30. dezember-1. januar 2026
viele photos wird es dieses mal nicht geben, aber einen hoffentlich unterhaltsamen text.
während der warterei auf die letzte passkontrolle an der king-hussein-bridge stoßen wir auf den kanadier c., mit dem wir uns ein schickes taxi nach amman teilen. natürlich zahlen wir trotz feilschen mehr als gedacht. wir werden auch massiv von bettlerinnen mit kindern auf den armen bedrängt, die nach dinar oder auch schekel fragen. aber ‚la‘ heißt auch hier nein.
beim losfahren stellen wir fest, das die einfachen taxis 100 meter weiter stehen, dort, wo die palästinenser ihren ausgang haben. aus irgendwelchen gründen ist das hier strikt getrennt. dort hätten wir wohl weniger bezahlt.
das hostel ist wirklich schnuckelig, die betten und räume sind gemütlich und die betreiberin zeigt uns schnell und gut vorbereitet alles, was wir über das hostel und den ersten gang in die stadt wissen müssen.
der einzige aufreger für mich ist, daß ich mich zum ersten mal mit altersdiskiminierung auseinandersetzen muß.
michel hatte es beim buchen ganz zum schluß noch wahr-, aber nicht richtig ernst genommen:
dieses hostel ist gästen unter 45 jahren vorbehalten. zwar erklärt es die betreiberin, ich kann sie auch ein stück weit verstehen und sie sieht auch, daß wir nicht zur gewöhnlichen klientel der über 45-jährigen gehören, weshalb wir bleiben dürfen. aber ich hätte nicht gedacht, daß mir so etwas schon mit 60 jahren widerfährt.
dieses hostel hat auf bewertungsportalen hauptsächlich von dieser altersgruppe schlechte noten bekommen, die zwar billig nächtigen wollten, aber komfort eines besseren hotels erwarteten. schlechte bewertungen können oder wollen sie sich nicht leisten.
aha, soweit sind wir also: ich werde ausgegrenzt, weil die internetbewertungen meiner altersgruppe zu schlecht ausfallen.
dafür habe ich mir nicht drei monate lang die seele in hebron eingerannt und mich siedlern, soldaten und der apartheid ausgesetzt. sie möge bitte selbst erst mal so alt werden wie ich und dann solche reisen machen.
ich werde wütend und sehr deutlich und lasse mich auch durch michel nicht stoppen.
WAS FÜR EIN IRRSINN. so weit sind wir also schon. das kann ja die nächsten 20 jahre noch lustig werden. ich frage mich gerhard seyfried zitierend (wenn den noch jemand kennt):
wo soll das alles enden????????
aber ich beruhige mich wieder und lasse es gut sein, wir dürfen ja auch bleiben.
Ich breche jetzt eine Lanze für die beiden Betreiberinnen des Darna-Hostels. Sie schaffen hier mit viel Liebe und Hingabe einen wundervollen Ort. Ein Hostel, dass sowohl persönlich heimelig als auch professionell geführt ist. Es ist gemütlich und super sauber. Die beiden sind hilfsbereit, erklären einem alles und sorgen dafür, dass ihre Gäste nicht von Geldwechslern oder überteuerten Restaurants abgezogen werden. Und das für gerade einmal 10€ die Nacht, inklusive einfachem Frühstück.
Dass sie sich das nicht von alten deutschen Grantlern kaputt machen lassen wollen, das verstehe ich. Wir geben ihnen ein ganz klares „Daumen-hoch“. Wenn wir auf dem Weg von oder nach Hebron wieder in Amman nächtigen, werden wir das hier tun. Wir empfehlen die beiden und ihr Darna-Hostel auch aus vollem Herzen weiter:
aber jetzt erst einmal zu fuß in die stadt. es gibt die üblichen kleinen läden an den straßen, werkstätten, unebene fußwege, viel verkehr, viele menschen und lärm.
aber alles ist sauberer und entspannter. weniger überfüllt.
hebron wirkt wie ein zu enger käfig mit zu vielen ratten. in amman ist platz. auch platz für ein lächeln unter passanten. das flair ist europäischer geprägt.
wir finden einen kleinen pizza-imbiss. wie herrlich, endlich wieder eine europäische mahlzeit zu haben, so lecker die palästinensische küche auch ist. eine saftige, gut belegte pizza mit viel käse!!!!
die stimmung auf der straße ist entspannt. viele jordanische frauen sind ohne kopftuch unterwegs und wenn mit hijab, dann sorgfältig geschminkt. sie gehen anders als in hebron. aufrecht, entspannt, mit begleitung oder allein. neben uns am anderen tisch hockt ein teenagerpärchen wie sich teenager eben auf eine pizza verabreden.
und auch auffällig viele touristen sind auf der straße. besonders viele junge frauen, die allein reisen.
von letzteren mehrere in unserem hostel.
eigentlich wollen wir noch irgendwo ein bier trinken, aber wir finden keine bar. nur läden wo wir welches kaufen können, was wir auch tun und mitnehmen.
eines trinken wir auf dem weg zurück, das zweite dürfen wir im hostel auf der terrasse trinken, obwohl alkohol in den räumen verboten ist.
die dachterrasse ist traumhaft schön, jetzt allerdings ein wenig kalt und nass. aber was wärmt mich ein bisschen? eine schmusebedürftige katze, die es sich gleich auf meinem schoß bequem macht.
wie heißt dieser blog nochmal? mit 80 katzen um die welt?
die beiden biere hauen uns sofort um. kein wunder nach drei monaten hebron.
wir schlafen so gut. ohne kleidung und dem feuerlöscher neben uns. ohne nachtwache und einem offenen ohr nach draußen. jeder in der eigenen etagenbettenkoje.
Die Bevölkerung Ammans besteht zu 70% aus palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen. Amman gibt einem also ein Gefühl dafür, wie Palästina ohne Besatzung wäre. Das entspanntere Lebensgefühl, die Tatsache, dass Menschen schlendern, dass sie gesünder und größer sind, dass sie weltlicher sind, weil sie keine Zuflucht zur Religion suchen müssen. So könnten auch Ramallah und Hebron sein. Wenn sie nicht unter Siedlern, Soldaten und Besatzung zu leiden hätten.
sylvester
morgens gibt es eine heiße dusche nebst gewaschenen haaren. und ein schlichtes frühstück mit toast und pulverkaffee. nein, wir vermissen pita, hummus und labneh nicht. das kommt irgendwann später.
wir machen es uns im aufenthaltsraum gemütlich. michel schreibt blog, ich lese.
meine gedanken wandern immer wieder nach hebron. wie es den anderen wohl geht? war die nacht ruhig, feiern sie heute auch sylvester? wie geht es adam und lilith?
und ich friere wie ein schneider. daran ändern auch decke und schlafsack nichts, in die mich
michel auf einem sofa einmummelt. ich schwanke zwischen glück, daß wir heile in amman sind, die wir ja in hebron wieder trafen und sorge. die anspannung und der streß fallen von mir ab. ich weiß, das ist völlig normal, deshalb gebe ich mich dem hin und warte ab.
schon bald wird es abend und zeit, sich für den pub fertig zu machen. wir wollen im dubliners irish pub feiern. c. hat sein erscheinen zugesagt und auch k. aus kolumbien, die wir in hebron getroffen haben, zusammen mit einer freundin.
wir gehen die 5 km zu fuß.
nein, amman ist eigentlich nicht schön. viele prächtige neubauten, breite straßen, auf denen sich die autos reihen. viel polizei. so gut wie an jeder straßenecke und vor jedem wichtigeren gebäude.
es gibt fußgängerampeln und autos, die daran halten, wenn für sie rot ist. erstaunlich.
wir fragen uns, wovon amman lebt.
von größerer industrie wissen wir nichts. nur, daß hier 70% der befölkerung palästinenser sind und diese stadt mal ein kleines dorf war.
später erfahren wir, daß pottasche abgebaut wird. und man lebt offenichtlich von dem wasserkopf, den das jordanische königshaus installiert hat, um seine macht zu sichern.
noch ist der pub so gut wie leer.
das guinness ist zwar aus dosen, schmeckt aber wie reines ambrosia. und ich darf mir eine gute portion fish’n’chips einverleiben, zu der es sogar vinegar für die chips gibt.


ich hatte mich ein bisschen auf irish folk gefreut, aber es gibt nur pop-musik und auf acht bildschirmen sportübertragungen. egal. das guinness ist köstlich, die gespräche mit verschiedenen gästen an tresen und tischen auch.
dann taucht c. auf und später k. mit ihrer freundin und der erfahrungsaustausch, diskussionen und gespräche gehen hin und her.
der pub ist bald bis auf den letzten platz besetzt.
dann geht irgendwann das licht aus und es ist 00 uhr. alle jubeln, tanzen, klatschen. nur ich heule wie ein schloßhund und stehe mit michel stumm am tisch.
es läuft ‚auld lang syne‚ auf techno. andere länder, andere sitten. anschließend gibt es aber auch noch eine besinnliche version, die wir mitsingen mögen.
ich finde es unfassbar, das wir gesund und munter sylvester in amman feiern.
wir bestellen mit c. ziemlich bald ein gemeinsames taxi und fahren ins hostel zurück.
dort ist alles still. mittlerweile sind auch alle restlichen betten in unserem gemeinschaftszimmer belegt und wir gehen leise und nach raucherkneipe duftend schlafen.
zurück nach zypern
jetzt können wir es ja erzählen, wo wir alles hinter uns haben.
michel hat seinen reisepass und das notizbuch verloren. vielleicht wurde es auch geklaut, wir haben keine ahnung.
neujahrmorgen stellt er fest, das seine tasche leer ist. die suche im hostel bleibt erfolglos.
aber zum glück hat er noch den 2. pass, nur ohne visum.
das dubliners wird angeschrieben. c., der das taxi bestellt hatte, wird angefunkt. aber im taxi wurde nichts gefunden.
wir packen unsere sachen und lassen uns in den dubliners fahren, der um 12.00h öffnet.
der flug geht um 17.45 uhr, wir haben also noch ein gutes zeitfenster.
aber im pub ist der pass auch nicht.
vielleicht hat er ihn verloren, als wir an dem großen straßenkreisel die polizei nach dem weg fragten und er das smartphone aus der tasche zog? vielleicht haben die jugendlichen palästinenser nachts vor dem hostel, die von uns und unsreren kefiye um den hals so begeistert waren und selfies mit uns machten, in seine tasche gegriffen? vielleicht hat ihn aber auch jemand gefunden, an sich genommen und zur polizei gebracht? wir wissen es nicht.
wir fahren zum flughafen.
natürlich kommen wir nicht durch die ersten sicherheitskontrollen, weil die stempel im zweiten pass fehlen. wir werden an die polizeistation am flughafen verwiesen.
dort sind die räume voll mit polizisten, die rauchen und kaffee trinken. welchen job sie haben ist nicht klar. einige wenige können gebrochen englisch, verweisen auf den babbo hinter dem großen schreibtisch, der aber auch kaum englisch kann. dann kommt jemand mit besseren englischkenntnissen, der dem babbo aber untersteht. mit dem wird die sachlage geklärt.
dann taucht ein ganz hoher babbo auf, der auch gut englisch spricht und besonders lametta auf der brust, aber keinen schreibtisch hat. dem hören dann alle zu, auch der am schreibtisch.
er sagt, wir müssen nach amman zurück, weil die polizeistelle zuständig ist, in deren destrikt der vorfall passierte. aber das wissen wir ja nicht…..
er wundert sich, das wir zwei pässe haben und will wissen, ob wir von der botschaft kommen. diesen ball nimmt michel gerne auf und sagt ja. er hebt unsere botschaftskontakte sehr hervor und zeigt auch sein elektronisches visum auf dem handy.
dann geht alles erstaunlich schnell. der babbo telefoniert. wir sollen zum flughafen gehen und mit dem zweiten pass und dem e-visum einchecken und wenn fragen aufkommen, sollen die nochmal bei ihm anrufen. wir sind entlassen.
Als der Ober-Babbo erfährt, dass wir doppelte Pässe haben, hält er uns für Diplomaten. Sein Ton wird deutlich freundlicher und er wird deutlich vorsichtiger. Vorher war der Tenor: Alles nicht unser Job und unser Problem. Jetzt hat er merklich Sorge, dass er mit dem Ober-Ober-Babbo Ärger bekommt, weil er einen deutschen Diplomaten verärgert hat. – Ich lüge nicht direkt, bediene seinen Irrtum aber mit Freuden. Sein unzureichendes Englisch erledigt den Rest. Während ich so bluffe sitzt mein inneres „Ich“ mit Popcorn dabei und kann es gar nicht glauben, dass das wirklich klappt! – Aber es klappt reibungslos. Wichtige jiddische Vokabel an dieser Stelle: „Chuzpe!“
an den kontrollen und beim einchecken gibt es tatsächlich keine probleme.
sogar der piepende personensanner wird toleriert, ich zeige nur auf meine knie und ernte ein verständiges lächeln.
im wartebereich treffen wir die nette deutsche wieder, die mit uns im hostel war und haben eine kurzweilig verplauderte zeit.
der flug geht pünktlich. es gibt sogar einen imbiss an bord, was ja nicht mehr selbstverständlich ist.
noch pünktlicher landen wir in larnaka und können, wartend aufs gepäck, in hebron bei issa entwarnung geben.
auf issas terrasse ist grade wieder ein party mit gästen in gange. mit za’atar-pizza.
za’atar ist eigentlich thymian auf arabisch. so heißt aber auch eine gewürzmischung hauptsächlich aus thymian, salz und sesam und sicher noch anderem.
issa zeigt mich per handy herum. m. winkt, hatim steht mit amir in der küche am herd, umm temer wirft mir ein küßchen zu. sie trägt eine wunderschön bestickte stola.
abu natschi steht in unserem(!) zimmer mal wieder auf der leiter und wandert damit durch den raum, wie er es so oft und sehr yirtuos tut. sie haben dort gleich nach unserer abreise mit der renovierung angefangen. für uns fühlt es sich wie ein gruß von zuhause an.
das heißt, es geht ihnen gut und es ist friedlich. wie beruhigend.
und dann lesen wir, das heute keine busse mehr nach nicosia fahren. der fahrkartenschalter ist verwaist.
och nööö! ein taxi soll 70.-€ kosten.
aber zum glück fragt michel eine andere touristin, die sich wundert: ‚wieso, in 20 min. fährt doch einer!‘
der schalter ist plötzlich auch wieder besetzt. die damen haben sich nur was zu essen geholt.
9.-€ pro ticket bezahlt, noch ein bischen gewartet, in den bus gestiegen, ganz entspannt zur shuttlebus-haltestelle und von dort mit einem taxi nach nicosia zum übergang am ledra-palace gefahren.
die letzten zwei kilometer gehen wir zu fuß. ich träume von einer großen portion nudeln, nur mit öl, salz und oregano. tomatensauce wird nicht zu finden sein.
wenn denn bulli überhaupt auf uns wartet und wenn in welchem zustand. wir können uns alles vorstellen.
aber tatsächlich: da steht unser kleiner auf dem parkplatz. alles ist dran und drin. vögel haben in den drei monaten im dorf des werkstattchefs ihre kotspuren hinterlassen und der zypriotische staub liegt auch auf allen innenflächen. wir haben unser zuhause wieder und ich gebe es zu:
ich weine!
dann gibt es nudeln mit öl, salz und oregano.und ein bullibett und einen schlaf, wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten. ich bin so glücklich, daß es fast weh tut.
wiedersehen mit nicosia
der erste gang morgens führt uns in die autowerkstatt. lange sucht der chef nach der rechnung. ganz vorne im auftragsbuch findet er sie und es ist wirklich alles gemacht und das zu einem fairen preis. natürlich reicht es, wenn wir erst montag bezahlen.
als nächstes ist serdar dran. der besitzer unserer reinigung springt vor freude fast über den tresen, als er uns sieht. schnell sind die wichtigsten dinge erzählt und serdars freude wird noch größer, da wir heile wieder da sind. die kufiye, die wir ihm mitgebracht haben will er heute nicht mehr ablegen. und selbstverständlich können wir ihm montag unsere dreckigen sachen bringen, auch wenn man für einige stücke einen exorzisten rufen sollte.
ein einkauf ist jetzt an der reihe und dann laufen wir in die altstadt zu ziba, die hoffentlich heute an der touri-info an der ledra-street dienst hat.
hat sie. sie räumt sich eine pause ein und zum erstaunen ihrer grenzposten-kollegen, mit denen sie sich hinter dem posten die infrastruktur (klo, kaffeeküche, katzenfütterstelle) teilt, dürfen wir uns an den tisch setzen und bekommen einen kaffee.
auch hier tauschen wir die neusten neuigkeiten und wichtigsten erlebnisse aus.
zu unserer freude hat sie beim touristenministerium endlich eine festanstellung bekommen. das ist für sie ein richtiger lottogewinn.
meine bodhran ist nach wie vor bei ihrer mutter,sie wird sie heute abend bei uns vorbei bringen. sie klingt etwas seltsam nach drei monaten und ich muß mich selbst auch wieder auf irish-folk-tempo hoch trainieren. momentan bin ich für eine session viel zu langsam.
und dann koche ich im bulli erst einmal heißgeliebte nudeln mit tomatensoße, von uns immer nudeln a la herrschaft genannt.
wie köstlich die schmecken!
ich frage mich, womit wir so viel glück verdient haben.
es hätte so viel schief gehen können. aber es lagen auf der rückreise keine steine im weg. die menschen waren uns wohlgesinnt, die polizei in amman hat mitgespielt und uns nicht wieder nach ammen zurück geschickt. der flug hat reibungslos geklappt und die transfers auch. bulli wartete wie besellt. wir haben wunde seelen, sind aber körperlich wohlauf.
entweder haben wir massiv schulden beim universum, oder es meint uns nach diesen drei monaten was schuldig zu sein. wie ich mich bei ihm bedanken soll, und das werde ich tun, weiß ich noch nicht.
