21. märz-26. märz
wir haben richtig trübes norddeutsches wetter. kalkan lassen wir links liegen, auch xanthos und patara, obwohl wir uns beides eigentlich anschauen wollten. In fethiye fängt es dann richtig an zu schütten und wir freuen uns, daß wir in einem netten restaurant sitzen können, bei rechner laden, pizza, pide und viel chay.
wir landen in ölüdeniz. einem richtig ausgewachsenen ferienort. bars, restaurants, touren-anbieter, bootsfahrten an jeder ecke, paragliding, parkplätze, die geld haben wollen und einem hotel neben dem nächsten. aber auch mit einem langen sandkiesstrand. der eintritt für den hauptstrand belaufen sich auf 2.- pro tag (und ein auto, gar ein womo zu parken, kostet deutlich mehr). das ist total in ordnung. der platz ist super begrenzt und dafür gibt es einen sauberen strand und alle 100m toiletten und duschen.
aber hier ist die saison noch in weiter ferne. in kas ist man schon viel weiter. trotzdem werden wir schon ständig angesprochen. aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt. wir sagen freundlich nein danke und gehen weiter.
paraglider landen direkt auf der wiese am strand. erstaunlich, daß bei der derzeitig unsicheren wetterlage und nach lediglich einer einführung am boden, die kundschaft auf den berg gelassen wird.

und ein völlig absurdes partyschiff liegt hier auch am strand:

ganz hinten, an der lagune, wenn man denkt, hier kommt nichts mehr, kommt doch noch ein kleiner wendeplatz an einem noch nicht eröffneten beach-club. ein paar touren-boote liegen in der lagune und warten auf kundschaft, wanderer kommen auf dem weg nach kayaköy vorbei.
unter einem bienensummenden baum haben wir einen tollen platz und hier machen wir es uns gemütlich. hier stehen wir nämlich gratis!
wir gehen erst mal einkaufen.
kaffee ist in eigentlich allen supermärkten unfassbar teuer. 16.-€ kostet ein pfund markenkaffee. so steigt michel auf morgentlichen tee um. dafür ist türkisches brot ausgesprochen billig. bei uns heißt es „brotchen“. groß wie ein normales brot, aber fluffig wie ein billiges brötchen. eines reicht fürs frühstück und kostet grade mal 15 türkische lira (30 cent) michel lästert ein bisschen. es gibt einen sechsten aggregatzustand. fest, flüssig, gasförmig. dann überflüssig (michel bemerkt: korrekt heißt das bose-einstein-kondensat) und plasma. sowie als sechstes die konsistenz eines brotchens. und überraschenderweise kostet auch eine dose guinness im örtlichen micros nur knapp über 2.-€.
wir decken uns ein, schnappen unsere klappstühle und setzen uns mit dem guinness an die slip der lagune, wo schon ein türkisches pärchen ebenfalls beim bier sitzt. sie haben musik angemacht. man hört tatsächlich ein klavierkonzert von rachmaninoff und das passt ganz hervorragend zu der stillen lagune, den bergen dahinter und dem bienengesumm aus dem baum. sie schenken uns zum abschied noch zwei dosen bremen-bier. das ist tatsächlich trinkbar und michel findet, wir haben einen erfolgreichen tag: einen tollen stellplatz, eine schöne aussicht und mittags schon betüddelt.


Wir stellen hier gefühlt so häufig Bilder von mir mit einem Bier ein, dass es den Eindruck entstehen muss, ich würde mir hier gezielt Leber und Gehirnzellen weg saufen. – Dem ist nicht so!!! Es sind halt oft Situationen, die so nett sind, dass bina die Kamera rausholt, um sie festzuhalten.
auch die nächsten tage haben wir regenschauer. wir machen es uns im bulli gemütlich, lesen, stricken, dösen. im ort hat das ‚tiger-restaurant‘ schon geöffnet, dort bekommen wir für erstaunlich wenig geld limonade und laden die rechner auf. auch das hätten wir in diesem, ganz auf touristen eingerichteten ort, nicht erwartet: im größten restaurant an der promenade, direkt am strand sind die preise zivil, die bedienung ist so lieb und organisiert ein kabel, damit wir strom haben. und eine wohlgefütterte katze, legt sich ein bischen auf meinen schoß..
einen tag legen wir uns an den weitläufigen sandkiesstrand, der noch erfreulich leer ist.

wanderung nach kayaköy
dieses geisterdorf ist eigentlich eine griechische stadt. sie wurde 1922 im zuge des sogenannten „bevölkerungsaustausches“ zwischen griechenland und der türkei geräumt. – „ethnische säuberung“ wäre die passendere vokabel. – ihre bewohner, bzw. ihre nachfahren leben auf den peloponnes, und ein erdbeben gab den verlassenen häusern in den 50er jahren den rest.
wir waren 2018, in unserem ersten sabbatjahr, schonmal in der geisterstadt karamylassos.
die wanderung führt bergauf-bergab durch wald und bietet wunderbare ausblicke.

wildschweine gibt es hier offenbar zu hauf. überall sehen wir aufgewühlte flächen, wo sie nach pilzen, wurzeln, vielleicht trüffeln gewühlt haben. und hier ist ihre wellnessoase:

kajaköy hat sich nicht viel verändert. es wirkt immer noch so, als käme gleich die alte griechin vom besuch der kirche auf dem weg nach hause die gasse herauf und ihr nachbar mit seinen ziegen vom weidegang ihr entgegen.
mich bewegt es sehr, wie dieser ort immer noch atmet, obwohl hier schon seit hundert jahren niemand mehr lebt.
es gibt eine jause neben einer ruine und ich nehme mir reichlich von dem wilden oregano, der überall wächst. er wird wieder unsere tomatensoße zur abendmahlzeit abrunden.

überall blüht es. in ölüdeniz ist alles gelb von mimosen, die bougainville stehen in den startlöchern.und mohn gibt es in vielen farben. kennt jemand noch gummibäume, die in den 70er jahren als zimmer- und büropflanzen so beliebt waren? die sind hier stattliches straßenbegleitgrün.



nach sechs tagen dauercampen habe ich etwas angst, daß wir die einheimischen nerven, die sich um vorsaisonale kundschaft für ihre boote bemühen. aber an einem morgen kommt ‚käpt’n funda‘ (den wir so nennen, weil sein boot so heißt) und fragt ein bisschen neidisch nach dem bus. ‚ein einfaches leben, ihr macht es richtig!‘. meine sorge ist überflüssig.
das passiert nicht zum ersten mal. immer wieder sehen wir ein breites grinsen angesichts unseres bulli, erhobene daumen oder fröhliches winken.
offentsichtlich hat bulli an niedlichkeitsfaktor noch dazu gewonnen. ich bin gespannt, wie das sein wird, wenn wir die pril-blumen zum aufkleben bekommen, die wir über unserer patentochter bestellt haben.
