fr.-sa. 19.-20.sept.:
das drama ist beendet. michel hat eine bulli-legalisierung bis ende februar.
nicht, daß es am 2. tag keine komplikationen mehr gegeben hätte.
der mensch an der waage hat die reisepass- und fahrgestellnummern und das kennzeichen auf dem formular verwechselt und auch noch falsch aufgeschrieben. eigentlich hätte bulli noch mal zum wiegen gemusst, aber der steht mit mir am ledra-palace und nur weil michel behauptet, ich läge darin ‚with lady-problems‘, gibt die sachbearbeiterin klein bei und wir haben alle papiere.
die road-tax kostet übrigens genau so viel, wie die strafe gekostet hätte, hätten wir bulli nicht legalisiert…
Aber wer weiss, wieviel Bürokratie das dann gewesen wäre…
als wir serdar von unserem erfolg erzählen, fragen wir nebenbei auch nach einer autowerkstatt, die bullis wehwehchens behebt und ihn vielleicht für drei monate beherbergt, hat er nur eine antwort: zum hörer greifen und uns 2 min. später eine adresse einer befreundeten werkstatt in der nähe nennen, wo wir gleich hinfahren und bulli vorstellen können. – vielen dank an serdar, dessen hilfsbereitschaft ist unschlagbar. der mann ist nicht mit gold zu bezahlen.
und seine begeisterung, als wir sagten, daß wir neue reifen bräuchten und am liebsten die echten hankooks hätten. da fingen seine augen an zu leuchten. einerseits der reifen wegen, die wirklich verdammt gut sind, andererseits, weil wir wußten, was hankookreifen sind. das machen wir aber in einer anderen werkstatt, wenn wir wieder da sind.
der mensch in der werkstatt macht sich gleich eine liste.
‚das sind kleinigkeiten, die sind schnell gemacht‘, sagt er. er wird bulli bei sich zu hause in seinem dorf unterbringen.
und der keilriemen ist uns auf der tour wohl deshalb so oft gerissen, weil die lichtmaschine und der motor nicht in einer geraden flucht liegen, sondern leicht versetzt sind und daher den keilriemen öfter als normal fressen.
ersatzriemen und auch ersatzluftfilter werden auch gleich auf vorrat bestellt.
eine traurige nachricht:
unser kleiner hamam, in dem wir vor 7 jahren stammgäste waren, ist geschlossen. der besitzer ist gestorben und es wurde kein nachfolger gefunden.
ramazan, der masseur, möge eine neue gute anstellung gefunden haben.
seine gastfreundschaft und offenheit von damals mir gegenüber, mich in einem männerhamam als frau an den gästen vorbei zu schleusen und zu versorgen, soll ihm die weiteren wege in seinem leben erleichtern.
ich werde sein fröhlich-bestimmtes schimpfen nicht vergessen, mit dem er mich bedachte, als ich mir selbst dir haare wusch, obwohl das zu seinem job gehört. sein gespieltes entsetzen, als wir nach monaten aus palästina wieder kamen und er die hände rang, da er jetzt wieder von vorne anfangen mußte, um mich sauber zu kriegen. auch nicht seinen freudig-überraschten aufschrei und seine spontane umarmung, als wir wieder auftauchten.
nun, ich finde das ein bisschen schade, aber ich habe meine erinnerung an die schönen stunden noch im herzen und meine zeit dort gehabt.
es ist wie es ist, ich möge mich damit zufrieden geben.
michel versucht andere hamami ausfindig zu machen. es gibt das büjük im norden und auch eines im süden, aber beides sind derartige touristenfallen, das akzeptieren wir nicht.
es ist immer erstaunlich, was für ein ‚menschenmagnet‘ bulli sein kann. was aber auch daran liegt, daß autos, in denen man wohnen kann und womos überhaupt, hier auf zypern nach wie vor unüblich sind. besonders, wenn sie von so weit her kommen.
an der werkstatt steckt auch gleich ein anderer kunde die nase in bulli hinein und stellt viele fragen.
so war es auch für uns überraschend, dschengis auf dem platz vorzufinden mit altem womo und deutschem kennzeichen. klar, das wir oft zusammensaßen, morgens kaffee tranken und abends das eine oder andere bier.
er bummelt über die insel und arbeitet für siemens hier und da und wartet trafos und solche sachen.
gestern nachmittag dann ein fröhlich gerufenes ‚moin‘ von zwei touristen aus hamburg, die über die grenze kamen und abends ein mehmet, der sich auf ein glas wasser kurz zu uns gesellte, als wir schreibend, lesend und strickend vor dem bulli saßen.
er arbeitet an der uni im süden und pendelt mit auto und faltrad vom norden über ledra-palace zur arbeit.
er war ganz begeistert von bulli und unseren bromptis und wird sich vielleicht dieser tage mit seiner freundin zum essen bei uns einfinden, weil er selber von einem kleinen womo träumt, mit dem er durch die gegend gondeln kann und an unseren erfahrungen interessiert ist.
die erfolgreiche bulli-legalisierung feiern wir abends im hoi polloi. die kleine queere kneipen-bar an einer der vielen ecken auf der türkischen seite in der altstadt gibt es immer noch. die entspannte stimmung ist auch noch da, sogar das eine oder andere gesicht von damals ist auszumachen.
neben uns eine bunte truppe aus deutschland, studenten des bauingenieurswesens aus aachen. ein deutscher, eine griechin, ein türke und ein zypriote, der seine studienkollegen eingeladen hat.
michel plaudert derweil mit einem türkischen touristenpaar.
und ich bestelle mir endlich zur feier des tages meinen zivania. ein zypriotischer tresterschnaps. wie grappa, nur deutlich weiniger und mit sehr viel mehr alkohol. er wird eiskalt in kleinen schlucken getrunken. superlecker!



die nächsten gesprächspartner wieder einen tisch weiter sind eine überraschung. lilly aus irland aus der nähe von strokestown und ihr mann ümit, türkischer zypriote.
lilly weiß sich nicht zu lassen, daß uns strokestown ein begriff ist, die gespräche mit den beiden ist lebhaft und ich habe das gefühl, jetzt fehlt nur noch ein guinness auf dem tisch. aber ein weiteres glas zivania ist auch nicht verkehrt.

die rückkehr zum bulli ist laut. neben unserem parkplatz gibt es jetzt ein restaurant mit livemusik, die über den ganzen platz dröhnt. ich habe das gefühl, ich schlafe gleich neben der bühne. zum glück habe ich ziemlich viel schnaps im bauch und kann trotzdem schlafen. ich hoffe, das geht jetzt nicht jeden abend so.
der nächste tag wird faul.
lesen, schlafen, nichts tun.
nur ich radele einmal zum checkpoint ledra-street, um ziba zu sagen, daß wir abends auftauchen werden. sie arbeitet an der ledra-street in der touri-info und wir hatten uns vor ein paar tagen zum essen verabredet.
die ist unfassbar froh mich zu sehen, denn ihre anrufversuche schlugen alle fehl. sie muß absagen.
aber dienstag sind wir erneut verabredet. sie will trotzdem auf die schnelle wissen, wie es gelaufen ist und freut sich wie bolle.
sie hat sich auch schon überlegt, daß bulli nicht vielleicht bei ihren eltern hier in nicosia stehen könnte.
und sie kennt natürlich serdar. sie sind zur selben schule gegangen und ihr bruder ist mit serdar heute noch befreundet und wenn wir montag mit ihm essen gehen, sollen wir ihn unbedingt grüßen.

