Radtour durch Odessa

Fr. 17. April
Der Nacht war irritierend ruhig. Es gab nur einen einzigen Sirenenalarm und die einsame Drohne wurde offensichtlich schon weit außerhalb der Stadt abgeschossen. Und auch den gesamten Tag über wird es friedlich bleiben. Vermutlich haben die Russen bei ihrem Großangriff vorletzte Nacht alles rausgeschossen, was sie da hatten, und müssen jetzt erst mal auf Nachschub warten. Das Wetter ist großartig, und wir beschließen, die Stadt per Fahrrad zu erkunden.

Odessa ist die Ukrainische Katzenhauptstadt (dazu im nächsten Beitrag mehr). Neben lebenden Katzen und Katzenstatuen in Lebensgröße gibt es auch jede Menge Katzengraffiti. Dieses hier mussten aus hoffentlich offensichtlichen Gründen photographieren.

Odessa hat auch außerhalb der Unseco-Weltkulturerbe-Innenstadt, sehr viele schöne Straßen:

Wir schrieben ja, dass das Fehlen von Checkpoints, Militär und Panzersperren in der Stadt auffällig ist. Auf unserer Radtour sehen wir nur ein einziges Mal einige bereit gestellte Panzersperren, die vermutlich noch vom Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 übrig sind und seitdem hier rumstehen.

In der Nähe des Bahnhofs suchen wir nach einer der Agenturen, die früher (in Friedenszeiten) Führungen durch die Katakomben Odessas angeboten haben. Leider existieren sie mangels Touristen nicht mehr. Einer der Guides ist im Krieg gestorben.Die Katakomben Odessas sind die größten der Welt. Größer als Paris und Rom zusammen. Man schätzt ihre Gesamtlänge auf insgesamt etwa 2.500 km. Es gibt Eingänge die fast 20km vom Stadtzentrum entfernt liegen. Und der deutsche Wehrmacht ist es im zweiten Weltkrieg nicht annähernd gelungen die Partisanen aus dem mehrstöckigen Labyrinth zu vertreiben.

Dafür finden wir unter anderem einen schönen Boulevard, mit einem Park als Mittelstreifen.

Die Häuser sind oft wirklich prächtig! Und selbst bei den hohen Mietskasernen hat man sich oft Mühe gegen, und nicht einfach seelenlose Betonklötze hochgezogen.

Vom Bahnhof wäre es eigentlich nur ein Katzensprung zum Stadtstrand, wenn wir uns nicht verfahren würden. Aber in diesem Fall gibt es keine falschen Wege, es gibt nur zu entdeckende Ecken. Odessas Stadtstrand ist großartig: lang, feiner Sandstrand, flaches Meer, Promenade, Cafes, Kneipen und Läden. Uns hat es besonders ein sehr kreativer Wasserspielplatz mit Kletterfelsen angetan. Hier gönnen wir uns einen Imbiss. Was hier im Sommer los sein muß!

Auf der Promenade oberhalb des Strands sehen wir auch auch mehrere „Technical“ – Pickups mit großen Maschinengewehren. Sie gehören zur mehrfach gestaffelten Luftverteidigung und holen (vor allem nachts) die russischen Shahed-Drohnen vom Himmel.

Neben einem Noberestaurants sammelt eine Freiwillige Spenden für mobile OP-Räume für die Front. Als Anschauungsmaterial hat sie eine nicht explodierte russische Kamikazedrohne dabei.

Die Skulptur „Haus der Sonne“, stellt die Tür dar, durch den jeden Morgen die Sonne in die Stadt kommt. Sie scheint einer der heißesten Photospots der Stadt zu sein, den es standen mehrere Frauen an, um sich in der Tür photographieren zu lassen. Bina wollte kein Standardbild haben und hat sich als einzige nicht malerisch in den Rahmen gelehnt.

bina versucht ein bisschen wie der Grinch zu gucken. hm…. funktioniert nicht…..

Deutlich mehr Vergnügen hat sie an dem öffentlichen, aber leider verstimmten Klavier, das im „Istanbuler Park“, gleich neben der Potemkinschen Treppe steht.

Die Oper hatten wir zwar schon photograhiert, aber keine so schöne Außenansicht, wie hier.

Der Humor von Odessa

Odessa ist in der Ukraine für seinen Humor bekannt. Er ist oft sarkastisch und dem jüdischen Humor sehr ähnlich. Was aufgrund des historischen (aber auch heute noch) hohen jüdischen Bevölkerungsanteils der Stadt logisch erscheint;
„Wird meine Pechsträhne denn niemals aufhören?“ – „Doch, natürlich wird sie das! Du bist ja nicht unsterblich.“

Ein von uns selbst erlebtes Beispiel ist: „Darf man hier umsonst parken?“ – „Ja, das Parken ist hier umsonst! [Kurze Pause…] Aber manchmal kommt die Polizei und schreibt einen auf, dann muss man was zahlen.“
Da passt eine Wand mit thematisch eindeutigen Karikaturen gut ins Bild. Hier eine kleine Auswahl.

Auf dem Heimweg fällt uns ein, dass wir die ukrainischen Fahnen, die wir überall sehen, im Lichtbild dokumentieren sollten. Es ist eindeutig, dass die Beflaggung nicht vom Staat, von oben angeordnet wurde, sondern dass die Menschen das von sich aus machen.