Karaman und St. Hillarion

sa., 31. jan. – 2. febr. 26

das wetter ist ziemlich doof. die tour nach st. hillarion wird lang und schwierig. wir verschieben unser ansinnen auf morgen und fahren aber trotzdem schon zum ausgangspunkt nach karaman und stellen bulli vor die kirche.
karaman gilt als sauberstes dorf im norden von zypern, was kein wunder ist. hier wohnen schon seit langem nur engländer und deutsche. die häuser gehören der regierung und wurde für kleines geld an eben jene vermietet, mit der auflage, sie herzurichten und zu erhalten.

Also die Häuser gehören fast alle griechischen Zyprioten, die bei der trükischen Invasion 1974 vertrieben wurden. Die reichen Engländer und Deutschen, die hier wohnen, sind „Kriegsgewinnler“. Sie haben berechtigte Sorge, dass sie ihre hübschen Häuschen bei einem Friedensvertrag oder gar einer Wiedervereinigung beider Teile Zyperns an die ursprünglichen Besitzer und Bewohner verlieren. – Und ganz in Siedlermanier, zimmern sie sich ein entsprechendes Weltbild zurecht, in dem sie im Recht sind…

das ist auch der grund, warum die kirche gut renoviert und am sonntag geöffnet ist.
karaman ist ein hübsch-pittoreskes, aber durchaus lebendiges dorf. die bewohner nehmen es gelassen hin, daß sie selbst zu dieser frühen zeit im jahr ständig über touristen stolpern, die schnell fotos machen und wieder nach girne zurück fahren.

und es gibt katzen! eine dicker als die andere, alle kasriert/sterilisiert und zum zeichen dafür mit einer kerbe im ohr versehen.
sie kriegen einmal am tag trockenfutter auf den kirchplatz gestreut, an dem sich auch die hunde des dorfes gütlich tun.

am nachmittag sieht michel, wie eine anwohnerin ihre auffahrt mit dem auto verläßt und vergessen hat, die kofferraumklappe zu schließen. er rennt natürlich hinter ihr her und gibt ihr bescheid.
wir strolchen anschließend durchs dorf und landen in einem netten kleinen pub, wo es guinness aus dosen gibt. außerdem etliche leute, mit denen wir plaudern. emma, deren kleiner sohn auf zwei stühlen seelig schläft, ihr türkischer mann emre, der in deutschland unbedingt stuttgart besuchen will, wegen mercedes benz und porsche und auch wolfsburg wegen volkswagen.
emma empfehlen wir goslar und die gassen von stuttgart, während sich ihr mann autos anschaut. wir essen gut und werden am frühen abend mit den besten wünschen für eine gelungene wandertour verabschiedet.
abends klopft es am bullifenster. die junge frau mit der kofferraumklappe ist nach hause gekommen und will wissen, ob es uns gut geht und ob wir noch irgendwas für die nacht brauchen. warme decken oder so und wenn sie uns helfen kann: sie wohne oben in dem haus und wir sollen ruhig klingeln. aber wir sind rundum glücklich.
wir wollen einen film schauen und haben tatsächlich zwei kirchenhofkatzen mit im bett. sie steckten ganz neugierig ihre nasen bei uns rein und legen sich schnurrend zu uns.
ich schlafe die halbe nacht nicht, weil eine der beiden tatsächlich zwischen michel und mir über nacht liegen bleibt und nicht aufhört, geschmust werden zu wollen.
das beifahrerfenster ist sicherheitshalber offen, aber gnädigste verschwindet erst am morgen als auch ich aufstehe.

madame fluffi wartet auf das ihr noch herzurichtende bett

st. hillarion

der rundweg ist im rother wanderführer wegen seiner länge und dem sehr steilen abstieg als schwere tour gekennzeichnet. es geht alles gut, wir haben perfektes wanderwetter. trocken und nicht zu warm. ich bin froh über meine richtig guten wanderstiefel und stöcke. auf dem rückweg können wir aus weiter ferne schon bulli vor der kirche auf uns warten sehen.

zurück in karaman frage ich die anwohnerin, ob wir bei ihr duschen dürfen.
ganz ehrlich: die letzte dusche hatten wir in amman zum jahreswechsel. seit dem gab es nur mehr oder weniger gründliche katzenwäschen im bulli. es macht mir nichts aus, mal vier wochen keine haare waschen zu können. sie werden irgendwann nicht mehr dreckiger und fühlen sich einfach nur fester an. aber ab einem bestimmten punkt wäre es dann doch mal ganz schön.
uns öffnen sich sofort alle türen, incl. der schranktüren mit den handtüchern.
es stellt sich bei einem anschließenden tee heraus, daß unsere gastgeberin aus marokko kommt, in girne studiert und die hüterin des hauses und der im haus lebenden katzen ist. die besitzer sind grade in kanada auf heimaturlaub.
und wenn die zurück kommen, zieht unsere gastgeberin wieder aus und hat schon den nächsten auftrag in einem deutschen haushalt, wo sie gegen freies wohnen das haus hütet.
die heiße dusche ist eine wohltat, leider verbrüht sich michel hand und hals, weil ich mit der mischbatterie nicht zurecht komme, sich der schlauch gelöst hat, durch die dusche spritzt und das wasser kochend heiß ist. aber wir bekommen eine tolle salbe mit auf den weg, die michels haut gut tut.
in der zweiten nacht kommen leider keine katzen, um bei uns zu schlafen.