26 märz-29. märz 2026
weiter gehts richtung westen. immer auf der D 400.
immer noch wechselt diese straße zwischen vierspuriger autobahn und besserer landstraße. mal geht es bergauf/bergab, mal stumpf durch den felsen hindurch. am wasser entlang oder weiter nördlich durch hügelige waldlandschaft. hin und wieder kommt ein dorf, ein städchen.
so landen wir in göcek (auch mit häckchen unter dem c geschrieben), einem ort am meer. dort hoffen wir, wieder ein kanu oder kajak mieten zu können.
aber schon nach kurzem gang am hafen entlang kriegen wir einen rappel. so viel geld, so ein reichtum. die schiffe an den stegen wechseln zwischen luxusyacht und katamaran. darunter gibt es nichts. hier werden wir garantiert nichts mit kajak leihen und fahren weiter.
Es ist wirklich schade dass es hier keine Kajaks zu leihen gibt. Denn das Meer vor Göcek ist durch eine weite Bucht relativ ruhig. Und in dieser Bucht liegen Inseln mit schönen Sandstränden, die es wert wären erpaddelt zu werden.
dalyan
so heißt der nächste ort. hier bleiben wir ganz bestimmt, denn es gibt felsengräber zu bestaunen. auf dem foto sehen sie ein bisschen aus wie die gebäude in petra.


Leider scheint man die Felsengräber nicht besichtigen zu können. Die Klettertour würde uns reizen.
wir finden einen anbieter von geführten kajak-touren und sind ziemlich sicher, daß wir auch so kajaks privat mieten können. aber wir ernten ein völlig entgeistertes gesicht bei dem menschen im büro.
nein, das machen sie nicht. auf gar keinen fall. zu gefährlich wegen der vielen ausflugsboote. die mieter/innen hätten keine erfahrung, würden sich, die boote und auch die tiere in gefahr bringen. die erfahrungen damit seien zu schlecht.
wir ziehen enttäuscht wieder ab. später auf unseren wegen durch die gegend müssen wir zugeben: diese haltung ist nicht die schlechteste. in erinnerung daran, was unerfahrene paddler auf der alster und der altmühl anrichten, wie sie kreuz und quer und in die schilfgürtel fahren, kentern und müll hinterlassen, müssen wir zugeben: die entscheidung ist richtig.
die ufer des sees und deltas sind mit schilf gesäumt,es summt und brummt, flötet und pfeift. und wir möchten uns hier nicht in der hochsaison die paddlerhorden ausmalen.
dalyan ist dennoch mehr als reizvoll.
auch wieder ganz auf touristen eingestellt, aber entspannt und überschaubar. am hafen liegen die ausflugsschiffe dicht an dicht. sie fahren auf festen routen durch das flußdelta oder zum schildkrötenstrand oder nach sultaniye zu den heißen quellen.
aber davon später.
wir genemigen uns ein bier in einer netten bar und parken am nachmittag direkt unter den berühmten felsengräbern am wasser. dorthin kommt man über schmale straßen mit geschäften und restaurants rechts und links. noch darf man hier fahren. in der hochsaison ist das alles fußgängerzone. und wieder wirkt bullis niedlichkeitsfaktor, denn niemand hat etwas dagegen, daß wir hier nächtigen.
tagsüber kommen die touristen an die promenade, die katzen warten auf futter oder schmuseeinheiten. eine kommt in den bulli, macht es sich auf dem beifahrersitz gemütlich und hält schönheitsschlaf.



abends treffen sich jugendliche an der mauer, die gräber sind hübsch beleuchtet und wir haben morgens wieder mal einen tollen platz zum frühstücken.
wir fahren nach itzuzu zum strand .
wenn es nicht noch so kühl und windig wäre könnte man denken: südsee pur.
einsam (noch), weicher sand, flaches wasser, endlos lang und rechts und links bewaldete berge. wir stellen uns neben das expeditionsmobil von n. und f., die mit ihren kindern auch ein jahr lang unterwegs sind. wir haben zusammen einen netten nachmittag.
das wasser ist so warm, daß auch ich mich hineintraue.


an diesen strand kommen schildkröten zur eiablage und hier wird wirklich auf sie aufgepasst.
es gibt EIN restaurant an unserem ende des strandes, geöffnet ist er nur von 9 -19 uhr, man kommt auf EINER straße mit dem auto an EIN ende oder mit einem boot-bus von dalyan, das einen abends wieder zurück fährt. hotels, unnötige lichtquellen? fehlanzeige. die stangen für sonnenschirme stehen auch nur an unserer seite. und hunde am strand sind strikt verboten
ein krankenhaus für schildkröten
acht schildkröten leben hier momentan. carretta caretta natürlich aber auch eine grüne meeresschildkröte. hier werden verletzte tiere behandelt, operiert, aufgepäppelt. auch beschädigte eier werden hier repariert und notfalls ausgebrütet.
eine ist schon seit sieben jahren hier. sie hat irgendein neurologisches problem. keiner weiß, welches. sie weiß nicht, daß sie zum fressen auf den beckengrund tauchen muß. deshalb wurde ihr eine stange auf den panzer geklebt, damit man sie hinunterdrücken kann.

wenn die schildkröten gelernt haben zum fressen auf den grund zu tauchen, sind sie bereit zum auswildern. drei von ihnen werden wohl in den nächsten wochen frei gelassen.
das hauptproblem für sie ist im meer tatsächlich der plastikmüll. wir schrieben darüber ja schon im letzten reiseblog. der wird für quallen gehalten und gefressen. so passiert es, daß die tiere den magen voll haben und elendig verhungern.
verletzungen durch schiffschrauben sind nicht minder dramatisch. einem tier haben sie erfolgreich ein 3-d-gedrucktes kiefernteil-implantat eingesetzt, mit dem es hoffentlich noch durch die meere schwimmt.
dazu kommen schleppnetze und verbaute strände.

diese kleine maus hier wird demnächst entlassen:

ihre gelege haben auch ein problem. je wärmer es ist, desto mehr weibchen und weniger männchen kommen zur welt. und von tausend tieren ereicht grade mal eines das geschlechtsfähige alter. der rest ist fisch- und vogelfutter. denn die finden babyschidkröten sehr lecker. da stellt sich wieder die frage: warum gibt es sie überhaupt noch?
so sieht ein gelege aus. wenn die schildkröten zur eiablage am strand waren, bekommen die stellen einen korb auf den sand gestellt .

aber wenn sie dann nach dem schlüpfen glücklich das wasser erreicht haben, nicht gefressen wurde und geschlechtsreif sind, legen sie tausende von kilometern in den meeren zurück, bevor sie alle 2-3 jahre zu ihrem geburtsstrand zurück kehren, um ihrerseits eier abzulegen.
freigelassene schildkröten werden mit einem tracker versehen und man kann an einem display nachvollziehen, wo sie sich herumgetrieben haben.
am nachmittag kommt kräftiger wind auf, wir erwarten auch regen, der strand wird geschlossen und so fahren wir zurück nach dalyan.
leider mit einem zwischenstop am straßenrand.
unter dem bulli fängt es an massiv zu klappern. und beim drunterschauen kann michel es nicht glauben:
die werkstatt in nicosia hat das unterbodenblech nicht richtig montiert.
die hatten ja die löcher aufgebohrt, damit vernünftige schrauben hineinpassen und das ist wohl schief gegangen. eine schraube hatte kein gewinde, in das sie greifen konnte, das andere ende war mit kabelbindern fixiert und jetzt hatte sich das blech gelöst und schlug bei jeder bodenunebenheit. also spielt michel wieder mcgyver, diesmal muß ein stück seiner alten flipflops als dämpfer herhalten.
aber die landschaft ist herrlich.


beobachtungsschniepsel:
- die produktion der italienischen ape (dreirädriges lastenmofa mit dach) ist ja schon lange eingestellt. hier ist die türkische variante immer noch zu sehen.
- steht man irgendwo in der landschaft, wie in ölüdeniz, ist garantiert in der dämmerung ein käuzchen zu hören.
Dalyan ist wirklich Großartig. Ursprünglich sollte an dem langen Sandstrand, der das Delta vom Meer trennt eine Touristen-Bettenburg mit mehreren Tausend Betten entstehen. Umweltschützer haben das mit einer groß angelegten Kampagne und Sitzblockaden verhindert. Damit war Dalyan dann aber (leider) auch bekannt und die Touristen kamen. Aber es ist ein zweites Wunder geschehen: Der Ort Dalyan ist zwar gewachsen, weil alle aus und angebaut haben, aber es kam zu keinen massiven Touristenbunker-Bausünden. Und die Einheimischen scheinen wirklich verstanden zu haben, dass die Schildkröten und die Natur, in der sie leben, ihr Kapital sind. Im Sommer fahren Boote wie Busse von Dalyan durch das Delta zum Traumstrand. So haben die Einheimischen Arbeit. Es braucht keine riesigen Zufahrtsstraßen und Parkplätze. Und es wird darauf geachtet, dass alles sauber bleibt und die Touristen nachts (wenn die Schildkröten kommen) wieder weg sind. Auch das Delta selbst ist eine ökologischer Schatz. Mehr als 150 Vogelarten leben hier. Wir haben das alles nur vom Rand gesehen. Und das ist gut so!
Für die Meeresschildkröten sehe ich insgesamt langfristig schwarz. Es sind zu viele menschliche Umweltsünden, die sie jede einzeln alleine ausrotten könnten. Die Klimaerwärmung, wegen der es weniger (vielleicht bald keine) Männchen mehr gibt. Der Tourismus, der ihnen die Sandstrände nimmt. Der Plastikmüll im Meer, den sie fressen, und der sie ersticken lässt. Der Meeresspiegelanstieg, durch den die Strände verschwinden. Die Schiffsschrauben und Speedboote, die sie zerhäckseln. – Schön zu sehen, dass hier lokal und derzeit mit den Schildkröten aufwärts geht. Aber global und langfristig? 🙁
