„Visa“ und Flüge

Wir wollen Anfang Oktober rechtzeitig zur Olivenernte in Hebron in Palästina sein. Dort wollen wir dann 3 Monate lang, also bis Ende Dezember, als internationale Freiwillige für Youth Against Settlements aktiv sein. Wir wollen uns mit unseren Körpern und unseren deutschen Pässen der Apartheid und der ethnischen Säuberung entgegensetzen.

Als Deutsche brauchen wir eigentlich keine Visa für Israel. Aber seit ein paar Monaten muss man sich online anmelden, damit man überhaupt nach Israel fliegen darf. Man muss also eine Abflugserlaubnis beantragen. Das ist noch nicht die Einreiseerlaubnis. Über diese entscheidet dann der Zoll vor Ort am Flughafen in Tel-Aviv.

Es gibt übrigens ein zweites Land dass dieses neuartige sogenannte ETA-System eingeführt hat: Die USA unter Trump…

Da wir vermuten, dass für das ETA-Verfahren u.a. das Netz mit einer KI durchsucht wird, haben wir für die Zeit zwischen ETA-Beantragung und erfolgter Einreise in Israel diesen Blog hinter einem Passwort versteckt.

Die ETA-Approvals haben wir übrigens schon wenige Minuten nach Antragstellung erhalten. Wobei ich schon unangenehm fand, was die alles wissen wollten: Nicht nur unsere Daten, sondern auch die unserer Eltern und unserer Arbeitgeber.

Mit der Onlinebuchung unserer Flüge bin ich zunächst mehrfach gescheitert, weil das Netz am Strand so schwach war. Und bei jedem neuen Versuch stieg der Preis, weil es aus Sicht des Systems ja offensichtlich eine große Nachfrage gab. Also haben wir die Flüge oldschool direkt am Flughafen in Larnaca gebucht.

Michel am Ticketschalter im Flughafen Larnaca.

Dort waren gerade auch jede Menge jüdischer Männer, die auf dem Weg von Israel nach Uman in der Ukraine waren. Dort wollen sie das Jüdische Neujahrsfest „Rosch ha-Schana“ (dieses Jahr 22.-24. September) am Grab von Rabbi Nachman verbringen.

Ich fand ihre Witze über Gaza und Völkermord nur schwer zu ertragen! Dass sie sich ständig vordrängelt haben, und jedes „Bitte“ und „Danke“, jede Höflichkeit gegenüber den Frauen hinter dem Schalter haben fehlen lassen, hat es nicht besser gemacht. Und dass wirklich jeder noch einmal von vorne diskutieren musste, warum er in Euro und nicht in US-Dollar bezahlen muss, obwohl der doch mit bekommen hat, dass die zehn Männer vor ihm auch nicht in US-Dollar zahlen durften, war nicht nur für die Frauen hinter dem Schalter wirklich anstrengend.