Wir haben auf einem wilden Parkplatz am Beckenrand neben dem Hotelstrand geschlafen, und frühstücken auch dort.
Bulli am Beckenrand. (Nur ganz rechts am Bildrand ahnt man, dass dies nicht mehr der tiefste Punkt der Erde ist, da das echte Tote Meer inzwischen gute 40m tiefer liegt.)
Anschließend geht es am Toten Meer entlang (oder da, wo es mal war) zurück. Die sieht zwischendrin so aus, dass man hier einen US-amerikanischen Roadmovie oder „Lawrence von Arabien“ drehen könnte. – Wobei Letzterer wirklich hier war.
US-Amerikanischer Roadmovie oder Lawrence von Arabien?
Bei En Gedi (etwas nördlich vom „En Gedi Spa“) sehen wir uns den Campingplatz an, auf dem wir vor 6 Jahren am Toten Meer gezeltet haben. Inzwischen ist er geschlossen, weil er in einem Sinklochgebiet liegt. Da der Grundwasserspiegel sinkt, löst sich das Salz aus dem Untergrund. Das Grundwasser ist hier eine gesättigte Salzlösung und das Salz bildet teilweise den Untergrund. So entstehen Hölen, die irgendwann einstürzen. Im Prinzip wie Karst nur schneller und gefährlicher.
„Me Worry?“ Zitat: Alfed E. Neumann (MAD-Magazin)Die ehemalige Zufahrtsstraße zum Zeltplatz.Irgendwo am hinteren Kraterrand haben wir vor 6 Jahren gezeltet.
Wir halten uns im Sinklochgebiet übrigens immer an eine frische LKW-Spur, die es hier gibt. Wenn der Boden gestern oder vorgestern noch einen LKW getragen hat, dann wird er heute auch einen Menschen tragen. Und dann treffen wir zwischen Sinklöchern und Ufer zwei K… und F…! Die beiden kommen aus Elmshorn, haben ihre Lehren beendet und machen jetzt eine Weltreise mit dem Fahrrad. Und was machen 4 Norddeutsche in der Wüste? Natürlich erstmal Tee trinken:
Teetied in der Wüste! Eigentlich genau wie daheim hinterm Deich. Nur wärmer und trockener.
Wir kaufen in Jericho in den uns schon bekannten Läden ein, und fahren über Jerusalem zum übernachten nach Betlehem. Wo wir den Abend wieder im Walled-Off verbringen.
Einer der 3 Checkpoints an denen wir heute kontrolliert wurden.
Die Nacht auf Sonntag schlafen wir wieder gut bewacht in Betlehem an der Sperrmauer.
Home is where we park it!
Da das AIC immernoch keinen Job für uns hat, entscheiden wir uns, Ramallah anzugucken. Ramallah ist für uns nicht weiter von Betlehem entfernt, als Pinneberg von Elmshorn (etwa 20km). Über den Checkpoint durch die Sperrmauer nach Jerusalem, von Süden durch Jerusalem durch nach Norden, und auf der anderen Seite wieder über einen Checkpoint durch die Mauer nach Ramallah. Für die in der Westbank lebenden Palästinenser ist der Weg deutlich weiter: Vom Betlehem runter nach Jericho und wieder hoch nach Ramallah. Mindestens 100km und 1.200 Höhenmeter runter und wieder rauf. Denn sie müssen ja die Sperrmauer rund um Jerusalem und die östlich davon liegende Siedlung Maale Adumin umgehen. Anzahl der Checkpoints auf dem Weg: Ungewiß und je nach Lage!
Sperrmauer im Norden Jerusalems, Richtung Ramallah. Anhand der großen Wassertanks auf den Dächern sieht man, dass auf beiden Seiten der Mauer Palästinenser wohnen, deren Stadtteile hier zerschnitten wurden.
Ramallah ist eine quirlige Stadt. Nicht alt oder schön, aber lebendig. Wir haben den Eindruck, dass das Bildungsniveau der jungen Leute hier höher ist, als in den anderen uns bisher bekannten palästinenschen Städten und dass die jungen Frauen hier emanzipierter sind und zum Beispiel ganz selbstverständlich gemeinsam in Cafes sitzen und öffentlich Argila (Shisha) rauchen. Wir führen dies darauf zurück, dass in und bei Ramallah die palästinensischen Universitäten liegen.
Wir stürzen uns mit Lust und Entdeckerfreude zwei Tage lang in das arabische Stadtgewühl.
Die Innenstadt von Ramallah. Eine Fußgängerzone ist das, was man dazu macht.Er mag das Familienoberhaupt sein. Sie sagt aber, wo’s langgeht.Der Markt. Leider nur der realtiv langweilige Obst- und Gemüse-Bereich. Denn hier gibt’s wirklich alles.Ein innerstädtisches Flüchtlingslager, in dem die 1948 aus dem heutigen Israel Vertriebenen und ihre Nachkommen leben. Inzwischen ist es fast ein normaler Stadtteil. Aber die Straßen sind enger und schlechter und die Häuser von geringerer Qualität. – Die gelben Wimpel sind Fatah-Fahnen.Eine andere Straße im selben Flüchtlingslager.
Ramallah ist die Hauptstadt der autonomen palästinensischen Gebiete, oder des Staates Palästina – je nach Auffassung. Auf jeden Fall, landen wir irgendwann im Außenministerium, um nach dem Weg zu fragen. Und im Verzeichnis der Diplomatischden Vertretungen an der Rezeption sehen wir folgendes:
Wo liegt der Fehler? Tipp: „Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt…“
Als sie merken, dass wir uns amüsieren und ich ein Foto von der Seite machen will, werden die Herren von der Sicherheit nervös. Ich versuche sie zu beruhigen und erkläre, dass wir Deutsche sind und welchen Fehler sie gemacht haben. Sofort wird das Buch zur Verschlußsache, „Nur zum internen Gebrauch“ erklärt. Ich beteure, noch kein Foto gemacht zu haben und werde mit (ungelogen) acht BewaffnetenMännern als Begleitschutz die zehn Meter zur Tür eskortiert.
(ein idiot in uniform ist immer noch ein idiot…ein idiot in uniform ist immer noch in uniform!) zitat: das allseits beliebte känguru!
eigentlich ist es schade. nun treffen diese herrn in dieser, für sie ohne zweifel delikaten, angelegenheit auf deutsche, die das total lustig finden und humor beweisen und sie wissen das nicht zu würdigen.
Da Ramallah stadtweit freies Wlan hat (die Router sitzen in den Straßenlaternen), muckeln wir uns einen Abend im Bulli ein, liegen im Bett und gucken einen Kinofilm.
beobachtungsschniepsel:
in jericho fahren nur jungs fahrrad. mädchen gehen zu fuß.
pferde und maultiere haben vor dem karren einen einheitstrab. sie kennen nur den stand und dieses eine tempo, egal wie schwer die last ist.
hier gibt es beide arten von tauben: die normale, die wir auch aus deutschland kennen und die schlankere friedenstauben-artige, die wir schon auf zypern und so gesehen haben.
eine dose hummus hält genau zwei tage. und zwar völlig unabhängig von der größe. wir haben es mit 500, 750 und 1000 gramm getestet.
an sehr vielen autos (meist deutschen fabrikats) klebt irgendwo einen deuschland-flaggen-aufkleber. manchmal ist er sogar mit akribie selbst gebastelt. wir haben jemanden gefragt und der sagte, das täten sie, weil sie deutsche autos lieben (na, dafür werden wir lieber gemocht als für hitler)
palmen und straßenbegleitgrün wachsen hier nicht einfach so, auch wenns so aussieht. bei den israelis wird jede einzelne palme, jedes fleckchen rasen einzeln bewässert. überall sieht man drainageschläuche, die als erstes in der erde versenkt werden, bevor etwas gepflanzt wird. dann gehen, abends oder in den frühen morgenstunden und computergesteuert, die wasserhähne auf. – den palästinensern fehlt das wasser für solchen luxus wiebegrünte, bewässerte verkehrsinseln.
Wir fahren ins ein dutzend Kilometer von Ramallah entfernte Taybeh, welches das letzte komplett von Christen bewohnte Dorf Palästinas ist.
Checkpoint zwischen der palästinensischen Autonomie-Insel, auf der Ramallah liegt, und der Autonomie-Insel, auf der Taybeh liegt.Straßenunterführung durch welche die Straße für die Palästinenser (unten) von der deutlich besser ausgebauten Straße für die israelischen Siedler abgekoppelt wird.
Es gibt hier 3 Kirchen für die 3 Konfessionen, römische Katholiken, griechisch Orthodoxe und griechische Katholiken (Meltiken). Weihnachten und Ostern feiern sie übrigens alle gemeinsam. Aber für uns viel interessanter: Hier liegt die Brauerei Palästinas. – Irgendwer muß die hiesigen Muslime ja mit dem ihnen verbotenen alkoholhaltigen Gerstensaft versorgen, und wer eignet sich besser dazu als die Christen?
Der Braumeister hat sein Handwerk in Bayern gelernt und braut (natürlich) nach Deutschem Reinheitsgebot. Und das merkt man dem Bier auch an! Es ist ein ehrliches deutsches – pardon, ein ehrliches bayrisches(!) Bier. Sie feiern hier sogar ein Oktoberfest und zwar, wie es sich gehört, im September. Wie das münchner Original! Und die bayrische Staatskanzlei schickt jedes Jahr eine Blaskapelle.
Da der Braumeister ist nicht da ist, führt uns seine Frau durch die kleine Brauerei. Zum Abschluß gibts noch ein Bier aufs Haus. „Prost!“ oder „Psahtek!“, wie es auf arabisch heißt.
Anschließend genießen wir noch die Dörfliche Idylle und die Landschaft und schlafen auch hier.
Wir haben Bulli vor der meltikischen Kirche stehen. Die Nachbarin bringt uns zwei arabische Kaffee vorbei und versucht uns zu allem möglichen einzuladen. Wir nehmen den Kaffee danken an, lehnen die Einladungen erfolgreich ab und geben das Tablett, wie es sich gehört, nicht leer zurück.Sonnenuntergang über dem nördlichen Westjordanland oder Samaria – je nach Sichtweise.
Am Mittwochvormittag habe ich in Jerusalem ein wenig Bürokratie abzuarbeiten, während bina Bulli klarzieht und Bilder und Texte in unseren (diesen) Blog einstellt.
Anschließend beschließen wir für ein paar Tage nach Eilat ans Rote Meer zu fahren, da das AIC immer noch keinen Job für uns hat.
Das erste Viertel des Weges führt über die Siedlerstraße durch das südliche Westjordanland, der restelichen Dreiviertel durch die Wüste Negev.
Auf der Siedlerstraße zu fahren ist ein komisches Gefühl. Direkt südlich von Jerusalem stößt sie mit zwei Tunneln und einer großen Brücken durch den palästinensischen Ballungsraum rund um Betlehem hindurch.
Nach der Brücke in den zweiten Tunnel, von hohen Mauern gegen die auf dem Bergrücken lebenden Palästinenser abgeriegelt.
Danach entspannt sich die Lage und es gibt einfach Landschaft zu sehen. An jeder Kreuzung liegt ein befestigter Posten der Israelischen Armee, jeweils mit Mauer und Zaun, Wachturm, Wasserkanister und Baracke. Die Posten wirken wie Forts im Indianerland.
Die Posten der Israelischen Armee wirken wie Forts im Indianerland.
Die Siedlungen selbst, bestehen oft Häusern, deren Architektur in Deutschland zwar gut in die Landschaft passen würde, die mit ihren roten Ziegeldächern in dieser Gegend extrem fehlplaziert wirken. – Vielleicht macht die folgende wahre(!) Geschichte deutlich, wie fehlplaziert sie hier wirken: In seiner ersten Woche in Deutschland fragte mich A…, der Vater der mit uns befreundeten syrischen Familie, warum wir diese komischen spitzen roten Dinger auf unseren Dächern hätten. Ich verstand erst nicht, was er meinte. Bis ich begriff, dass er die Dächer selber meinte. Denn die Dächer in der arabischen Welt sind fast alle flach. Vielleicht mit einem Sonnensegel und ein paar Stühlen drauf oder so. Denn unsere schiefen Ziegeldächer sind ja vor allem dazu da, dass das Regenwasser ordentlich abläuft. Ein Problem, dass in dieser Weltgegend nur eine untergeordenet Rolle spielt.
Mit ihren europäschen Ziegeldächern bleiben die Siedlungen architektonische Fremdkörper in der Landschaft.
Aber auch sowas gibt es zu sehen:
Herbstlicher Weinberg im Westjordanland.
Dann kommt der Negev: 240 Kilometer großartige Wüstenlandschaft.
Dabei sind das hier doch meist (wie auch auf dem Schild) Dromedare.Beduinen mit gemischter Schaf- und Ziegenherde.Der Kraterrand von Mizpe Ramon. (Kurz vor dieser Stelle haben wir geschlafen.)Wüst und Leer. – OK, voll mit Bergen.Beeindruckend.Immer noch beeindruckend.Zwischendrin geht die Straße schnurgerade geradeaus so weit das Auge blicken kann.Neben der Straße ein Potjemkinsches Dorf, in dem die Israelische Armee Häuserkampf übt.Israelische Panzer im Manöver.
israel kommt uns manchmal nicht mehr vor wie ein staat mir einer armee, sondern wie eine armee mit einem staat. die checkpoints im Westjordanland gehören mittlerweile zur routine für uns. sie halten uns lediglich ein bischen auf. als ausländer dürfen wir ja überall hin. was wir wirklich irritierend finden, ist die präsenz von militär und waffen im alltäglichen leben. so mancher israeli rennt mit sichtbarer waffe im holster herum. oft kommen uns auf der straße die unterschiedlichsten militärfahrzeuge entgegen.
in der jerusalemer altstadt patroullieren soldaten mit gewehr vor der brust durch die gassen. ist eine gruppe soldat/Innen in der freizeit unterwegs und ist diese gruppe größer als 3 personen, muß immer eine/r ein mg dabei haben.
Und wieder Wüste. Man beachte die Gesteinsschichtungen.Die Wüste wartet mit erstaunlich unterschiedlichen Landschaften auf.
Am Donnerstagnachmittag gehen wir noch im Roten Meer schnorcheln und besuchen Nemo und Dorie – aber dazu mehr im nächsten Beitrag.