Katzensafari in Odessa

18. April
Odessa ist die Katzenhauptstadt der Ukraine. Das macht sich nicht nur an Katzenschlafkisten und gut genährten Katzen bemerkbar, sondern auch an über die ganze Stadt zu findenden Katzengraffiti und lebensgroßen Katzenskulpturen. Heute suchen wir mit Hilfe einer im Netz gefundenen Karte nach Katzenskulpturen.

Unser Startpunkt ist der „Neue Markt“, eine große Markthalle, in der vor allem Fisch, Fleisch und Milchprodukte verkauft werden, und einem dahinter liegenden orientalische anmutenden Basar, in dem es gefühlt alles gibt. (Und wo wir uns eine neue Spülbürste nebst Schwämme zulegen.

Die Katzenskulpturen

Die Katzenskulpturen passen jeweils zu dem Ort, an dem sie sich befinden. Hier einige Beispiele:

Unsere Katzensafari führt uns nicht nur an die Orte, die nach dem Krieg Touristenhotspots sein werden, sondern auch durch abgelegene Straßenzüge, deren Schönheit zu entdecken eben so viel Vergnügen macht. Wir können uns an den schönen Häusern und Straßenzügen nicht sattsehen.

Selbst bei Neubauten hat man sich erstaunlich oft sichtlich Mühe gegeben. Hier hat ein neues Mietshaus in Farbe und Ornament dem daneben stehenden Altbau angepasst. In Hamburg hätte man eine seelenlose Abscheulichkeit ohne Bezug zu ihrer Umgebung daneben gesetzt.

Dieses Postamt war leider geschlossen. Wir hätten sonst versucht „eine eine Mark Marke“ zu kaufen. (taz-Leser*innen verstehen mehr!)

Jeder in Odessa kennt das „Haus mit einer Wand“. Es ist keine Kulisse, sondern eine optische Täuschung. Es ist dreieckig, und sieht aus dem richtigen Winkel so aus, als hätte es nur eine Wand.

Odessa ist wirklich lebenswert. Wozu auch die vielen Kneipen, Cafes und Parks beitragen.

hier gibt es leckersten käsekuchen!

In einem der Parks befindet sich diese lange Gedenkallee, für die Söhne der Stadt, die seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ihr Leben an der Front verloren haben.

In einem anderen Park findet geraten wir in ein Tauschpicknick von „Niafaris“. Das ist hier der selbst gewählte Sammelbegriff all derer, die nicht normal sind: Gothics, Autisten, Queere, Neurodiverse. Ihr gemeinsamer Bezugspunkt ist das Buch „The Gray House“ von Mariam Petrosyan, das es leider noch nicht in deutscher Übersetzung gibt.

Wir heben den Altersschnitt zwar enorm, aber seltsam, wie wir sind, werden wir sofort eingebunden. Insbesondere Sasha, nimmt uns an die Hand, führt uns herum und erklärt uns alles.

Das Gespräch geht über alles. Odessa, die Ukraine, Lebensentwürfe, unser Sabbatjahr. „Was machst du nachts bei Fliegeralarm?“ – „Meist im Bett liegen und hoffen, dass ich kein Pech habe.“
Interessant ist, dass die jungen Leute sich aufgrund des kolonialen Krieges und der Russischen Besatzung eines Teils ihres Landes, stark mit den Palästinensern identifizieren. Insbesondere Sascha ist das wichtig. Sie hat Familie in Tel Aviv und ihre Großmutter mütterlicherseits lebt in Eilat. – Zum Abschied schenkt bina ihr ihre Kufiye aus Hebron.

vorher habe ich allerdings auch geschenke bekommen.
ich finde ein schönes notizbuch, welches ich gern hätte und sasha schenkt mir ein buch von ihrem stand, damit ich etwas zum tauschen habe. es klappt auch sofort und wir beide freuen uns gemeinsam. ihr kleiner katzensticker, den sie mir gab, klebt jetzt auf meinem computer. ein anderes mädchen kommt mit einem selbst geknüpften freundschaftsband in den ukrainischen farben an, das sie mir ums handgelenk knotet.

seelenzustand

tagsüber fühlt sich diese stadt mit auffallend vielen jungen menschen an, als gäbe es keinen krieg. die sonne scheint, wir genießen mit den odessi (ich meine gehört zu haben, daß sich die einwohner von odessa so selbst nennen) den frühling. das essen schmeckt. das bier ebenso. die regale in den läden sind voll. es mangelt an nichts.
es fällt allerdings auf, daß auf den straßen viel mehr frauen als männer unterwegs sind, und wir sehr häufig kriegsversehrte männer sehen. zum ersten mal nehmen wir auch das wort ‚invalide‘ in den mund.
dann kommt der abend und es wird sehr schnell sehr still um uns herum. es steigt ein unbestimmtes unwohlsein im magen hoch mit der frage: wie wird die nacht? wie viele drohnen/raketen werden heute was treffen? wir stehen an einem park auf einem parkplatz in der hintersten ecke. keine wichtige infrastuktur um uns herum, die nächsten hochhäuser zwar in sichtweite, aber weit entfernt. wir sind außerhalb der gefahrenzone.
wir halten die ohren gespitzt. ist dies geräusch ein mofa auf der straße oder eine shahed-drohne am himmel? erleichterung, daß es wirklich nur ein mofa ist.
auch die straßenbahn rattert manchmal um die kurve, was wie eine FLAK klingt. und das pfleifgeräusch, das ich manchmal höre und lange nicht einordnen kann, ist eine straßenkehrmaschine, die früh morgens herum fährt.
aber dann kommt wirklich luftalarm und das unwohlsein im magen wird stärker. wie dicht oder wie nah ist es, was kommt hinterher? einmal ist es tatsächlich eine drohne auf dem weg zum hafen. einmal donnert es tatsächlich lauter als normal und der feuerschein, den wir sehen ist weit entfernt, aber nicht ohne.
die erleichterung ist groß, wenn, was manchmal vorkommt, kein donnern und keine FLAK zu hören ist, und alles still bleibt. trotzdem fällt das einschlafen anschließend schwerer.
ich bin oft mehr als dünnhäutig, den tränen nahe und kann mich nicht entscheiden:
will ich jetzt so schnell wie möglich hier weg, oder will ich diese stadt noch genießen?
am morgen scheint dann wieder die sonne, wir haben pläne und es gibt tolle dinge zu erleben.
es kommt ein bisschen wut auf: warum bitte kann nicht frieden herrschen?
wir wollen diese stadt in friedenszeiten erleben.
ich möchte wieder kommen, aber ohne diese ständigen alarme.
nach dem krieg um 4.00 (würde jetzt der brave soldat schwejk sagen.)

Amnesty International:
EU-Israel-Abkommen aussetzen!

„Zwischen der Europäischen Union und Israel gibt es einen Vertrag, durch den unter anderem der Handel erleichtert werden soll – das EU-Israel-Assoziierungsabkommen. Damit gewährt die EU israelischen Firmen Privilegien wie niedrige Zölle und andere Handelserleichterungen.

Gleichzeitig hat Israel sich damit auch zur Achtung der Menschenrechte und des Völkerrechts verpflichtet. Tut Israel das nicht, kann die EU das Abkommen aussetzen. Wenn sie ihren Rechtsgrundsätzen treu bleiben will, muss sie das sogar.“

Mehr dazu, sowie die Möglichkeit Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul über ein Formular eine entsprechende Email zu schreiben gibt es hier auf der Seite von:
www.amnesty.de

Europäische Bürgerinitiative:
„Aussetzung des Assoziierungsabkommens“

Das selbe Ziel hat die Europäsche Bürgerinitiative „Justice for Palestine – Stop EU trade with criminals“.

Eine Europäische Bürgerinitiative ist ein Art offizielle Petition. Durch sie können wir Bürger erzwingen, dass sich die Europäische Kommission sich mit einem bestimmten Thema befasst.

Hier der Link zum Unterzeichnen der Europäischen Bürgerinitative (mit Begründung):
Wir fordern angesichts Israels Menschenrechtsverletzungen die vollständige Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel

Und hier der Wikipedia-Artikel dazu, was eine Europäische Bürgerinitiative ist:
de.wikipedia.org