Yom Kippur

Donnerstag, 2.okt.

die ganze stadt ist still. kein laden ist geöffnet, kein bus oder privatauto fährt. in einer stadt, in der der verkehrsinfarkt allgegenwärtig ist und es vor menschen nur so wimmelt, hört man die vögel singen. der größte spaß, besonders für die kinder, ist auf der straße rad fahren zu können und die erwachsenen haben sich stühle auf den asphalt gestellt und verbringen den tag im schatten.

häufiger als sonst kacheln krankenwägen an ihnen vorbei. an yom kippur wird vorzugweise weiß getragen und weder gegessen noch getrunken, 25 stunden lang (von abenddämmerung zu abenddämmerung). bei der hitze halten wir das für fatal und so manche/r wird kollabiert sein.

Die Straßen sind heute Spazierwege: Sitzecken für Nachbarschaften und Radrennstrecken für Kinder.
auch wir machen einen kleinen spaziergang zur autobahn, auf der sonst auto an auto mehr steht als fährt
Auf dem Ayalon-Highway ist sonst immer Rush-Hour. Er ist Israels wichtigste Nord-Süd-Verbindung, Verkehrsknotenpunkt und Tel-Avivs wichtigste innerstädtische „Schnell“straße in einem.

und im park spielen indische männer cricket.

bemerkenswert fanden wir gestern noch die hausführung.
wir in deutschland zeigen unseren gästen bei einer haus- oder wohnungsführung als erstes die toilette bzw. bad und ihr zimmer.

hier ist es wichtig, den gästen zuerst den sicheren raum in der wohnung zu zeigen und zu erklären, wie er geschlossen wird. dort hinein sollen wir gehen, wenn es raketenalarm gibt. der raum liegt im inneren des hauses. eine massive tür soll schützen und die wände, decke und boden sind verstärkt. ansonsten ist dieser raum zur abstellkammer mit einem regal voller lebensmittel umfunktioniert. ok, es gibt ein paar sitzgelegenheiten.

ich erstaune mich, wie selbstverständlich für mich ist, zu hören, dass es vielleicht 1x wöchentlich alarm gibt. ist halt so, nicht? … aber ich hoffe doch, daß ich das nicht erleben muß.

An Yom Kippur ist es so ruhig und „friedlich“, dass wir abends auf dem Balkon sogar ganz leise Explosionen aus Gaza hören können. Ein unspektakuläres Geräusch, das bei normalem Großstadtlärm keine Chance hätte. – Nur weil Dan es mir erklärt, erkenne ich den leisen Knall in der Ferne als das, was er ist.