nachtrag zum letzten beitrag:
wir verlassen mit dem vizekonsul, seiner frau und der frau des dänischen diplomaten das haus, weil wir noch auf den markt müssen.
dieses mal geht es oben durch die siedlung, weil dort am rand ein taxi auf die diplomaten wartet.
ich muss zweierlei gestehen:
dort bin ich zum ersten mal seit wir issa und das sumud-zentrum kennen (auch 2017/18 waren wir nicht dort) und was ich im vorbeieilen sehe (die zeit drängt mal wieder) ist tatsächlich hübsch.
alles ist blitzsauber, es gibt lauschige ecken zum sitzen mit kunstrasen und verwinkelte wege, die zu den häusern führen.
so viel geschmack und dann so ein benehmen seinen palästinensischen mitmenschen gegenüber… fotos konnte ich wegen des eiltempos leider nicht machen.
wir erledigen unseren einkauf und versuchen es zum ersten mal , seitdem wir anfang oktober nicht durchgelassen wurden, wieder am checkpoint 56.
eine junge frau wartet gerade im käfig, aber wir werden trotzdem hinein gelassen.
diesmal war ich so schlau, meinen prothesenpass von den neuen knie mitzunehmen, den ich auch sofort zeige. der soldat schaut erst irritiert, dann, als der metalldetektor piept, verständig und vergisst darüber fast, mich meinen rucksack auspacken zu lassen, während michel mit seinem beschäftigt ist.
leider erinnert er sich dann doch an seine pflicht. aber ich hüte mich, die tüte mit den keffiye rauszuholen. ich will nicht, daß er die konfisziert.
der soldat gibt sich dann auch mit brot, minze und milch zufrieden, die ich ihm auf den tisch lege.
wir warten 15 minuten auf die überprüfung unserer pässe und werden dann tatsächlich durchgewunken.
damit sind wir die ersten internationalen seit ende september, die diesen checkpoint passieren dürfen. und es ist schön, den direkten weg nach hause nehmen zu können.
die junge frau darf leider nicht durch und muß ein service nach karantina nehmen.
tour mit eu-parlaments-grünen
& nela riehl von volt
Freitag, 12. Dezember 2025
es geht schon um 8.00 uhr los. wir treffen die gruppe am markt, issa gibt eine runde kaffee aus und die tour startet wie immer am checkpoint 56.
der einzige unterschied zu anderen gruppen ist lediglich, daß uns zwei herren von der security begleiten. ausgerechnet zwei iren! was für eine nette überraschung.
sie werden pflichtgemäß schnell nervös, als sich michel mit einer teilnehmerin richtung checkpoint entfernt, um ihr das ki-gesteuerte maschienengewehr zu zeigen.

die tour führt wie immer durch den markt, der jetzt am freitag leider geschlossen ist.
ich erzähle nicht noch einmal von den einzelnen stationen, an denen issa anhält, um die situation in hebron zu verdeutlichen.
auffallend ist, dass die teilnehmenden zwar eine ungefähre ahnung von den zuständen in der stadt haben, aber doch erschreckt sind, wenn sie die dann mit eigenen augen sehen.
die abfanggitter über sich, weil die siedler aus ihren siedlungen über dem markt ihren müll, steine und anderes in die marktgassen werfen.
die zugemauerten wege, die jedes weiterkommen verhindern.
die geschlossene gasse, die jetzt verwahrlost ist und mal der goldmarkt war.
das ehemalige hotel. einst das erste haus am platze, nun nur mehr eine ruine.
im shouk sind einige läden geöffnet und es gibt süßigkeiten und ein bisschen umsatz für die händler.
wir passieren problemlos den checkpoint an der moschee, wo yehuda von breaking the silence wartet, um die gruppe zu übernehmen.
wir begleiten die gruppe zur moschee, die sie noch besuchen will.
eine soldatin erklärt die regeln: drinnen nicht essen und nicht trinken, photografieren ist erlaubt.
wir erwähnen noch, daß es höflich von den frauen wäre, die haare zu bedecken.
und die soldatin sagt tatsächlich, das sei nicht nötig.
wir können es nicht fassen und bestehen darauf. zum glück haben alle wenigstens eine kapuze an der jacke, wenn nicht gar ein halstuch und hören auf uns.
aber wir haben keine lust mehr und lassen den besuch sein als wir sehen, welche umstände schon am ersten checkpoint gemacht werden.
ziemlich schnell ist auch die gruppe wieder zurück.
es gab unstimmigkeiten am zweiten checkpoint drinnen und die gruppe beschloß auf den besuch zu verzichten.

issa darf als palestinenser an der kreuzung vorm fleischmarkt nicht weitergehen. das dürfen nur wir und die israelis.
er muß einen großen umweg nehmen um wieder nach hause zu kommen.
yehuda fährt mit seinen erläuterungen fort, die ich jetzt ebenfalls nicht wiederhole.
am eingang zum ehemaligen fleischmarkt passiert es dann.
ich wundere mich, warum yehuda am durchgang stehen bleibt und auch mir deutet, nicht weiter zu gehen, obwohl ich zu gern die beiden gestohlenen esel gesehen hätte.
drei kinder kommen uns entgegen mit einer körperhaltung, die sagt: wir wollen euch hier nicht. fragen uns provokativ, ob wir palästinenser seien. yehuda spricht mit ihnen auf hebräisch und zieht sich mit uns auf die straße zurück.
und dann fliegt das erste ei in unsere richtung.
wir können es nicht glauben.
kinder bewerfen erwachsene mit eiern und schaffen es, sie zu vertreiben. auch die delegation glaubt nicht, was sie sieht, aber jetzt kriegen sie am eigenen leib mit, was es heißt, hier zu leben.die jungens verschwinden die straße hinunter richtung moschee und ich sehe, daß sie noch mehr eier dabei haben, für die nächsten palästinenser.
eigentlich ist der zeitpunkt dieses vorfalles perfekt. ausgerechnet eine eu-delegation anzugehen, also menschen, die wirklich auf politischer ebene etwas bewegen können, und dann auch noch kinder, die schon genau so radikal sind wie ihre eltern.

interessant ist auch, was yehuda zu den veränderungen innerhalb der israelischen armee erzählt:
der anteil nationalreligiöser juden in der armee ist seit der zeit, in der er gedient hat deutlich größer geworden. für die verschiedenen religiösen strömungen gibt es mittlerweile eigene einheiten.
das bedeutet, daß es in der israelische armee immer mehr radikale juden gibt, die immer stärker gemeinsam mit den siedlern die palästinenser angehen.
tagsüber sind sie soldaten und nach schichtende radikale siedler. das verschärft die situation immens.
Viele der im Westjordanland eingesetzten Soldaten, gehören den sogenannten „Regional Defence Battalions“ an. Hier bei uns ist des das Hebron-Battalion. Fast alle männlichen Siedler, die in der Armee gedient haben und in der Region Hebron leben, sind diesem Battalion zugeordnet. Einen Teil der Woche sind sie Zivilisten und drangsalieren ihre Nachbarn, wobei ihnen ihre Armee-Waffen und -Uniformen zur Verfügung stehen. Einen Teil der Woche sind sie Soldaten und schieben bei ihrer eigenen Siedlung Wache. Als Soldaten nehmen sie an die Sicherheits- und Aufklärungs-Briefings teil und führen Razzien in den Häusern durch, die sie ein paar Tage später als Siedler angreifen. – Während ihre Kameraden von der selben Einheit, die selber Siedler sind, wegschauen oder mitmachen.
nebenbei mache ich einen kleinen abstecher die straße hinunter zu dem haus, daß 2017/18 noch ‚zweigeteilt‘ war. im 2. stock wohnten palästinenser, der erste stock war durch siedler besetzt und im erdgschoß war ein armee-wachposten, der die siedler bewachte.
wir hatten 2018 einen blogbeitrag über dieses haus geschrieben und zusammen mit den yas-aktivisten und einigen us-amerikanischen jüdinnen auch auch eine kleine demo gegen die teilbesetzung gemacht.
mittlerweile ist die palästinensische wohnung geräumt und im haus leben nur noch siedler.

ich diskutiere mit einer deutschen delegationsteilnehmerin länger über die öffentliche meinung zum thema genozid und ethnische säuberung.
sie hat den eindruck, daß die bevölkerung nach wie vor die staatsräson unterstützt und dass das apartheitssystem nicht genug wahrgenommen wird. sie erlebe oft, wie aufwendig die gespräche sind, sobald das thema auf den tisch kommt.
ich halte dagegen.
da hätte sie die diskussionen erleben sollen, die wir nach unserer letzten reise 2017/18 führten. was haben wir uns anstrengen müssen, um unsere sicht zu erklären. mittlerweile ist das nur noch selten eine frage.
das sieht man ja auch an der größe der demonstrationen, die, wie bei ‚all eyes on gaza‘ in berlin, 100.000 menschen auf die straße bringen. anfangs waren die teilnehmerzahlen auf demos gegen den genozid lediglich zwei- bis dreistellig.
nur die bundesregierung hat das noch nicht verinnerlicht, macht weiter wie immer und hält an der unbedingten unterstützung der israelischen regierung fest.
dabei muß sie dringend aufhören, israel waffen und waffenteile zu liefern, muß dringend sanktionen verhängen und, wie issa es ausdrückt, die apartheit teuer machen. das versuche ich ihr so eindrücklich wie möglich nahe zu bringen.
ich zeige ihr auch die kleinigkeiten, die yehuda nicht erwähnt:
die verschweißten ladentüren in der shuhada street. das die jetzt so nicht mehr heißt, weil die arabischen straßennamen nach und nach gegen israelische ausgetauscht werden. und das nicht nur in hebron.
erzähle ihr von den kindergärten, die yas ins H2–gebiet geschmuggelt hat, was überhaupt alles auf schleichwegen nach H2 geschmuggelt werden muß, um das leben hier möglich zu machen.
zum sumud-zentrum führt diese tour heute nicht. schade eigentlich, issa erzählt immer so eindrücklich vom leben hier.
die zeit reicht nicht und es gibt auch sicherheitsbedenken.
am checkpoint 56 gibt es dennoch wieder einen eindruck davon, wie das leben hier ist. denn die delegation muß warten, bis sich der soldat mit den sicherheitsleuten der delegation einig geworden ist.
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eine mittelmeertarantel in unserer küche.
die jungs wollen sie unbedingt umbringen, wir aber setzen zwischen einem olivenbaum und einer alten mauer in der nähe der siedler aus. und das mit allen verfügbaren sicherheitsmaßnahmen, denn diese spinne ist giftig. (soweit wir wissen, tut ihr biss höllisch weh, bringt einen aber nicht um. – die arachnologin unseres vertrauens ist angefragt)
