Die letzten Tage von Nicosia

di., 24. febr.so. 01. märz.

und dann wird michel richtig krank.
hulya, eine aktivistin von united for palestine, besucht uns am dienstag zum abendessen im bulli.

wir gehen anschließend zusammen zum UfP-treffen, wo wir den morgigen filmabend besprechen.
jedes jahr wird anläßlich der schließungen der läden in der shuhada-street in hebron vor dies mal 32 jahren die ‚open-shuhada-street-campagne‘ gestartet und der film ‚soldiers on the roof‘ von esther hertog gezeigt.

michel soll ein paar worte zur einführung sprechen.
aber es geht ihm plötzlich richtig schlecht und wir müssen das treffen vorzeitig verlassen.

am nächsten tag ist es mit michel nicht besser. er liegt im bett, mag nicht essen und schon gar nicht die einführung zum film halten und schläft viel. so schreibe ich eine einführung und fahre damit alleine los.

zwischen aufbau und vorführung lerne ich noch von chrisa, wie man löcher in klamotten mit gestickten blümelein verziert. das hatte ich schon vor wochen bei ihr gesehen und es selbst versucht, aber das ergebnis ist mehr als dilletantisch. danach wird es aber nur bedingt besser. das liegt nicht an chrisa sondern an meiner mangelnden übung und talent. aber für den anfang reichts.

leider ist die veranstaltung kaum besucht. grade mal neun leute sind gekommen und davon ist nur eine person dabei, die aufgrund der gehängten plakate interesse hat. aber so ist es eben manchmal.
wir machen die veranstaltung trotzdem. und meine einführung ist wirklich sinnvoll. denn man muß ’soldiers on the roof‘ gegen den strich schauen, und wenn man das nicht weiß, wird sich der zuschauer schnell denken: was ist das denn für ein pro-zionistischer film. was soll das?

es kommen eigentlich nur siedler zu wort, die ganz offen erzählen, wie sie sich das mit der besiedelung von hebron denken und dass ihnen egal ist, wo die palästinenser bleiben.
und die palästinenser (ganz abgesehen davon, daß sie nur als araber bezeichnet werden) seien ja diejenigen, die böse sind. gleich danach sieht man ein siedlerkind, das steine in richtung palästinesische kinder wirft und auf die frage, ob er mit ihnen schon mal geredet, vielleicht gespielt hat, bedröppelt guckt und „nein“ sagt.

eigentlich wollten wir uns auch um bullis neue reifen kümmern, aber das muß warten.
michel ist auch am nächsten tag zu nichts in der lage und am freitag muß er fit für die fahrt sein. der donnerstag wird verschlafen, ich verbringe den halben tag im H4C, dann hat michel im bulli die ruhe, die er braucht.

freitag: endgültiger abschied

wir lassen den tag ruhig angehen. fahren zum reifenhändler, der pirelli-reifen hat und müssen aber erfahren, daß nur drei reifen vor ort sind und der vierte in famagusta liegt. morgen könnten wir … aber das geht nicht, weil die fähre leider nicht wartet. also werden wir versuchen in tasucu neue reifen zu bekommen.
abends ist michel dann fahrtauglich und bringt mich auf dem weg nach girne bei hulya vorbei.

dies ist hulya von united for palestine und eine ihrer katzen, juno, bei denen ich schlafen darf:

sie hat noch eine weitere kleine katze, ebenfalls schwarz, und die schaut mich mit noch größeren augen an und läßt sich nicht anfassen. dafür ist ihre alte hündin unfassbar streichelbedürftig und schläft die nacht neben meinem bett.
ich genieße ein bequemes bett, die heiße dusche und dass uns emine, hülyas mutter, die im selben haus wohnt, bekocht.

ich mache meine eigene abschiedsrunde in nicosia.
es gibt menengic kavesi (kurdischen pistazienkaffee) im kurdischen cafe. er schmeckt genau so wie in meiner erinnerung. omman, der betreiber, süßt ihn mit honig und es gibt dazu ein paar scheiben mit käse gefülltes brot, das seine frau gebacken hat und die herzlichsten grüße an michel.

ich blicke auf den musikalienladen gegenüber. der zeichnet sich durch eine große palästinensiche fahne im schaufenster und wassermelonen-aufkleber aus, wie so manches geschäft in der süden.

im griechischen teil von nicosia häufen sich die pro-palestinensischen bekundungen.
graffiti, nicht nur von eiva, auch aufkleber und slogans an den wänden haben sich in den letzten wochen sehr vermehrt. und eben fahnen in vielen läden und fenstern. das finde ich beruhigend, denn bisher wurde derlei im griechischen teil meist unterbunden. so ist auch unser lieblingsgraffito von eiva, auf dem ein zimmermädchen den genozid unter einen teppich kehrt, mittlerweile übergetüncht.

erfreulicherweise hat heute ziba an der touri-ifo am checkpoint dienst, so kann ich auch sie noch mal in den arm nehmen.
ich trinke zwei murphys im hoi polloi, aber leider ist niemand da, den ich kenne oder verabschieden möchte. nur zwei palästinensische jungs sprechen mich auf meine kefiye an und einer schenkt mir einen sticker für meinen computer, den er von seinem smartphone knibbelt.
im ‚yalla‘ sage ich auch noch tschüs und esse ein letztes hallumi-sandwich am aramäischen imbiss.
und dann radle ich zurück zu hulya. leider im dunkeln, was ich vermeiden wollte, denn sie wohnt ein bischen außerhalb kurz vor der schnellstraße nach famagusta. aber am checkpoint ist so viel los, wie die ganzen zwei monate nicht. ich brauche mindestens eine halbe stunde, bis ich endlich durch bin. keine ahnung, was heute so besonders ist.

sonntag morgen geht die fahrt nach girne schnell. nicht nur, weil es sich hulya nicht nehmen läßt, mich zum hafen zu fahren. um 8.00h gibt es noch keine staus in der stadt. das fähr-procedere stellt keine schwierigkeit dar, ich darf mein brompti bei den autos in einer ecke anschließen, dann muß ich es nicht an deck mit mir herum schleppen. auch mein rucksack geht als handgepäck durch.

von ferne grüßt ein letztes mal st. hilarion. der himmel über der karpaz-halbinsel ist schwer. ich denke an die wandertouren, die wir nicht geschafft haben (strandwanderung),
die straßen, die wir nicht kennengelernt haben. wir wollten einen kleinen artikel über ein viertel im norden schreiben, das wir ‚die fuggerei‘ nennen, was aber ’saman bahca‘ heißt. eine autofreie ansammlung von gassen mit kleinen weißen reihenhäuschen in einer sehr besonderen architektur. ein sozialprojekt für arme leute aus dem 19. jahrhundert, in dem ältere bis alte leute für wenig geld wohnen.
andererseits habe ich auch das gefühl, daß mit zypern jetzt auch mal schluß sein muß.
und deshalb kann ich sehr entspannt einen letzten blick auf die insel werfen und mich tagebuch schreibend auf meinen sitz an deck verziehen.

die überfahrt wird anstrengend. wir haben richtig schwere see und so mancher, einschließlich mir, muß ein bischen die fische füttern. dagegen helfen zum glück ein paar maßnahmen: nicht ganz vorne sitzen, da merkt man den seegang am schnellsten, sondern eher hinten. einen festen punkt anpeilen, den horizont zum beispiel. oder ein bischen dösen bis schlafen. es gibt tee an einem snackstand umsonst. aber nur in küstennähe, sonst landet die hälfte, des seegangs wegen, sowieso auf den oberschenkeln oder am boden.

wieder in tasucu

kurz nach mittag stehe ich schon michel gegenüber, der bulli wieder neben dem zeus-hotel geparkt hat, wo wir letztes jahr auf der hinfahrt schon standen. die wirtin des hotels begrüßt mich freudig.
sie kennt uns noch.
tasucu wacht grade ganz vorsichtig aus dem winterschlaf auf. hier und da sind an den hotels schon die türen geöffnet, die terrassen sind aber noch geschlossen.
ein paar restaurants sind bereits geöffnet, aber auf den großen trubel wird noch gewartet.

am strand macht eine frau yoga und spricht uns nach ihren übungen an. ihr mann sei noch mit ihrem vw-us im hafen und würde seit drei stunden komplett vom zoll auseinander genommen. sie hätte man fort geschickt, mit den worten, es ginge ganz schnell. nun hat sie kein geld, kein handy und ihr wasser sei auch alle.
sie ist völlig genervt. michel drückt ihr erst mal umgerechnet 20€ in die hand. und ich mache ihr tee und füttere sie mit keksen. darüber ist sie so glücklich, daß sie uns eine übernachtung in der nähe von salzburg in ihrem yoga-ressort schenkt, sollten wir dort vorbei kommen. österreicher also.
irgendwann kommt dann ihr mann und wir haben noch eine gemütliche stunde am bulli, bis die beiden weiter wollen. sie schlafen nicht in ihrem bus, sondern bevorzugen hotels, denn mit einem yoga-ressort dreiviertel jahr haben sie mehr als gut zu tun. und da ist es auch mal schön, sich bedienen zu lassen.

Mufflons & Katzen

mo., 16.febr. – do., 20.febr.

Artikel Cyprus-Mail

wir fahren derzeit immer ein bischen hin und her.
am sonntag müssen wir nach nicosia zurück, die cyprus-news haben sich nach einer pressemitteilung zu der slideshow gemeldet und möchten ein interview mit uns.
der journalist theo panayides hat am montag eigentlich nur eine stunde zeit. und dann sitzen wir doch dreieinhalb stunden im home of cooperation und erzählen in aller ausführlichkeit, wer wir sind, was wir in hebron erlebt haben und wie unsere einschätzung zur situation in israel und palästina ist.
er sagt zum abschluß noch, daß unsere worte stark gekürzt werden, aber das kennen wir schon. filmteams filmen sich auch die kamera wund und heraus kommen 5 min. sendezeit.
wir sind gespannt, was er daraus macht.

Der Artikel wird dann tatsächlich ein Doppelseiter, mit Verweis auf unseren Reiseblog, der auf Papier und Online erscheint, in der größten Tageszeitung Zyperns. Wir scheinen Theo Panayides, den Journalisten, ziemlich beeindruckt zu haben. Er stilisiert uns dermaßen zu Helden der Courage und Rollenvorbildern, dass es uns fast ein wenig peinlich ist.

https://cyprus-mail.com/2026/02/28/we-all-have-the-same-hidden-superpower

uns zieht es immer mal wieder ins hoi polloi. dort treffen wir am dienstag jojo, aus dresden.
es ist schön, nicht erst lange worte finden zu müssen, wenn es um politische themen geht. er ärgerte sich schon, daß er unsere slideshow verpasst hat, dessen plakat noch am fenster hängt und als wir auf ‚ende gelände‘ den braunkohletagebau im rheinland und die weggebaggerten dörfer, u.a. lützerath, zu sprechen kommen, wissen wir alle auch sofort, wovon wir reden.
da abends ein treffen von ‚United for Palestine‘ angesetzt ist und wir noch beim aramäischen imbiss essen wollen, nehmen wir ihn einfach mit.

Simon, der Inhaber des Hoi Poloi, war auch bei unserem Vortrag und lädt uns erst mal auf eine Runde Murphys ein. Simon ist echt super. Er macht zwar mit dem Hoi Poloi ziemlich Umsatz, aber man merkt auch, dass es ein politisches und soziales Projekt ist. Die Bandbreite der Ethnien, Genderidentitäten und Religionen unter den Mitarbeiter*innen ist beeindruckend. Es scheinen immer mindestens doppelt so viele Leute Schicht zu haben, wie gebraucht werden. Die meisten sitzen am Crew-Tisch rum, quatschen und bestellen sich auf Hauskosten was zu Essen. Viele haben schwierige Pässe und prekären Aufenthaltsstatus. Ohne das Hoi Poloi als Anlaufstelle und Geldquelle hätten sie echt Probleme.

und am mittwoch machen wir uns wieder auf den weg in den troodos.
wir haben ein bischen die sorge, daß wir mit dem zweiten versuch, noch mehr mufflone zu sehen, uns den zauber der ersten sichtungen und der wunderbaren wanderungen zerstören, aber wir wollen es trotzdem wagen.
wir suchen uns wieder eine picknickarea an einem anderen ort, aber auch zwischen nichts und gar nichts in ziemlicher abgeschiedenheit.
dort ist eine wanderung ausgeschildert. zu einer heiligen quelle, einer kapelle am ende, ab und auf und wieder zurück.
es geht steil bergab in wunderschöner landschaft. und endlich kann ich auch die auffälligen stämme des erdbeerbaumes zeigen und andere schönheiten:


die heilige quelle ist fast trocken und deren umgebung eine plastikmüllhalde. wir räumen erst mal auf.
nichts und niemand klärt darüber auf, warum und für was diese quelle heilig ist. gläubige haben über längeren zeitraum kleidung, schmuck, und andere textile besitztümer in bäumen und felsspalten hinterlassen. trotzdem muß es hier nicht so aussehen.

wir wandern weiter.
möglichst leise, an jeder wegkurve aufmerksam schauend. es ist ziemlich anstrengend und die steigungen sind beachtlich. am wegbeginn deutete das schild auf eine entspannnte wanderung von eineinhalb stunden hin für 5 km. aber das ist glatt gelogen. der mensch, der der das schild gemacht hat, hatte keine ahnung vom wandern und hat die höhenmeter nicht berücksichtigt. aber noch beschweren wir uns nicht, denn wir sehen sie :

suchbild für fortgeschrittene

beim weiterwandern entdecken wir noch zwei weibliche oder jungtiere, aber sie verschwinden hinter einer kuppe, ehe die kamera parat ist. und ein stattlicher bock steht zwar kurz wie hypnotisiert auf dem weg, erinnert sich dann aber schnell daran, dass er ein fluchttier ist.
insgesamt sind wir mit sechs sichtungen auf beiden touren dabei und wundern uns ein bisschen, daß wir mit leuten sprachen, die meinten: ‚ja, ich sah mal eines in meinem bisherigen leben, das wars….‘ . aber der zypriot an sich wandert nicht. das ist schade für ihn oder sie, aber ein glück für die mufflons.

als die kapelle am ende des weges im tal in sicht ist, machen wir pause und dann auch kehrt.
die langen abstiege auf dem hinweg haben meinen knien sehr zugesetzt und wir müssen das ganze zurück auch wieder rauf.
nach fünf einhalb stunden sind wir wieder am bulli. okay, wir lassen uns auch zeit. und ich gehe am schluß wirklich langsam.
das weiterfahren sparen wir uns für heute und sonnen uns mit blick in die berge im mufflon-glück.

offroad

wir wollen durch mylikouri. ein dorf, in dem noch ein paar alte leute wohnen und der rest der häuser als sommerfrische von hitze geplagten städtern genutzt wird.
es liegt so einsam,daß im winter die mufflons ins dorf kommen, um die rabatten und beete zu plündern.
wir müssen auf dem dorfplatz einen bauarbeiter fragen, wie wir richtung süden weiter kommen, denn die straßen im dorf sehen nicht unbedingt so aus, als würden sie problemlos befahrbar sein.
aber hinter der baustelle geht es schmal, doch asphaltiert durch den wald weiter.
aber dann hört der asphalt auf und wir sind auf einer piste mitten im wald. immerhin sehen wir frische reifenspuren.

und dann fallen wir vom glauben ab:
uns kommt ein jeep entgegen. und ein zweiter und als ich vermute: ‚da kommt bestimmt noch einerbiegt auch schon der dritte um die enge kurve. hintendrin zwei längsgebaute sitzbänke voller touristen, die sich mit einer safari-adventure-jeep-tour durch die ‚wildnis‘ kurven lassen und das ganze super toll finden.
ein paar minuten später das ganze noch mal, diesmal sind die jeeps weiß und später kommen noch mehr. jeweils von anderen anbietern.
wir sehen: ‚stevie´s jeep safaris‘, ‚jimie’s jeep adventures‘, ‚evis jeep safaris‘ und ‚cyprus eco tour adventures‘ – insgesamt über ein halbes dutzend offroad-touristen-schaukeln.

warum der fahrer so grinst, wissen wir nicht. denn wir machen grade sein geschäftsmodel kaputt, in dem wir ihm mit unserem alten bulli, der mitnichten wirklich geländetauglich ist, und dazu noch ziemlich abgefahrene reifen hat, langsam durch die bodenwellen schaukelnd entgegenkommen.

katzenkloster

irgendwann hat uns die befestigte straße wieder.
es geht nach akrotiri zum katzenkloster st. nicholas of the cats. dort sind katzen heilig, weil sie die insel mal vor eine schlangeninvasion gerettet haben sollen.
es ist üblich, eine spende in form von katzenfutter in den gotteskasten zu geben. 2017/18 schaute die nonne, die sie entgegennahm ziemlich grimmig drein, weil es nur ein halber sack war.
dieses mal haben wir schon seit tagen einen extra sack in der badewanne.
aber zuerst müssen wir an dem salzsee vorbei. jeden winter (oktober bis dezember) kommen flamingos, machen hier auf ihrem flug im märz/april zurück ihren brutgebieten zwischenstop.
eigentlich hätten sie da sein müssen, aber der see ist leer. beim letzten mal hatten wir sie noch gesehen.
2025 war ein negativ-rekord, was die anzahl betrifft. über 90% sind verschwunden. klimawandel, zerstörung der brutgebiete, umweltverschmutzung, d.h. WIR, sind dafür verantwortlich.
die welt wird wieder ein stück ärmer sein ohne sie.

letztes mal waren die flamingos noch da…….

aber das katzenkloster ist noch da. doch es hat irgendwie seinen charme verloren.
größere teile werden grade renoviert und zu tode aufgehübscht, vor den toren gibt es einen riesen parkplatz und wir vermissen die überall herumlungernden katzen, die es sich in den kakteen zwischen den langen stacheln gemütlich machen, wenn sie nicht gestreichelt werden wollen.
wenigstens lächelt die nonne, die wir nach längerem suchen sehen, als wir ihr das katzenfutter geben.
am parkplatz gibt es eine katzenfutterstation und dort lungern sie auch herum. am rand ein paar hütten mit rückzugsmöglichkeiten. mittlerweile verziehen sie sich ins hohe gras.
ein reisebus kommt vorgefahren und kippt touristen aus. sie schwärmen über das gelände, sammeln sich um den souvenirstand, den es am eingang gibt, machen ein paar fotos und sind wieder verschwunden.
auch wir wissen nicht mehr recht, was wir hier sollen und fahren weiter, nachdem wir noch ein bischen trockenfutter verteilt haben..

Mufflons im Troodos

13. febr. – 15. febr.

vorweg: ja, wir haben welche gesehen! nein, wir konnten leider keine photos machen.

zuerst noch ein wenig orgakram (H4C zum mails anschauen, einkauf), und wir machen uns wieder auf in die berge. es gibt zwischen bufferzone und den wirklich hohen bergen des troodos an der nordseite des gebirges im westen der insel eine region, die extrem dünn besiedelt ist und die kaum straßen aufweist. es gibt keine wandertouren dort und unser reisebuch schweigt sich ebenfalls weitgehenst aus. wenn wir mufflone (jaa, es heißt mufflons. aber mufflone klingt lustiger!) wären, würden wir genau da wohnen.
wir kommen recht spät los und als die berge erreicht sind, ist es schon dunkel.
außerdem regnet es phasenweise in strömen und in der nähe geht ein ehrliches gewitter runter.
wir fahren eine mehr als kurvenreiche aber noch mit mittelstreifen versehene straße entlang. michel muß immer wieder massiven steinschlagabgängen ausweichen (also auf der straße liegenden runtergekommenen steinen). mehr als 30 km/h sind nicht drin und auch nicht erlaubt. wir sehen nicht viel. nur, daß es rechts deutlich runter und links eine steilwand hoch geht.
eine abzweigung führt noch weiter in die berge richtung kampos, es wird noch kurviger, sowie einspurig und wir wähnen uns schon auf korsika, da landen wir an einem picknick-platz.
am morgen gestaltet sich die gegend in dieser weise:

aber bevor wir uns auf eine wanderung machen können, müssen wir erst mal bulli reparieren.
es hat viel geregnet und unsere matratze nebst bettzeug ist an einer stelle richtig nass.
michel findet das leck oben auf dem dach. dort sind immer noch risse von unserer landung im straßengraben als wir im herbst 2023 in nord-schweden zum nordlicht gucken waren. auf dem weg von kiruna nach abisco hats den bulli von der straße in den graben gelegt, weil wir die schneeglätte und die schlechtigkeit unserer reifen unterschätzt haben. (es waren neue deutsche winterreifen, aber über sowas lachen sie nördlich des polarkreises nur!) das kunststoff-hochdach hat uns das übel genommen. also heißt es jetzt erst mal silikon raus, rauf auf die leiter (ein alter lattenzaun) und bettzeug hochkant gestellt.

und dann kommt auch der schnee….ach nee, der steineräumdienst vorbei:

hiermit werden nach dem heftigen regen die steine über nacht runter gekommenen muren von der straße geschoben…

wildnis

offizielle wanderwege gibt es hier nicht. aber die wollen wir auch nicht. heute soll es mit aller gebotenen vorsicht gegenüber natur und eigener unversehrtheit querfeldein gehen.
allerdings: wir entdecken mufflon-pfade. und terrassen, die per hand angelegt wurden, aber schon lange nicht mehr bewirtschaftet sind.
und es gibt einen rauschenden bergbach, den wir schon am picknickplatz queren müssen und an dem wir rechts und links bergan vorbeikraxeln.

und plötzlich riecht es so wunderbar würzig und ich entdecke massenhaft wilden oregano.
zum glück haben wir eine zweite bergfex-tüte dabei und es wird abends frische kräuter auf den nudeln geben.
was schade ist: dieses kraut fand ich schon vor jahren auf korsica unterhalb der zitadelle von corti am hang. ich fragte einen ebenfalls sammelden einheimischen, was das sei, aber der sagte: keine ahnung, es ist lecker und ich tue es mir immer aufs essen.
daraufhin nannte ich es „korsisches zitadellenkraut“ und hatte ein geheimnis. dies ist jetzt leider gelüftet.

Vokabel: „Bergfex“ – Eine Mülltüte, die wir bei jeder Wanderung und Paddeltour dabei haben, um Müll zu sammeln. Wir hinterlassen prinzipiell keinen eigenen Müll in der Natur und nehmen prinzipiell etwas von dem Müll, den andere hinterlassen haben, mit zurück in die Zivilisation. Im griechischen Teil Zyperns ist es bisweilen sogar möglich, alles mit zu nehmen. Im türkischen Teil haben wir gegen die Vermüllungswut der Einheimischen keine Chance. Dort bleibt es ein symbolisches Sammeln, egal wie viel wir mitnehmen.

irgendwann kommen wir nicht mehr recht weiter, machen eine gründliche pause. es gibt griechisches pita-brot, hummus und frischen oregano. endlecker!!!!!
wir gehen auf dem selben weg zurück. und finden nicht nur mufflon-trittspuren, sondern auch:

etwas anderes kann es nicht sein, kaninchen vielleicht…aber dann wäre die hierzulande kaninchenjagd populärer.

abstieg, ohne mufflons

wir waren nicht sehr lange unterwegs, aber anstrengend war es doch. während wir kaffee in der sonne trinken und ich den oregano von den zweigen zupfe, damit er vernünftig trockenen kann, hält ein auto und der fahrer legt uns lachend mit den besten wünschen frische orangen auf den tisch.
in kampos gibt es eine forst- und krankenstation. natürlich weiß man dort längst, daß am picknickplatz gäste sind….

am nächsten tag machen wir eine zweite wanderung.
von unserem platz aus führt ein forstweg nach oben. der ist nicht spektakulär, fotos lohnen sich nicht recht, aber er führt in serpentinen durch einen wunderschönen, mal dichten, mal lichten und sehr einsamen wald.
aber von wegen einsam:
auf dem rückweg, nachdem wir an einer anderen straße nach kampos gelandet sind, keine vernünftige möglichkeit zum weiteres aufstieg gefunden haben außer der straße zu folgen, sind wir wieder auf dem selben weg zurück.

plötzlich: MUFFLONS!!!!!
zwei stück. definitiv ein männchen, unverkennbar an den hörnern zu erkennen, das zweite wohl ein weibchen. sie stehen 40 m von uns am hang und rennen sofort davon, als sie uns hören.
da michel beim wandern oft die vorhut bildet, bekommt er sie gut zu gesicht. ich erblicke aber noch ihre flüchtenden hinterteile! dann verschwinden sie außer sicht.
zeit für ein foto haben wir nicht, aber wir haben sie gesehen!!!!!!

wir können beruhigt wieder nach nikosia fahren.
und dabei merken wir erst, in welch schöner gegend wir gelandet sind.

und hier noch ein paar tierchen:

eine troodos-eidechse. nicht selten! aber schön!

schon seit ein paar tagen fällt uns dies satte gelb rechts und links von der straße auf.
es wirkt in mehrerer hinsicht absurd:
erstens haben wir erst mitte februar und aus deutschland erreichen uns bilder von schneelandschaften und verkehrschaos. zweitens sehen wir es öfter direkt unter olivenbäumen:
es ist raps! die ganze luft ist erfüllt von seinem duft, den ich erst im april erwarten würde. in olivenhainen trifft sich orient und okzident auf ganz besondere weise und 100 m weiter hat ein bauer seinen erdbeerstand an der straße aufgestellt und verkauft seine ernte.

Nachrichten aus Hebron:

Derzeit befindet unser Freund D. aus Hamburg als Protective Presence in Issas-Haus/ dem Sumud-Zentrum in Hebron. Er berichtet (Sa. 14. Februar):

„Zunächst ein gemütliches Frühstück mit Issa Amro […] und ein erstes Gespräch über seine Arbeit hier vor Ort und die Herausforderungen. […]
Dann Zitronen vom eigenen Baum pflücken, danach ein böser Siedler auf dem Pferd, der aus dem Nichts auftauchte und Drohungen ausstieß, und dann ein Stromausfall am späteren Nachmittag, als ich alleine im Haus war. Soweit so ruhig, dazu gemütliches Lesen und Teetrinken. Auf einmal fliegen faustgroße Steine aufs Gelände und in meine Richtung – ich sitze relativ geschützt und packe erst mal das Laptop weg und versuche dann zu entdecken, wer das ist. Überraschung, derselbe junge Mann von der Mittagszeit. Direkt daneben spielen Kinder und beobachten, während der Soldat im Wachhaus hinter dem Anwesen und vor dem Siedlerhaus „nichts hört und sieht“, wie er später behauptet. Das ist alles im Abstand von 10-20 m! Naja, das ist wohl ein eher harmloser Zwischenfall und dennoch zeigt Issa auch diesen sofort bei der Polizei an, als er später nachhause kommt, damit es zumindest aktenkundig wird […]. Wir bleiben noch eine Weile auf, aber mit Strom und Ruhe draußen ist jetzt erst mal Feierabend.“

Cat-Content:

Auch Adam, dem schwarze Hauskater des Sumud-Zentrums, geht es gut. Er schmust mit D., welcher uns dieses Bild von ihm schickt:

Aber seine rothaarige Schwester, „Lilith“ oder auch „Lilly“ genannt, wurde leider von Siedlern gekidnappt. Die Katzen haben ja ihre eigene Welt und wechseln zwischen Siedlern und Palästinensern hin und her. Doch wenn sie von den Siedlern, Soldaten oder Siedlerkindern als „palästinenensisch“ gelesen werden, dann werden sie halt „gekidnappt“ – was vermutlich ein Euphemismus für … ist 🙁

Lilly: Wir bewahren dich im Herzen!

Troodos, Nikosia, Slideshow

8.febr. – 13. febr. 2026

und jetzt ist mir was ganz blödes passiert:
unsere kamera hat sich ja als eher unzuverlässig erwiesen, was ihre arbeit anbelangt, deshalb bin ich bei wanderungen meist die hüterin des smartphones und mache damit unsere bilder.
aber nach der rückkehr nach nicosia nach unserer ersten troodos-wanderung drücke ich irgendwie die falschen knöpfe und der gesamte fotosegen ist futsch.
die rötlichen, schön geschwungenen glatten stämme des erdbeerbaums, die moosbehangenen äste der endemischen goldeichen, die fast so dicht stehen wie die bäume der macchia in den korsischen bergen. man kann grade mal fünf meter weit in die äste schauen, dann verlieren sich die augen im gewimmel.

der eine oder andere ausblick in die gegend muß auch ungezeigt bleiben.
aber bilder wird es noch geben, wir wollen noch eine zweite tour im troodos machen.

Nikosia

montag abend zum treffen von ufp (united for palestine) sind wir wieder in nikosia. unser stellplatz im süden der stadt ist in einer stillen ecke an der bufferzone. bulli bekommt den hintern an die dort stehenden üblichen tonnen gedrückt, an der ecke ist ein reggae-cafe (oder so) mit jamaikanischen farben und einer palestinensischen flagge. ringsherum sehen wir graffiti von eiva, die wir sehr schätzen und fotowände, die an die zeit der türkischen invasion erinnern.
alle anderen läden oder werkstätten sind geschlossen, die türen der wohnhäuser haben dicke vorhängeschlösser.
autos parken hier, von den leuten, die in der gegend arbeiten.
in der nähe der mauer ist es meistens ziemlich ruhig. die menschen mögen hier nicht wohnen, weil sie angst vor einer weiteren militärischen auseinandersetzung haben, und so dicht an der mauer wären sie sofort in der schusslinie. so erzählt mir eine mitaktivistin von ufp. wir finden diesen platz klasse.
auch von hier gibt es leider nur die bilder vom blick über die tonnen ins niemansland, die michel mit der zufällig willigen kamera gemacht hat:

das alles hat, wie eigentlich auch die ganze stadt, etwas von berlin vor dem mauerfall.
durch die teilung stehen viele häuser und geschäfte leer, weil niemand dort so recht leben mag, dafür ist viel platz für buntes, junges künstlerisches volk, die günstigen wohnraum oder billige räume für ihre projekte brauchen, galerien gründen, projekte starten, verschiedene treffpunkte für alles mögliche eröffnen und der stadt ein buntes liberales und weltoffenes und sicher auch cooles flair geben. wie das ‚yalla‘, das comunitiy-center, in dem wir die slideshow in ein paar tagen zeigen werden. oder der ort, an dem die treffen von ufp stattfinden. viele solcher orte führen auch dazu, daß die menschen lust haben, was eigenes auf die beine zu stellen. sei es der gedichte-lese-kreis, in den wir neulich durch zufall geraten sind oder das sprachentreffen, zu dem wir eigentlich wollten.

dazu kommt, daß der staat diese ansinnen gerne unterstützt. das ist gut für den ruf und ärgert vielleicht ein bisschen die menschen auf der türkischen seite der barrikaden.
dort ist aber ähnliches in gange. ein zeichen dafür ist das hoi polloi, daß es sonst sicher so nicht gäbe. bei der lage, so direk im zentrum der altstadt, wären die mieten sonst unbezahlbar und das bunt-linke publikum dort eher störfaktor, denn bereicherung.
oder die bars und cafes oberhalb unseres parkplatzes nördlich des grenzübergangs ledra-palace in den armenischen häusern, wo man auf der bastion sitzen kann.
okay, ich betrachte dies mit ein bischen magengrimmen, denn ich denke an die vertreibung eben der armenier, die dort wohnten. und ich frage mich, ob den betreibern und den gästen dieser bars wirklich klar ist, welche geschichte diese häuser haben, und dass sie im prinzip besatzer und kriegsgewinnler sind. ich würde dort nur sehr ungern einen kaffee trinken oder essen gehen.
dafür waren wir nicht drei monate in hebron!
wenigstens dürfen wir in einem dieser cafes unsere plakate aufhängen, die die slideshow ankündigen.
das alles würde der gentrifizierung anheim fallen, würde es die teilung der stadt nicht geben.

wir landen mit diesen plakaten natürlich im hoi polloi, wo simon, der betreiber, aber schon eines hat aufhängen lassen. wir bleiben auf ein paar wenige bier hängen und enden, typisch für diesen ort, im gespräch mit ryan vom nebentisch.
dieser ist us-amerikanischer englisch-lehrer in tschechien, free-jazz percussionist und schreibt grade seine doktorarbeit über eben percussion im free-jazz. kann man machen……
aber ryan hat auch viele fragen an uns und freut sich über das ausgegebene bier. daraufhin bekommt er natürlich eine reiseempfehlung nach bamberg, wo er doch schon in tschechien ist.

und ich kann nicht an mich halten. ich genemige mir eine leckere entdeckung, die hier ausnahmsweise auf der getränkekarte steht, was sonst nicht der fall ist.
zivanamelo: langsam erwärmter zivania mit honig, zitrone und gewürzen.
der rumgrog der insel.

am nächsten tag kommt ein griechischer soldat an unserer gemütlichen straßenecke vorbei. er findet, wir dürften hier nicht stehen, das würde vom militär gar nicht gerne gesehen. wir sollen verschwinden, sagt er. wir fragen uns ein bischen, warum. wir stören hier niemanden, der ort ist weit entfernt von jedem militärischen wachposten oder checkpoint, es ist lediglich die grenze zur bufferzone, welche die UN beaufsichtigt. ich glaube ja, der hat einfach keine lust auf uns oder ist sonst ganz unten in der rangordnung angesiedelt und hat jetzt mal gelegenheit, autoritär zu sein.
wir beschließen trotzdem, den ort zu wechseln und finden einen guten platz in der nähe auf einer brache.

unsere slideshow

donnerstag, 12.febr. 2026

seit tagen sitzen wir, feilen an den letzten texten, sortieren fotos und filme.
wir hören immer wieder, wie gespannt man schon ist und wie sehr man sich auf den abend freue.
ich werde ernsthaft nervös. weiß ich doch genau, daß ich meine reden nicht einfach so raushaue wie michel, der es als lehrer gewöhnt ist, vor einer klasse den lila-laune-erklär-bär zu geben.
wir sind sehr rechtzeitig im yalla. dort sind schon tische fortgeräumt und stühle gestellt und wir haben innerhalb einer halben stunde unseren rechner startklar, der hauseigene beamer läuft anstandslos, die soundanlage ist erstklassig. ufp hat einen infotisch mitgebracht.
wir haben das gefühl, wir können uns in ein wohlgemachtes bett legen, so gut vorbereitet ist alles.
es gibt gelegenheit, unsere worte noch mal anzuschauen und dann kommen auch schon die interessierten und der laden ist schnell so voll, daß noch stühle dazu geholt werden müssen.
mary hält eine kleine ansprache und erklärt, wer united for palestine eigentlich ist und was in den nächsten wochen geplant ist und dann haben wir für gut zwei stunden ein mehr als aufmerksames publikum. das besteht aus bekannten gesichtern, aber auch vielen menschen, die wir noch nicht kennen gelernt haben.
fragen und anmerkungen gibt es schon in der pause. aber auch hinterher müssen wir das eine oder andere erläutern.
jemand zeigt mir eigene bilder aus hebron von 2009. erstaunlich, wie sich die sterilisierte zone in H2 mit den jahren verändert hat. die siedler machen sich ihr okkupiertes gebiet schon schick, so mit blumenkübeln an der straße, die es damals noch nicht gab und mit ladentüren, die zwar zugeschweißt sind, aber sauber angestrichen.
viele bedanken sich für die so unmittelbar daher gekommenden berichte, und wir sind glücklich ein volles haus gehabt zu haben.

nach diesen bildern streikte wieder die kamera…..es waren irgendwann alle plätze besetzt. hinten wurde gestanden und an der bar wurde auch platz genommen.

für diese bilder hat die apparat wieder alles gegeben.
jacob von ufp hat noch fotos gemacht. die können wir sicher noch nachreichen.

Ab in den Süden!

4. febr. – 7.febr. 26

aber was heißt das hier schon.
einmal hingespuckt und man ist am checkpoint metehan, den man im gegensatz zu den checkpoints ledrastreet und ledra-palace auch mit dem auto passieren kann.
am türkischen teil müssen wir lediglich klären, daß wir über girne ende februar ausreisen werden und die griechische beamtin wundert sich nur über den anderen reisepass von michel, ansonsten haben wir auch dort keine schwierigkeiten.

Ich war im September ja mit meinem anderen Reisepass auf der Insel unterwegs. Personen mit doppelten Reisepässen bringen Zöllner und Polizisten offensichtlich regelmäßig durcheinander.

wir halten uns nicht lange auf und fahren direkt nach limassol.
auch hier: autochaos ohne ende, denn wir sind mittendrin im feierabendverkehr.
und auch diese stadt hat einen bauboom erlebt und erlebt ihn auch noch. es ist unfassbar.
oft sind die bauten noch nicht fertig, oder es fehlt noch ein anbau, ein stockwerk…
viele häuser oder wohntürme wurde von russen gebaut, die sich damit einen zypriotischen pass erworben haben. denn wer 2 mio. Euro investiert, bekommt den obendrauf.

Im Volksmund wird die Stadt auch „Limassolgrad“ genannt. Viele Russen, die entweder vor der Einberufung in die russische Armee fliehen oder ihren Lebensstandard und -Stil vor den gegen Russland verhängten Sanktionen bewahren wollen, leben in der Stadt. – Weil die EU entsprechend Druck gemacht hat, gibt es inzwischen übrigens keine zypriotische Staatsbürgerschaft mehr für jeden russischen Oligarchen, der 2 Millionen Euro in zypriotische Immobilien investiert.

erstaunlicherweise ist aber der kleine strandabschnitt noch für autos freigegeben, auf dem wir beim letzten mal schon standen. und wir haben mal wieder besten platz, den wir uns denken können.

ja, es ist warm genug zum barfuß laufen!

man kann auch schon ein wenig die füße ins wasser halten.
am nächsten vormittag machen wir eine kleine tour durch die altstadt, die eigentlich so alt nicht ist. aber es gibt nette kleine gassen, ein souvenir-laden nach dem nächsten und einen leider englischen pub, der aber mit lustigen aufstellern aufwartet:

wir nutzen noch schnell das internet der touristen-info und bleiben den tag am bulli.
tatsächlich finden wir limassol an sich unspannend.
aber die stadt scheint ziemlich weit vorne zu sein, was behindertengerechte infrastruktur angeht:

und ja, am hafen stehen schon die ersten figuren für den karneval, auf den wir uns wirklich freuen. wir werden wohl einen tag eher anreisen, damit uns der wunderbare stellplatz noch platz bietet. aber wir beschließen, gleich am nächsten morgen weiter nach pissouri zu fahren, wo wir eine wanderung entlang der spektakulären klippen machen wollen.

schon irland oder noch zypern?

es sieht streckenweise wirklich aus wie auf den klippen irlands. nur eindeutig wärmer und nicht so windig. wobei für diese jahreszeit schon viele leute unterwegs sind. doch das sind auch viele einheimische auf einem ausflug.

schöne blumen und pflanzen gibt es hier:

und als abschluß was zünftiges:

bier des monats…

die nacht verbringen wir in pissouri gegenübr der bar und frühstücken an der schicken strandpromenade.
reiche engländer führen ihre hündchen aus, manchmal zu fein um den beiden schlumpfig aussehenden fremden guten tag zu sagen.
immerhin finde ich einen perfekt ovalen stein, der aussieht, als wäre er mit der hand bearbeitet. zu was meer, wasser und wellen so in der lage sind!

wir verzichten auf die weiterfahrt nach pafos, sondern fahren zurück.
hinauf in die berge des trodos. schon wieder wandern! ich freue mich aber auch auf einen stellplatz in der wildnis. wo wir keine vorhänge brauchen, sondern gleich beim aufwachen den himmel sehen und mit freier sicht im bett frühstücken können.

Karaman und St. Hillarion

sa., 31. jan. – 2. febr. 26

das wetter ist ziemlich doof. die tour nach st. hillarion wird lang und schwierig. wir verschieben unser ansinnen auf morgen und fahren aber trotzdem schon zum ausgangspunkt nach karaman und stellen bulli vor die kirche.
karaman gilt als sauberstes dorf im norden von zypern, was kein wunder ist. hier wohnen schon seit langem nur engländer und deutsche. die häuser gehören der regierung und wurde für kleines geld an eben jene vermietet, mit der auflage, sie herzurichten und zu erhalten.

Also die Häuser gehören fast alle griechischen Zyprioten, die bei der trükischen Invasion 1974 vertrieben wurden. Die reichen Engländer und Deutschen, die hier wohnen, sind „Kriegsgewinnler“. Sie haben berechtigte Sorge, dass sie ihre hübschen Häuschen bei einem Friedensvertrag oder gar einer Wiedervereinigung beider Teile Zyperns an die ursprünglichen Besitzer und Bewohner verlieren. – Und ganz in Siedlermanier, zimmern sie sich ein entsprechendes Weltbild zurecht, in dem sie im Recht sind…

das ist auch der grund, warum die kirche gut renoviert und am sonntag geöffnet ist.
karaman ist ein hübsch-pittoreskes, aber durchaus lebendiges dorf. die bewohner nehmen es gelassen hin, daß sie selbst zu dieser frühen zeit im jahr ständig über touristen stolpern, die schnell fotos machen und wieder nach girne zurück fahren.

und es gibt katzen! eine dicker als die andere, alle kasriert/sterilisiert und zum zeichen dafür mit einer kerbe im ohr versehen.
sie kriegen einmal am tag trockenfutter auf den kirchplatz gestreut, an dem sich auch die hunde des dorfes gütlich tun.

am nachmittag sieht michel, wie eine anwohnerin ihre auffahrt mit dem auto verläßt und vergessen hat, die kofferraumklappe zu schließen. er rennt natürlich hinter ihr her und gibt ihr bescheid.
wir strolchen anschließend durchs dorf und landen in einem netten kleinen pub, wo es guinness aus dosen gibt. außerdem etliche leute, mit denen wir plaudern. emma, deren kleiner sohn auf zwei stühlen seelig schläft, ihr türkischer mann emre, der in deutschland unbedingt stuttgart besuchen will, wegen mercedes benz und porsche und auch wolfsburg wegen volkswagen.
emma empfehlen wir goslar und die gassen von stuttgart, während sich ihr mann autos anschaut. wir essen gut und werden am frühen abend mit den besten wünschen für eine gelungene wandertour verabschiedet.
abends klopft es am bullifenster. die junge frau mit der kofferraumklappe ist nach hause gekommen und will wissen, ob es uns gut geht und ob wir noch irgendwas für die nacht brauchen. warme decken oder so und wenn sie uns helfen kann: sie wohne oben in dem haus und wir sollen ruhig klingeln. aber wir sind rundum glücklich.
wir wollen einen film schauen und haben tatsächlich zwei kirchenhofkatzen mit im bett. sie steckten ganz neugierig ihre nasen bei uns rein und legen sich schnurrend zu uns.
ich schlafe die halbe nacht nicht, weil eine der beiden tatsächlich zwischen michel und mir über nacht liegen bleibt und nicht aufhört, geschmust werden zu wollen.
das beifahrerfenster ist sicherheitshalber offen, aber gnädigste verschwindet erst am morgen als auch ich aufstehe.

madame fluffi wartet auf das ihr noch herzurichtende bett

st. hillarion

der rundweg ist im rother wanderführer wegen seiner länge und dem sehr steilen abstieg als schwere tour gekennzeichnet. es geht alles gut, wir haben perfektes wanderwetter. trocken und nicht zu warm. ich bin froh über meine richtig guten wanderstiefel und stöcke. auf dem rückweg können wir aus weiter ferne schon bulli vor der kirche auf uns warten sehen.

zurück in karaman frage ich die anwohnerin, ob wir bei ihr duschen dürfen.
ganz ehrlich: die letzte dusche hatten wir in amman zum jahreswechsel. seit dem gab es nur mehr oder weniger gründliche katzenwäschen im bulli. es macht mir nichts aus, mal vier wochen keine haare waschen zu können. sie werden irgendwann nicht mehr dreckiger und fühlen sich einfach nur fester an. aber ab einem bestimmten punkt wäre es dann doch mal ganz schön.
uns öffnen sich sofort alle türen, incl. der schranktüren mit den handtüchern.
es stellt sich bei einem anschließenden tee heraus, daß unsere gastgeberin aus marokko kommt, in girne studiert und die hüterin des hauses und der im haus lebenden katzen ist. die besitzer sind grade in kanada auf heimaturlaub.
und wenn die zurück kommen, zieht unsere gastgeberin wieder aus und hat schon den nächsten auftrag in einem deutschen haushalt, wo sie gegen freies wohnen das haus hütet.
die heiße dusche ist eine wohltat, leider verbrüht sich michel hand und hals, weil ich mit der mischbatterie nicht zurecht komme, sich der schlauch gelöst hat, durch die dusche spritzt und das wasser kochend heiß ist. aber wir bekommen eine tolle salbe mit auf den weg, die michels haut gut tut.
in der zweiten nacht kommen leider keine katzen, um bei uns zu schlafen.

Bellapais

29./30. januar 2026

so wie der name so auch das dorf oberhalb von girne. hier wohnt, wer geld hat.
alle parkplätze an der ruine und im dorf selbst kosten etwas, also fahren wir bergauf und stellen uns zwischen zwei villen an den straßenrand und genießen den blick:

dieser fällt auch auf die grüne und unverbaute fläche mit den ruinen. ein militär-übungs-gebiet gleich neben an. hier wurde und wird vielleicht noch der häuserkampf geprobt.
morgens haben wir frühstück mit aussicht und wandern nicht allzu früh los.
schwierig wird nicht werden. aber es sind uns schöne ausblicke und die klosterruine als abschluß geweissagt.
hier merken wir schon, wie es auf das frühjahr zugeht. alles ist schon grün und es gibt die ersten blüten:

das mit dem ausblick ist so eine sache….
wolken kommen und gehen:

aber an der klosterruine ist weitsicht nicht nötig.
das empfangskomitee erwartet eine streicheleinheit und unser blick erfreut sich an details und orten zum schöner tot sein:


der eigentliche kirchenraum ist sehr prächtig und restauriert:

Demo in Nicosia

Sonntag 25.1.26

wir sind wieder in nicosia, denn wir beteiligen uns an der palästina-demo von ‚unitied for palestine‘.
spaß macht es. nur das eis, was michel vor der demo spendiert schmeckt noch nicht.
bevor wir losgehen schauen michel und ich noch schnell bei der ukraine-kundgebung vorbei, die in unmittelbarer nähe vor unserer kundgebung stattfindet. es ist schön, die ukrarainische hymne mal wieder zu hören.

united for palestine organisiert mit uns auch die vorführung einer slideshow.
wir brauchen uns um nichts zu kümmern. wir müssen nur den texte und bilder zusammenstellen. sie kümmern sich um ort und ankündigung auf den social media-kanälen, um das drucken der aushänge und um deren verteilung.

das ‚yalla‘ ist eine netter ort dafür, wo wir auch alles vorfinden, was wir brauchen. eine leinwand, projektor, soundsystem.

kleinigkeiten zwischendurch:

wir kommen immer häufiger an pro-palestina-graffitos vorbei:

die bulli-spüle leckt und michel darf mal wieder mcgyver spielen.
dieses mal hilft keine büro-klammer, sondern nur eine gehörige menge silikondichtung.

und wir kehren immer mal wieder im hoi polloi auf ein bier oder mehr ein, wo wir den betreiber simon kennenlernen, der gesteigerten wert darauf legt, ein poster von unserer veranstaltung aufhängen zu können.
das yalla wird wohl voll werden. hilfe, ich werde nervös!!!!!!

wir schauen auch in diese music-bar am ledra-palace hinein, die uns so oft mit ihrer live-musik nicht recht schlafen läßt. aber der laden wirkt so steril-schick und unsympathisch und die bedienungen finden uns wohl auch eher seltsam, das wir unser angebrochenes bier nehmen, das wir an einem unauffälligen seitentisch serviert bekommen und lieber zum bulli gehen.

wir versuchen, zwei briefe nach deutschland und irland abzuschicken und brauchen dafür ein postamt.
aber mitnichten verkauft jedes postamt auch briefmarken! wir versuchen es an zwei ämtern, werden aber weggeschickt, sie hätten kein briefmarken-verkaufs-system. keine ahnung, was die sonst machen, denn im hinteren teil des raumes sehen wir kistenweise frankierte briefe.
das dritte amt wird uns genannt. das liegt zum glück in der nähe von unserem lidl, wo wir immer einkaufen und dort bekommen wir endlich was wir brauchen.
verstehe einer dieses system…..

außerdem haben wir mal wieder caravan-gesellschaft auf unserem parkplatz.
zwei familien aus deutschland mit womo-oldtimern und ein womo aus russland haben es bis hierher geschafft. mit der einen familie kommen wir ein bisschen in kontakt und sie wird mit reise- und unternehmungstips versorgt.
und wenn ich denke, wir sind im bulli mit unserer ausstattung wirklich luxuriös aufgestellt, dann ist diese familie superluxuriös, die haben sogar eine BROTBACKMASCHINE dabei. und die mutter ist grade dabei eine torte zu backen! mit geschmolzener schokolade oben drauf! ich fasse es nicht.
überhaupt treffen wir viel mehr wohnmobile als 2017/18. mal kommt uns eines auf der straße entgegen, dann steht eines aus süddeutschland am weg einer wandertour, von der ich noch erzählen will. (wir schreiben diesen blog ja immer im nachhinein…)

dann geht auch unser deutscher spiritus zu neige und wir klappern super- und baumärkte und farbenläden nach derlei ab. aber ohne erfolg. ich werde mich mit gaskartuschen und unserem trucker-kocher begnügen, wenn die letzte flasche leer ist.

Berge und Karpaz-Halbinsel

mittwoch 14. Jan. – freitag 16.Jan.

es sind einigermaßen entspannte tage, die wir verleben.
bulli steht an der autowerkstatt. das rechte vordere radlager muß noch erneuert und die ölwanne untermontiert werden. das dauert erstaunlich lange. wir sind über einen tag heimatlos und verbringen die zeit im h4c. zum schlafen steht bulli aber vor der werkstatt, wir können darin schlafen. am nächsten mittag ist auch die ölwanne wieder an ort und stelle und wir können uns nach girne aufmachen.
ja, die reparatur hat etwas länger gedauert, aber wir haben das gefühl, die werkstatt war wirklich gründlich. so hat die ölwanne noch den vormittag gebraucht, weil die unterschiedlichen schraubenlöcher auf gleiche stärke aufgebohrt wurden und jetzt neue, gleiche schrauben die wanne halten.

die fahrt nach girne geht schnell. wir bummeln durch die stadt. leider heißt unser cornischer pub von 2018 jetzt cosy’s, ist irgendwas anderes und zudem geschlossen. die als irischer pub annoncierte bar ist mehr als fragwürdig, aber das lokal daneben hat ebenfalls guinness, wenn auch in dosen.
in der stadt wird gebaut, als gäbe es einen preis für die meisten baustellen zu gewinnen.
der verkehr ist irrwitzig. das war er damals schon und die autos sind nicht weniger geworden. trotzdem haben wir einen guten stellplatz für die nacht zwischen modernem amphi-theater und dem castle of girne. naja, eigentlich ist es eine baustellenbrache, das ist uns aber egal, denn hier stehen auch etliche andere autos. das ohne park-gebühr und auch etwas außerhalb des ganzen trubels.
nachdem wir in einem off licence-laden, die es an jeder straßenecke gibt, noch zwei flaschen bier gekauft haben, sitzen wir damit am hafen und gucken touristen.
dieser laden ist wirklich eine sensation. wir waren so irritiert, daß wir vergessen haben, fotos zu machen. die werden aber nachgereicht.
man kann dort alkohol im duty free kaufen. am meisten hochprozentiges in liter- oder größeren flaschen. 5-l-buddeln chivas regal stehen da kistenweise. richtig guten single malt gibt es allerdings nicht. nur amerikanischen bourbon und sonstige verschnitte.
die gin- und rum-abteilungen sind nur geringfügig kleiner. zwischen den regalen drängt sich die meist türkische kundschaft, es geht zu wie bei c&a im ausverkauf. an der kasse werden die flaschen mit den leeren kartons eingewickelt, dort sind bestimmt fünf leute beschäftigt.
unfassbar!!!

wir fahren nach einer ruhigen nacht weiter und schlafen in den bergen auf einem picknick-platz direkt an der klippe, von wo aus ein schöner rundweg durch die berge führt. ein karpaz-esel lungert herum und läßt sich sogar streicheln.
aber wieder liegt überall der müll und wurde besonders die klippen hinuntergeworfen. es ist so unverständlich und ebenso erschreckend, wie wenig die besucher sinn für die schönheit dieser gegend haben und das es vielleicht sinnvoll sein könnte, seinen müll in den container an der straße zu werfen, um diese schönheit zu erhalten. oder stört sie der ganze müll nicht? wir verstehen es immer weniger.

am nächsten tag machen wir eine schöne rundwanderung an einem alten armenischen kloster vorbei.
auch das kennen wir noch von dem letzten besuch und es sieht immer noch aus, als hätten die mönche eben erst ihre klausen verlassen.
die blicke ins tal zum meer hinunter sind phantastisch.

und dann geht es auch noch eine zinne hoch, zu der ich zum ersten mal nach jahren wieder ein bisschen klettern muß. es ist herrlich und die knie spielen prima mit.

nachmittags fahren wir zurück nach nicosia zum parkplatz am ledra-palace.
am abend gibt es eine kundgebung von ‚United for Palestine‚. diese organisation hilft uns, eine slideshow zu organsieren, in der wir über die drei monate in hebron berichten und über die möglichkeiten sprechen, selber nach palästina zu fahren und sich zu engagieren.
anschließend besuchen wir das ‚yalla‘ im griechischen teil der stadt, wo die premiere statt finden soll. das dortige craft-bier ist erwähnenswert: ‚crossline‘ heißt es ist zypriotisch und ausgesprochen lecker.
es wird ein netter abend.

nach dipkarpaz/rinokarpazo

dienstag, 20.1.26

michel hat schöne stellplätze am meer herausgesucht und auch wanderungen erdacht.
wir freuen uns auf ein paar tage ohne menschen, denn hier oben ist meist nichts los, zu mal wir keine touristensaison haben und sich ohnehin nur wenige auf den weg dorthin machen.
höchstens, daß sie sich das andreaskloster anschauen und nach den karpaz-eseln ausschau halten. dann fahren sie aber meist wieder zurück.

aber das wetter wird hier oben richtig schlecht. es ist sehr kalt, den wind kann man getrost als sturm bezeichnen und es regnet immer wieder.
okay. aus deutschland hören und lesen wir von schnee, eiseskälte und glatteis. von schulausfällen, geschlossenen flughäfen und eingestelltem öffentlichem nahverkehr. wir beschweren uns nicht, aber wandern? och, nööö…..

so stehen wir an einer klippe, etwas unter uns das tosende meer und lassen den wind um bulli wehen, während wir uns lesend und strickend in die decken einmummeln.
es ist schön, in der wildnis zu stehen und und nicht auf einem parkplatz. wir können wieder auf vorhänge und sichtschutz verzichten. nachts gibt es einen kurzen blick auf die milchstraße und morgens auf einen tollen sonnenaufgang. aber um draußen zu sitzen ist es zu kalt.

die beiden fische auf dem letzten bild wurden wohl mit einer großen woge vor nicht allzu langer zeit an den stand gespült, während sie an den klippen nach futter knabberten. und es gab keine weitere welle, die sie wieder zurück ins meer brachte.

nachts fängt es so dermaßen an zu winden, daß wir uns sorgen machen. wir stehen aber auch wirklich sehr prominent…..
also machen wir den bulli flüchtig fahrtauglich und fahren weiter richtung dipkarpaz/rinokarpazo. an einer feldauffahrt finden wir einen wesentlich ruhigeren platz.
und es gibt einen weiteren faulen tag.
der regen läßt nur kurzfristig und der wind nur geringfügig nach.
wir haben auch kein internet. so bleibt es wieder bei lesen und stricken. ich habe eine wolle gekauft, die so dünn und glatt ist und sich so schlecht strickt, daß ich fast zuviel kriege. an socken daraus bin ich schon gescheitert. allerdings war sie sündhaft teuer und deshalb mag ich sie nicht wegwerfen. und sie ist auch so wunderbar flauschig und ich finde die farben so toll. also mache ich stulpen für handgelenke daraus und kriege diese auch fast fertig.

so gibt es jetzt gelegenheit mal wieder ein bischen von bulli-leben zu erzählen.
viel haben wir nach der letzten großen reise nicht geändert.
die wichtigen dinge haben ihren selben platz wie damals.
und wie immer haben die verschiedenen stauräume ihre eigenen namen. das erleichtert die kommunikation zwischen michel und mir.
die nase‘ (wahlweise links oben/unten oder rechts oben/unten) ist im hochdach die ausstülpung über der windschutzscheibe:dort sind links technische kleingeräte, kaffee,tee, spüli und spiritus untergebracht. rechts ist das waschzeug, aber auch sonstiger haushaltskram und die keks- und nudelvorräte.
im ‚dimensionsloch‘, das so heißt, weil es von außen nach nichts aussieht, aber innen unfassbar viel platz hat, lagern die wanderstiefel und grad nicht gebrauchten schuhe,sowie meine stricksachen. es ist gleich neben dem kühlkasten an der seite.
über dem bett ist die ‚bibliothek‘, dort sind unsere bücher untergebracht.
dann die ‚adventsklappe‘. die heißt so, weil sie wie ein tor aufgeht, entsprechend dem weihnachtslied ‚mach hoch die tür, die tor mach weit..‘ . dahinter sind meine medivorräte (die brauchte ich bei der letzten reise in diesem umfang noch nicht) und auch auch weiterer spiritus für den herd, sowie kleinkram, der eher selten gebraucht wird.
die ultimative neuerung ist allerdings die unschlagbare ‚badewanne‘. michel hatte das glück, vor der reise eine große metallkiste zu erstehen, die der vorbesitzer nicht mehr brauchte. er hatte sie für einen baugleichen bulli und dessen anhängekupplung selbst gebaut und war damit viel gereist.
er hat uns damit sehr glücklich gemacht. nicht nur, daß sie anstandslos auf unsere kupplung passt, sie passt auch so unter das paulchen mit den fahrrädern, daß wir sie öffnen können, ohne die räder entfernen zu müssen. man kann sie hervorziehen, so daß man auch noch die heckklappe öffnen kann. das war damals mit dem schrank nicht möglich.
die kiste heißt badewanne, weil sie so groß und zudem wasserdicht ist, daß wir darin baden könnten. darin befinden sich dinge, die wir nur selten brauchen. weitere vorräte, zelt und sonstiger campingkram, der am ende der reise noch wichtig wird, notfallwasser und – ganz wichtig – eine tüte katzentrockenutter für streunende, hungrige katzen.


freitag, 23.1.26

jetzt aber wirklich auf nach dipkarpaz/rinokarpaso, dem türkisch-griechischen dorf, aus dem die griechen bei der türkischen invasion nicht gegangen sind.
wie damals haben wir das gefühl, daß die griechischen einwohner wieder weniger geworden sind. selbst im kafenaio sitzen gefühlt nur türken und ein paar touristen, die aber auch fast alle türkisch sprechen.
dafür gibt es internet, wir schauen schnell in unsere mails und nehmen einen lunch.
viel gibt es nicht und wir erwarten auch keine gourmet-küche. es soll für michel hamburger und für mich fish’n‘ chips geben.
solche mahlzeiten im quasi nirgendwo sind immer spannend. was hier wohl unter hamburger verstanden wird?????
michel bekommt pommes mit zwei scheiben fleisch und ich ebenfalls pommes und einen ganzen leicht panierten fisch mit kopf und allem. dazu gibt es brot, das der wirt noch aus dem laden gegenüber holt, wie auch den zivania, den ich anschließend trinken möchte, und eingelegte stücke von staudensellerie. hamburger als bausatz und fish’n’chips mal ganz anders. es schmeckt und wir werden satt.

und dann treffen wir schubat.
geschrieben „subat“. das ’s‘ hat unten eigentlich ein häkchen, damit man es ’sch‘ spricht, aber das finde ich auf meiner tastatur nicht. also muß ich mir anders helfen.
schubat trampt durch die welt und verdient sein geld dafür über verschiedene sozial-media-kanäle. er macht kleine filme über die menschen die er trifft und wir sehen ihn, wie er den einen oder anderen gast interviewt. vor der tür kommen wir ins gespräch und laden ihn ein, mit uns weiter auf die halbinsel zu kommen auf einen gemeinsamen abend. da er die gelegenheiten so nimmt, wie sie kommen, sagt er zu.
ich habe seinen kanal leider noch nicht gefunden.

am andreaskloster machen wir halt.
die esel kommen zum betteln. der wachposten auf dem klosterdach von 2018 ist mittlerweile verschwunden. wahrscheinlich haben die türken gemerkt, daß sowas schlechte reputation gibt.
es sind tatsächlich einige der souvenir-stände geöffnet.
im kloster zünden wir kerzen an und strolchen um das gebäude herum. es wird grade an allen ecken und enden renoviert.
unter anderem auch unten an der heiligen quelle, die aber trotzdem zugänglich ist.
heiliges wasser aus einem brunnen oder schnöde aus einem schlauch…wo ist der unterschied?

wir finden einen schönen stellplatz am noch mehr tosenden meer, aber ohne viel wind.
schubat will tatsächlich im zelt schlafen, freut sich aber über eine warme mahlzeit.
immer mal wieder regnet es und das nicht zu knapp und ich bin später wieder mal unfassbar glücklich, daß es bulli gibt.

die gespräche kullern durch die themen hin und her.
über politische einschätzungen, reiseerfahrungen, warum es wichtig ist, ‚guten tag‘ und ‚danke‘ in möglichst verschiedenen sprachen zu können.
ich merke mal wieder, daß ich zu einer anderen generation gehöre.
wenn ich als langzeitreisende ohne geld-polster pleite wäre, würde ich eher in einer kneipe oder einem laden für eine weile um anstellung bitten und nicht auf die idee kommen, filme auf insta oder so einzustellen und durch die werbung geld zu generieren (so wie es, wie ich verstanden habe, funktioniert). das kommt mir so substanzlos vor.

samstag, 24.1. 26

die nacht wird nass und windig.
aber schubats zelt steht auch morgens noch und als es gegen 8.00uhr frühstück gibt, ist er guter laune und hat nur einen leicht feuchten schlafsack. aber natürlich ein klatsch nasses zelt.
trotz des miesen wetters lassen wir es uns nicht nehmen, einmal wenigstens zum kap zu fahren.
die straße dahin ist matschwüste mit großen pfützen, aber bulli und michel manövrieren in schlangenlinien ganz prima hindurch.
am ende der straße ist natürlich niemand.
der wachposten ist nicht besetzt, selbst die fahnen, die sonst immer wehen, wurden nicht gehißt.
sicht? kaum. und der wind peitscht uns um die ohren. aber das ist uns egal. wir sind am äußersten nord-östlichen ende der insel und das finden wir alle drei toll.
michel und ich werden bei besserem wetter wiederkommen und dann auch wanderungen machen.

lands end

an der nordküste entlang fahren wir zurück nach girne. schubat möchte dort follower treffen und wir wollen schauen, ob das wetter besser ist. wenn nicht, fahren wir weiter nach nicosia.
auf dem weg zurück entdecken wir auch das griechische restaurant, wo ich 2018 mit dem besitzer musik machte. es ist geschlossen und zwar schon ziemlich lange. wie schade. offensichtlich haben sich ihre vorhaben, einen veranstalungsort zu schaffen, nicht rentiert.

das wetter ist in girne nicht besser.
nach einem herzlichen abschied von schubat geht es über die berge zurück nach nicosia. hier regnet es wenigstens nicht mehr und der wind ist weniger geworden.
der parkplatz steht über weitere strecken unter wasser, aber wir finden ein trockenes plätzchen ein stück weiter am zaun zur buffer zone.

Jordanien

30. dezember-1. januar 2026

viele photos wird es dieses mal nicht geben, aber einen hoffentlich unterhaltsamen text.

während der warterei auf die letzte passkontrolle an der king-hussein-bridge stoßen wir auf den kanadier c., mit dem wir uns ein schickes taxi nach amman teilen. natürlich zahlen wir trotz feilschen mehr als gedacht. wir werden auch massiv von bettlerinnen mit kindern auf den armen bedrängt, die nach dinar oder auch schekel fragen. aber ‚la‘ heißt auch hier nein.
beim losfahren stellen wir fest, das die einfachen taxis 100 meter weiter stehen, dort, wo die palästinenser ihren ausgang haben. aus irgendwelchen gründen ist das hier strikt getrennt. dort hätten wir wohl weniger bezahlt.

das hostel ist wirklich schnuckelig, die betten und räume sind gemütlich und die betreiberin zeigt uns schnell und gut vorbereitet alles, was wir über das hostel und den ersten gang in die stadt wissen müssen.
der einzige aufreger für mich ist, daß ich mich zum ersten mal mit altersdiskiminierung auseinandersetzen muß.
michel hatte es beim buchen ganz zum schluß noch wahr-, aber nicht richtig ernst genommen:
dieses hostel ist gästen unter 45 jahren vorbehalten. zwar erklärt es die betreiberin, ich kann sie auch ein stück weit verstehen und sie sieht auch, daß wir nicht zur gewöhnlichen klientel der über 45-jährigen gehören, weshalb wir bleiben dürfen. aber ich hätte nicht gedacht, daß mir so etwas schon mit 60 jahren widerfährt.
dieses hostel hat auf bewertungsportalen hauptsächlich von dieser altersgruppe schlechte noten bekommen, die zwar billig nächtigen wollten, aber komfort eines besseren hotels erwarteten. schlechte bewertungen können oder wollen sie sich nicht leisten.
aha, soweit sind wir also: ich werde ausgegrenzt, weil die internetbewertungen meiner altersgruppe zu schlecht ausfallen.
dafür habe ich mir nicht drei monate lang die seele in hebron eingerannt und mich siedlern, soldaten und der apartheid ausgesetzt. sie möge bitte selbst erst mal so alt werden wie ich und dann solche reisen machen.
ich werde wütend und sehr deutlich und lasse mich auch durch michel nicht stoppen.
WAS FÜR EIN IRRSINN. so weit sind wir also schon. das kann ja die nächsten 20 jahre noch lustig werden. ich frage mich gerhard seyfried zitierend (wenn den noch jemand kennt):
wo soll das alles enden????????
aber ich beruhige mich wieder und lasse es gut sein, wir dürfen ja auch bleiben.

Ich breche jetzt eine Lanze für die beiden Betreiberinnen des Darna-Hostels. Sie schaffen hier mit viel Liebe und Hingabe einen wundervollen Ort. Ein Hostel, dass sowohl persönlich heimelig als auch professionell geführt ist. Es ist gemütlich und super sauber. Die beiden sind hilfsbereit, erklären einem alles und sorgen dafür, dass ihre Gäste nicht von Geldwechslern oder überteuerten Restaurants abgezogen werden. Und das für gerade einmal 10€ die Nacht, inklusive einfachem Frühstück.

Dass sie sich das nicht von alten deutschen Grantlern kaputt machen lassen wollen, das verstehe ich. Wir geben ihnen ein ganz klares „Daumen-hoch“. Wenn wir auf dem Weg von oder nach Hebron wieder in Amman nächtigen, werden wir das hier tun. Wir empfehlen die beiden und ihr Darna-Hostel auch aus vollem Herzen weiter:

aber jetzt erst einmal zu fuß in die stadt. es gibt die üblichen kleinen läden an den straßen, werkstätten, unebene fußwege, viel verkehr, viele menschen und lärm.
aber alles ist sauberer und entspannter. weniger überfüllt.
hebron wirkt wie ein zu enger käfig mit zu vielen ratten. in amman ist platz. auch platz für ein lächeln unter passanten. das flair ist europäischer geprägt.
wir finden einen kleinen pizza-imbiss. wie herrlich, endlich wieder eine europäische mahlzeit zu haben, so lecker die palästinensische küche auch ist. eine saftige, gut belegte pizza mit viel käse!!!!
die stimmung auf der straße ist entspannt. viele jordanische frauen sind ohne kopftuch unterwegs und wenn mit hijab, dann sorgfältig geschminkt. sie gehen anders als in hebron. aufrecht, entspannt, mit begleitung oder allein. neben uns am anderen tisch hockt ein teenagerpärchen wie sich teenager eben auf eine pizza verabreden.
und auch auffällig viele touristen sind auf der straße. besonders viele junge frauen, die allein reisen.
von letzteren mehrere in unserem hostel.
eigentlich wollen wir noch irgendwo ein bier trinken, aber wir finden keine bar. nur läden wo wir welches kaufen können, was wir auch tun und mitnehmen.
eines trinken wir auf dem weg zurück, das zweite dürfen wir im hostel auf der terrasse trinken, obwohl alkohol in den räumen verboten ist.
die dachterrasse ist traumhaft schön, jetzt allerdings ein wenig kalt und nass. aber was wärmt mich ein bisschen? eine schmusebedürftige katze, die es sich gleich auf meinem schoß bequem macht.
wie heißt dieser blog nochmal? mit 80 katzen um die welt?
die beiden biere hauen uns sofort um. kein wunder nach drei monaten hebron.
wir schlafen so gut. ohne kleidung und dem feuerlöscher neben uns. ohne nachtwache und einem offenen ohr nach draußen. jeder in der eigenen etagenbettenkoje.

Die Bevölkerung Ammans besteht zu 70% aus palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen. Amman gibt einem also ein Gefühl dafür, wie Palästina ohne Besatzung wäre. Das entspanntere Lebensgefühl, die Tatsache, dass Menschen schlendern, dass sie gesünder und größer sind, dass sie weltlicher sind, weil sie keine Zuflucht zur Religion suchen müssen. So könnten auch Ramallah und Hebron sein. Wenn sie nicht unter Siedlern, Soldaten und Besatzung zu leiden hätten.

sylvester

morgens gibt es eine heiße dusche nebst gewaschenen haaren. und ein schlichtes frühstück mit toast und pulverkaffee. nein, wir vermissen pita, hummus und labneh nicht. das kommt irgendwann später.
wir machen es uns im aufenthaltsraum gemütlich. michel schreibt blog, ich lese.
meine gedanken wandern immer wieder nach hebron. wie es den anderen wohl geht? war die nacht ruhig, feiern sie heute auch sylvester? wie geht es adam und lilith?
und ich friere wie ein schneider. daran ändern auch decke und schlafsack nichts, in die mich
michel auf einem sofa einmummelt. ich schwanke zwischen glück, daß wir heile in amman sind, die wir ja in hebron wieder trafen und sorge. die anspannung und der streß fallen von mir ab. ich weiß, das ist völlig normal, deshalb gebe ich mich dem hin und warte ab.
schon bald wird es abend und zeit, sich für den pub fertig zu machen. wir wollen im dubliners irish pub feiern. c. hat sein erscheinen zugesagt und auch k. aus kolumbien, die wir in hebron getroffen haben, zusammen mit einer freundin.
wir gehen die 5 km zu fuß.
nein, amman ist eigentlich nicht schön. viele prächtige neubauten, breite straßen, auf denen sich die autos reihen. viel polizei. so gut wie an jeder straßenecke und vor jedem wichtigeren gebäude.
es gibt fußgängerampeln und autos, die daran halten, wenn für sie rot ist. erstaunlich.
wir fragen uns, wovon amman lebt.
von größerer industrie wissen wir nichts. nur, daß hier 70% der befölkerung palästinenser sind und diese stadt mal ein kleines dorf war.
später erfahren wir, daß pottasche abgebaut wird. und man lebt offenichtlich von dem wasserkopf, den das jordanische königshaus installiert hat, um seine macht zu sichern.

noch ist der pub so gut wie leer.
das guinness ist zwar aus dosen, schmeckt aber wie reines ambrosia. und ich darf mir eine gute portion fish’n’chips einverleiben, zu der es sogar vinegar für die chips gibt.


ich hatte mich ein bisschen auf irish folk gefreut, aber es gibt nur pop-musik und auf acht bildschirmen sportübertragungen. egal. das guinness ist köstlich, die gespräche mit verschiedenen gästen an tresen und tischen auch.
dann taucht c. auf und später k. mit ihrer freundin und der erfahrungsaustausch, diskussionen und gespräche gehen hin und her.
der pub ist bald bis auf den letzten platz besetzt.

dann geht irgendwann das licht aus und es ist 00 uhr. alle jubeln, tanzen, klatschen. nur ich heule wie ein schloßhund und stehe mit michel stumm am tisch.
es läuft ‚auld lang syneauf techno. andere länder, andere sitten. anschließend gibt es aber auch noch eine besinnliche version, die wir mitsingen mögen.
ich finde es unfassbar, das wir gesund und munter sylvester in amman feiern.
wir bestellen mit c. ziemlich bald ein gemeinsames taxi und fahren ins hostel zurück.
dort ist alles still. mittlerweile sind auch alle restlichen betten in unserem gemeinschaftszimmer belegt und wir gehen leise und nach raucherkneipe duftend schlafen.

zurück nach zypern

jetzt können wir es ja erzählen, wo wir alles hinter uns haben.
michel hat seinen reisepass und das notizbuch verloren. vielleicht wurde es auch geklaut, wir haben keine ahnung.
neujahrmorgen stellt er fest, das seine tasche leer ist. die suche im hostel bleibt erfolglos.
aber zum glück hat er noch den 2. pass, nur ohne visum.
das dubliners wird angeschrieben. c., der das taxi bestellt hatte, wird angefunkt. aber im taxi wurde nichts gefunden.
wir packen unsere sachen und lassen uns in den dubliners fahren, der um 12.00h öffnet.
der flug geht um 17.45 uhr, wir haben also noch ein gutes zeitfenster.
aber im pub ist der pass auch nicht.
vielleicht hat er ihn verloren, als wir an dem großen straßenkreisel die polizei nach dem weg fragten und er das smartphone aus der tasche zog? vielleicht haben die jugendlichen palästinenser nachts vor dem hostel, die von uns und unsreren kefiye um den hals so begeistert waren und selfies mit uns machten, in seine tasche gegriffen? vielleicht hat ihn aber auch jemand gefunden, an sich genommen und zur polizei gebracht? wir wissen es nicht.
wir fahren zum flughafen.

natürlich kommen wir nicht durch die ersten sicherheitskontrollen, weil die stempel im zweiten pass fehlen. wir werden an die polizeistation am flughafen verwiesen.
dort sind die räume voll mit polizisten, die rauchen und kaffee trinken. welchen job sie haben ist nicht klar. einige wenige können gebrochen englisch, verweisen auf den babbo hinter dem großen schreibtisch, der aber auch kaum englisch kann. dann kommt jemand mit besseren englischkenntnissen, der dem babbo aber untersteht. mit dem wird die sachlage geklärt.
dann taucht ein ganz hoher babbo auf, der auch gut englisch spricht und besonders lametta auf der brust, aber keinen schreibtisch hat. dem hören dann alle zu, auch der am schreibtisch.
er sagt, wir müssen nach amman zurück, weil die polizeistelle zuständig ist, in deren destrikt der vorfall passierte. aber das wissen wir ja nicht…..
er wundert sich, das wir zwei pässe haben und will wissen, ob wir von der botschaft kommen. diesen ball nimmt michel gerne auf und sagt ja. er hebt unsere botschaftskontakte sehr hervor und zeigt auch sein elektronisches visum auf dem handy.
dann geht alles erstaunlich schnell. der babbo telefoniert. wir sollen zum flughafen gehen und mit dem zweiten pass und dem e-visum einchecken und wenn fragen aufkommen, sollen die nochmal bei ihm anrufen. wir sind entlassen.

Als der Ober-Babbo erfährt, dass wir doppelte Pässe haben, hält er uns für Diplomaten. Sein Ton wird deutlich freundlicher und er wird deutlich vorsichtiger. Vorher war der Tenor: Alles nicht unser Job und unser Problem. Jetzt hat er merklich Sorge, dass er mit dem Ober-Ober-Babbo Ärger bekommt, weil er einen deutschen Diplomaten verärgert hat. – Ich lüge nicht direkt, bediene seinen Irrtum aber mit Freuden. Sein unzureichendes Englisch erledigt den Rest. Während ich so bluffe sitzt mein inneres „Ich“ mit Popcorn dabei und kann es gar nicht glauben, dass das wirklich klappt! – Aber es klappt reibungslos. Wichtige jiddische Vokabel an dieser Stelle: „Chuzpe!“

an den kontrollen und beim einchecken gibt es tatsächlich keine probleme.
sogar der piepende personensanner wird toleriert, ich zeige nur auf meine knie und ernte ein verständiges lächeln.
im wartebereich treffen wir die nette deutsche wieder, die mit uns im hostel war und haben eine kurzweilig verplauderte zeit.
der flug geht pünktlich. es gibt sogar einen imbiss an bord, was ja nicht mehr selbstverständlich ist.
noch pünktlicher landen wir in larnaka und können, wartend aufs gepäck, in hebron bei issa entwarnung geben.
auf issas terrasse ist grade wieder ein party mit gästen in gange. mit za’atar-pizza.
za’atar ist eigentlich thymian auf arabisch. so heißt aber auch eine gewürzmischung hauptsächlich aus thymian, salz und sesam und sicher noch anderem.
issa zeigt mich per handy herum. m. winkt, hatim steht mit amir in der küche am herd, umm temer wirft mir ein küßchen zu. sie trägt eine wunderschön bestickte stola.
abu natschi steht in unserem(!) zimmer mal wieder auf der leiter und wandert damit durch den raum, wie er es so oft und sehr yirtuos tut. sie haben dort gleich nach unserer abreise mit der renovierung angefangen. für uns fühlt es sich wie ein gruß von zuhause an.
das heißt, es geht ihnen gut und es ist friedlich. wie beruhigend.

und dann lesen wir, das heute keine busse mehr nach nicosia fahren. der fahrkartenschalter ist verwaist.
och nööö! ein taxi soll 70.-€ kosten.
aber zum glück fragt michel eine andere touristin, die sich wundert: ‚wieso, in 20 min. fährt doch einer!‘
der schalter ist plötzlich auch wieder besetzt. die damen haben sich nur was zu essen geholt.
9.-€ pro ticket bezahlt, noch ein bischen gewartet, in den bus gestiegen, ganz entspannt zur shuttlebus-haltestelle und von dort mit einem taxi nach nicosia zum übergang am ledra-palace gefahren.
die letzten zwei kilometer gehen wir zu fuß. ich träume von einer großen portion nudeln, nur mit öl, salz und oregano. tomatensauce wird nicht zu finden sein.
wenn denn bulli überhaupt auf uns wartet und wenn in welchem zustand. wir können uns alles vorstellen.
aber tatsächlich: da steht unser kleiner auf dem parkplatz. alles ist dran und drin. vögel haben in den drei monaten im dorf des werkstattchefs ihre kotspuren hinterlassen und der zypriotische staub liegt auch auf allen innenflächen. wir haben unser zuhause wieder und ich gebe es zu:
ich weine!
dann gibt es nudeln mit öl, salz und oregano.und ein bullibett und einen schlaf, wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten. ich bin so glücklich, daß es fast weh tut.

wiedersehen mit nicosia

der erste gang morgens führt uns in die autowerkstatt. lange sucht der chef nach der rechnung. ganz vorne im auftragsbuch findet er sie und es ist wirklich alles gemacht und das zu einem fairen preis. natürlich reicht es, wenn wir erst montag bezahlen.
als nächstes ist serdar dran. der besitzer unserer reinigung springt vor freude fast über den tresen, als er uns sieht. schnell sind die wichtigsten dinge erzählt und serdars freude wird noch größer, da wir heile wieder da sind. die kufiye, die wir ihm mitgebracht haben will er heute nicht mehr ablegen. und selbstverständlich können wir ihm montag unsere dreckigen sachen bringen, auch wenn man für einige stücke einen exorzisten rufen sollte.

ein einkauf ist jetzt an der reihe und dann laufen wir in die altstadt zu ziba, die hoffentlich heute an der touri-info an der ledra-street dienst hat.
hat sie. sie räumt sich eine pause ein und zum erstaunen ihrer grenzposten-kollegen, mit denen sie sich hinter dem posten die infrastruktur (klo, kaffeeküche, katzenfütterstelle) teilt, dürfen wir uns an den tisch setzen und bekommen einen kaffee.
auch hier tauschen wir die neusten neuigkeiten und wichtigsten erlebnisse aus.
zu unserer freude hat sie beim touristenministerium endlich eine festanstellung bekommen. das ist für sie ein richtiger lottogewinn.
meine bodhran ist nach wie vor bei ihrer mutter,sie wird sie heute abend bei uns vorbei bringen. sie klingt etwas seltsam nach drei monaten und ich muß mich selbst auch wieder auf irish-folk-tempo hoch trainieren. momentan bin ich für eine session viel zu langsam.

und dann koche ich im bulli erst einmal heißgeliebte nudeln mit tomatensoße, von uns immer nudeln a la herrschaft genannt.
wie köstlich die schmecken!

ich frage mich, womit wir so viel glück verdient haben.
es hätte so viel schief gehen können. aber es lagen auf der rückreise keine steine im weg. die menschen waren uns wohlgesinnt, die polizei in amman hat mitgespielt und uns nicht wieder nach ammen zurück geschickt. der flug hat reibungslos geklappt und die transfers auch. bulli wartete wie besellt. wir haben wunde seelen, sind aber körperlich wohlauf.
entweder haben wir massiv schulden beim universum, oder es meint uns nach diesen drei monaten was schuldig zu sein. wie ich mich bei ihm bedanken soll, und das werde ich tun, weiß ich noch nicht.