Tour mit Vizekonsul

Sonntag, 7. Dezember 2025

Regelmäßig haben wir internationale Delegationen hier bei uns im Sumud-Zentrum zu Besuch. Meist sind wir der letzter Stopp auf ihrer Tour durch Hebrons Geisterstadt mit Breaking the Silence. Am Sonntag gab es einen (aus unserer Sicht) besonders wichtigen Besuch. Dass das deutsche Konsulat in Ramallah und die Deutsche Botschaft in Tel Aviv in unserer Sache hervorragende Arbeit leisten, haben wir ja schon mehrfach erwähnt. Jetzt kommt sogar der Vizekonsul zu Solidaritätsbesuch. (Er würde seinen Besuch sicher anders beschreiben – diplomatischer.)

Wir treffen ihn mit einem Tourguide von Breaking the Silence an der Machpela.

Von links nach rechts: der Deutsche Vizekonsul, der Tourguide von Breaking the Silence und die Frau des Vizekonsuls. Die Frau eines dänischen Diplomaten ist vom Vizekonzul ganz verdeckt und bina von seiner Frau halb.

Aufgrund des diplomatischen Schutzes können wir das erste Mal, seit wir hier sind, gemütlich durch die Geisterstadt schlendern, beobachten und Photos machen. Das folgende Bild wollte ich auch vorher schon machen, aber es wurde durch die Soldaten unterbunden.

Dies ist der Weg zum Eingang der Ibrahims-Moschee (hinten im Bild), der Eingang zur Machpela-Synagoge liegt auf der anderen Seite des Gebäudes. Für Juden ist dies eine Sackgasse, in der es nichts gibt. Dennoch dürfen nur Juden die Straße benutzen (zum Parken). Muslime sind auf den schmalen Fußweg links hinter dem Gitter verbannt.

Hier haben wir 2018 noch die letzten offenen Läden in der Geisterstadt vorgefunden. Unter anderem den Laden von Ahbed. Seit dem 7ten Oktober 2023 sind die Läden durch das Militär geschlossen. Sicherheit!
Nicht einmal ihre Waren dürfen die Händler herausholen, um sie woanders zu verkaufen.

Dieses Haus wurde 2016 von illegalen Siedlern besetzt. Die Armee hat sie wieder rausgeschmissen, wie es ihre Aufgabe ist. Als sie 2018 wiederkamen, hat die Armee sie drin gelassen. Die Siedler behaupten, sie hätten das Haus gekauft ohne Belege dafür vorzulegen. Die palästinensische Familie, der das Haus gehört, sagt, sie habe das Haus nie verkauft, und klagt seit 2018 vor Gericht. In der Zwischenzeit wohnen die Siedler darin. Sie haben das Haus um den Anbau mit der glatten Fassade erweitert. Und die Armee passt gut auf sie auf mit einem Wachposten, der jeden kontrolliert, der das noch von Palästinensern bewohnte Nachbarhaus links von ihnen betreten will.

Dass Siedler ein Haus besetzen und behaupten sie hätten es gekauft, obwohl das nicht stimmt, um dann zuzusehen, wie die Palästinenser denen das Haus gehört, sich in der Tretmühle der israelischen Gerichte müde und pleite treten, hat System. Die palästinensische Familie, der das Haus direkt hinter dem Sumud-Zentrum (hinter dem Haus, in dem wir wohnen) gehört, klagt seit 2002 also seit 23 Jahren, um ihr Haus zurück zu bekommen. Sie haben bisher alle Prozesse gewonnen. Insgesamt 7 oder 8 Prozesse (Issa ist sich da nicht ganz sicher.). Aber jedes Mal, wenn sie sich durch alle Instanzen geklagt und höchstrichterlich Recht bekommen haben, taucht ein neuer Siedler auf und sagt, er habe das Haus jetzt gekauft. Und alles geht wieder von vorne los. – Während der ganzen Zeit, also seit 23 Jahren, leben die illegalen Siedler als Hausbesetzer in dem Haus, von Soldaten bewacht, und terrorisieren ihre palästinensischen Nachbarn. Unter anderem Issa!

Dies ist der Markt der Schmiede. Im Jahr 2002 (während der 2ten Intifada) liefen hier Siedler nach der Beerdigung eines von Palästinensern ermordeten Siedlers Amok. Sie zerstörten Geschäfte und ermordeten ein 14-jähriges palästinensisches Mädchen. – Die Folge? Der Rädelsführer der Siedler kam für 3 Monate in Haft und der Markt wurde „sterilisiert“. Das heißt für Palästinenser komplett geschlossen.

Das Haus über dem Tordurchgang (ganz hinten im Bild) ist Issas Geburtshaus. Die Familie besitzt es heute noch, darf es aber seit 2002 nicht mehr betreten. Hinter der Tür rechts wurden Bananen verkauft. Wenn Klein-Issa verschwunden war, hat sein Mutter ihn meist hier wiedergefunden. Issa liebt Bananen – auch heute noch. Er ist ein regelrechtes Bananenmonster!

Dies ist der Gewürzmarkt. Er wurde 1994 geschlossen, nachdem der radikale Siedler Baruch Goldstein während des Ramadan mit seinem Armee-Maschinengewehr die Ibrahims-Moschee betreten, 29 betende Muslime erschossen und mindestens 150 weitere verletzt hat.

Unser Tourguide hält ein Bild hoch, dass wenige Wochen davor an genau dieser Stelle aufgenommen wurde, um uns zu zeigen, wie lebendig diese Straße eigentlich sein müßte.

Um das ganz deutlich zu sagen: Ein illegaler Siedler begeht ein Massaker an Palästinensern und die Palästinenser werden bestraft. Es ist egal, von welcher Seite hier Gewalt ausgeht, am Ende gewinnen die israelischen Siedler Land und die Palästinenser verlieren es.

Die Shuhada Street mit Blick Richtung Tel Rumeida. Oben auf dem Hügel sieht man direkt vor der Siedlung das Sumud-Zentrum (unser Zuhause hier). Es ist das Haus mit dem Blechdach und dem massiven Zaun um die Terrasse zwischen den Oliven.

Eingang zum Fleischmarkt und dahinter die Siedlung „Avraham Avinu“. Der Fleischmarkt wurde geschlossen, weil er zu dicht an der Siedlung lag. Aus Sicherheitsgründen! Anschließend brachen jugendliche Siedler in einige der Läden ein und hatten dort ihre Buden. Dann feierten die Siedler hier Pessach und blieben. Heute ist der ehemalige Fleischmarkt faktisch ein Teil der Siedlung. Das hatte natürlich zu Folge, dass einige weitere palästinensische Häuser, Hinterhöfe, Gassen geräumt und sterilisiert werden mussten. Sicherheit! – Und so wird es weiter gehen…

Auf dem ehemaligen Fleischmarkt finden wir die beiden palästinensischen Esel, von denen wir schon gehört haben. Da die Palästinenser in der Geisterstadt keine Autos fahren dürfen, boten sich Esel zum Lastentransport an. Diese wurden natürlich von den Siedlern geklaut. Sie sind eindeutig identifizierbar. Rechtmäßiger palästinesischer Besitzer und israelischer Dieb sind bekannt. – Aber da die Polizei sich weigert, zu ermitteln, und es hier keinen Rechtsstaat gibt (wie mir ein hochrangiger deutscher Diplomat sagte) behalten die Siedler die Esel einfach. Der Stall ist ein, auch nach israelischem Recht, illegal besetzter Fleischerladen. (Irgendwie konsequent! – Das muss ich zugeben.)

Ich habe es zwar schon mehrfach in diesem Blog geschrieben. Aber es regt mich jedes Mal zur Weißglut auf: Dieser Krankenwagen steht hier immer. Aber er nimmt nur Juden mit. Kranke Palästinenser müssen von ihrer Familie zum Checkpoint getragen werden und dort warten, bis die diensthabenden Soldaten sie durchlassen. (Wie wir es z.B. am 17. Dezember 2017 erlebt und dokumentiert haben.)

Dies ist die Siedlung Beit Romano. Ursprünglich war es der zentrale Busbahnhof der Stadt. 1982 wurde die Fläche dann für die Errichtung einer Militärbasis beschlagnahmt. 1990 zogen 6 Siedlerfamilien mit in die Militärbasis ein. Die Siedler beanspruchten innerhalb der Militärbasis immer mehr Platz. Seit 2010 ist daher der gesamte ehemalige Busbahnhof Siedlung. Die Armee hat jetzt eine neue Basis. Auf dem Bild rechts daneben. (Das rote Nashorn ist das Maskottchen der derzeit hier stationierten Einheit.)

Auf dem Weg den Hügel hoch, kommen wir an „Abrahams Brunnen“ vorbei. Eigentlich ein privater palästinensischer Brunnen, auf privatem palästinensischem Land. Weil die Siedler aber die Legende erzählen, dass Abraham sich hier rituell gewaschen habe, bevor er die Doppelhöhle Machpela vom Hetiterkönig Efron als Begräbnisstätte für seine Familie gekauft hat, ist der Brunnen jetzt natürlich für Palästinenser unzugänglich. – Für die Legende gibt es übrigens im alten Testament/Torah keinen Anhaltspunkt. Aber egal…

Am Ende der Tour sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse des Sumud-Zentrums. Es ist ein sehr sehr produktives Gespräch. Unter anderem hat es eine weitere Protestnote der Deutschen Botschaft in unserer Sache, eine gemeinsame Protestnote der Deutschen und Französischen Konsulate wegen der Angriffe auf Issa und eine offizielle Nachfrage des Vizekonsuls wegen unserer widerrufenen Einreiseerlaubnisse nach Israel (ETA-ILs) zur Folge.

Bericht einer Freundin aus dem Jordantal:

Unsere Freundin Sonja ist eine US-amerikanische Jüdin, die wir bei der versuchten „Mass Solidarity Oliver Harvest“ kennen gelernt haben, und die uns auch hier in Hebron besucht hat.

Sie wurde bei einem Angriff radikaler Siedler auf ein Beduinendorf im Jordantal verletzt und hat darüber diesen sehr guten Bericht ins Netz gestellt, den wir hiermit mit euch teilen wollen:

https://returnandfetchit.substack.com/p/meet-your-local-jewish-terrorists

https://returnandfetchit.substack.com/p/when-jews-in-masks-attack

Cat Content:

Als es während einer Nachtschicht so sehr regnet, dass wir im Bett sitzen bleiben und uns mit dem Beobachten der Überwachungskameras zufrieden geben, nutzt Kater Adam das natürlich aus. Er liegt auf binas Beinen und wird immer länger.

Dit un Dat!

Nachdem der Deutsche Vizekonsul auf Solidaritätsbesuch hier war, hatten wir fast zwei Wochen komplette Ruhe vor Sieder- und Soldatenangriffen. Die Deutsche und Französische Botschaft hatten auf allen diplomatischen Kanälen mächtig Druck gemacht und der hat gewirkt.

Fast zwei Wochen lang flog kein einziger Stein auf das Haus. Vorher gab es keine zwei Tage ohne Steinwürfe in Folge. Erst diesen Samstagabend, dem vorletzten Abend von Chanukka flog wieder einmal ein Stein. Am Nachmittag zuvor war ich von mehreren bewaffneten Siedlern bespuckt worden, als ich ihnen auf dem Weg begegnete. – Aber immerhin nur bespuckt, nicht angegriffen. In solchen Fällen darf man nicht reagieren, sie suchen nur einen Anlass um zu eskalieren. Die Siedler und Soldaten sind offensichtlich wirklich sauer darüber, dass sie auf Ansage von oben nicht machen können, wie sie wollen. – Ein Soldat hat mir mit dem Zielerfassungs-Laser seines MGs ins Gesicht gestrahlt und mit Namen gegrüßt. Ein anderer hat bina photografiert und bekommt jetzt vielleicht Extra-Punkte im Blue-Wolf-System. Wir hören, dass Soldatentrupps über Deutsche reden, wenn sie am Haus vorbeigehen. Inzwischen sind wir also Teil des Briefings für die Soldaten hier.

Ansonsten war die letzte Woche hier das, was man hier wohl als gemütlichen Alltag bezeichnen kann. Wir passen aufs Haus auf, empfangen Besuchsgruppen und Journalist*innen.

Slowenische Journalistin mit Hebron im Hintergrund.

Weil an den Checkpoints aus Sicherheitsgründen fast nichts durchgelassen wird, wird von den Palästinensern fast alles rein geschmuggelt. Jedes Küchenmesser, jede Gasflasche zum Kochen, jedes Möbelstück. Die Totalüberwachung des israelischen Militärs sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vorne an den Checkpoints Sicherheitstheater (die Frauen haben besondere BHs, weil sie sonst wegen der Metallverschlüsse am Checkpoint zum kompletten Ausziehen gezwungen werden), hinten keine Schleichwege, sondern regelrechte Schleichautobahnen.

Rein geschmuggelte Schlafzimmereinrichtung: komplett mit Ehebett, Schrankwand, Nachttischen, Frisiertisch, Kommode, Bank, Bettzeug, großem Spiegel und … (hat nicht alles aufs Bild gepasst).
Drei Italienerinnen, die am Checkpoint nicht durchkamen, machen mit uns einen Umweg im Sammeltaxi und kommen trotzdem rein.

Die Situation ist sogar so entspannt, dass wir mit der Nachbarin Umm Temer und einer Aktivistin, die Arabisch und Englisch spricht, auf den Second-Hand-Markt im Stadteil Karantina gehen. Gleich hinter unserer abgeriegelten Geisterstadt und doch eine andere Welt. Nur am Ende des Marktes, kommt dann leider die Straßensperre der israelischen Armee und erinnert uns an die Realität der Besatzung.

auf diesem markt gibt es buchstäblich alles, was es für einen haushalt braucht.
berge von kleidung, einfach auf dem boden ausgebreitet. umm temer stellt sich einfach mitten hinein, um nach passendem zu suchen.
möbel, werkzeug noch und nöcher. so viele gebrauchte bohrmaschinen, kettensägen, schleifer habe ich noch nie auf einem haufen gesehen.
auch neues werkzeug und haushaltswaren sehen wir. das besteck aus unserem haus kommt von hier.
umm temer kommt aus dem begrüßen und hallo-sagen kaum heraus. verständlich, daß sie diesem Markt für soziale kontakte nutzt, die sie sonst in der einsamkeit ihres hauses nicht hat.
ein junger mann filmt und spricht mit mit der aktivistin für einen live-stream im internet.
wir finden für unsere rückreise zwei mehr als große rucksäcke, in die alles hineinpassen wird, was wir haben. und wir kaufen noch ein paar sachen für die küche, denn ich habe im laufe der wochen einen topf kaputt gemacht. auch eine pfanne, die weniger zerkratzt ist als die vorhandene schadet nicht. sowie werkzeug, denn was wir im haus sehen, ist meist kaputt oder stumpf. mit einer astsäge soldaten zu begegnen ist für uns auch weniger gefährlich als für einen palästinenser. und wir haben ein paar sachen, die wir dem haus zu weihnachten schenken können.
umm temer ist eine knallharte verhandlerin um den preis und das hilft sehr.

später, beim tee in ihrem haus, erzählt sie, das alles aus ihrem wohnzimmer vom secondhand markt kommt.

Hin und wieder hören wir in der Ferne Maschinengewehre oder Granaten. Einmal steigt am Horizont Rauch auf, der keine Müllverbrennung zu sein scheint. Es brennt die ganze Nacht. Ich vermute, ein palästinensisches Haus brennt aus.

Frühstück mit Katze

Auch Mitte Dezember frühstücken wir meist auf der Terrasse und in Katzenbegleitung.

Über’n Jordan

Am 30. Dezember laufen unsere Visa aus. Also ist genau dies der Tag unserer Ausreise. Und zwar über die Allenby-Bridge nach Jordanien. Dort ist die Wahrscheinlichkeit für das volle Programm aus Geheimdienstverhör, Leibesvisitation, genauester Gepäckkontrolle sowie Durchsuchung oder Beschlagnahme von Laptop und Telephon deutlich kleiner als bei der Ausreise über den Flughafen Tel-Aviv.

Abschied

Nach dem letzten Gang in die Stadt empfangen wir die letzten Besucher*innen. Zu unserem Erstaunen kennen wir eine von ihnen. Mit K. zusammen waren wir vor 8 Jahren, in unserem ersten Sabbatjahr, Teil der Internationalen Delegation beim Newroz-Fest (dem kurdischen Neujahrsfest) in Diyarbakir/Amed. Jetzt treffen wir sie in Palästina wieder.

Auch unser Lieblings-Streuner wird verabschiedet. Er wird von den YAS-Aktivisten gefüttert, schläft oft vor der Eingangstür des Sumud-Zentrums und verbellt Soldaten. (Sehr praktisch!)

Das Abschiedsgeschenk der Siedler fliegt über den Zaun und fällt wie zu erwarten aus:

Dafür verabschieden die Aktivisten von YAS uns mit einem Barbecue und Geschenken. Unter anderem einer holzgerahmten Keramikfliese mit einer kaligraphierten Gedichtzeile von Mahmud Darwisch, dem palästinensischen Nationaldichter, und einer kleinen arabischen Kaffeekanne, passend für den Bulli.

was für eine schöne verabschiedung.
umm temer war gestern schon da und hat mir eine flasche schöner handcreme mitgebracht. abu ahbed läßt sich leider entschuldigen, seine tochter ist krank. und abir kommt später, weil er irgendwie im krankenhaus war. es geht ihm sichtlich nicht gut. deshalb gibt es auch kein knefe, was eigentlich vorgesehen war. aber eine packung räucherwerk mit yasminduft.
abu natschi hat uns zwei kleine sträußchen mit künstlichen roten rosen mitgebracht. wir sind auch zutiefst gerührt von den vielen warmen worten, die gesprochen werden.
und wie sorgfältig sie darauf geachtet haben, daß die kleinigkeiten zu uns und in den bulli passsen!
die beiden fellbeutel schlafen auch ein letztes mal bei uns im bett. pappsatt, denn die fleischgaben vom grill fallen reichlich aus.
und die letzte nachtschicht für michel und mich fällt komplett aus.

Geschlossene Checkpoints

Die Reise beginnt mit einer Kletterpartie, weil Checkpoint 56 (Bab Al-Zawia) mindestens den dritten Tag in Folge geschlossen ist.

ehrensache, daß issa uns begleitet und zum auto bringt.

Die Soldaten haben gewechselt, und die neuen Soldaten reißen in fast jeder Schicht die Kabel aus den Computern oder ziehen den Hauptstecker ihres Checkpoints. Dann sagen sie, der Checkpoint sei wegen „Computerausfall“ geschlossen, und warten mehrere Stunden auf den Wartungsdienst. Neu dabei ist, dass sie auch den Weg raus für geschlossen geschlossen erklären. Raus aus der Geisterstadt kam man bisher immer. In diese Richtung gibt es ja keine Kontrolle, nur eine Drehtür wie Zuhause am Ausgang vom Freibad.

Das Ganze ging kurz vor Weihnachten los. Wir wissen, dass „unser“ Checkpoint 56 mindestens am 23ten, 25ten, 28ten, 29ten und 30ten Dezember für jeweils mehrere Stunden geschlossen war. (Über die anderen Tage und anderen Checkpoints haben wir keinen genauen Überblick. Aber es gab noch mehr „Computerausfälle“ an Checkpoints!)

Also schleichen wir uns gemeinsam mit einigen Studentinnen, die auf dem Weg zur Uni sind, aus der Geisterstadt raus. Das ist jetzt der 7te Schleichweg, den wir kennen. Aber der erste, bei dem wir klettern müssen:

Durchs Westjordanland

Im Sammeltaxi geht es nach Jericho. Vorbei an:

Besonders die geschlossenen Zufahrtsstraßen zu palästinensischen Dörfern machen uns wütend. Dieser krasse Kontrast zwischen den Israelischen Siedlungen, die von Parks bis Swimmingpools alles haben, und den armseligen Beduinenlagern, auf welche die Siedlungen zum Teil direkt hinab sehen.

Grenzkontrollen

In Jericho müssen wir erst durch die palästinensiche „Grenzkontrolle“. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat keine echte Kontrolle über die Grenzen. Das kompensieren sie durch ein groß aufgezogenes Grenzkontrollen-Imitations-Theater.

Von der palestinensischen „Grenzkontrolle“ in Jericho geht es mit dem Bus und langer Warterei zur „echten“ Israelischen Grenzkontrolle. Hier rechnen wir eigentlich mit allem. Zumal wir die Berichte von anderen Aktivist*innen kennen, die kürzer da waren und eigentlich weniger aufgefallen sind, als wir. Sie haben oft das volle Geheimdienst-Verhör-Durchsuchungs-Programm bekommen. Aber zu unserem Erstaunen rutschen wir glatt durch. Unsere Taschen werden durchleuchtet. Wir müssen durch den Metalldetektor. Und bina muß wegen ihrer künstlichen Knie ihren Prothesenpass vorzeigen und wird extra gescannt.

Am Ausgang der Israelischen Kontrolle heißt es dann wieder lange warten, bis ein Bus mit Ausländern voll ist. Ausländer dürfen nämlich nicht im selben Bus wie Palästinenser über den Jordan fahren. Der Jordan selber ist ein trauriges Rinnsal, welches durch eine Wüstenlandschaft fließt. Der größte Teil seines Wassers wird am Oberlauf für Landwirtschaft und Trinkwasser abgepumpt.

An der jordanischen Grenzkontrolle ist nochmal das übliche Warten für die Grenzbürokratie angesagt. Dann sind wir offiziell in Jordanien.

Cat-Content

Wir vermissen Adam und Lilith jetzt schon. Zum Abschied haben wir ihnen kiloweise Hühnchenreste vom Schlachter eingefroren. Außerdem haben wir Issa und Abu Natschi noch einmal genaustens über Katzenfütterung und -Pflege instruiert.

März 2026: Nachrichten aus Hebron

Issa und YAS sind stabil. Über Purim gab es die an jüdischen Feiertagen üblichen verstärkten Angriffe und Belästigungen durch Siedler.

Mit dem Beginn des israelisch-amerikanischen Krieges gegen den Iran, gab es in Hebron eine Ausgangssperre für alle Palästinenser. Und die Regierung tut alles, um die Ausweitung der Siedlungen zu beschleunigen. Issa erzählt davon in seinem Videopodcast, das er ab jetzt monatlich zusammen mit Friends of Hebron von seiner Terrasse senden will:

Unser Freund D. der mit dem „Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK)“ in Israel und Palästina war, und auch eine Woche in Issas Haus in Hebron verbracht hatte, ist nach Beginn des israelisch-amerikanischen Krieges gegen den Iran, sicher über Jordanien nach Deutschland ausgereist. Er hat sich zusammen mit den Leuten von EAPPI evakuiert.

Über die Erlebnisse des Mannes einer Mitevakuierten schrieb er: „Von C., EAPPI aus Schweden bekam ich leider noch Übles mit: Ihr Mann wollte sie für eine Woche besuchen und wurde stattdessen bei der Einreise abgewiesen. Aber nicht nur das: Er wurde stundenlang befragt, er musste sich nackt ausziehen, kam eine Weile in eine Dunkelzelle, kein Essen, kein Trinken, ihm wurde ins Gesicht gespuckt, die Botschaft wurde belogen (er sei im Duty-Free shoppen und werde gut versorgt). Um ihn herum wurden Menschen offenbar auch geschlagen, denn als er eine Wunde versorgen wollte, kam die Wache und schrie, dass er nicht helfen solle. Dieser Ehemann hat internat. Erfahrung und wurde schon in einem ostafrik. Land festgenommen, aber so etwas hatte er noch nicht erlebt. Das alles auf der Basis falscher Vorwürfe gegen das EAPPI-Programm, da seine Frau schon als Mitglied identifiziert worden war („Was, Menschenrechte? EAPPI befürwortet Gewalt. EAPPI ist gegen Israel etc.“).“

Das „Ecumenial Accompaniement Programm in Palestine and Israel (EAPPI)“, wurde von den Quäkern gegründet. – Ja genau jene Quäker, die als Erste in den USA die Sklaverei abgeschaft, im Vereinigten Königreich für Frauenwahlrecht gekämpft, während des Holocaust so mehr Juden als jede andere Religionsgemeinschaft gerettet, und nach dem 2. Weltkrieg die Deutsche Bevölkerung mit CARE-Paketen versorgt haben! Historisch standen diejenigen, welche die Quäker als Feindbild hatten, eigentlich immer auf der ethisch falschen Seite. – Inzwischen sind übrigens so gut wie alle Kirchen mit bei EAPPI dabei. In Deutschland sowohl die Katholiken, als auch die Protestanten.

Report from Hebron

We are a married couple from Germany and have been in Hebron (Palestine) for 3 months: October, November and December 2025. We were guests in the house of Issa Amro and „Youth Against Settlements“. To report about our experiences and the situation there, we made a slideshow, that is based on this homepage, where we documented our stay in Hebron as part of the documentation of our sabbatical year.

Except for this article this homepage is in geman, but there are translation tools out there.

Attacks on house

In October and November 2025 there were more than half a dozen serious attacks on our house, our palestinean friends and ourselves. If you count a single thrown stone as an attack, there was an attack nearly every day.
In our slideshow we concentrate on the 4 worst and best documented attacks.

1) 7th October: Detention & Beating Up
Two soldiers trespass, enter our terrace, detain Mohammad Natschi, beat him for 6-7 hours in the military base, and leave him on the street for the ambulance to pick him up.
Link to the documentation!

2) 8th October: Nightattack
Nightattack by Settlers and at least one Soldier on duty.
The most interesting videos are the 4th and the 5th one.
On the 4th video the soldier enters the frame in second 25.
Link to the documentation!

3) 29th November: Arson Attack
Three settlers climbed on our roof, with a metal cutter and a canister of fuel to burn down our house. They were acting under a soldiers nose, who didn´t intervene.
Link to the documentation!

4) 30th November: Hail of Rocks
Settlers let a hail of rocks go down on our house and the terrace. The guarding soldier is standing between them, not intervening.
Link to the documentation!

Situation in the Ghost Town Hebron

To document the situation in the Ghost Town, that the Israeli Army created around the illegal settlements in the city centre of Hebron, we essentially rely on two walks we made.

1) 7th December 2025: Tour with German Viceconsul
The German Viceconsul made a solidarity visit at our house. Under his diplomatic protection we were able to take a walk and document the situation on and around Shuhada Street.
Link to the documentation!

2) 17th December 2017: Arrival in Hebron
Eight years ago we were in Hebron for about 6 weeks. Back then the situation was more relaxed. So we were able document, how one checkpoint doesn’t let an ambulance through, how settler kids harass palestinean schoollkids at another checkpoint and so on.
(Everything documented in that article is from our first afternoon in Hebron!)
Link to the documentation!

Visit Palestine

If you want to travel to Palestine, you should first make up your mind! How long do you want to stay there? What you want to achieve?

1) Learn about the Situation & Bear Witness
Two weeks are enough time for thist.
If you also want to include a religious pilgrimage or touristic activities like snorkling in the red sea or hiking, we suggest to ad more time.
More Information for this! (Partly outdated!)

2) Protective Presence
You should have at least one month time for this.
In Palestine you do have a superpower: You do have civil rights! Something the Palestineans do not have. They are subject to military law. You are subject to civil law. You can’t be imprisoned without charge! Attacking you is an international incident.
Therefore you can protect the palestineans around you by simply beeing present. By sleeping in there houses and accompanying them.

3) Olive Harvest
Two Weeks (or more) in October and November.
Each year the Olive Harvest is a time of increased violence by settlers and the israeli state. Settlers and Soldiers try to make it impossible for palestinean farmers, to harverst their olives. If the palestineans fail to harvest in three consecutive years, they lose their land, and the Israeli state hands it over to the settlers.

Contacts
Feel free, to contact us. We are happy to help you with planning your trip to palestine.
Please write us an email, and tell us an Signal-Contact to reach out back to you.
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The two organisations we recommend most are „Friends of Hebron“ (The international support organisation of „Youth Against Settlements“) and „Hebron International Resources Network“.