di., 24. febr. – so. 01. märz.
und dann wird michel richtig krank.
hulya, eine aktivistin von united for palestine, besucht uns am dienstag zum abendessen im bulli.
wir gehen anschließend zusammen zum UfP-treffen, wo wir den morgigen filmabend besprechen.
jedes jahr wird anläßlich der schließungen der läden in der shuhada-street in hebron vor dies mal 32 jahren die ‚open-shuhada-street-campagne‘ gestartet und der film ‚soldiers on the roof‘ von esther hertog gezeigt.
michel soll ein paar worte zur einführung sprechen.
aber es geht ihm plötzlich richtig schlecht und wir müssen das treffen vorzeitig verlassen.
am nächsten tag ist es mit michel nicht besser. er liegt im bett, mag nicht essen und schon gar nicht die einführung zum film halten und schläft viel. so schreibe ich eine einführung und fahre damit alleine los.
zwischen aufbau und vorführung lerne ich noch von chrisa, wie man löcher in klamotten mit gestickten blümelein verziert. das hatte ich schon vor wochen bei ihr gesehen und es selbst versucht, aber das ergebnis ist mehr als dilletantisch. danach wird es aber nur bedingt besser. das liegt nicht an chrisa sondern an meiner mangelnden übung und talent. aber für den anfang reichts.

leider ist die veranstaltung kaum besucht. grade mal neun leute sind gekommen und davon ist nur eine person dabei, die aufgrund der gehängten plakate interesse hat. aber so ist es eben manchmal.
wir machen die veranstaltung trotzdem. und meine einführung ist wirklich sinnvoll. denn man muß ’soldiers on the roof‘ gegen den strich schauen, und wenn man das nicht weiß, wird sich der zuschauer schnell denken: was ist das denn für ein pro-zionistischer film. was soll das?
es kommen eigentlich nur siedler zu wort, die ganz offen erzählen, wie sie sich das mit der besiedelung von hebron denken und dass ihnen egal ist, wo die palästinenser bleiben.
und die palästinenser (ganz abgesehen davon, daß sie nur als araber bezeichnet werden) seien ja diejenigen, die böse sind. gleich danach sieht man ein siedlerkind, das steine in richtung palästinesische kinder wirft und auf die frage, ob er mit ihnen schon mal geredet, vielleicht gespielt hat, bedröppelt guckt und „nein“ sagt.
eigentlich wollten wir uns auch um bullis neue reifen kümmern, aber das muß warten.
michel ist auch am nächsten tag zu nichts in der lage und am freitag muß er fit für die fahrt sein. der donnerstag wird verschlafen, ich verbringe den halben tag im H4C, dann hat michel im bulli die ruhe, die er braucht.
freitag: endgültiger abschied
wir lassen den tag ruhig angehen. fahren zum reifenhändler, der pirelli-reifen hat und müssen aber erfahren, daß nur drei reifen vor ort sind und der vierte in famagusta liegt. morgen könnten wir … aber das geht nicht, weil die fähre leider nicht wartet. also werden wir versuchen in tasucu neue reifen zu bekommen.
abends ist michel dann fahrtauglich und bringt mich auf dem weg nach girne bei hulya vorbei.
dies ist hulya von united for palestine und eine ihrer katzen, juno, bei denen ich schlafen darf:

sie hat noch eine weitere kleine katze, ebenfalls schwarz, und die schaut mich mit noch größeren augen an und läßt sich nicht anfassen. dafür ist ihre alte hündin unfassbar streichelbedürftig und schläft die nacht neben meinem bett.
ich genieße ein bequemes bett, die heiße dusche und dass uns emine, hülyas mutter, die im selben haus wohnt, bekocht.
ich mache meine eigene abschiedsrunde in nicosia.
es gibt menengic kavesi (kurdischen pistazienkaffee) im kurdischen cafe. er schmeckt genau so wie in meiner erinnerung. omman, der betreiber, süßt ihn mit honig und es gibt dazu ein paar scheiben mit käse gefülltes brot, das seine frau gebacken hat und die herzlichsten grüße an michel.

ich blicke auf den musikalienladen gegenüber. der zeichnet sich durch eine große palästinensiche fahne im schaufenster und wassermelonen-aufkleber aus, wie so manches geschäft in der süden.
im griechischen teil von nicosia häufen sich die pro-palestinensischen bekundungen.
graffiti, nicht nur von eiva, auch aufkleber und slogans an den wänden haben sich in den letzten wochen sehr vermehrt. und eben fahnen in vielen läden und fenstern. das finde ich beruhigend, denn bisher wurde derlei im griechischen teil meist unterbunden. so ist auch unser lieblingsgraffito von eiva, auf dem ein zimmermädchen den genozid unter einen teppich kehrt, mittlerweile übergetüncht.
erfreulicherweise hat heute ziba an der touri-ifo am checkpoint dienst, so kann ich auch sie noch mal in den arm nehmen.
ich trinke zwei murphys im hoi polloi, aber leider ist niemand da, den ich kenne oder verabschieden möchte. nur zwei palästinensische jungs sprechen mich auf meine kefiye an und einer schenkt mir einen sticker für meinen computer, den er von seinem smartphone knibbelt.
im ‚yalla‘ sage ich auch noch tschüs und esse ein letztes hallumi-sandwich am aramäischen imbiss.
und dann radle ich zurück zu hulya. leider im dunkeln, was ich vermeiden wollte, denn sie wohnt ein bischen außerhalb kurz vor der schnellstraße nach famagusta. aber am checkpoint ist so viel los, wie die ganzen zwei monate nicht. ich brauche mindestens eine halbe stunde, bis ich endlich durch bin. keine ahnung, was heute so besonders ist.
sonntag morgen geht die fahrt nach girne schnell. nicht nur, weil es sich hulya nicht nehmen läßt, mich zum hafen zu fahren. um 8.00h gibt es noch keine staus in der stadt. das fähr-procedere stellt keine schwierigkeit dar, ich darf mein brompti bei den autos in einer ecke anschließen, dann muß ich es nicht an deck mit mir herum schleppen. auch mein rucksack geht als handgepäck durch.

von ferne grüßt ein letztes mal st. hilarion. der himmel über der karpaz-halbinsel ist schwer. ich denke an die wandertouren, die wir nicht geschafft haben (strandwanderung),
die straßen, die wir nicht kennengelernt haben. wir wollten einen kleinen artikel über ein viertel im norden schreiben, das wir ‚die fuggerei‘ nennen, was aber ’saman bahca‘ heißt. eine autofreie ansammlung von gassen mit kleinen weißen reihenhäuschen in einer sehr besonderen architektur. ein sozialprojekt für arme leute aus dem 19. jahrhundert, in dem ältere bis alte leute für wenig geld wohnen.
andererseits habe ich auch das gefühl, daß mit zypern jetzt auch mal schluß sein muß.
und deshalb kann ich sehr entspannt einen letzten blick auf die insel werfen und mich tagebuch schreibend auf meinen sitz an deck verziehen.
die überfahrt wird anstrengend. wir haben richtig schwere see und so mancher, einschließlich mir, muß ein bischen die fische füttern. dagegen helfen zum glück ein paar maßnahmen: nicht ganz vorne sitzen, da merkt man den seegang am schnellsten, sondern eher hinten. einen festen punkt anpeilen, den horizont zum beispiel. oder ein bischen dösen bis schlafen. es gibt tee an einem snackstand umsonst. aber nur in küstennähe, sonst landet die hälfte, des seegangs wegen, sowieso auf den oberschenkeln oder am boden.
wieder in tasucu
kurz nach mittag stehe ich schon michel gegenüber, der bulli wieder neben dem zeus-hotel geparkt hat, wo wir letztes jahr auf der hinfahrt schon standen. die wirtin des hotels begrüßt mich freudig.
sie kennt uns noch.
tasucu wacht grade ganz vorsichtig aus dem winterschlaf auf. hier und da sind an den hotels schon die türen geöffnet, die terrassen sind aber noch geschlossen.
ein paar restaurants sind bereits geöffnet, aber auf den großen trubel wird noch gewartet.
am strand macht eine frau yoga und spricht uns nach ihren übungen an. ihr mann sei noch mit ihrem vw-us im hafen und würde seit drei stunden komplett vom zoll auseinander genommen. sie hätte man fort geschickt, mit den worten, es ginge ganz schnell. nun hat sie kein geld, kein handy und ihr wasser sei auch alle.
sie ist völlig genervt. michel drückt ihr erst mal umgerechnet 20€ in die hand. und ich mache ihr tee und füttere sie mit keksen. darüber ist sie so glücklich, daß sie uns eine übernachtung in der nähe von salzburg in ihrem yoga-ressort schenkt, sollten wir dort vorbei kommen. österreicher also.
irgendwann kommt dann ihr mann und wir haben noch eine gemütliche stunde am bulli, bis die beiden weiter wollen. sie schlafen nicht in ihrem bus, sondern bevorzugen hotels, denn mit einem yoga-ressort dreiviertel jahr haben sie mehr als gut zu tun. und da ist es auch mal schön, sich bedienen zu lassen.



















































































































































