Seekajaktour

15.-20. März
Leider haben wir unseren heiß geliebten Plünnkahn nicht mit. Unser zweisitziges, seetüchtiges Klepper-Faltboot, dessen Skelett zum größten Teil noch aus den 50er Jahren ist. Im Bulli ist einfach kein Platz! – Also mieten wir uns in Kas für 6 Tage zwei Seekajaks.

Wir bekommen zwei Tsumami-Seekajaks samt aller Ausrüstung (Paddel, Rettungsleinen, Lenzpumpe, Spritzdecken, Schwimmweste) und (wie bina schon schrieb) eine gute Einführung in das Seegebiet. Wir wollen von Kas nach Kekova paddeln. Im Prinzip sind das 3 Tage hin und 3 Tage zurück. Aber wir haben deutlich schlechteres Wetter als im Hochsommer. Am ersten Tag weht der Wind mit 18 km/h (und das an Land, nicht auf See). Wir haben uns leider sehr windige Tage ausgesucht. Normal sind hier oft so um die 3km/h.

Trotzdem geht der Tag gut los. Das Meer an der Einsetzstelle ist ruhig, weil es in einer windgeschützten Bucht innerhalb einer Bucht liegt. Wir haben am Anfang etwas Probleme, die Steuerung richtig einzustellen. Aber mit etwas Geduld klappt das dann auch.

erst mal habe ich erhebliche startschwierigkeiten. die spritzdecke krieg ich nicht angezogen, das ruder will nicht, das lenkseil reißt und michel muß improvisieren. beim ein-und aussteigen brauche ich unterstützung. das nervt uns beide und ich hab eigentlich schon keine lust mehr. aber sitze ich erst mal in meinem kleinen boot und tauche die paddel gleichmäßig rechts und links ins blaue meer, ist alles in ordnung und das leben wieder schön.

Das Problem kommt, in dem Moment, wo wir die schützende Landzunge an einer schmalen Stelle übertragen und aufs „echte“ Meer kommen. Die Wind ist stark, die Böen stärker. Die Dünungswellen sind so hoch, dass wir in den Tälern verschwinden. Aber sie sind harmlos, sie kommen langsam, heben einen sanft hoch und setzen einen sanft wieder ab. Die kleineren kabbeligen Wellen sind das Problem. Ich entscheide schnell, dass wir die weite Bucht von Kas nur queren und auf der andere Seite in einer kleiner geschützteren Bucht einlaufen. Aber die Querung verlangt uns alles ab.

Als wir auf der anderen Seite eine Pause auf der noch unbenutzten Terrasse eines Ausflugslokals machen, sieht man bina an, wie abgekämpft sie ist:

Wir bleiben dann den Tag in der Bucht. Fahren noch ein wenig rum, um die Bucht zu erkunden, einen brauchbaren Übernachtungsstrand zu finden und ein wenig zu trainieren.

danach klappt auch der ein-und ausstieg ohne hilfe und ich kriege auch die spritzdecke selbst angezogen.

Der Strand gehört zu einem Restaurant-, Bungalow-, Camping-Betrieb und war sogar noch besser, als erhofft. Als der Inhaber mitbekam, dass wir dort übernachten wollen, hat er uns nicht etwa (wie befürchtet) verjagt, sondern uns als Gäste in eines der Bungalow-Zimmer eingeladen. Gratis! Einfach aus Gastfreundschaft!

ich bin froh, daß wir nur bis zur nächsten bucht paddeln. und dort sogar das kleine zwei-bett-kabuff benutzen dürfen statt am strand zu schlafen.
das bett ist ungewohnt. nach so vielen nächten im bulli, wo links michel liegt und rechts die wand ist, hab ich tatsächlich angst, rauszufallen. ich schlafe auch automatisch gefährlich nah an der kante.

Am nächsten Tag stehen wir mit Sonnenaufgang auf. Weil der Wind morgens früh schwächer ist. Doch je weiter wir aus der inneren und der äußeren Bucht kommen, desto deutlicher wird, dass „schwächer“ eine relative Aussage ist. Und die Küste besteht hier fast durchgehend aus Felsen die senkrecht ins Meer abfallen. Kilometerweit kein Strandabschnitt. Wenn einer von uns kentert, gibt es keine Möglichkeit, an Land zu kommen. Dann hilft nur Seekajakrettung, wie wir es im Kurs gelernt haben. Zum Glück liegen die Boote trotz allem Gekabbel der Wellen, wirklich gut im Wasser.

Wir fahren trotzdem eine Bucht weniger weit als geplant. Was wir vorfinden, ist ein kleines Paradies, oder eine Müllkippe. Je nachdem wie man hinschaut!

Das Paradies:

Die Müllkippe:

Am Dritten Tag fahren wir weiter bis zu einer Bucht mit Strand und Campingplatz. Danach käme das am weitesten ins Meer hinausragende Kap der Gegend. Vor den Wind- und Wellenbedingungen vor diesem Kapp hatte Alkan von Amber-Tours uns ausdrücklich gewarnt. Wir beschließen, abenteuerlustig aber nicht lebensmüde zu sein, und verzichten auf die Umfahrung. Ich gehe los, um den Bulli aus Kas zu holen. Das geht schneller als erwartet. Denn meine Erfahrungen von 1990 gelten immer noch: Zum Autostoppfahren ist die Türkei ist das beste Land der Welt. Es nimmt mich zweimal das erste(!) Auto mit, das vorbeikommt.

Der Securitymensch vom Campingplatz sagt zwar zunächst, dass er das Tor nicht aufmachen darf, damit wir Bulli reinfahren können. Als er dann aber sieht, dass wir die Kajaks die etwa 400m zum Bulli tragen wollen, hat er doch ein weiches Herz.

Auf dem Weg vom Campingplatz zur Hauptstraße stirbt bina tausend Tode. Das Auto ist mit den Kajaks hinten drin überladen, der Weg steil und eher offroad als Straße. Einmal drehen die Reifen durch und schleudern einen Steinhagel nach hinten und gegen das Unterbodenblech des Autos. Aber irgendwann sind wir heil oben.

Wir fahren mit dem Bulli nach Kaleücagiz, dem Hafen gegenüber der Insel Kekova. Das Meer gleicht hier eher einem Binnensee. Im Ort selber gibt es keinen kostenlosen Parkplätze, aber zwei Kilometer weiter ist ein öffentliches Werftgelände. Hier können wir direkt am Wasser stehen:

Am späten Nachmittag paddeln wir noch in den Ort, um einzukaufen und an der Marina den St. Patricks Day zu feiern:

Der nächste Tag ist komplett verregnet und wir muckeln uns glücklich, gemütlich im Bulli ein.

Auf Regen folgt dann, wie es sich gehört, Sonne! Das Paddeln zur Insel rüber, um kleinere Inseln herum und überhaupt macht Freude!

Auf einer der kleinen Inseln, die alle voll mit antiken lykischen Ruinen sind, wohnt eine Ziege:

Die versunkene Stadt stellt sich (wie befürchtet) als recht unspektakulär heraus. Ja, die Insel ist ein wenig abgesackt und deshalb stehen die Grundmauern der antiken Hafengebäude einige Dezimeter unter Wasser. Von den Anbietern der Bootstouren wird es aber verkauft, als wäre es Atlantis.

aber was für riesige quallen unter wasser zu sehen sind. und die fische, die sich mit gekonntem sprung aus dem wasser vor fressfeinden schützen. manchmal flitschen sie auch über die oberfläche wie flitschesteine.

Dafür ist die Sandbucht am Ende der Ruinenstadt großartig! Wie man auf dem letzten Bild sieht, ist es sogar warm genug zum Baden!

simena besuchen wir anschließend nur kurz. es soll ein städtchen sein, das man entweder nur per boot oder zu fuß erreichen kann. das stimmt nun leider nicht so ganz. autos kommen ohne weiteres bis an den stadtrand oben an der burg, die über dem ort thront. wir laufen ein bischen durch die durchaus niedlichen gassen und sind dann aber glücklich, wieder weiterpaddeln zu können.

Am letzten Tag packen wir die Kajaks und alle Ausrüstung wieder in den Bulli. (Ja, die Kayaks ragen hinten aus der offenen Heckklappe raus.) Und bringen alles zurück nach Kas.