(Frei nach Helge Schneider)
fr.-so. 12.-14. 9.25
hilfe, ist das heiß! bulli steht in tasucu an der straße am hafen, dort weht nur ein lüftchen, wenn ein laster von der oder zur fähre fährt.
mit dem fahrrad in den ort zum fährbüro bringt der fahrtwind auch etwas abkühlung. wir bekommen tickets für die fähre samstag nacht und sollen morgen wieder kommen.
damit haben wir zwei tage strandurlaub. es gibt internet und kaltes efes an der strandbar des zeus-hotels. wir können uns dort verlustieren und bekommen die strandliegen und den schirm dazu geschenkt. dafür kaufen wir noch mehr efes vor allem aber gibt es MITTELMEER!
es ist warm wie eine badewanne. ist das normal? oder ist das schon klimaerwärmung? ich mache mir ernsthaft sorgen. das kann doch nicht gesund sein.
aber ich bin dankbar, das mein wunsch, zwei tage pause am meer zu machen, in erfüllung geht.
für die zweite nacht verholen wir bulli auf ein baustellenlager und haben es am nächsten tag nur 200 meter zum strand.
wir schlafen unter palmen und bestaunen abends die große anzahl an fledermäusen, die über uns hinwegschießen.

beobachten auch eine ameisenstraße und fragen uns, warum sie nachts nicht arbeiten, wenn sie sich nicht mit den augen orientieren, sondern mittles geruch und tastsinn. tageslicht brauchen sie demnach ja nicht….
der zweite tag am strand ist genau so entspannend. lesen, dösen, zwischendrin der versuch einer abkühlung im meer.


aber ich bin unruhig. ich kann mein handy nicht finden und befürchte, ich ließ es beim fährbüro, oder gestern am strand oder vielleicht auch bei der post , bei der wir noch waren, verloren. nun, es war kein lebensnotweniges smartphone, aber ein paar wichtige telephonnummern waren darin doch gespeichert.
dafür gibt es für mich eine dusche. nach einer woche genieße ich fließendes kühles wasser von oben mit seife in den haaren. am strand kann man sich für umgerechnet einen knappen euro schrubben so lange man will.
abends fahren wir mit bulli wieder zum fährbüro, dort kriegen wir unsere tickets und dann ab zum hafen. mein handy wurde nicht gefunden…
ich erkenne den hafen nicht wieder. vor sieben jahren sind wir von hier aus ebenfalls nach zypern geschippert. nur an die ewige wartezeit erinnere ich mich. gegen 21.00h sind wir vor ort, nach diversen pass-, ticket-, und autopapier-kontrollen, ewigem schlange stehen nach mehrmaligem hin- und herlaufens, bis die richtigen schalter in der richtigen reihenfolge besucht worden sind, stehen wir noch mal deutlich über zwei stunden vor der fähre und warten aufs boarding.
in der not fange ich deine socken zu stricken an, voti.
oh, da ist ja auch mein handy. und wieso lag es bei der strickwolle???????
endlich gehts los.

Blick aus dem Bull im Fahrstuhl von Deck zu Deck auf der Fähre.

Bulli steht auf dem Oberdeck unter freiem Himmel, so dass wir über Nacht in unserem Auto schlafen und morgens auch Frühstückskaffee kochen können.
ich gäbe was drum, wenn ich wüßte nach welchem system die fährleute hier mal ein paar laster, dann wieder pkw von hinten in der schlange, dann wieder ein paar aus unserer ‚nachbarschaft‘, noch drei laster und dann wieder lange nichts an bord lassen.
an bord weiß ich wieder wo ich bin. die fähre kenne ich von 2017. aber diesmal hat uns keiner einen tee nach draußen gebracht (was ich schade finde) und das sofa direkt vor dem fernseher frei gehalten (was zu verschmerzen ist, denn dort konnte ich schon damals ob des kraches nicht schlafen). statt dessen gibt es jetzt sitze wie im flugzeug.
wir schlafen im bulli kurz aber gut.
morgens setze ich mich mit meinem strickzeug aufs außendeck und genieße einen kurzen, schönen sonnenaufgang über dem meer. ich bin zu faul wieder zum bulli zu gehen und die kamera zu holen. dafür setzt sich eine türkin zu mir und wir fachsimpeln übers stricken. keine spricht die sprache der anderen und doch funktioniert es.
die bilder hat michel etwas später gemacht:


Anfahrt und Ankunft Girne/Kyrenia (Nordzypern).
Auch hier wurde einiges neu gebaut. Der Bauboom ist aber zum Glück nicht so krass ausgefallen, wie an der türkischen Festlandküste zwischen Mersin und Tasucu. Dass diese Immobilienblase noch nicht geplatzt ist, kann eigentlich nur an der galoppierenden Inflation und/oder staatlicher Marktverzerrung liegen.
und beim runterfahren von der fähre knallt der keilriemen ein weiteres mal durch.
yeahh, diesmal bin ich nicht die fahrerin!!!
das problem muß allerdings warten, denn wir müssen noch mal durch das ganze grenzprocedere.
passkontrolle, autoversicherung für zypern kaufen, wofür es zwei formulare braucht. zum extraschalter mit extraschlange, wo kontrolliert wird, ob wir alle papiere haben. dann bulli holen und zum zoll, der in ihn kurz reinschaut, die heckkiste aufgemacht haben will, aber als michel sagt, darin seien schlafsäcke, war das für ihn ok.
Ich glaube ja, dass der Zöllner vor allem zeigen wollte dass er uns kontrollieren und überall reingucken kann. Als er dann begriff, dass ich zum öffnen der Kiste erst umständlich die Fahrräder und Campingmöbel abmontieren muss, war ihm dass dann doch zu anstrengend. Es ging ihm ja nicht wirklich um Kontrolle, sondern um die Demonstration von Macht.
kann mal wer ein buch über grenzkontrollen und deren idiotie schreiben, bitte!!!! das schlägt jeden commedian auf der bühne.
gleich gehts weiter nach nicosia. unterwegs noch schnell den keilriemen gewechselt, diesmal deutlich(!) unter 30 min.
und jetzt stehen wir mit dem kleinen wieder am ledra palace auf der türkischen seite, fast unter dem selben baum wie 2017. es hat sich NICHTS geändert.

die toiletten sind noch da, das h4c (house for cooperation), das hoi polloi, die queere kneipe, unser hamam, wo ich hoffe auch als frau wieder von ramazan geschrubbt zu werden, sogar s. an der touri-info beim übergang ledra-street in der stadt ist noch da, sie erinnert sich dunkel an uns.
auf unserem parkplatz steht ein 2. womo mit deutschem kennzeichen. darin wohnt d., türke aus deutschland, er arbeitet grade auf zypern. wir kommen mit ihm und seinem freund b., der türkischer soldat auf zypern ist, sofort ins klönen und ich denke, das wird eine nette nachbarschaft.
wir essen auswärts in einem imbiss, der 2017 zu unseren favoriten gehörte. aber er ist teuer geworden, sein kebab reicht grade eben zum satt werden und beim bezahlen wird versucht, michel gehörig übers ohr zu hauen, trotz vorher besprochenem preis. aber das gelingt nur bedingt (michel kann schließlich rechnen!) und wir werden dort zum letzten mal gewesen sein.
die nacht beschließen wir mit d. und bier und gesprächen über dies jenes und noch etwas.
Wir stehen direkt außerhalb der venzianischen Altstadtmauer, und direkt an der grünen Linie, der UN-Zone, die seit 1964 (also seit 61 Jahren) Nord- und Sydzypern trennt. Die Bäume sind übrigens zum größten Teil Eukalyptus. Was praktisch ist. Man zerreibt einige Eukalyptusblätter auf der Haut und die Mücken und Fliegen bleiben weg. Und im Bulli steht ein Becher mit zerriebenen Eukalyptusblättern zur „Territorialverteidigung“ 😉
