
daraufhin nannte ich es „korsisches zitadellenkraut“ und hatte ein geheimnis. dies ist jetzt leider gelüftet.

Vokabel: „Bergfex“ – Eine Mülltüte, die wir bei jeder Wanderung und Paddeltour dabei haben, um Müll zu sammeln. Wir hinterlassen prinzipiell keinen eigenen Müll in der Natur und nehmen prinzipiell etwas von dem Müll, den andere hinterlassen haben, mit zurück in die Zivilisation. Im griechischen Teil Zyperns ist es bisweilen sogar möglich, alles mit zu nehmen. Im türkischen Teil haben wir gegen die Vermüllungswut der Einheimischen keine Chance. Dort bleibt es ein symbolisches Sammeln, egal wie viel wir mitnehmen.

irgendwann kommen wir nicht mehr recht weiter, machen eine gründliche pause. es gibt griechisches pita-brot, hummus und frischen oregano. endlecker!!!!!
wir gehen auf dem selben weg zurück. und finden nicht nur mufflon-trittspuren, sondern auch:

etwas anderes kann es nicht sein, kaninchen vielleicht…aber dann wäre die hierzulande kaninchenjagd populärer.

abstieg, ohne mufflons

wir waren nicht sehr lange unterwegs, aber anstrengend war es doch. während wir kaffee in der sonne trinken und ich den oregano von den zweigen zupfe, damit er vernünftig trockenen kann, hält ein auto und der fahrer legt uns lachend mit den besten wünschen frische orangen auf den tisch.
in kampos gibt es eine forst- und krankenstation. natürlich weiß man dort längst, daß am picknickplatz gäste sind….

am nächsten tag machen wir eine zweite wanderung.
von unserem platz aus führt ein forstweg nach oben. der ist nicht spektakulär, fotos lohnen sich nicht recht, aber er führt in serpentinen durch einen wunderschönen, mal dichten, mal lichten und sehr einsamen wald.
aber von wegen einsam:
auf dem rückweg, nachdem wir an einer anderen straße nach kampos gelandet sind, keine vernünftige möglichkeit zum weiteres aufstieg gefunden haben außer der straße zu folgen, sind wir wieder auf dem selben weg zurück.

plötzlich: MUFFLONS!!!!!
zwei stück. definitiv ein männchen, unverkennbar an den hörnern zu erkennen, das zweite wohl ein weibchen. sie stehen 40 m von uns am hang und rennen sofort davon, als sie uns hören.
da michel beim wandern oft die vorhut bildet, bekommt er sie gut zu gesicht. ich erblicke aber noch ihre flüchtenden hinterteile! dann verschwinden sie außer sicht.
zeit für ein foto haben wir nicht, aber wir haben sie gesehen!!!!!!

wir können beruhigt wieder nach nikosia fahren.
und dabei merken wir erst, in welch schöner gegend wir gelandet sind.

und hier noch ein paar tierchen:

eine troodos-eidechse. nicht selten! aber schön!

schon seit ein paar tagen fällt uns dies satte gelb rechts und links von der straße auf.
es wirkt in mehrerer hinsicht absurd:
erstens haben wir erst mitte februar und aus deutschland erreichen uns bilder von schneelandschaften und verkehrschaos. zweitens sehen wir es öfter direkt unter olivenbäumen:
es ist raps! die ganze luft ist erfüllt von seinem duft, den ich erst im april erwarten würde. in olivenhainen trifft sich orient und okzident auf ganz besondere weise und 100 m weiter hat ein bauer seinen erdbeerstand an der straße aufgestellt und verkauft seine ernte.

Nachrichten aus Hebron:

Derzeit befindet unser Freund D. aus Hamburg als Protective Presence in Issas-Haus/ dem Sumud-Zentrum in Hebron. Er berichtet (Sa. 14. Februar):

„Zunächst ein gemütliches Frühstück mit Issa Amro […] und ein erstes Gespräch über seine Arbeit hier vor Ort und die Herausforderungen. […]
Dann Zitronen vom eigenen Baum pflücken, danach ein böser Siedler auf dem Pferd, der aus dem Nichts auftauchte und Drohungen ausstieß, und dann ein Stromausfall am späteren Nachmittag, als ich alleine im Haus war. Soweit so ruhig, dazu gemütliches Lesen und Teetrinken. Auf einmal fliegen faustgroße Steine aufs Gelände und in meine Richtung – ich sitze relativ geschützt und packe erst mal das Laptop weg und versuche dann zu entdecken, wer das ist. Überraschung, derselbe junge Mann von der Mittagszeit. Direkt daneben spielen Kinder und beobachten, während der Soldat im Wachhaus hinter dem Anwesen und vor dem Siedlerhaus „nichts hört und sieht“, wie er später behauptet. Das ist alles im Abstand von 10-20 m! Naja, das ist wohl ein eher harmloser Zwischenfall und dennoch zeigt Issa auch diesen sofort bei der Polizei an, als er später nachhause kommt, damit es zumindest aktenkundig wird […]. Wir bleiben noch eine Weile auf, aber mit Strom und Ruhe draußen ist jetzt erst mal Feierabend.“

Cat-Content:

Auch Adam, dem schwarze Hauskater des Sumud-Zentrums, geht es gut. Er schmust mit D., welcher uns dieses Bild von ihm schickt:

Aber seine rothaarige Schwester, „Lilith“ oder auch „Lilly“ genannt, wurde leider von Siedlern gekidnappt. Die Katzen haben ja ihre eigene Welt und wechseln zwischen Siedlern und Palästinensern hin und her. Doch wenn sie von den Siedlern, Soldaten oder Siedlerkindern als „palästinenensisch“ gelesen werden, dann werden sie halt „gekidnappt“ – was vermutlich ein Euphemismus für … ist 🙁

Lilly: Wir bewahren dich im Herzen!