Fr. 27. März – Do. 2. April
Das Unangenehme zuerst:
Am Freitagabend stehen wir mit Achsbruch auf unserem malerischen Flußufer gelegenen Übernachtungsparkplatz in Dalyan. In einem, als harmlose Pfütze getarnten, bodenlosen Schlagloch habe ich unsere Vorderachse geschrottet. Der Bulli fährt zwar noch, doch bestimmt nicht sehr weit, und von „verkehrssicher“ kann keine Rede sein. Also brauchen wir (wieder Mal) eine Werkstatt. Ich frage einen Einheimischen, der mit seinem ebenfalls kaputten Auto (kein Witz!) in Dalyan neben uns am Flußufer steht, nach der Autowerkstatt seines Vertrauens, und bekomme eine VW-Vertragswerkstatt im Nachbarort Ortaca genannt.
Am Samstag früh schleichen wir mit unserem fahrenden Zuhause langsam und vorsichtig zur Werkstatt. Diese kann uns zwar nicht selber helfen, vermittelt uns aber an die andere örtliche VW-Vertragswerkstatt, 200m weiter, im selben Industriegebiet. Ein halbes Dutzend Straßen besteht (fast) nur aus Betrieben, die in irgendeiner Weise auf Autoreparatur beschäftigt sind. Dazu ein paar Imbisse für die Essenspausen.
Wir warten den gesamten Samstag über. Zwar wird zwischendrin am Auto rumgeschraubt, die alten Achsteile ausgebaut. Aber am Ende des Arbeitstages steht Bulli ohne Vorderachse da. Wir müssen also das Wochenende über in der Werkstatthalle wohnen. Unsere Stimmung ist mau, und dass es den ganzen Tag über kalt ist und regnet, macht es nicht gerade besser. Immerhin haben wir ein offenes Werkstatttor, Strom und einen Grundversorgungsladen um die Ecke.
In der Nacht auf Sonntag schüttet es dann so stark, dass das Zeltdach der Halle einknickt:

Zum Glück wird kein Auto beschädigt und unser Bulli steht in der sichersten Ecke der Halle. Wir entlasten also das Dach, indem wir so viel Wasser wie möglich aus den verschiedenen Beulen rausschwappen, und warten auf Montag.
Am Montagmorgen kümmern sich die Werkstattleute erst notdürftig um ihre Halle, dann um Bulli. So verbringen wir Montagnachmittag und Dienstag an der naheliegenden Therme. (Siehe unten!) Doch leider sind (unabhängig vom Achsbruch) auch die Bremsen ziemlich hinüber. Die Werkstatt hatte schon die Bremsbacken ausgewechselt. Doch es muss mindestens auch ein neuer Bremskraftverstärker her. Der kann erst am Mittwoch eingebaut werden.
Als wir am Mittwoch wiederkommen, wird nach und nach die gesamte Bremsanlage ausgetauscht oder repariert. Bremskraftverstärker, Leitungen, die Schienen, auf denen die Bremsbacken laufen. Dank unserer besten Mechanikerin Conny, bei der ich vor fast 10 Jahren mal gelernt habe, wie man eine Bremse wartet und Bremsbacken austauscht, verstehe ich zum Glück genug von der Sache, um zu verstehen, dass sie uns hier nicht reinlegen und abziehen. Und als wir am Donnerstag Abend ENDLICH ENDGÜLTIG(!) vom Werksgelände rollen, fährt Bulli sich so leise und die Bremsen funktionieren so gut wie lange nicht mehr. Die Jungs haben hervorragende Arbeit geleistet. Der Preis reißt zwar ein Loch in unsere Reisekasse, liegt aber weit unter dem, was wir in einer Werkstatt in Deutschland gezahlt hätten.
Ein paar Sachen fallen an der Werkstatt noch auf:
– Die Länge der Arbeitszeit! Die fangen tatsächlich zwischen 7:30 Uhr und 8:00 Uhr morgens an, haben nur eine Mittagspause, und hören erst um 19:00 Uhr auf.
– Der Chef wäscht selbst auch mal die benutzten Teegläser ab und bereitet neuen Tee vor.
– Die Stimmung ist gut. Bei der Arbeit hören wir die Kollegen lachen, scherzen und erzählen.
– Die Lehrlinge! Es gibt ein halbes Dutzend Lehrlinge. Und die werden wirklich gut ausgebildet. Als unsere Bremsbacken gewechselt werden, bekommen zwei von ihnen das genau so erklärt, wie Conny es damals mir erklärt hat. (Also soweit ich das trotz Türkisch beurteilen kann.) Und abends scheint der Chef eine feste Stunde zu haben, wo er den Lehrlingen an der Werkbank Unterricht gibt.
den tag über, während an bulli geschraubt wird, sitzen wir meist in der ecke, wo auch der tee steht. wir holen unsere campingmöbel und haben es bei all der warterei doch gemütlich.
hier haben wir tee, können ab und zu bei den mechanikern vorbeischauen und sitzen im trockenen. ich glaube, wir kommen denen ein bisschen seltsam vor, aber was sollen wir machen…
michel liest nachrichten am rechner, ich stricke, lese oder surfe auch im internet.
an einem morgen kommt einer der angestellten und legt uns einen schokoriegel hin. an einem anderen tag bekommen wir eine handvoll bonbons. dies sei eine spezialität aus konya und sei nicht immer zu haben. es sind große, knallsüße traubenzuckerartige stücke, die ein bisschen nach rosenwasser und mastix (weihrauch) schmecken.
ich mache mal einen spaziergang durch das viertel, michel bleibt lieber sitzen.
am mittwoch liegen bei uns die nerven aber ein wenig blank.
es hieß, es dauere nur zwei stunden, dann sei bulli fahrbereit. dann sind wir nachmittags immer noch da, sollen aber abends wieder auf die straße kommen. und nach verschiedenen probefahrten wird klar, daß sie doch nicht fertig werden und wir eine weitere nacht bleiben müssen.
am donnerstag wird es dann noch schwerer, die ruhe zu bewahren. michel hat aufgehört nach bulli zu schauen und hört per kopfhörer podcasts. ich vergrabe mich in einem buch.
‚der marsianer‘ von andi weir. wir reden nicht mehr, laufen nicht mehr herum, nur ich werfe ab und zu einen blick in die werkstatt und bin erleichtert, als ich höre, das bulli beim spur einstellen ist, danach macht der chef die letzte probefahrt und dann… ist bulli endlich heil!
Baden in heißen Quellen
Den Montagnachmittag und den Dienstag verbringen wir im Thermalbad von Sultaniye. Der kürzere Weg nach Sultaniye führt über den Ort Dalyan und per Fähre über den gleichnamigen Fluss.


wegen des herrn auf dem rechten bild muß die kleine fähre noch mal zurück ans ufer. er hatte die ganze zeit dort an der seite gesessen und mit einem anderen mann gequatscht und dabei vergessen, daß er ja mit wollte. wir lachen sehr miteinander darüber.
Die heißen Quellen von Sultaniye liegen am Ufer des Sees, welcher den Fluss speist. Hier kommt fast 40°C heißes, schwefelhaltiges, leicht radioaktives Wasser aus dem Boden und den Felsen. Schon die Römer haben hier Thermen errichtet und gebadet. Der Eintritt kostet nur 1€ (in Worten: einen Euro) pro Tag. Und ein paar römische und osmanische Ruinen, sowie ein Schlammbad sind im Preis mit drin. In Deutschland wäre das hier nicht zu bezahlen.






Die Preise für Hamburger, Pommes und Getränke sind auch zivil, so dass wir uns an beiden Tagen einen Imbiss gönnen.
Am zweiten Tag sind mittags ein paar Boote aus Dalyan da, die Touristen zum Baden hierher schippern. In der Hochsaison ist das hier vermutlich nicht mehr wirklich gemütlich, da laut und überlaufen.
Todesstrafe in Israel
Jetzt EU-Handelabkommen aussetzen!
So heißt die aktuelle Kampagne von Amnesty-International! Zur Begründung schreiben sie:
„Das israelische Parlament hat am 30. März 2026 das Gesetz zur Ausweitung der Todesstrafe verabschiedet. Dieses Gesetz ist zutiefst diskriminierend, da es die Todesstrafe im Grunde ausschließlich für Palästinenser*innen vorsieht. Es verstößt gegen mehrere menschenrechtliche Abkommen.
https://www.amnesty.de
Erneut überschreitet Israel damit eine „rote Linie“ – nach zehntausenden von getöteten Palästinenser*innen in Gaza, dem Aushungern der dortigen Bevölkerung, der Fortsetzung der illegalen Besatzung des Westjordanlands, dem Vorantreiben der de-facto Annexion und der aktuellen Vertreibung von hunderttausenden Menschen aus dem Südlibanon. Doch all das hatte keine spürbaren politischen oder wirtschaftlichen Konsequenzen. Auch in diesem Fall kommen von EU und Bundesregierung bisher nur sorgenvolle Worte. Das reicht nicht!“
Hier der Link zur Kampagne:
Aktion: Todesstrafe in Israel – jetzt EU-Handelsabkommen aussetzen!
