mittwoch 14. Jan. – freitag 16.Jan.
es sind einigermaßen entspannte tage, die wir verleben.
bulli steht an der autowerkstatt. das rechte vordere radlager muß noch erneuert und die ölwanne untermontiert werden. das dauert erstaunlich lange. wir sind über einen tag heimatlos und verbringen die zeit im h4c. zum schlafen steht bulli aber vor der werkstatt, wir können darin schlafen. am nächsten mittag ist auch die ölwanne wieder an ort und stelle und wir können uns nach girne aufmachen.
ja, die reparatur hat etwas länger gedauert, aber wir haben das gefühl, die werkstatt war wirklich gründlich. so hat die ölwanne noch den vormittag gebraucht, weil die unterschiedlichen schraubenlöcher auf gleiche stärke aufgebohrt wurden und jetzt neue, gleiche schrauben die wanne halten.
die fahrt nach girne geht schnell. wir bummeln durch die stadt. leider heißt unser cornischer pub von 2018 jetzt cosy’s, ist irgendwas anderes und zudem geschlossen. die als irischer pub annoncierte bar ist mehr als fragwürdig, aber das lokal daneben hat ebenfalls guinness, wenn auch in dosen.
in der stadt wird gebaut, als gäbe es einen preis für die meisten baustellen zu gewinnen.
der verkehr ist irrwitzig. das war er damals schon und die autos sind nicht weniger geworden. trotzdem haben wir einen guten stellplatz für die nacht zwischen modernem amphi-theater und dem castle of girne. naja, eigentlich ist es eine baustellenbrache, das ist uns aber egal, denn hier stehen auch etliche andere autos. das ohne park-gebühr und auch etwas außerhalb des ganzen trubels.
nachdem wir in einem off licence-laden, die es an jeder straßenecke gibt, noch zwei flaschen bier gekauft haben, sitzen wir damit am hafen und gucken touristen.
dieser laden ist wirklich eine sensation. wir waren so irritiert, daß wir vergessen haben, fotos zu machen. die werden aber nachgereicht.
man kann dort alkohol im duty free kaufen. am meisten hochprozentiges in liter- oder größeren flaschen. 5-l-buddeln chivas regal stehen da kistenweise. richtig guten single malt gibt es allerdings nicht. nur amerikanischen bourbon und sonstige verschnitte.
die gin- und rum-abteilungen sind nur geringfügig kleiner. zwischen den regalen drängt sich die meist türkische kundschaft, es geht zu wie bei c&a im ausverkauf. an der kasse werden die flaschen mit den leeren kartons eingewickelt, dort sind bestimmt fünf leute beschäftigt.
unfassbar!!!
wir fahren nach einer ruhigen nacht weiter und schlafen in den bergen auf einem picknick-platz direkt an der klippe, von wo aus ein schöner rundweg durch die berge führt. ein karpaz-esel lungert herum und läßt sich sogar streicheln.
aber wieder liegt überall der müll und wurde besonders die klippen hinuntergeworfen. es ist so unverständlich und ebenso erschreckend, wie wenig die besucher sinn für die schönheit dieser gegend haben und das es vielleicht sinnvoll sein könnte, seinen müll in den container an der straße zu werfen, um diese schönheit zu erhalten. oder stört sie der ganze müll nicht? wir verstehen es immer weniger.
am nächsten tag machen wir eine schöne rundwanderung an einem alten armenischen kloster vorbei.
auch das kennen wir noch von dem letzten besuch und es sieht immer noch aus, als hätten die mönche eben erst ihre klausen verlassen.
die blicke ins tal zum meer hinunter sind phantastisch.







und dann geht es auch noch eine zinne hoch, zu der ich zum ersten mal nach jahren wieder ein bisschen klettern muß. es ist herrlich und die knie spielen prima mit.



nachmittags fahren wir zurück nach nicosia zum parkplatz am ledra-palace.
am abend gibt es eine kundgebung von ‚United for Palestine‚. diese organisation hilft uns, eine slideshow zu organsieren, in der wir über die drei monate in hebron berichten und über die möglichkeiten sprechen, selber nach palästina zu fahren und sich zu engagieren.
anschließend besuchen wir das ‚yalla‘ im griechischen teil der stadt, wo die premiere statt finden soll. das dortige craft-bier ist erwähnenswert: ‚crossline‘ heißt es ist zypriotisch und ausgesprochen lecker.
es wird ein netter abend.
nach dipkarpaz/rinokarpazo
dienstag, 20.1.26
michel hat schöne stellplätze am meer herausgesucht und auch wanderungen erdacht.
wir freuen uns auf ein paar tage ohne menschen, denn hier oben ist meist nichts los, zu mal wir keine touristensaison haben und sich ohnehin nur wenige auf den weg dorthin machen.
höchstens, daß sie sich das andreaskloster anschauen und nach den karpaz-eseln ausschau halten. dann fahren sie aber meist wieder zurück.
aber das wetter wird hier oben richtig schlecht. es ist sehr kalt, den wind kann man getrost als sturm bezeichnen und es regnet immer wieder.
okay. aus deutschland hören und lesen wir von schnee, eiseskälte und glatteis. von schulausfällen, geschlossenen flughäfen und eingestelltem öffentlichem nahverkehr. wir beschweren uns nicht, aber wandern? och, nööö…..
so stehen wir an einer klippe, etwas unter uns das tosende meer und lassen den wind um bulli wehen, während wir uns lesend und strickend in die decken einmummeln.
es ist schön, in der wildnis zu stehen und und nicht auf einem parkplatz. wir können wieder auf vorhänge und sichtschutz verzichten. nachts gibt es einen kurzen blick auf die milchstraße und morgens auf einen tollen sonnenaufgang. aber um draußen zu sitzen ist es zu kalt.






die beiden fische auf dem letzten bild wurden wohl mit einer großen woge vor nicht allzu langer zeit an den stand gespült, während sie an den klippen nach futter knabberten. und es gab keine weitere welle, die sie wieder zurück ins meer brachte.
nachts fängt es so dermaßen an zu winden, daß wir uns sorgen machen. wir stehen aber auch wirklich sehr prominent…..
also machen wir den bulli flüchtig fahrtauglich und fahren weiter richtung dipkarpaz/rinokarpazo. an einer feldauffahrt finden wir einen wesentlich ruhigeren platz.
und es gibt einen weiteren faulen tag.
der regen läßt nur kurzfristig und der wind nur geringfügig nach.
wir haben auch kein internet. so bleibt es wieder bei lesen und stricken. ich habe eine wolle gekauft, die so dünn und glatt ist und sich so schlecht strickt, daß ich fast zuviel kriege. an socken daraus bin ich schon gescheitert. allerdings war sie sündhaft teuer und deshalb mag ich sie nicht wegwerfen. und sie ist auch so wunderbar flauschig und ich finde die farben so toll. also mache ich stulpen für handgelenke daraus und kriege diese auch fast fertig.

so gibt es jetzt gelegenheit mal wieder ein bischen von bulli-leben zu erzählen.
viel haben wir nach der letzten großen reise nicht geändert.
die wichtigen dinge haben ihren selben platz wie damals.
und wie immer haben die verschiedenen stauräume ihre eigenen namen. das erleichtert die kommunikation zwischen michel und mir.
‚die nase‘ (wahlweise links oben/unten oder rechts oben/unten) ist im hochdach die ausstülpung über der windschutzscheibe:dort sind links technische kleingeräte, kaffee,tee, spüli und spiritus untergebracht. rechts ist das waschzeug, aber auch sonstiger haushaltskram und die keks- und nudelvorräte.
im ‚dimensionsloch‘, das so heißt, weil es von außen nach nichts aussieht, aber innen unfassbar viel platz hat, lagern die wanderstiefel und grad nicht gebrauchten schuhe,sowie meine stricksachen. es ist gleich neben dem kühlkasten an der seite.
über dem bett ist die ‚bibliothek‘, dort sind unsere bücher untergebracht.
dann die ‚adventsklappe‘. die heißt so, weil sie wie ein tor aufgeht, entsprechend dem weihnachtslied ‚mach hoch die tür, die tor mach weit..‘ . dahinter sind meine medivorräte (die brauchte ich bei der letzten reise in diesem umfang noch nicht) und auch auch weiterer spiritus für den herd, sowie kleinkram, der eher selten gebraucht wird.
die ultimative neuerung ist allerdings die unschlagbare ‚badewanne‘. michel hatte das glück, vor der reise eine große metallkiste zu erstehen, die der vorbesitzer nicht mehr brauchte. er hatte sie für einen baugleichen bulli und dessen anhängekupplung selbst gebaut und war damit viel gereist.
er hat uns damit sehr glücklich gemacht. nicht nur, daß sie anstandslos auf unsere kupplung passt, sie passt auch so unter das paulchen mit den fahrrädern, daß wir sie öffnen können, ohne die räder entfernen zu müssen. man kann sie hervorziehen, so daß man auch noch die heckklappe öffnen kann. das war damals mit dem schrank nicht möglich.
die kiste heißt badewanne, weil sie so groß und zudem wasserdicht ist, daß wir darin baden könnten. darin befinden sich dinge, die wir nur selten brauchen. weitere vorräte, zelt und sonstiger campingkram, der am ende der reise noch wichtig wird, notfallwasser und – ganz wichtig – eine tüte katzentrockenutter für streunende, hungrige katzen.

freitag, 23.1.26
jetzt aber wirklich auf nach dipkarpaz/rinokarpaso, dem türkisch-griechischen dorf, aus dem die griechen bei der türkischen invasion nicht gegangen sind.
wie damals haben wir das gefühl, daß die griechischen einwohner wieder weniger geworden sind. selbst im kafenaio sitzen gefühlt nur türken und ein paar touristen, die aber auch fast alle türkisch sprechen.
dafür gibt es internet, wir schauen schnell in unsere mails und nehmen einen lunch.
viel gibt es nicht und wir erwarten auch keine gourmet-küche. es soll für michel hamburger und für mich fish’n‘ chips geben.
solche mahlzeiten im quasi nirgendwo sind immer spannend. was hier wohl unter hamburger verstanden wird?????
michel bekommt pommes mit zwei scheiben fleisch und ich ebenfalls pommes und einen ganzen leicht panierten fisch mit kopf und allem. dazu gibt es brot, das der wirt noch aus dem laden gegenüber holt, wie auch den zivania, den ich anschließend trinken möchte, und eingelegte stücke von staudensellerie. hamburger als bausatz und fish’n’chips mal ganz anders. es schmeckt und wir werden satt.
und dann treffen wir schubat.
geschrieben „subat“. das ’s‘ hat unten eigentlich ein häkchen, damit man es ’sch‘ spricht, aber das finde ich auf meiner tastatur nicht. also muß ich mir anders helfen.
schubat trampt durch die welt und verdient sein geld dafür über verschiedene sozial-media-kanäle. er macht kleine filme über die menschen die er trifft und wir sehen ihn, wie er den einen oder anderen gast interviewt. vor der tür kommen wir ins gespräch und laden ihn ein, mit uns weiter auf die halbinsel zu kommen auf einen gemeinsamen abend. da er die gelegenheiten so nimmt, wie sie kommen, sagt er zu.
ich habe seinen kanal leider noch nicht gefunden.
am andreaskloster machen wir halt.
die esel kommen zum betteln. der wachposten auf dem klosterdach von 2018 ist mittlerweile verschwunden. wahrscheinlich haben die türken gemerkt, daß sowas schlechte reputation gibt.
es sind tatsächlich einige der souvenir-stände geöffnet.
im kloster zünden wir kerzen an und strolchen um das gebäude herum. es wird grade an allen ecken und enden renoviert.
unter anderem auch unten an der heiligen quelle, die aber trotzdem zugänglich ist.
heiliges wasser aus einem brunnen oder schnöde aus einem schlauch…wo ist der unterschied?





wir finden einen schönen stellplatz am noch mehr tosenden meer, aber ohne viel wind.
schubat will tatsächlich im zelt schlafen, freut sich aber über eine warme mahlzeit.
immer mal wieder regnet es und das nicht zu knapp und ich bin später wieder mal unfassbar glücklich, daß es bulli gibt.


die gespräche kullern durch die themen hin und her.
über politische einschätzungen, reiseerfahrungen, warum es wichtig ist, ‚guten tag‘ und ‚danke‘ in möglichst verschiedenen sprachen zu können.
ich merke mal wieder, daß ich zu einer anderen generation gehöre.
wenn ich als langzeitreisende ohne geld-polster pleite wäre, würde ich eher in einer kneipe oder einem laden für eine weile um anstellung bitten und nicht auf die idee kommen, filme auf insta oder so einzustellen und durch die werbung geld zu generieren (so wie es, wie ich verstanden habe, funktioniert). das kommt mir so substanzlos vor.
samstag, 24.1. 26
die nacht wird nass und windig.
aber schubats zelt steht auch morgens noch und als es gegen 8.00uhr frühstück gibt, ist er guter laune und hat nur einen leicht feuchten schlafsack. aber natürlich ein klatsch nasses zelt.
trotz des miesen wetters lassen wir es uns nicht nehmen, einmal wenigstens zum kap zu fahren.
die straße dahin ist matschwüste mit großen pfützen, aber bulli und michel manövrieren in schlangenlinien ganz prima hindurch.
am ende der straße ist natürlich niemand.
der wachposten ist nicht besetzt, selbst die fahnen, die sonst immer wehen, wurden nicht gehißt.
sicht? kaum. und der wind peitscht uns um die ohren. aber das ist uns egal. wir sind am äußersten nord-östlichen ende der insel und das finden wir alle drei toll.
michel und ich werden bei besserem wetter wiederkommen und dann auch wanderungen machen.

an der nordküste entlang fahren wir zurück nach girne. schubat möchte dort follower treffen und wir wollen schauen, ob das wetter besser ist. wenn nicht, fahren wir weiter nach nicosia.
auf dem weg zurück entdecken wir auch das griechische restaurant, wo ich 2018 mit dem besitzer musik machte. es ist geschlossen und zwar schon ziemlich lange. wie schade. offensichtlich haben sich ihre vorhaben, einen veranstalungsort zu schaffen, nicht rentiert.
das wetter ist in girne nicht besser.
nach einem herzlichen abschied von schubat geht es über die berge zurück nach nicosia. hier regnet es wenigstens nicht mehr und der wind ist weniger geworden.
der parkplatz steht über weitere strecken unter wasser, aber wir finden ein trockenes plätzchen ein stück weiter am zaun zur buffer zone.
